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Luis G. Sikora

Planungsbüro Naturkonzept
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Artikel

Autor(en): Luis. G. Sikora (Planungsbüro Naturkonzept)
Redaktion: FVA, Deutschland
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Erfassen von Schwarzspecht-Höhlenbäumen im Biosphärengebiet Schwäbische Alb

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Der Schwarzspecht (Dryocopus martius)
 Abb. 1: Der Schwarzspecht.
(Foto: Sikora)

Im Winterhalbjahr 2008/09 wurden im neu eingerichteten Biosphärengebiet Schwäbische Alb Schwarzspecht-Höhlenbäume mittels GPS-Aufnahme erfasst. In 180 km² Wald-Pflegezonen wurden 282 Höhlenbäume gefunden und dauerhaft markiert.

Höhlenbäume und Artenvielfalt

Höhlenbäume sind für die Artenvielfalt in unseren Wäldern von herausragender Bedeutung. Sie bieten einer Vielzahl an Lebewesen Unterschlupf und Nahrung [8, 18]. Die geräumigen Höhlen des Schwarzspechts (Dryocopus martius) spielen eine bedeutende Rolle für die Artenvielfalt im Wald. Eine Reihe von höhlenbewohnenden Großvogelarten wie der Rauhfußkauz (Aegolius funereus), die Hohltaube (Columba oenas) oder die Dohle (Coloeus moedula) sind in den Wäldern selten geworden, weil ihre Lebensstätte "Höhlenbaum" verschwunden ist [8]. Der Schwarzspecht nimmt daher eine wichtige Schlüsselstellung im Ökosystem Wald ein, der Schutz und Erhalt seiner Höhlenbäume ist von hoher naturschutzfachlicher Bedeutung [3, 4, 16, 17, 18, 19].

Fehlfällungen

Obwohl es im alltäglichen Forstbetrieb selbstverständlich ist, dass Höhlenbäume erhalten bleiben, kommt es häufig zu versehentlichen Fällungen. Fehlfällungen und die damit verbundene Rechtsunsicherheit können durch eine dauerhafte Markierung der Höhlenbäume vermieden werden (s. Abb. 2) [3, 9].

Biosphärengebiet Schwäbische Alb

In den Jahren 2004-2006 wurde auf Initiative von PLENUM (Projekt des Landes zur Erhaltung und Entwicklung von Natur und Umwelt) und in Zusammenarbeit mit dem Kreisforstamt Reutlingen, der Interessengemeinschaft Rotkern Neckar-Alb e. V., der Deutschen Wildtier Stiftung sowie lokalen Naturschutzverbänden auf 347 km² Waldfläche im Landkreises Reutlingen 310 Schwarzspecht-Höhlenbäume erfasst und dauerhaft markiert [5].

Mit der Ausweisung des Biosphärengebiets Schwäbische Alb und der Ausweitung von PLENUM auf die Gebietskulisse des Biosphärengebiets setzten die Deutsche Wildtier Stiftung und die IG Rotkern Neckar-Alb die Schwarzspecht-Höhlenbaumerfassung in den Wäldern des Biosphärengebietes im Winterhalbjahr 2008/09 fort. Für die vorliegende Arbeit wurden alle Waldgebiete bearbeitet, die innerhalb der Pflegezone des Biosphärengebiets liegen. Diese Waldflächen umfassen rund 180 km² Wald.

Auf dem ehemaligen Truppenübungsplatz Münsingen erfolgte die Erfassung der Höhlenbäume bereits im Herbst/Winter 2007. Hier wurden Waldgebiete mit einer Fläche von 22 km² bearbeitet.

Daten zum Biosphärengebiet Schwäbische Alb

Das Biosphärengebiet Schwäbische Alb in Baden-Württemberg wurde 2008 ausgewiesen und 2009 durch die UNESCO anerkannt. Es umfasst 852 km2 (85.268 ha) Fläche in den drei Landkreisen Reutlingen, Esslingen und Alb-Donau-Kreis. Das gesamte Gebiet erstreckt sich über Teile von 29 Kommunen und den gemeindefreie Gutsbezirk Münsingen (ehemaliger Truppenübungsplatz). Das Biosphärengebiet umfasst ca. 330 km² Wälder in 33 Revieren, von denen 26 km2 die nutzungsfreie Kernzone bilden und 180 km2 in der Pflegezone liegen. Ziel der Bewirtschaftung in der Pflegezone ist es, die wertvollen Ökosysteme der Kulturlandschaft durch schonende Landnutzung für die Zukunft zu erhalten.

zum Vergrößern anklicken

Karte Biosphärengebiet, zum Vergrößern anklicken.

Die nachfolgende Tab. 1 zeigt die wichtigsten Gebietsdaten und Ergebnisse im Überblick.

Tab. 1: Forstreviere, Waldflächen und Schwarzspecht-Höhlenbäume im Biosphärengebiet Schwäbische Alb.
Landkreis bzw. Gebiet Forstreviere

Anteil Waldfläche in der Pflegezone Waldgebiete bzw. Abteilungen und suchrelevante Waldflächen Anzahl Höhlenbäume Höhlenbäume
/km² Waldfläche
Alb-Donau 7 ~30 km² 51 Gebiete bzw. Abt. 43 1,4
Esslingen 4 ~45 km² 67 Gebiete bzw. Abt. 63 1,4
Reutlingen 20 ~90 km² es wurde nur Teilflächen bearbeitet 135 1,5
ehem. TRÜP 2 ~15 km² ohne Kernzonen 41 2,7
gesamtes Biosphärengebiet

33

~180 km²

nur Waldflächen der Pflegezone

282

1,6

Ein Vergleich der Höhlenbaumdichte im Biosphärengebiet Schwäbische Alb mit anderen großflächigen Untersuchungen über Schwarzspecht-Höhlenbäume ergibt bis auf die Untersuchung von Deutsche Wildtier Stiftung & NP Nossentiner/Schwinzer Heide [4] keine auffälligen Abweichungen. Die Gesamthöhlenbaumdichte des Biosphärengebiets wie auch die Dichte in einzelnen Teilgebieten liegt, wie bei den meisten anderen großflächigen Untersuchungen, zwischen ein bis zwei Höhlenbäume/km² Waldfläch (Tab. 2).

Tab. 2: Schwarzspecht-Höhlenbaumdichte in verschiedenen Gebieten Deutschlands.
Gebiet Untersuchungsfläche (km²) Höhlenbäume/km² Bearbeiter/Quelle
Oldenburg 128 1,7 Taux (1976) [20]
Erzgebirge 172 1,1 Möckel (1979) [12]
NP Bayerischer Wald 130 1,5 Scherzinger (1981) [15]
Saale-Sandstein-Platte 186 2,2 Rudat et al. (1985) [14]
Spessart 310 1,5 Schlote (1994) [16]
Schwäb. Alb (Ostalb) 200 0,9 Lang & Rost (1990) [10]
Naturpark Nossentiner/Schwinzer Heide 205 5,1 DeWiSt & NP NSH (2008b) [4]
Reichswald Nürnberg 73 3,7 Brünner-Garten (1992) [2]
Thüringer Wald 220 1,2-3,4 Lange (1995) [11]
Nordvogesen/Frankreich 63 2,7 Mueller (2004) [13]
Schwäb. Alb (Mittlere Alb) 347 0,9 Sikora (2004) [5]
Schurwald 45 2,2 Sikora (1997) [17]
Hardtwald/Karlsruhe 31 1,7 FVA (2006) [6]
Albtrauf Mössingen 28 2,0 FVA (2007) [7]
Naturpark Mont Avic, Westalpen 20 1,3 Bocca & Rolando (1999) [1]
Rheinniederung bei Wyhl 20 2,0 Westermann (2006) [21]

Die Rotbuche als Höhlenbaum

Die Rotbuche ist fast alleiniger Höhlenbaum im Biosphärengebiet, Ausnahmen sind lediglich eine Esche sowie eine Fichte. Dieses Ergebnis spiegelt weitgehend die Verhältnisse in vielen Gebieten Deutschlands wieder. Mit Abstand ist die Buche der Lieblingsbaum des Schwarzspechts für den Höhlenbau.

Markierung eines Höhlenbaums
Abb. 2: Dauerhaft markierter Schwarzspecht-Höhlenbaum. (Foto: Sikora)

In Mittelgebirgen wie dem Schwarzwald oder Thüringer Wald kommen Tanne und Fichte als Höhlenbaum häufiger vor, dennoch liegt ihr Anteil unter 10 % [12, 14]. In Gebieten mit hohem Kiefernanteil, besonders in den östlichen Bundesländern, ersetzt die Kiefer teilweise die Rotbuche als Haupthöhlenbaumart. Doch selbst in von Kiefern bestimmten Waldlandschaften wie der Nossentiner/Schwinzer Heide werden Buchen deutlich bevorzugt [4].

Die Verteilung der Baumdurchmesser (BHD) zeigt auch im Biosphärengebiet die Bedeutung von starken Buchen. Die BHD-Minimalwerte liegen nur in Ausnahmefällen unter 40 cm, der größte Teil hat einen BHD von 55 bis 65 cm und entspricht damit dem forstlichen Zieldurchmesser der Buche.

Typisch ist auch das fast vollständige Fehlen von abgestorbenen Höhlenbäumen. In der Regel sind Schwarzspechthöhlen in äußerlich gesunden Buchen angelegt, die trotz Höhlenbau über viele Jahre und Jahrzehnte vital sind [19]. Von Braunfäule erregenden Pilzen sind die Höhlenbäume dennoch befallen. Den meisten Höhlenbäumen gelingt es jedoch, den Befall einzugrenzen und die Fäulnisprozesse über viele Jahrzehnte hinauszuzögern.

Der typische Höhlenbaum im Biosphärengebiet hat einen geraden, astfreien Stamm mit hohem Kronenansatz. Er steht in einem kleinen Altholzrest oder einem bereits stark verjüngten Schirmbestand. Die Höhle befindet sich meist in 10 – 12 m Höhe, die Spanne reicht aber von 5 m bis knapp 20 m. Eine bevorzugte Himmelsausrichtung des Einfluglochs ist nicht feststellbar. Auch in diesen Punkten unterscheiden sich die Höhlenbäume im Biosphärengebiet nicht von denen in anderen Untersuchungsgebieten.

Literatur