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Originalartikel: Hengst-Ehrhart Yvonne (2017): Risiken und Unsicherheiten im Klimawandel. http://www.waldwissen.net, 29.08.2017.
Autor(en): Yvonne Hengst-Ehrhart
Online-Version: Stand: 07.12.2017
Redaktion: FVA, D

Der Umgang mit Risiken und Unsicherheiten im Klimawandel

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BMEL BMU

Der Klimawandel steht in Verbindung mit Risiken für den Wald. Um diese zu erkennen und darauf zu reagieren braucht es ein Bewusstsein für diese Risiken. Hierbei helfen objektive Risikostatistiken oft wenig, da die persönliche Beurteilung von anderen Faktoren geprägt ist und damit den Fokus auf andere, subjektiv näherliegende Aspekte legt.

Wer nimmt wie Risiken wahr?

Zunächst sind Menschen natürlich unterschiedlich risikoavers oder risikofreudig. Persönliche Ängstlichkeit, demographische Faktoren wie Alter oder Familienstand, Kenntnisstand, persönliche Erfahrung, kultureller Hintergrund, die Einstellung zur Natur und ihren Dynamiken und einige weitere Faktoren bestimmen, wie eine Person mit den Risiken des Klimawandels umgeht und ob sie bereit ist, gegen diese anzugehen.

Dabei gibt es sehr stabile Faktoren wie den sogenannten "locus of control" bzw. die Kontrollüberzeugung einer Person, die besagt ob jemand die generalisierte Überzeugung besitzt, das eigene Leben selbst in der Hand zu haben (internaler "locus of control") oder ob das Schicksal entscheidet, wie sich die Dinge ergeben (externaler "locus of control"). Andere Faktoren sind sehr sachspezifisch, wie zum Beispiel die Vorerfahrung mit einem ganz konkreten Risikofaktor wie z. B. Sturmwurf.

Wirkung der Wahrnehmung von Risiken auf das eigene Handeln

Wie stark ein Risiko wahrgenommen wird ist nicht gleichbedeutend mit der Bereitschaft zur Vorsorge. Gerade die eigene Betroffenheit wird häufig anders bewertet als die von anderen. Nicht selten findet sich ein "unrealistischer Optimismus" im Hinblick auf die eigene Betroffenheit. Dies lässt sich an einem Vergleich darstellen:

Die Wahrscheinlichkeit (oder auch das Risiko) bei einem Lottospiel den Jackpot zu knacken liegt bei rund 1 zu 140 Millionen. Dennoch haben über 40% der Deutschen sich bereits an dieser geringen Gewinnwahrscheinlichkeit versucht. Der Gedanke "Gewinner gibt es immer wieder, der Nächste könnte doch auch ich sein" wird wohl Anlass für das Spiel gewesen sein und veranschaulicht gut das Konzept des "unrealistischen Optimismus". Gleiches gilt umgekehrt für Negativrisiken wie zum Beispiel das Rauchen, bei dem die eigene Gefahr meist massiv unterschätzt wird.

Drahtseilakt: Die realistische Einschätzung von Gefahren.
Abb. 1: Drahtseilakt: Die realistische Einschätzung von Gefahren. (Foto: FVA/Hengst-Ehrhart)

Darüber hinaus werden insbesondere Naturrisiken häufig deshalb falsch eingeschätzt, da große und seltene Ereignisse z.B. Tornados als gefährlicher eingeschätzt werden als kleinere und häufigere Ereignisse. Wir kennen dieses Phänomen aus dem Alltag, viele Menschen haben Flugangst, jedoch keine Sorge in ein Auto zu steigen, obwohl die Gefahr bei einem Flugzeugabsturz ums Leben zu kommen um ein Vielfaches geringer ist.

Warum herrscht so viel Unsicherheit und Widerstand beim Klimawandel?

Problematisch ist zunächst, dass in der Öffentlichkeit vor allem die soziale Komponente des Klimawandels in Form des öffentlichen Diskurses wahrgenommen wird. Die objektive Umweltsituation tritt dabei in den Hintergrund. Das Phänomen Klimawandel ist zwar bekannt, ein tieferes Verständnis der Zusammenhänge fehlt jedoch.

Folgende Herausforderungen erläutern die Schwierigkeit der Klimawandelkommunikation:
Der Einsatz von kontrolliertem Feuer spielt nicht nur im Waldnaturschutz eine wichtige Rolle.
Abb.2: Waldbrand ist ein Risikofaktor im Klimawandel. (Foto: EFICENT)

Es ist also wichtig, sich auf das zu konzentrieren was wir bereits wissen: Bereits auf lokaler Ebene lässt sich die Tendenz der Klimaänderungen gut abbilden (siehe: Informationen für Deutschland und die eigene Region).

Im Forstbetrieb kann Unsicherheit vor allem durch ein geeignetes Risikomanagement in die Planung mit einbezogen werden, da dessen Ziel die Verbindung von Wissen mit Nichtwissen ist (siehe: Handbuch Krisenmanagement).

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