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Vanessa Tschöpe

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Forstliche Versuchs- und Forschungsanstalt Baden-Württemberg (FVA)
Abteilung Waldnaturschutz

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D-79100 Freiburg

Tel:  +49 761 4018 210
Fax: +49 761 4018 333

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Artikel

Autor(en): Werner Braun, Thomas Dietz, Frank Lorho, Arnold Planker, Jörg Rathgeber, Max Reger, Jürgen Marx, Gerhard Schaber-Schoor, Nicole Schmalfuß, Luis G. Sikora, Michael Waitzmann
Redaktion: FVA, Deutschland
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Alt- und Totholzkonzept Baden-Württemberg

Das AuT-Konzept und weitere Informationen können Sie auf www.fva-bw.de einsehen bzw. herunterladen.

In Baden-Württemberg wurde von der Forstlichen Versuchs- und Forschungsanstalt (FVA) in Zusammenarbeit mit der Landesanstalt für Umwelt, Messungen und Naturschutz Baden-Württemberg (LUBW) ein Alt- und Totholzkonzept ("AuT-Konzept") erarbeitet. Mit diesem richtungsweisenden Konzept trägt der Landesbetrieb ForstBW wesentlich zum Erhalt und zur Verbesserung der Biodiversität im Wald bei. Das Konzept gibt Rechtssicherheit im Hinblick auf die Umsetzung von Artikel 12 der FFH-Richtlinie und berücksichtigt Aspekte der Arbeitssicherheit ebenso wie wirtschaftliche Konsequenzen.

zurück zum Handbuch Alt- und Totholzkonzept

Das AuT-Konzept wird im Staatswald Baden-Württemberg verbindlich umgesetzt. Aber auch Bewirtschafter anderer Waldbesitzarten können sich hier über das Konzept informieren, um es gegebenenfalls auch in ihrem Wald einzuführen. Darüber hinaus vermitteln die Beiträge der Artikelsammlung und der "Weiterführenden Links" einen umfassenden Überblick über alle relevanten Themen sowie über Praxisbeispiele aus dem In- und Ausland.

Das folgende Inhaltsverzeichnis beinhaltet die Links zu den einzelnen Beiträgen.

Inhaltsverzeichnis

Einleitung von Landesforstpräsident Max Reger

Unsere heutige Waldbewirtschaftung muss vielen Anforderungen gerecht werden. Neben der Erzeugung des Rohstoffes Holz muss sie sicherstellen, dass der Wald auch die aus der Schutz und Erholungsfunktion resultierenden Ansprüche nachhaltig erfüllen kann. Gerade bei der Gewährleistung der Schutzfunktion handelt es sich nicht "nur" um ein gesellschaftliches Bedürfnis, das wir an den Wald stellen. Vielmehr geht es um den langfristigen Erhalt unserer Lebensgrundlagen. Um dieses Ziel im Rahmen des Konzepts der naturnahen Waldwirtschaft noch besser zu erreichen, entwickelte die FVA zusammen mit der LUBW ein AuT-Konzept. Dieses wurde im Oktober 2009 von Forstminister Hauk, MdL, der Öffentlichkeit präsentiert.

Bedeutung von Alt- und Totholz im Wald

Pilze auf Totholz
Abb. 1: Konsolenpilze.
Foto: FVA/Adler
 
Totholz
Abb. 2: Habitatbaum.
Foto: FVA/Aldinger

Das Konzept basiert auf dem Leitgedanken, dass die während der ordnungsgemäßen Bewirtschaftung üblicherweise gekappten Alters- und Zerfallsphasen von Bäumen in einem für den Naturschutz ausreichenden Umfang erhalten bleiben. Diese Phasen sowie stehendes und liegendes Totholz sind für zahlreiche Arten wie Spechte, Fledermäuse (z. B. Bechsteinfledermaus) und Käfer (z. B. Heldbock) wichtige Lebensstätten. Mit dem AuT-Konzept wird nun ein Weg aufgezeigt, wie ein entsprechendes Lebensraumangebot in Wäldern im Rahmen der regulären Waldbewirtschaftung aufgebaut und nachhaltig gesichert werden kann. Ausführungen darüber, welche Arten von dem Konzept besonders profitieren, enthält der Artikel "Artenschutz im Wald – Vier Wege zum Ziel" von J. Rathgeber et al.

Umsetzung des Alt- und Totholzkonzepts

Das AuT-Konzept wurde für den Staatswald entwickelt und ist in diesem verbindlich umzusetzen. Damit kommt der Landesbetrieb ForstBW der Allgemeinwohlverpflichtung des Staatswaldes in besonderem Maße nach. Das Konzept kann jedoch auch problemlos auf andere Waldbesitzarten übertragen werden. Im Einzelfall hat darüber der jeweilige Waldbesitzer zu entscheiden.

Um eine rasche Umsetzung des Konzepts zu ermöglichen, wurden bei den unteren Forst- und Naturschutzbehörden über 200 Multiplikatoren geschult. Diese stehen grundsätzlich auch für die Information und Beratung der kommunalen und privaten Waldbesitzer zur Verfügung.

Mit der Umsetzung des AuT-Konzepts wird für einen großen Teil der im Wald lebenden Tierarten Rechtssicherheit im Hinblick auf das Artenschutzrecht erreicht (s. "Rechtliche Anforderungen an den Artenschutz im Wald" von F. Lorho). Das Land hat damit ein vorsorgendes Konzept für die Umsetzung der Verpflichtungen aus Artikel 12 der FFH Richtlinie vorgelegt. Die konkrete Umsetzung wird im Artikel "Das Alt- und Totholzkonzept für den Landesbetrieb ForstBW" von N. Schmalfuß beschrieben. G. Schaber-Schoor stellt im Beitrag "Fachliche Anforderungen, Ziele und Handlungsansätze verschiedener Alt- und Totholzkonzepte" Gemeinsamkeiten und Unterschiede vergleichbarer Konzepte der Länder dar.

Herauszuheben ist, dass das Konzept im Rahmen der naturnahen Waldwirtschaft auf der gesamten Fläche zum Tragen kommt, es sich also um einen integrativen und nicht um einen segregativen Ansatz handelt. Umso wichtiger war es daher, dass Aspekte der Verkehrssicherheit und Unfallverhütung von Beginn an berücksichtigt wurden (s. "Totholz – das Ende der Arbeitssicherheit?" von Dietz et al.). Nach wie vor ist Arbeitssicherheit ein vorrangiges Betriebsziel, das mit den ökologischen Zielsetzungen abgewogen werden muss. Eingriffe zur Gewährleistung der Arbeitssicherheit sind daher nach wie vor möglich.

Wirtschaftliche Betrachtung

ForstBW plant bis zum Jahr 2020 rund 7 % der Staatswaldfläche einer natürlichen Entwicklung zu überlassen. Mit eingerechnet sind dabei die bestehenden Bannwälder (2 % der Staatswaldfläche) und die Kernzone des Biosphärengebietes Schwäbische Alb (1100 ha Staatswald). Die restliche Fläche kommt über die Umsetzung des AuT-Konzept sukzessive hinzu.

Dieser zusätzlich vorgesehene Nutzungsverzicht macht deutlich, dass Naturschutz für die baden-württembergische Landesregierung und den neuen Landesbetrieb ForstBW ein strategisches Ziel ist, das konsequent verfolgt wird und wofür auch Mindererlöse bewusst in Kauf genommen werden. Es ist uns dabei wichtig, dass Naturschutzleistungen im Wald auch bewertet und ausgewiesen werden. Eine erste Grobschätzung geht von jährlichen Mindereinnahmen in der Größenordnung von 4 Mio. € in der Endphase der Umsetzung aus. Diese wirken sich direkt auf die Ertragsfähigkeit des Landesbetriebs Forst BW aus und werden daher im Haushaltsplan entsprechend ausgewiesen.

Darüber hinaus wird angestrebt, dass bestimmte Maßnahmen, die im Rahmen der Umsetzung des AuT-Konzept ergriffen werden, zukünftig auch als Ausgleichsmaßnahmen im Sinne der Ökokonto-Verordnung anerkannt werden.

Links