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Kompetenz-Netzwerk Klimawandel, Krisenmanagement und Transformation in Waldökosystemen (KoNeKKTiW)

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Forstliche Versuchs- und Forschungsanstalt Baden-Württemberg (FVA)
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Artikel

Autor(en): Yvonne Hengst-Ehrhart
Redaktion: FVA, Deutschland
Kommentare: Artikel hat 0 Kommentare
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Der Umgang mit Risiken und Unsicherheiten im Klimawandel

KoNeKKTiW
BMEL BMU

Der Klimawandel steht in Verbindung mit Risiken für den Wald. Um diese zu erkennen und darauf zu reagieren braucht es ein Bewusstsein für diese Risiken. Hierbei helfen objektive Risikostatistiken oft wenig, da die persönliche Beurteilung von anderen Faktoren geprägt ist und damit den Fokus auf andere, subjektiv näherliegende Aspekte legt.

Wer nimmt wie Risiken wahr?

Zunächst sind Menschen natürlich unterschiedlich risikoavers oder risikofreudig. Persönliche Ängstlichkeit, demographische Faktoren wie Alter oder Familienstand, Kenntnisstand, persönliche Erfahrung, kultureller Hintergrund, die Einstellung zur Natur und ihren Dynamiken und einige weitere Faktoren bestimmen, wie eine Person mit den Risiken des Klimawandels umgeht und ob sie bereit ist, gegen diese anzugehen.

Dabei gibt es sehr stabile Faktoren wie den sogenannten "locus of control" bzw. die Kontrollüberzeugung einer Person, die besagt ob jemand die generalisierte Überzeugung besitzt, das eigene Leben selbst in der Hand zu haben (internaler "locus of control") oder ob das Schicksal entscheidet, wie sich die Dinge ergeben (externaler "locus of control"). Andere Faktoren sind sehr sachspezifisch, wie zum Beispiel die Vorerfahrung mit einem ganz konkreten Risikofaktor wie z. B. Sturmwurf.

Wirkung der Wahrnehmung von Risiken auf das eigene Handeln

Wie stark ein Risiko wahrgenommen wird ist nicht gleichbedeutend mit der Bereitschaft zur Vorsorge. Gerade die eigene Betroffenheit wird häufig anders bewertet als die von anderen. Nicht selten findet sich ein "unrealistischer Optimismus" im Hinblick auf die eigene Betroffenheit. Dies lässt sich an einem Vergleich darstellen:

Die Wahrscheinlichkeit (oder auch das Risiko) bei einem Lottospiel den Jackpot zu knacken liegt bei rund 1 zu 140 Millionen. Dennoch haben über 40% der Deutschen sich bereits an dieser geringen Gewinnwahrscheinlichkeit versucht. Der Gedanke "Gewinner gibt es immer wieder, der Nächste könnte doch auch ich sein" wird wohl Anlass für das Spiel gewesen sein und veranschaulicht gut das Konzept des "unrealistischen Optimismus". Gleiches gilt umgekehrt für Negativrisiken wie zum Beispiel das Rauchen, bei dem die eigene Gefahr meist massiv unterschätzt wird.

Drahtseilakt: Die realistische Einschätzung von Gefahren.
Abb. 1: Drahtseilakt: Die realistische Einschätzung von Gefahren. (Foto: FVA/Hengst-Ehrhart)

Darüber hinaus werden insbesondere Naturrisiken häufig deshalb falsch eingeschätzt, da große und seltene Ereignisse z.B. Tornados als gefährlicher eingeschätzt werden als kleinere und häufigere Ereignisse. Wir kennen dieses Phänomen aus dem Alltag, viele Menschen haben Flugangst, jedoch keine Sorge in ein Auto zu steigen, obwohl die Gefahr bei einem Flugzeugabsturz ums Leben zu kommen um ein Vielfaches geringer ist.

Warum herrscht so viel Unsicherheit und Widerstand beim Klimawandel?

Problematisch ist zunächst, dass in der Öffentlichkeit vor allem die soziale Komponente des Klimawandels in Form des öffentlichen Diskurses wahrgenommen wird. Die objektive Umweltsituation tritt dabei in den Hintergrund. Das Phänomen Klimawandel ist zwar bekannt, ein tieferes Verständnis der Zusammenhänge fehlt jedoch.

Folgende Herausforderungen erläutern die Schwierigkeit der Klimawandelkommunikation:
  • Klimawandel ist nicht greifbar

    Klima ist ein Phänomen, das im Gegensatz zu Wetter nicht persönlich erfahrbar ist. Es handelt sich bei Klima und Klimawandel um wissenschaftliche Konstrukte, basierend auf Modellberechnungen und statistischen Mittelwerten. Es liegt daher vollständig außerhalb der eigenen Erfahrungswelt. Ursache und Wirkung sind außerdem nicht direkt auf einen Verursacher bzw. Betroffenen zurückzuführen. "Die Gesellschaft" oder "die Natur" werden als Verursacher oder Betroffene des Klimawandels genannt. Das macht Verantwortungszuschreibungen schwierig.

  • Klimawandel ist komplex

    Zudem ist das Thema hochkomplex in seinen Ursache-Wirkungs-Beziehungen und umfasst die unterschiedlichsten Forschungsdisziplinen. Im Hinblick auf den Wald umfasst die Thematik sowohl Extremereignisse, als auch schleichende Entwicklungen. Jedoch steht das heutige Wissen über die Thematik immer unter dem Vorbehalt der Vorläufigkeit und muss dennoch für konkrete Handlungsanweisungen und Entscheidungen in einem neuen Politikfeld dienen.

  • Klimawandel ist erst später

    Die Anpassungskommunikation kommt erst langsam in Gang, bisher stand der sogenannte "Klimaschutz" eher im Vordergrund. Klimaänderungen sind gefühlt noch weit weg und damit ist der Handlungsdruck gering. Bereits eingetretene Veränderungen sind so schleichend entstanden, dass sie nicht beobachtet werden können und so der veränderte Zustand bereits als normal erachtet wird. Man spricht dabei auch von "creeping normalcy", also "schleichender Normalität". Eine häufig genutzte Metapher hierfür ist der kochende Frosch, der den langsamen Anstieg der Temperatur nicht bemerkt.

  • Klimawandel äußert sich in natürlichen Ereignissen

    Die mit dem Klimawandel verbunden Risikofaktoren sind zumeist verbunden mit bereits bekannten Naturgefahren wie z. B. Sturm, Hochwasser oder Dürreperioden. Forschungsergebnisse zeigen, dass Naturgewalten als Phänomene wahrgenommen werden, die ohnehin nicht geändert werden können und daher hingenommen werden.

Der Einsatz von kontrolliertem Feuer spielt nicht nur im Waldnaturschutz eine wichtige Rolle.
Abb.2: Waldbrand ist ein Risikofaktor im Klimawandel. (Foto: EFICENT)
  • Klimawandel braucht langfristige Maßnahmen

    Damit verbunden sind auch die Langfristigkeit und Zukunftsorientierung der Folgen klimatischer Prozesse von hoher Bedeutung. Die Forstwirtschaft ist zwar lange Planungszeiträume gewohnt, jedoch unter Annahme stabiler Umweltverhältnisse. Die langen Produktionszeiträume machen das System Forstbetrieb besonders anfällig, vor allem da regionale und gruppenspezifische Auswirkungen oft noch unbekannt sind. In der Zusammenschau mit den oben genannten Faktoren zeigt sich, dass jede Form von Anpassungsstrategie diese Aspekte der Unsicherheit mit aufgreifen muss.

  • Klimawandel erfordert Handeln unter Unsicherheit

    Die Tatsache, dass die Wissenschaft heute interdisziplinär und mit modernster Technik Klimamodelle berechnen kann, hat ein Diskussions- und Lernfeld für Entscheidungsträger hervorgerufen. Im Hinblick auf Klimaanpassungsstrategien werden die gleichen Unsicherheitsfaktoren in Szenarien entweder als zu hoch für konkrete Anpassungsmaßnahmen bewertet, oder sie werden mit Blick auf die klare Gesamttendenz der Szenarien als hinnehmbar gesehen, da die Stoßrichtung für Adaptationsmaßnahmen bereits klar erkennbar ist. Dabei ist Unsicherheit nichts Neues, allein mit dem aktuellen Phänomen des Klimawandels verbundenes. In allen Lebens- und Arbeitsbereichen müssen Entscheidungen unter Unsicherheit getroffen werden, von der Wahl des Berufs über die Familienplanung bis hin zu Entscheidungen über die Investition in Geschäftsfelder. Der Klimawandel wird jedoch mit Unsicherheit besonders in Verbindung gebracht. Dies ist auch bedingt durch politische Kräfte, die gezielt Misstrauen gegenüber der Klimaforschung schüren. Absolute Antworten kann keine Disziplin der Wissenschaft liefern, aber die Einigkeit der Wissenschaftler weltweit ist immens. So sind sich 97% der Klimawissenschaftler einig, dass der Klimawandel durch den Menschen verursacht ist.

Es ist also wichtig, sich auf das zu konzentrieren was wir bereits wissen: Bereits auf lokaler Ebene lässt sich die Tendenz der Klimaänderungen gut abbilden (siehe: Informationen für Deutschland und die eigene Region).

Im Forstbetrieb kann Unsicherheit vor allem durch ein geeignetes Risikomanagement in die Planung mit einbezogen werden, da dessen Ziel die Verbindung von Wissen mit Nichtwissen ist (siehe: Handbuch Krisenmanagement).

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