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Forstliche Versuchs- und Forschungsanstalt Freiburg
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Artikel

Autor(en): Christoph Schirmer
Redaktion: FVA, Deutschland
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Wacholderheiden - Enstehung, Erhalt und Pflege

Die Gattung Juniperus umfasst etwa 60 Arten, die über die gesamte Nordhalbkugel der Erde verbreitet sind. In Baden-Württemberg ist nur eine Art heimisch - der Gewöhnliche Wacholder (Juniperus communis). Dieser wächst in der Regel als aufrechter, meist vom Grunde an verzweigter Strauch. Das wohlriechende Holz wird gern zum Räuchern verwendet, dient aber auch zur Herstellung von Pfeifenstielen und Spazierstöcken. Die Früchte (Wacholderbeeren) geben aufgrund ihrer ätherischen Öle Destillaten wie Gin ihren charakteristischen Geschmack.

Ökologie und Verbreitung

Wacholderzweig mit Beeren
Abb. 1: Zweig eines Wacholders.
 
Schafe auf Wacholderheide
Abb. 2: Schafweide als ursprüngliche und natürlichste Methode zur Erhaltung von Wacholderheiden. (Fotos FVA)

Als typische Lichtholzart trat der Wacholder ursprünglich vor allem an Felsen bzw. in Felsgebüschen sowie in lichten, trockenen Wäldern auf. Dagegen hat er heute seine hauptsächlichen Vorkommen als Weidezeiger auf Magerrasen. Da der Wacholder von den Weidetieren gemieden wird, konnte er sich in der Vergangenheit auf den von Schafen beweideten Magerrasen stark ausbreiten. Durch die historische Weidenutzung entstand somit eine charakteristische Sonderform der Kulturlandschaft - die Wacholderheide. Diese stellt in Baden-Württemberg vor allem in den Gebieten mit kalkreichen geologischen Formationen (Schwäbische Alb, Gäulandschaften, Taubergebiet) ein Landschaft prägendes Element dar.

Naturschutzbedeutung

Die Wacholderheiden besitzen aufgrund ihrer offenen Struktur eine besondere Bedeutung für den Schutz seltener lichtliebender Tier- und Pflanzenarten. So bieten sie wertvolle Habitate für zahlreiche Schmetterlinge und Insekten sowie für Pflanzen der Roten Liste (z.B. Enziane, Orchideen oder die Küchenschelle).

Gefährdung

Die mangelnde Rentabilität der Beweidung von Magerstandorten führte zur Umwandlung vieler Weideflächen in andere Nutzungsformen (z.B. Siedlungen, Straßen, Mähwiesen und Ackerland). Auf anderen Flächen entstand durch natürliche Sukzession oder Aufforstung wieder Wald; dies bewirkt eine "Ausdunkelung" und damit das Verschwinden des lichtbedürftigen Wacholders sowie der anderen, an die lichten Strukturen der Wacholderheiden angepassten Tier- und Pflanzenarten.

Wacholderheiden im Wald

Im Jahre 1998 schloss die Abteilung Landespflege der FVA im Zuge der Waldbiotopkartierung die Ersterfassung seltener Waldbiotope ab. Hierbei wurden auch die im Waldverband liegenden Wacholderheiden kartiert. Die Auswertung dieses Biotoptyps ergab eine Anzahl von 761 kartierten Wacholderheiden mit einer Gesamtfläche von 2.071 ha. Als Bestandteil der forstlichen Betriebsfläche liegen sie im Verantwortungsbereich der Forstämter.

Erhalt durch Pflege

Nach Einstellung der traditionellen Weidenutzung sind heute zur flächigen Erhaltung des Wacholders bzw. der Wacholderheiden spezielle Pflegemaßnahmen erforderlich, um ein Zuwachsen der Flächen durch Sukzession zu verhindern. Dabei fällt den Forstämtern in Baden-Württemberg eine besondere Rolle zu. Durch die Organisation der erforderlichen Pflege gewährleisten die Forstämter den Erhalt der Wacholderheiden. Hierbei kommt eine breite Palette von Maßnahmen zur Anwendung, die von mechanischer Pflege (Entfernen unerwünschter Sukzession und Mahd) bis zum "Einsatz" von Schafen reicht. Die Wahrnehmung der Pflegeverantwortung zum Schutz der Wacholderheiden stellt somit einen aktiven Beitrag der Forstämter zur Sicherung spezieller hochwertiger Habitate seltener Tier- und Pflanzenarten dar. Gleichzeitig dient sie der Bewahrung einer historischen Landnutzungsform sowie eines charakteristischen Landschaftsbildes.