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Originalartikel: Keuthen, Michael (2020): Baumarten heimisch, nicht heimisch, fremdländisch. http://www.waldwissen.net
Autor(en): Michael Keuthen
Online-Version: Stand: 05.02.2020
Redaktion: WUH, D

Baumarten heimisch, nicht heimisch, fremdländisch

Viele ehemals gebietsfremde Arten haben sich bei uns längst etabliert. Die Nutzung auch der sogenannten "fremdländischen" Baumarten kann ein wichtiger Baustein einer Klimaanpassungsstrategie für unsere Wälder sein.

Der Kolumbus-Effekt

Douglasienbestand
Abb. 1: Douglasienbestand in Südwestfalen. Foto: J. Preller
Baumschule Hamburg-Flottbek
Abb. 2: Gärtnerei und Baumschule in Hamburg-Flottbek des schottischen Landschaftsgärtners James Booth, ca. 1855 (Lithografie von Wilhelm Heuer, Museum für Hamburgische Geschichte, Wikimedia Commons)
Lagerbuch Kleve
Abb. 3: Lagerbuch der "Kultur-Versuchsanstalten mit fremdländischen Holzarten in der Oberförsterei Clever Thiergarten". Hier wurden Anfang der 1880er-Jahre Versuchsflächen u.a. mit Douglasie angelegt. (Akten der Forstl. Dokumentationsstelle, Wald und Holz NRW; Foto: B. Selter)

Lagerbuch Kleve, Versuchsflächen
Abb. 4: Beschreibung der Versuchsflächen mit Douglasien im Klever Tiergarten (aus dem Lagerbuch der "Kultur-Versuchsanstalten mit fremdländischen Holzarten in der Oberförsterei Clever Thiergarten"

Als Christoph Kolumbus 1492 Amerika "entdeckte", begann die weltweite Verflechtung in Bereichen wie Wirtschaft, Politik und Kultur, die sich später zu einer Globalisierung weiterentwickelte. Mit dieser auch als "Columbian Exchange" von dem US-amerikanischen Historiker Alfred W. Crosby 1972 bezeichneten Verbreitung und Wechselwirkung begann auch der Handel landwirtschaftlicher Waren und Produkte aus Flora und Fauna zwischen der östlichen und westlichen Erdhalbkugel. Mit der Jahreszahl 1492 wurde der Begriff der Neobiota eingeführt. Damit werden Arten bezeichnet, die durch menschliche Einflussnahme in ein Gebiet gekommen sind, in dem sie zuvor nicht vorkamen (Neophyten für Pflanzen, Neozoen für Tiere und Neomyceten für Pilze). Gebietsfremde Arten, die vor 1492 in eine nicht biogeografische Region gekommen sind, werden als Archäobiota bezeichnet (Archäophyten bezeichnet die Pflanzenarten, Archäozoen die Tierarten).

Heimisch – nicht heimisch – fremdländisch

Gegen Ende des 18. Jahrhunderts befanden sich viele Wälder in Mitteleuropa in einem trostlosen Zustand. Etwa 90 % des erzeugten Holzes dienten als Brennholz oder zur Holzkohleerzeugung. Waldverwüstungen durch Viehhude, Streunutzung, übertriebene Köhlerei und ungeregelte und übermäßigen Holzeinschläge nahmen ihren Lauf. 1713 wurde der Begriff der Nachhaltigkeit vom kurfürstlich-sächsischen Oberberghauptmann Hannß Carl von Carlowitz formuliert. Von Carlowitz bemängelte die Übernutzung der Wälder und forderte, nicht mehr Holz zu nutzen als nachwächst. Er zog sogar schon die Einführung fremdländischer Baumarten in Betracht. Dabei galt sein Interesse auch den nordamerikanischen Nadelbäumen.

1781 veröffentlichte Friedrich von Wangenheim seine Studien über nordamerikanische Baumarten. Wangenheim hatte als hessischer Offizier auf englischer Seite am Amerikanischen Unabhängigkeitskrieg (1775-1783) teilgenommen. Während seines achtjährigen Aufenthalts betrieb er botanische Studien über die in Nordamerika vorkommenden Waldbäume. Grundidee war, Holzarten anderer Länder zu beschreiben, in denen die klimatischen Verhältnisse mit denen in Deutschland weitgehend übereinstimmen. Die ihm schon damals bekannte Ablehnung einiger Forstleute gegen fremde und nicht einheimische Holzarten versuchte er mit seinem Beitrag umzustimmen. Wangenheim wurde später zum Oberforstmeister in Gumbinnen (Ostpreußen) ernannt. Er kann als Hauptbegründer der Bewegung angesehen werden, die in der Forstwissenschaft als "forstliche Ausländer" bekannt wurde.

Wesentlichen Bekanntheitsgrad erlangten die nordamerikanischen Pflanzen durch den Schotten David Douglas (1799-1834). Douglas war gelernter Gärtner und arbeitete seit 1820 am Botanischen Garten in Glasgow. 1823 ging er für die London Horticultural Society auf Expedition nach Nordamerika, wo er auf verschiedenen Reisen u.a. die nach ihm benannte Douglasie (Pseudotsuga menziesii), die Gelbkiefer (Pinus ponderosa), die Montereykiefer (Pinus radiata), die Riesentanne (Abies grandis) und die Purpurtanne (Abies amabilis) fand. Immer wieder schickte er Samen dieser Bäume nach England.

Den Durchbruch in Deutschland erlangte zunächst die Douglasie dank des Baumschulbesitzers John Cornelius Booth (1836-1908). Booth war der Sohn des Baumzüchters und Baumschulbesitzers John Richmond Booth, der 1831 in seinem Arboretum in Klein Flottbek bei Hamburg erstmals eine Douglasie angepflanzt hatte. Der Samen dieses zweijährigen Sämlings stammte aus einer Expedition von David Douglas. John Cornelius Booth setzte das Werk seines Vaters fort. 1877 veröffentlichte er sein Buch "Die Douglas-Fichte und einige andere Nadelhölzer". Er überzeugte den damaligen Reichskanzler von Bismarck (1815-1898) von der Anpflanzung dieser neuen Baumarten und führte erste Anbauversuche mit "fremdländischen" Baumarten durch. In seinem gleichnamigen Buch sprach er von der "Naturalisation ausländischer Waldbäume in Deutschland" (1882). Dieser zuerst von Wangenheim gebrauchte Begriff bedeutete die allmähliche Anpassung der Bäume an ihre ursprünglich fremden Lebensräume. Dabei kamen zu jener Zeit bei der Naturalisation einer Holzart zwei Hauptpunkte in Betracht: Die Widerstandsfähigkeit einer Holzart gegen unsere klimatischen Verhältnisse, namentlich gegen unsere Winter, und die Güte des hier erwachsenen Holzes.

Seit dem 18. Jahrhundert werden diese Forstpflanzen als "forstliche Ausländer" bezeichnet. Bis heute sprechen wir von "Fremdländischen Baumarten" oder "Gastbaumarten". "Fremdländisch" gilt als Synonym für "ausländisch", "auswärtig", "exotisch" oder "importiert". Die Herkunft unserer täglichen Nahrungspflanzen spielt in unserer Gesellschaft allerdings keine Rolle. Aus Asien stammen Weizen, Gerste, Bananen (Thailand und Malaysia), Auberginen (Südostasien) und Zitrusfrüchte (Indien und China). Den Apfel brachten die Römer aus Anatolien zu uns. Vom amerikanischen Kontinent gelangten Mais (Mexiko), Kartoffel (Anden, Peru), Tomate (Mittel- bis Südamerika), Paprika (Mittelamerika), Tabak, Sonnenblumen (Nord- bis Mittelamerika) auf den europäischen Kontinent.

Douglasien Glindfeld
Abb. 5: Ehemaliges Forstamt Glindfeld (Sauerland): Eine 1888 in 1,5 m Abstand gepflanzte Douglasienreihe in etwa gleichaltem Buchenbestand. Die 48 verbliebenen Stämme hatten 1956 eine Masse von 209 Festmeter (fm); der stärkste Stamm hatte bei 82 cm Brusthöhendurchmesser und 40,5 m Höhe eine Masse von 10,7 fm. (Foto: W. Grandjot, 1956, aus: Hesmer, H. (1958): Wald und Forstwirtschaft in Nordrhein-Westfalen)

Darunter: Derselbe Bestand im Jahre 2014. Die nun 38 verbliebenen Stämme hatten nach der Forsteinrichtung 2013 einen Vorrat von 384 Erntefestmeter (Efm) o. R. und einen Zuwachs von 7 Efm o. R. Foto: M. Keuthen

Die "deutsche" Eiche (Quercus petraea) und die Buche (Fagus sylvatica), "die Mutter des Waldes", werden in Nordrhein-Westfalen als "heimische" Baumarten bezeichnet. Unser forstlicher "Brotbaum" dagegen, die Fichte (Picea abies), gilt in NRW als "nicht heimisch". Selbst die Weißtanne (Abies alba) und die Europäische Lärche (Larix decidua) fallen nicht unter diesen Begriff. Grund ist die gängige Theorie, dass z. B. in Nordrhein-Westfalen ohne das Zutun des Menschen heute weitgehend ein geschlossener (Buchen-)Wald stünde. Wissenschaftlich lässt sich nicht nachweisen, wie der Naturwald in Nordrhein-Westfalen aussehen würde, wenn der Mensch nicht eingegriffen hätte.

Eine einheitliche Definition für "Heimat" gibt es nicht, das Wort hat unterschiedliche Bedeutungen. Der aktuelle Duden erklärt diesen Begriff u.a. mit "Ursprungs‑, Herkunftsland eines Tiers, einer Pflanze, eines Erzeugnisses, einer Technik o.ä.". Entsprechend wird das Wort "heimisch" als "ansässig" oder "ortsansässig" gedeutet, aber auch als "eingebürgert" oder "niedergelassen". In Politik, Wirtschaft und Soziologie sprechen wir von Integration, von Eingliederung und von Willkommenskultur. Dieser Ausdruck hat sich bei uns, wenn wir über unsere Kulturlandschaft sprechen, noch nicht durchgesetzt. Wir reden immer noch von "heimischen" und "nicht heimischen" Pflanzen und Tieren, obwohl sich viele ehemals gebietsfremde Arten bei uns in Deutschland bzw. Nordrhein-Westfalen längst etabliert haben. Auf unsere menschliche Gesellschaft bezogen hieße das, dass z. B. Bayern, Hessen oder Sachsen in Nordrhein-Westfalen nicht heimisch sind und umgekehrt. Genauso wie Polen, Italiener oder Türken in der Bundesrepublik als "Gastarbeiter" oder "Fremdländer" bezeichnet würden. (Als Gast versteht man jemanden, der sich vorübergehend zu bestimmten Zwecken irgendwo aufhält.) Und dies, obwohl ihre Vorfahren schon seit Generationen hier leben und arbeiten, sich oft in die jeweilige Gesellschaft integriert haben. Aus diesen "Gastarbeitern" sind heute Nachbarn geworden. Alle amerikanischen Bürger, die nicht zu den indigenen Völkern Amerikas gehören und nach 1492 nach Amerika gekommen sind, wären demnach heute noch "Fremdländer".

Heute gelten die sogenannten "fremdländischen" Baumarten als ein wichtiger Baustein einer Klimaanpassungsstrategie für unsere Wälder und sichern damit auch die von den Wäldern ausgehenden Nutz-, Schutz- und Erholungsfunktionen. Wie schon im 18. und 19. Jahrhundert vorausschauende Männer wie von Wangenheim und Booth Baumarten suchten, welche unter denselben Verhältnissen des Klimas und des Bodens größere Erträge erbrachten als die einheimischen, so brauchen wir heute klimatolerante Baumarten, um unsere Holzproduktion zu sichern.

Klimaszenario Fichte
Abb. 6: Klimaszenario am Beispiel der Fichte in Schmallenberg-Oberkirchen (Sauerland). Grafik: N. Asche (Wald und Holz NRW)

Die eigentliche, grundsätzliche Frage, die sich vor dem Hintergrund des Klimawandels stellt, ist doch folgende: Welche Baumarten sind standortgerecht und welche nicht? Hier hat die forstliche Standorterkundung bestimmte Szenarien erarbeitet. Dabei steht die Frage im Vordergrund, welche Veränderungen eine Erhöhung der Temperatur und eine Verminderung bzw. Erhöhung der Niederschläge in der realen Vegetationszeit für Waldstandorte und Waldbestände bewirken. Grundlage sind die Klimadaten aus der Klimaperiode 1961 bis 1990. Erfüllt eine Baumart die Standortbedingungen im Hinblick auf Vegetationszeit, Gesamtwasserhaushalt und Nährstoffversorgung, so gilt sie als standortgerecht und wächst vital (Optimum). Entsprechen die Standortansprüche einer Baumart nicht voll den gegebenen Standortmerkmalen, dann ist die Baumart bedingt standortgerecht (physiologischer Bereich). Nicht standortgerecht ist eine Baumart, wenn die Gegebenheiten den Ansprüchen der Baumart nicht gerecht werden. Dann weist die Baumart eine geringe Vitalität auf und zeigt eine erhöhte Anfälligkeit gegenüber Schadorganismen.

Bei einem Klimaszenario mit einem Temperaturanstieg von +2° C und -10 % Niederschlag wird z. B. die Fichte im Sauerland auf 50 % ihrer heutigen Fläche nicht mehr standortgerecht sein. Um die Nachfrage nach Rohholz zu sichern, müssen an ihrer Stelle standortgerechte, klimatolerante Baumarten gepflanzt werden, wie z.B. Europäische Lärche (Larix decidua), Douglasie (Pseudotsuga menziesii), Große Küstentanne (Abies grandis) oder neben Rotbuche (Fagus sylvatica) und Traubeneiche (Quercus petrae) auch Laubhölzer wie Esskastanie (Castanea sativa), Roteiche (Quercus rubra), Baumhasel (Corylus colurna) oder Walnuss (Juglans regia).

Zudem dienen klimatolerante Waldbestände aus mehreren Baumarten der Artenvielfalt. Sie sollten in Mischung nach den oben erwähnten standörtlichen Bedingungen angebaut werden und ökologisch und ökonomisch integrierbar sein. Auf keinen Fall dürfen sie für die vor Ort vorkommende Tier- und Pflanzenwelt eine Gefährdung darstellen. Die Begriffe "heimisch", "nicht heimisch" und "fremdländisch" sind keine ökologischen Kriterien.

Holzimportland Deutschland

Deutschland ist ein Holzimportland. Wir verbrauchen mehr Holz, als wir produzieren. Legen wir weitere Waldflächen still und nehmen sie damit aus der Bewirtschaftung heraus oder vernachlässigen wir die Produktion hochwertigen Holzes, so geht dies zu Lasten von Drittländern. Diese werden dazu verführt, die wahren Urwälder illegal zu nutzen und zu zerstören. Dr. Björn Seintsch vom Thünen Institut für Internationale Waldwirtschaft und Forstökonomie stellte auf dem 6. Arnsberger Waldforum (2014) folgende Berechnung an: Zwischen 1999 und 2010 ist in Deutschland der Holzeinschlag um 44 % gestiegen, die Stilllegungsfläche hat zwischen 2000 und 2010 um 142 % zugenommen. 2012 wurden in Deutschland jährlich 52,6 Mio. m³ Nadelholz verbraucht; dem stand ein Einschlag von 47 Mio. m³ gegenüber. Dieser Einschlag basiert auf folgender Status-quo-Schätzung: 2,1% Stilllegungsfläche, 0,7 Habitatbäume/ha, 17,78 m³ Totholz/ha und 43 % Laubholzanteil. Legt man ein Szenario mit 5 % Stilllegungsfläche, 5 Habitatbäumen/ha und 50 % Laubholzanteil zugrunde, dann sinkt der Nadelholzeinschlag auf 41,2 Mio m³. Entsprechend hoch sind die Kosten: Bei dem genannten Szenario stünde einem Gesamteinschlagsrückgang von 8,7 Mio. m³ ein jährlicher Verlust von 371 Mio. Euro gegenüber. Geht man von einem Szenario mit 10 % Stilllegungsfläche, 10 Habitatbäumen/ha, 50 m³ Totholz/ha und 70 % Laubholzanteil aus, dann steigt der Gesamteinschlagsrückgang auf 12,5 Mio. m³ und der jährliche Verlust auf 665 Mio. Euro.

Holzbedarf und ökologischer Fußabdruck

Durch unser Bedürfnis nach mehr Wildnis verursachen wir Deutschen einen Mehreinschlag an Holz und damit eine drohende Übernutzung der Wälder in anderen Ländern. Denn die fehlenden Holzmengen für das deutsche Holzgewerbe müssen aus diesen Drittländern importiert werden. Dazu gehören auch Osteuropa und die tropischen Regenwälder. Nordrhein-Westfalen deckt zurzeit seinen Holzbedarf nur zu 30 % durch die Holzernte in den eigenen Wäldern. Der u.a. an der Technischen Hochschule Ostwestfalen-Lippe in Höxter tätige Waldökologe Dr. Norbert Asche fordert deshalb: "Eine an Kriterien der Nachhaltigkeit orientierte Waldwirtschaft sollte jedoch zum Ziel haben, die biologischen Kapazitäten der Holzerzeugung in den heimischen Wäldern zu stärken und vorhandene Nutzungspotenziale auszunutzen, ohne die Stabilität der Waldökosysteme negativ zu beeinflussen (Asche 2019). Die gleichzeitige Abholzung der tropischen Regenwälder in den drei großen Urwaldregionen Brasilien, Indonesien und Afrika hat globale Auswirkungen auf das Klima. Diese Entwicklung wiederum zwingt die dort heimische Bevölkerung oft, aus den betroffenen Extremwettergebieten zu fliehen. Allerdings finden Menschen, die aufgrund von Umwelt- oder Naturkatastrophen über Grenzen flüchten, keine Anerkennung als Flüchtlinge nach der Genfer Flüchtlingskonvention!

Durch Fotosynthese wird der Atmosphäre Kohlendioxid entzogen. Holznutzungen bewirken eine Verringerung des Kohlenstoffvorrates im Wald. Am Beispiel eines vollbestockten 140‑jährigen Buchenbestandes wurden zwei Behandlungsvarianten – Nutzung und Nutzungsverzicht für die Dauer von 70 Jahren – anhand eines Waldwachstumssimulators miteinander verglichen (Wördehoff u.a. 2017). Bei einem Nutzungsverzicht steigt zwar der Kohlenstoffvorrat, leistet aber keinen Beitrag zum Holzproduktspeicher. Bei einer Nutzung sinkt zunächst der Kohlenstoffvorrat. Das dabei geerntete Holz wird dem sogenannten Produktspeicher zugeführt. Die anfallenden Holzprodukte ersetzen dabei andere, energieintensiver hergestellte Materialien in ihrer Funktion oder auch fossile Brennstoffe. Sie vermeiden dadurch Kohlenstoffemissionen. Dies nennt man Substitutionseffekt. Zu unterscheiden sind Holzprodukte mit langer Lebensdauer, (Bau- und Konstruktionsholz) von denen mit mittlerer Lebensdauer (Holzwerkstoffe, Furniere und Möbel) und kurzer Lebensdauer (Papier, Pappe und Kartonagen). Das Schlusslicht bildet Energieholz wie Brennholz und Pellets. Mit den Durchforstungseingriffen verbunden ist eine schnellere Verjüngung des Bestandes mit einem höheren Zuwachs und damit mehr Kohlenstoffbindung als bei dem ungenutzten Bestand.

Deshalb ist aus Sicht des Klimaschutzes ein bewirtschafteter Wald einem Nutzungsverzicht vorzuziehen. Dies bestätigt auch Dominique Blain, die wissenschaftliche Direktorin der kanadischen Klimaschutzbehörde: „Wenn die Bäume wachsen, dann nehmen sie CO2 aus der Atmosphäre auf. Sie werden also zum Speicher. Aber wenn Bäume verfaulen, durch Schädlinge absterben oder durch Waldbrände verbrennen, werden sie zur CO2-Quelle“ (Schwarte 2019).

Literatur

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