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Simon Birrer

Schweizerische Vogelwarte Sempach

Schweizerische Vogelwarte
Leiter der Abteilung "Förderung
der Vogelwelt"
CH - 6204 Sempach

Tel. +41 462 97 38 (Mo, Mi-Fr)

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Artikel

Autor(en): Pierre Mollet, Simon Birrer, Beat Naef-Daenzer, Luzia Naef-Daenzer, Reto Spaar, Niklaus Zbinden (Schweizerische Vogelwarte Sempach)
Redaktion: WSL, Schweiz
Kommentare: Artikel hat 0 Kommentare
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Situation der Vogelwelt im Schweizer Wald

Dank der langen Tradition des naturnahen Waldbaus geht es den meisten einheimischen Waldvögeln gut. Alle sechs gefährdeten Waldvogelarten gelten als Lebensraum-Spezialisten. Um das Überleben dieser Vögel zu sichern, braucht es spezifische Artenförderungsmassnahmen.

Der Buchfink ist die häufigste Vogelart der Schweiz und kommt in allen Wäldern vor.
Abb. 1 - Der Buchfink ist die häufigste Vogelart der Schweiz. Er ist ein Generalist und kommt in allen Waldtypen vor.
Foto: Sergio Tirro
 
Föhrenwald
Abb. 2 - Alle gefährdeten Waldvögel der Schweiz sind Lebensraumspezialisten. Beispielsweise ist der Ziegenmelker ist auf lückige Wälder angewiesen, wie die Föhrenwälder an den südexponierten Hängen des Walliser Rhonetals.
Foto: Pierre Mollet

Der Wald bedeckt etwa 30 % der Fläche der Schweiz und ist als Lebensraum für Vögel von grosser Bedeutung. Ungefähr die Hälfte der regelmässig brütenden Vogelarten kommt im Wald vor, und rund 60 Arten sind sogar zwingend auf den Wald als Lebensraum angewiesen.

Einige davon sind ausgesprochene Generalisten, die in allen Wäldern leben können, von den Laubwäldern der Hügelstufe bis zu den Lärchen-Arvenwäldern an der oberen Waldgrenze. Daneben gibt es aber auch spezialisierte Arten, die entweder nur in Laubwäldern oder nur in Nadelwäldern vorkommen. Die Schweiz trägt für mehrere Vogelarten des Waldes eine besondere Verantwortung auf internationaler Ebene.

Nur wenige Waldvogelarten gefährdet

Von den Vogelarten des Waldes sind sechs auf der Roten Liste der gefährdeten Arten aufgeführt, und sechs weitere gelten als "potenziell gefährdet". Die Situation hinsichtlich Gefährdung ist damit bei den Waldvogelarten deutlich besser als bei den Arten der Feuchtgebiete oder denjenigen des Kulturlandes. Das ist eine direkte Folge der Landschaftsentwicklung in der Schweiz in den letzten rund 150 Jahren.

Die Feuchtgebiete wurden fast alle trockengelegt und damit zerstört. Im Kulturland sind durch die Intensivierung der landwirtschaftlichen Nutzung die Lebensräume der Vögel ebenfalls verschwunden oder haben massiv an Qualität eingebüsst. Hingegen hat man, nicht zuletzt mit den Vorschriften der Forstpolizeigesetze von 1876 und 1902, eine Zunahme der bewaldeten Fläche erreicht. Im Berggebiet allerdings hat die Waldfläche auch deswegen zugenommen, weil vormals landwirtschaftlich genutzte Flächen nicht mehr bewirtschaftet und mit der Zeit zu Wald wurden.

Lebensraumspezialisten unter Druck

Alle sechs gefährdeten Arten im Wald sind Lebensraum-Spezialisten:

Der Sperber horstet gerne in dunkeln Stangenhölzern
Abb. 3 - Dichte und dunkle Stangenhölzer sind zwar im allgemeinen nicht besonders artenreich, aber für einige Arten trotzdem wichtig. Der Sperber horstet gerne in solchen Beständen, weil er dort ausreichend Deckung findet.
Foto: Zdenek Tunka
 

Ausser Grau- und Mittelspecht sind alle gefährdeten Arten auf offene, locker aufgebaute oder sogar lückige Wälder angewiesen. Ihr Arealverlust und Bestandsrückgang spiegeln die Entwicklung der Wälder in der Schweiz im zwanzigsten Jahrhundert wider: von abwechslungsreichen, lockeren, offenen Wäldern hin zu vorratsreichen, geschlossenen, dichten und dunklen Beständen.

Aber nicht nur der Aufbau des Waldes, sondern auch die Artenzusammensetzung in der Baumschicht ist für die Vögel im Wald wichtig. Forschungsarbeiten u.a. der Schweizerischen Vogelwarte haben gezeigt, dass Meisen grössere Reviere benötigen, je kleiner das Nahrungsangebot in einem Wald ist. Gleichzeitig hängt das Nahrungsangebot aber stark von den Baumarten ab, die in einem Wald dominieren. Waldeigentümer und Förster können mit ihren waldbaulichen Entscheiden die Artenzusammensetzung in der Baumschicht langfristig steuern und so die zukünftige Vogelwelt in den Wäldern positiv oder auch negativ beeinflussen.

Naturnaher Waldbau und Artenförderungsmassnahmen

Spechtbäume stehen lassen
Abb. 4 - Beim Anzeichnen hat der Förster die Spechthöhle in diesem Baum bemerkt und den Baum mit einem "S" markiert, damit ihn die Waldarbeiter bei den Holzerarbeiten nicht fällen.
Foto: Pierre Mollet

Für die Zukunft der Vögel im Schweizer Wald ist es von entscheidender Bedeutung, dass im Wirtschaftswald die lange Tradition des naturnahen Waldbaus weitergeführt wird, und zwar auf der ganzen Fläche. Daneben braucht es aber auf geeigneten Flächen auch Artenförderungsmassnahmen zugunsten jener Spezialisten, die auf lichte, lockere Wälder angewiesen sind, oder zugunsten von Arten wie dem Mittelspecht, der nur in eichenreichen Wäldern leben kann. Nur wenn man dies alles beachtet, wird es möglich sein, dass die grundsätzlich erfreuliche Situation der Vogelwelt im Wald gut bleibt und gleichzeitig die bestehenden Defizite behoben werden.

Dazu beitragen können aber nicht nur Waldeigentümer und Förster. Auch jede Konsumentin, jeder Architekt, Politiker und jede Bauherrin kann seinen bzw. ihren Beitrag leisten. Durch den Gebrauch oder Kauf von Holz aus naturnaher Produktion und Verarbeitung unterstützen sie jene Betriebe und Waldeigentümer, die ihre Verantwortung für den Lebensraum der Tiere und Pflanzen des Waldes wahrnehmen.

Avifauna Report Sempach 5d

Die Situation der Vogelwelt im Schweizer Wald ist im "Avifauna Report Sempach 5d" ausführlich beschrieben und durchgehend farbig illustriert:

Avifauna Report Sempach 5d "Situation der Vogelwelt im Schweizer Wald" (PDF)

Eine gedruckte Version des Avifauna Reports können Sie bei der Vogelwarte Sempach zum Preis von CHF 25.-- bestellen.

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