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Peter Brang

Forschungsanstalt WSL

Eidg. Forschungsanstalt WSL
Bestandesdynamik und Waldbau
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Artikel

Autor(en): Andreas Zingg, Peter Brang
Redaktion: WSL, Schweiz
Kommentare: Artikel hat 0 Kommentare
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Wer ist die Grösste im ganzen Land?

Grosse Lebewesen faszinieren. Zu den grössten Lebewesen auf der Welt gehören Bäume. So stellt sich bei jedem rekordverdächtigen Baum die Frage: "Ist er der Grösste?"

Die dickste Fichte der Schweiz?
Abb. 1 - Die Fichte im Göscheneralptal auf 1490 m ü.M ist die dickste, die wir derzeit kennen.
Foto: Peter Brang (WSL)
 
Riesenfichte im Calfeisental
Abb. 2 - Die Riesenfichte im Calfeisental
Foto: Peter Brang (WSL)
 

Die dicksten Bäume der Schweiz sind Buchen und Kastanien auf der Alpensüdseite – gemessen wird immer 1,3 m über Boden, am Hang bergseits. Die dicksten Bäume auf der Alpennordseite sind wahrscheinlich Eichen. Aber auch Fichten erreichen grosse Durchmesser.

Im Jahr 2003 hat der Wissenschafter Peter Brang eine Riesenfichte im Calfeisental beschrieben. Die Reaktionen waren vielfältig: Manch ein Baumliebhaber fragte nach dem genauen Standort des Baumriesen (und bekam die gewünschte Auskunft), der Weg dorthin ist inzwischen ausgeschildert – und es wurden einige "grössere" Fichten gemeldet. Diese Meldungen haben die Forscher überprüft.

Die dicksten Fichten der Schweiz?

Nebst der bereits vorgestellten Fichte im Calfeisental (SG) vermassen die Wissenschafter je eine Fichte im Diemtigtal (BE), im Göscheneralptal (UR) und am Fusse des Säntis im Thurtal bei Wildhaus (SG). Dabei stellte sich heraus, dass die einfach scheinende Frage, welche von ihnen die dickste ist, nicht ohne weiteres zu beantworten ist:

  • Die bereits vorgestellte Fichte im Calfeisental (Abb. 2) hat 1,3 m über dem Erdboden einen Umfang von 5,78 m, ist also bei Annahme eines kreisförmigen Stammquerschnittes 1,84 m dick. Sie ist 32,8 m hoch und hat ein Holzvolumen von 22 m3 (Brang 2003a und 2003b). Ihr Standort: Koordinaten ca. 745920 / 198940, 1580 m ü.M.
  • Die Fichte im Göscheneralptal (Abb. 1) hat einen Umfang von 5,88 m und damit einen Brusthöhendurchmesser von 1,87 m. Sie ist bemerkenswerte 41,5 m hoch und erreicht ein geschätztes Volumen von 29 m3. Sie weist am Stammfuss einen Bogen auf (Säbelwuchs). Koordinaten: 683500 / 168420, 1490 m ü.M.
  • Eine beeindruckende Fichte steht auch auf der Thurwies bei Wildhaus. Mit einem Umfang von 5,03 m, einem Durchmesser von 1,60 m, einer Höhe von 41 m und einem geschätzten Volumen von 21 m3 erreicht sie die Dimensionen ihre Konkurrentinnen aber nicht ganz. Sie steht neben weiteren Baumriesen in einem Bestand. Bis vor fünf Jahren stand dort noch eine Fichte mit einem Umfang von über 7 m. Reste dieses mächtigen Baumes sind noch sichtbar. Koordinaten: 743150 / 232130, 1195 m ü.M.
  • Ausser Konkurrenz gewissermassen ist die so genannte Fuchstanne im Diemtigtal zu erwähnen. Diese Fichte lässt sich nicht so exakt messen wie die anderen (Abb. 3). 30 cm über dem Boden, parallel zur Hangfalllinie gemessen, ergibt sich ein Umfang von 8,09 m, was einem Durchmesser von 2,58 m entspricht. In einer Höhe von 1,80 m beträgt der Umfang noch 5,34 m bzw. der Durchmesser 1,70 m. Der Baum ist 34,4 m hoch. Auf einer Höhe von 2–4 m zweigen 12 dicke Stämme mit Durchmessern von 47 bis 96 cm ab (Messung durch Hans Wyss und Familie Marti, Schwenden im Diemtigtal). Eine grobe Schätzung ergibt ohne den Strunk ein Derbholzvolumen von über 35 m3, weit mehr als das der anderen hier vorgestellten Fichten. Koordinaten: 604600 / 157100, 1500 m ü.M.

Welche Fichte ist nun die dickste?

Der Stammfuss der sogenannten "Fuchstanne"
Abb. 3 - Der Stammfuss eines wirklich beeindruckenden Baumes, der sogenannten Fuchstanne, einer Fichte im Diemtigtal auf 1500 m ü.M.
Foto: Peter Brang (WSL)
 

Das werden wir nie wissen. Denn ob eine Aussage wie "Alle Schwäne sind weiss!" richtig ist, lässt sich nie mit Sicherheit nachweisen. Und so hatte auch die Aussage "dickste Rottanne der Welt" (Pressemitteilung WSL vom 3. August 2003, bezogen auf die Fichte im Calfeisental) nicht lange Bestand. In Bezug auf die wissenschaftliche Logik unterscheiden sich Fichten nicht von Schwänen. Die Pressemitteilung führte jedoch dazu, dass wir jetzt mehr dicke Fichten kennen als vorher. Diese Bäume zählen zweifelsohne zu den dicksten Fichten überhaupt. Und ganz bestimmt gehören sie zu den eindrucksvollsten Exemplaren dieser schönen Baumart. Die dickste, die wir genau messen konnten, ist jene im Göscheneralptal. Wenn nicht – ja, da gibt es doch noch eine dickere. In einem Naturpark bei Nelidovo westlich von Moskau steht die Tzarina-Fichte. Sie soll einen Stammdurchmesser von 230 cm aufweisen und 52 m hoch sein. Nachgemessen haben wir das nicht.

Steht bei Ihnen auch ein dicker Baum? Wenn Sie wissen wollen, wie dick er ist, messen Sie den Umfang bei genau 1,30 m über der Bodenoberfläche mit einem Messband, rechtwinklig zur Stammachse. Wir schicken Ihnen gerne eine genaue Anleitung dazu.

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