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Artikel

Autor(en): Andreas Fischlin et al. (externe Autoren)
Redaktion: WSL, Schweiz
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CO2-Senken und -Quellen in der Waldwirtschaft

Wälder können das Treibhausgas CO2 als Biomasse speichern und dadurch die Atmosphäre entlasten. Eine Broschüre des Bundesamtes für Umwelt (BAFU) erklärt, wie solche Senken funktionieren, wann sie im Rahmen des Kyoto-Protokolls angerechnet werden können und müssen, und welches Potenzial in der Schweiz besteht.

Titelblatt der Broschüre

Das Kyoto-Protokoll ist seit dem 16. Februar 2005 in Kraft. Darin verpflichten sich in erster Linie die Industriestaaten, die Treibhausgasemissionen im Zeitraum 2008 bis 2012 zu senken. Das Kyoto-Protokoll gibt Staaten mit einer Verpflichtung die Möglichkeit, einen Teil der Reduktionsauflagen mit Hilfe von so genannten Senkenleistungen zu erfüllen.

Eine Senke ist zum Beispiel der Wald, wenn er mehr CO2 (Kohlendioxid) aufnimmt, als er abgibt. Je mehr CO2 in Form von Kohlenstoff in der Biomasse dauerhaft gespeichert ist, desto weniger wird die Atmosphäre belastet. Verliert der Wald hingegen mehr CO2, als er aufnimmt, dann ist er eine Quelle. Dies wirkt sich auf die Atmosphäre nachteilig aus. Der Schweizer Wald ist derzeit eine Senke. Er bindet jährlich 4 Millionen Tonnen CO2; davon fallen allerdings drei Viertel durch Holznutzung und absterbende Bäume sogleich wieder weg.

Das Kyoto-Protokoll schreibt vor, Aufforstungen (Senke) und Rodungen (Quelle) zu berücksichtigen, und verlangt eine jährliche Bilanzierung im nationalen Treibhausgasinventar. Senkenleistungen aus Aufforstungen sind in der Schweiz klein. Ein weit grösseres Potenzial hat eine nachhaltige Waldbewirtschaftung. Das Kyoto-Protokoll erlaubt die Anrechnung solcher Senkenleistungen, sofern sie nachweislich auf menschliche Eingriffe nach 1990 zurückzuführen sind.

Angesichts der Schwierigkeit, das menschliche Verdienst von den natürlichen Effekten zu unterscheiden, wurde für jedes Land die maximal anrechenbare Senkenleistung aus der Waldbewirtschaftung limitiert. Die Schweiz kann sich maximal 1,83 Millionen Tonnen CO2 pro Jahr anrechnen lassen; das entspricht etwa 45 Prozent der Kyoto-Reduktionsverpflichtung. Gemäss einer ETH-Studie ist es jedoch nicht sicher, ob die Schweiz diese Obergrenze überhaupt erreicht.

Was sind CO2-Senken?

Der Mensch bringt den Kohlenstoffkreislauf der Erde aus dem Gleichgewicht. Er emittiert mehr CO2 (Kohlendioxid) in die Luft, als Pflanzen und Meere schlucken können. So reichert sich das Treibhausgas in der Atmosphäre an: Die Erde wärmt sich auf.

Ökosysteme, die mehr CO2 aufnehmen, als sie abgeben, können diesen Prozess bremsen. Nimmt zum Beispiel ein Wald CO2 auf und speichert den Kohlenstoff dauerhaft in der Biomasse, so nimmt in der Atmosphäre der CO2-Gehalt ab. Der Wald wirkt als Senke. Wälder haben von allen Ökosystemen das grösste Senkenpotenzial. Wald kann aber auch zu einer CO2-Quelle werden.

Senken bieten keinen nachhaltigen Klimaschutz

Die jährliche Bilanzierung von Senken und Quellen verlangt einen grossen administrativ-technischen Aufwand. Ein Monitoringsystem ist notwendig, um die Veränderungen der Senkenleistung zu überwachen. Wo Senken ausgewiesen sind, hat das jeweilige Industrieland das Recht, im entsprechenden Umfang mehr CO2 zu emittieren. Gleichzeitig besteht die Pflicht, auch nach Ablauf der Verpflichtungsperiode über die angerechneten Senkenleistungen Rechenschaft abzulegen.

Senken bieten langfristig keinen nachhaltigen Klimaschutz:

  • Die Senkenleistung nimmt in alten Wäldern ab und wird in wenigen Jahrzehnten erlahmen.
  • Stürme, Waldbrände oder Borkenkäferepidemien können den gespeicherten Kohlenstoff freisetzen, der Wald wird dann sogar zur Quelle.
  • Die Option Senken gibt uns lediglich den erforderlichen zeitlichen Spielraum, bis mit Energiesparmassnahmen und klimafreundlichen Alternativenergien die CO2- Emissionen substanziell reduziert werden können.

Der Bundesrat will die Senken als Reserve für den Fall einer ungünstigen Emissionsentwicklung nutzen. Die Schweizer Waldpolitik ist nicht gezielt auf die Förderung von Senkenwäldern ausgerichtet. Vielmehr will sie den klimafreundlichen Energieträger und Baustoff Holz fördern. Senkenwälder sind deshalb lediglich als Ergänzung, v.a. bei unrentabler Nutzung, anzusehen. Als Energieträger ersetzt Holz fossile Brennstoffe; als alternativer Baustoff verringert Holz die CO2-Emissionen, die sonst bei der Herstellung von Produkten etwa aus Metallen oder Beton entstehen. Ein energetisch genutzter Kubikmeter Holz vermeidet die Emission von 0,6 Tonnen CO2 aus fossilen Energieträgern. Als Baustoff hat die gleiche Menge Holz ein Vermeidungspotenzial von 1 Tonne CO2.

Der Wald im Gleichgewicht, als Senke und als Quelle
Abb. 1 - Der Wald im Gleichgewicht, als Senke und als Quelle.
 
Änderung des Kohlenstoffvorrates
Abb. 2 - Schematische Darstellung der Änderung des Kohlenstoffvorrates bei einer Rodung und bei gleichzeitiger Aufforstung einer gleich grossen Ersatzfläche. Bei der Rodung wird der gesamte Kohlenstoffspeicher, der sich im Wald über Jahrzehnte gebildet hat, auf einmal entfernt (rötliche Flächen); demgegenüber wird bei der Aufforstung der Vorrat in einem neuen Wald nur langsam wieder aufgebaut (grüne Flächen).

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