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Forstliche Versuchs- und Forschungsanstalt Baden-Württemberg (FVA)
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Artikel

Autor(en): Nicole Schmalfuß
Redaktion: FVA, Deutschland
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AuT-Praxishilfe: Alt- und Totholzkonzept in fichtendominierten Wäldern

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Bei der Umsetzung des Alt- und Totholzkonzepts (AuT-Konzept) in fichtendominierten Beständen oder Betrieben müssen Fragen des Waldschutzes in besonderem Maße berücksichtigt werden. Im Folgenden werden einige Empfehlungen beschrieben, mit denen es i. d. R. gelingen kann, das AuT-Konzept auch in stark fichtendominierten Beständen fachlich sinnvoll umzusetzen.

Sterben Fichten durch Borkenkäferbefall ab, so geht von diesen eine erhöhte Waldschutzgefahr für die umliegenden Bestände aus. Im Falle einer akuten Gefährdung sind Waldschutzmaßnahmen erforderlich. Eine Eingriffsoption zur Abwehr von Waldschutzgefahren besteht grundsätzlich auch in Waldrefugien und Habitatbaumgruppen (HBG).

Fichtendominierte Bestände sind aus Gründen des Waldschutzes daher nicht als Waldrefugien geeignet, es sei denn, dies erfolgt im Rahmen eines speziellen Artenmanagements, z. B. innerhalb eines Vogelschutzgebiets zum Erhalt des Dreizehenspechts.

Auch starke Fichten mit Sonderstrukturen eignen sich als Kristallisationspunkt für HBG
Abb. 1: Auch starke Fichten mit Sonderstrukturen eignen sich als Kristallisationspunkt für HBG.

Auch bei der Auswahl von HBG sollten Fichten nur zweitrangig und in geringem Umfang einbezogen werden, da der Zweck der HBG darin liegt, die Bäume ohne Eingriffe altern, absterben und zusammenbrechen zu lassen. Wenn Fichten als HBG ausgewählt werden, so sollte eine regelmäßige Kontrolle der betreffenden Bäume auf Borkenkäferbefall gewährleistet sein, was z. B. bei Lage in Sichtweite eines Fahrwegs gegeben sein kann. In solchen Fällen bietet die Beteiligung von Fichten in HBG, insbesondere dort, wo die Fichte als standorts- und klimastabil eingestuft wird, dann die Chance auch strukturreiche, uralte Fichten in bislang ungewohnter Dimension und Gestalt in den Waldlebensraum zu integrieren.

Werden in stark fichtendominierten Beständen aus Gründen des Waldschutzes keine Fichten als HBG ausgewählt, so sollten die HBG aus Gruppen der vorhandenen Mischbaumarten bestehen.

Sie können dann auch eine geringere Anzahl Bäume als durchschnittlich im AuT-Konzept vorgesehen aufweisen (ab etwa 5 Bäumen je Gruppe, je nach BHD). Handelt es sich um HBG aus im Wuchs unterlegenen Mischbaumarten, sollten diese – solange es die Arbeitssicherheit zulässt – als Gruppe zusätzlich durch den Auszug und die randliche Freistellung von bedrängender Fichte gefördert werden, wenn der Mischbaumartenanteil im betreffenden Bestand extrem gering ist.

Geeignete Mischbaumarten sind neben Laubbäumen je nach Region vor allem auch die unter Forstschutzaspekten weitgehend unproblematischen und naturschutzfachlich gut geeigneten Baumarten Kiefer und Tanne.

Hier wurden zwei starke Buchen und weitere Tannen mit wenigen Fichten als HBG ausgewählt
Abb. 2: Hier wurden zwei starke Buchen und weitere Tannen mit wenigen Fichten als HBG ausgewählt.

Die HBG brauchen nicht systematisch über die Fläche verteilt zu sein. HBG können und sollen sich in fichtendominierten Beständen in jenen Bereichen konzentrieren, die höhere Anteile von Mischbaumarten aufweisen. Dabei bieten mitunter Linienstrukturen wie Bachläufe oder Waldränder die Möglichkeit, HBG naturschutzfachlich sinnvoll aneinanderzureihen.

Auch in stark fichtengeprägten Wäldern sind Höhlenbäume geeignete Ansatzpunkte für die Auswahl von HBG
Abb. 3: Auch in stark fichtengeprägten Wäldern sind Höhlenbäume geeignete Ansatzpunkte für die Auswahl von HBG.

Je nach örtlichen Gegebenheiten können jedoch in stark fichtendominierten Beständen auch bei der Umsetzung der oben genannten Empfehlungen mitunter nur weniger als eine HBG je 3 Hektar und häufig nur weniger als 15 Bäume je HBG ausgewählt werden.

In Regionen, die hohe Anteile stark fichtendominierter Bestände aufweisen, sind daher alte Laubholzbestände naturschutzfachlich besonders wertvoll. Hier sollten HBG auch in Laubholzbeständen unter 3 Hektar ausgewählt und verstärkt die Möglichkeit der Ausweisung als Waldrefugien berücksichtigt werden.

Ein Sonderfall bei der Ausweisung von HBG sind Tannen-Fichten-Bestände mit ausgeprägten Plenterstrukturen: Charakteristisch für diese Wälder ist es, dass starke und überstarke Bäume einzeln über die Fläche verteilt sind.

Um den bestehenden Plenterstrukturen gerecht zu werden, können hier auch starke, strukturreiche Einzelbäume anstelle von HBG ausgewählt und dem natürlichen Zerfall überlassen werden; vorzugsweise überstarke, strukturreiche Tannen.

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