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Kompetenz-Netzwerk Klimawandel, Krisenmanagement und Transformation in Waldökosystemen (KoNeKKTiW)

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Forstliche Versuchs- und Forschungsanstalt Baden-Württemberg (FVA)
Abteilung Forstökonomie

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Artikel

Autor(en): Sandra Collin
Redaktion: FVA, Deutschland
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Informationen für Deutschland und die eigene Region: Klimatische Veränderungen bis Heute

KoNeKKTiW
BMEL BMU

Um die Veränderungen des Klimas zu erkennen, genügt ein Blick in die Aufzeichnungen des Deutschen Wetterdienstes (DWD). Temperatur, Niederschlag und Sonnenscheindauer haben sich in den letzten Jahrzehnten recht schnell verändert (s. Abb. 1). Mit einer Mitteltemperatur von 10,3 °C war das Jahr 2014 das bisher wärmste in Deutschland beobachtete Jahr.

Es ergibt sich gegenüber dem aktuellen Vergleichszeitraum 1981-2010 (Ø 8,9 °C) für 2014 eine Abweichung von +1,4 °C und gegenüber der international gültigen Klimareferenzperiode 1961-1990 eine Abweichung von +2,1 °C. Die Weltorganisation für Meteorologie (WMO) weist darauf hin, dass die Jahresmitteltemperatur im Jahr 2015 erstmals mehr als 1 °C über dem Temperaturniveau des vorindustriellen Zeitalters lag (Quelle). Auch 2016 setzte sich die globale Erwärmung fort und führte zum dritten Mal in Folge zu einem neuen Temperaturrekord. Die globale Mitteltemperatur lag etwa 1,1 °C über dem vorindustriellen Zeitraum bzw. 0,83 °C über dem Temperaturmittel der Klimanormalperiode 1961-1990 (Quelle). In Deutschland war 2016 jedoch kein Temperaturrekordjahr.

Mitteltemperaturen Deutschlands 1881-2016
Abb. 1: Mitteltemperaturen Deutschlands 1881-2016 (Quelle: Deutscher Wetterdienst (DWD); leicht veränderte Darstellung.)

In vielen Regionen Deutschlands nahmen die Niederschläge seit 1881-2016 zu, verschoben sich aber deutlich vom Sommer in die Winter- und Frühlingsmonate. Besonders auffällig ist dieser Trend unter anderem in Schleswig-Holstein, Niedersachsen und Baden-Württemberg. Gleichzeitig stieg die Jahresmitteltemperatur Deutschlands um 1,4 °C, in einigen Bundesländern um 1,5 °C.

Tab. 1: Veränderung der Gebietsmittel von Temperatur und Niederschlag in Deutschland 1881-2016
Veränderung der Gebietsmittel von Temperatur und Niederschlag in Deutschland 1881-2016
Quelle: Deutscher Wetterdienst (DWD); veränderte Darstellung (M=Jahresmittel; F=Frühling; S=Sommer; H=Herbst; W=Winter)

Sachsen ist hinsichtlich der Niederschlags- und Temperaturveränderung besonders betroffen. Hier ist ausnahmsweise ein Rückgang der mittleren Jahresniederschläge um -2,9 % bei gleichzeitigem mittlerem Temperaturanstieg um 1,3 °C zu beobachten.

Exkursion zum Thema Klimawandel in Baden-Württemberg.
Abb. 2: Exkursion zum Thema Klimawandel in Baden-Württemberg (Foto: FVA/Chtioui).

Die gleichzeitige Verschiebung der beiden wichtigsten Standortparameter, Temperatur und Niederschlag, wirkt sich auf Waldstandorte besonders drastisch aus. Vor allem auf flachgründigen Böden leiden die Wälder zunehmend an Trockenstress. Dies wiederum macht sie anfälliger gegenüber biotischen Schädlingen, die aufgrund der verlängerten Vegetationszeit bessere Bedingungen vorfinden und dadurch mehr Schäden verursachen können. Im Sommer treten häufiger Starkniederschläge auf, die rasch abfließen und daher wenig positiven Einfluss auf die Wasserbilanz haben. Die deutlich höheren Niederschläge im Winter fallen zunehmend als Regen statt in Form von Schnee. Wegen der Vegetationsruhe ist dieser Niederschlag für die Bäume ebenso kaum nutzbar, er wird auch nicht durch andere Vegetation gehalten und fließt entweder oberflächlich ab oder durchnässt die Böden so, dass ein erhöhtes Sturmwurfrisiko besteht, eine Befahrung für Erntemaßnahmen erschwert wird und Erosionsschäden oder Verdichtung die Folgen sind. Werden Bestände durch Sturm geschädigt, steigt wiederum die Gefahr biotischer Schäden an, was auch anhand von Abb. 4 gut nachvollziehbar ist.

Registrierte Forstschäden verschiedener natürlicher Ursachen in Europa 1850-2010, eigene Übersetzung.
Abb. 4: Registrierte Forstschäden verschiedener natürlicher Ursachen in Europa 1850-2010, eigene Übersetzung. (Quelle)

Ein Blick in die Zukunft

Langjährige Erfahrungswerte reichen leider nicht mehr aus, um angesichts dieser gravierenden Änderungen der Rahmenbedingungen für die Zukunft annähernd realistische Entscheidungen hinsichtlich der eigenen Waldbaustrategie treffen zu können. Nutzen Sie deshalb die vorhandenen Angebote im Internet, um sich über den Klimawandel und die Veränderungen der Standortgegebenheiten in der eigenen Region zu informieren.

Der Deutsche Wetterdienst stellt in seinem Climate Data Center (CDC) umfangreiche Klimadaten zur Verfügung.

Zum Beispiel kann man sich die Entwicklung der Jahresmitteltemperatur in Deutschland nach aktuellen Klimaszenarien ansehen. In Abb. 5 sind die Veränderungen der Temperatur gegenüber dem Zeitraum 1971-2000 (Ø 8,56°C) in 2 m Höhe für drei zukünftige Zeiträume vergleichend dargestellt. Die Daten stammen aus 8-25 verschiedenen globalen und regionalen Klimamodellen, die fortlaufend verbessert werden. Demnach schwanken die Jahresmitteltemperaturen für 2100 je nach Modell und Szenario zwischen 0,8 und 5,2 °C gegenüber 1971-2000 bzw. zwischen 9,36 und 13,67 °C.

Veränderungen der Jahresmitteltemperatur in Deutschland
Abb. 5: Veränderungen der Jahresmitteltemperatur in Deutschland. (Quelle: Deutscher Wetterdienst (DWD); leicht veränderte Darstellung.)

Anschauliche regionale Darstellungen liefert das Portal KlimafolgenOnline.com. Hier finden Sie die Entwicklung verschiedener Parameter unter anderem in den Sektoren Klima, Landwirtschaft und Forstwirtschaft ab dem Jahr 1900 bis zum Jahr 2100. Bis zum Jahr 2010 basieren die Darstellungen auf Messdaten, ab dem Jahr 2011 stehen Projektionen der Szenarien RCP2.6 und RCP8.5 (mittlere Temperaturzunahme) zur Auswahl. Sie können zum Beispiel Waldbrand- und Trockenheitsindizes, phänologische Entwicklungen und Holzzuwachsraten und mehr ansehen.

Nach dem Szenario RCP8.5 (mittlere Temperaturzunahme) – einem "weiter wie bisher" Szenario – lägen die Jahresmitteltemperaturen bis zum Jahr 2050 fast überall bei deutlich über 10 °C (s. Abb. 6). Diese Werte werden im westlichen in Deutschland beim positivsten Szenario (RCP2.6) und Erreichung des "Zwei Grad Ziels" bis zum Jahre 2100 ebenfalls erreicht.

Entwicklung der Jahresmitteltemperatur nach RCP8,5
Abb. 6: Entwicklung der Jahresmitteltemperatur nach RCP8.5 (mittlere Temperaturzunahme) (Quelle: klimafolgenonline.com)

Auch der Trend der Niederschlagsverschiebung wird sich fortsetzen. Besonders betroffen sind hier laut dem RCP8.5 (mittlere Temperaturzunahme) Szenario Regionen wie Brandenburg, das Oberrheingebiet und das Voralpenland, in denen es bereits heute Probleme mit Sommertrockenheit gibt (s. Abb. 7).

Niederschlagsveränderung im Sommer nach RCP8,5.
Abb. 7: Niederschlagsveränderung im Sommer nach RCP8.5 (mittlere Temperaturzunahme) (Quelle: klimafolgenonline.com)