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Originalartikel: Bußler, H. (2009): Reliktarten in bayerischen Naturwaldreservaten. LWF Wissen 61, S. 35 – 37.
Autor(en): Redaktion waldwissen.net – LWF
Online-Version: Stand: 22.05.2015
Redaktion: LWF, D

Alpenbock, Eremit und Co. – Zeugen unserer Waldgeschichte

Alpenbock
Abb. 1: Flaggschiff der bayerischen Käferfauna ist der Alpenbock (Rosalia alpina). Stabile Vorkommen beherbergen die Naturwaldreservate Friedergries und Kienberg (Foto: H. Bußler).
 
Eremit
Abb. 2: Der Eremit (Osmoderma eremita) ist ein sehr seltener Mulmhöhlenbewohner (Foto: H. Bußler).

In Deutschland gibt es circa 1.400 xylobionte Käferarten. Davon zählen 115 Arten zu den "Urwaldreliktarten". Sie kommen nur (noch) reliktär in Mitteleuropa vor. Ihnen ist gemeinsam, dass sie eng an Strukturkontinuität bzw. Habitattradition der Waldbestände sowie an die Kontinuität der Alters- und Zerfallsphase gebunden sind und hohe Ansprüche an Totholzqualitäten und –mengen stellen. In den kultivierten Wäldern Mitteleuropas sind diese Arten akut vom Aussterben bedroht oder bereits verschwunden.

"Urwaldreliktarten" in Bayern

Von den 115 deutschen Urwaldreliktarten sind 86 Arten historisch und rezent für Bayern belegt. Von 20 Arten existieren nur Nachweise vor 1950. Diese gelten als ausgestorben oder verschollen. Damit bleiben 66 aktuell in Bayern nachgewiesene Arten übrig. In den bayerischen Naturwaldreservaten wurden 22 Reliktarten, also ein Drittel, gefunden. An der Spitze steht dabei das Naturwaldreservat "Eichhall" im Heisterblock des Spessarts mit acht Arten (vgl. Tabelle).

Reservate mit mehreren Reliktarten sind gekennzeichnet durch eine ungebrochene Habitattradition aufgrund ihrer besonderen Nutzungsgeschichte:

Die Letzten ihrer Zunft?

Der Anteil der Naturwaldreservate beträgt nur 0,27 Prozent der Waldfläche. Dennoch beherbergen sie ein Drittel des Gesamtbestandes der in Bayern nachgewiesenen "Urwaldreliktarten" xylobionter Käfer. So ist

Diese Reliktarten sind aber nur eine Facette des besonderen Wertes der Naturwaldreservate. Mit ihnen ist eine Vielzahl weiterer gefährdeter Organismen assoziiert. Für die Verpflichtung die biologische Vielfalt des Waldes zu erhalten und gegebenenfalls zu erhöhen, die im Waldgesetz für Bayern verankert ist, ist ein Netz von Naturwaldreservaten essentieller Bestandteil. 

Tabelle 1: Liste der Urwaldreliktarten in bayerischen Naturwaldreservaten
Naturwaldreservat
Aktuell nachgewiesene Urwaldreliktarten (nach 1990)
Fasanerie - München Corticeus fasciatus F., Euryusa coarctata Märk., Abraeus parvulus Aubé, Osmoderma eremita (Scop.), Xylita livida (Sahlb.)
Eichhall - Rohrbrunn
Corticeus fasciatus F., Trox perrisii Fairm., Osmoderma eremita (Scop.), Ceruchus chrysomelinus (Hochenw.), Elater ferrugineus L., Crepidophorus mutilatus (Rosh.), Megapenthes lugens (Redt.), Gasterocercus depressirostris (F.)
Waldhaus - Ebrach
Osmoderma eremita (Scop.), Mycetochara flavipes (F.), Allecula rhenana Bach
Wetterstein - Mittenwald
Ampedus auripes (Rtt.), Cryptolestes abietis (Wank.), Xestobium austriacum Rtt., Corticaria lateritia Mannh., Bius thoracicus (F.), Xylita livida (Sahlb.)
Jacklberg - Garmisch
Ampedus auripes (Rtt.)
Friedergries - Garmisch
Rosalia alpina (L.)
Kienberg - Berchtesgaden
Rosalia alpina (L.)
Donauhänge - Kelheim
Gasterocercus depressirostris (F.)
Platte - Kelheim
Corticaria lateritia Mannh
Dürrenberg - Bodenwöhr
Ipidia binotata Rtt.
Mooser Schütt - Neuburg an der Donau
Neatus picipes (Hbst.)
Schwarzwihrberg - Neunburg vorm Wald
Hadreule elongatulum (Gyll.)

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