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Prof. Dr. Klaus J. Püttmann

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Artikel

Autor(en): Klaus Püttmann
Redaktion: FVA, Deutschland
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Die Douglasie in ihrer Heimat

Die natürliche Verbreitung der Douglasie erstreckt sich von Kanada bis Mexiko und von der Pazifikküste bis zu den Rocky Mountains. Selbst die Küsten-Douglasie, auch Grüne Douglasie genannt, kommt von Britisch Kolumbien bis Mittelkalifornien vor. Es ist bemerkenswert, dass die meisten Samen, die nach Europa exportiert wurden, aus den nördlichen Bereichen des Verbreitungsgebietes der Küsten-Douglasie stammen. So liegt z. B. die bekannte Herkunft "Darrington" nördlich von Seattle in der Nähe der kanadischen Grenze. Damit ist die weite Nord-Süd-Verbreitung der Küsten-Douglasie noch lange nicht abgedeckt.

Das große Verbreitungsgebiet mit unterschiedlichen Klimabedingungen macht sich nicht nur in der genetischen Vielfalt der Baumart bemerkbar, sondern bedingt auch verschiedene Störfaktoren, die die typischen Bestandesstrukturen prägen.

Im nordwestlichen Teil des Verbreitungsgebietes der Douglasie ist das Klima durch viel Regen, mit teilweise mehr als 2000 mm Niederschlag im Jahr, relativ warme Winter und relativ kühle, trockene Sommer gekennzeichnet. Selbst hier wird das Wachstumspotenzial der Baumart Douglasie durch die Sommertrockenheit begrenzt. Natürliche Störungen sind hauptsächlich auf Stürme und sehr seltene größere Feuer beschränkt. Die Intervalle dieser großen Störungen können mehrere Jahrhunderte betragen. Deshalb können Douglasien in Beständen, die durch ihre Lage vor Stürmen geschützt sind, bis zu tausend Jahre alt werden und Höhen von über 80 m erreichen.

Douglasienbestand, der vor ca. 95 Jahren durch Naturverjüngung entstanden ist, im mittleren Küstengebirge in Oregon
Abb. 1: Douglasienbestand, der vor ca. 95 Jahren durch Naturverjüngung entstanden ist, im mittleren
Küstengebirge in Oregon. (Foto: K. Püttmann)

Verjüngung und Bestandesstruktur

Im Küstengebirge Oregons scheinen sich die Urwälder nach solchen Störungen über längere Zeiträume natürlich verjüngt zu haben. In verschiedenen Studien wurden Verjüngungszeiträume von bis zu 60 Jahren festgestellt. Ein paar hundert Jahre später, als "old-growth", werden sie aber als gleichaltrige Bestände eingestuft. Diese Bestände sind in den ersten Jahren sehr weitständig aufgewachsen und werden häufig von der Douglasie dominiert. Andere Baumarten, wie z. B. Erlen, Ahorn oder Eichen, werden bald von der Douglasie überwachsen und verdrängt. Ohne größere Störungen werden die Douglasienbestände von der schattentoleranten Küstentanne und Western Hemlock unterwandert. Allerdings ist die Douglasie auf den meisten Standorten so langlebig, dass die Bestandesstruktur auch nach mehreren Jahrhunderten von wenigen Douglasien dominiert wird, wobei aber der Hauptbestand oft von Hemlock gebildet wird. Im Gegensatz dazu, hat sich nach den Kahlschlägen von Anfang bis Mitte des 19. Jahrhunderts die Naturverjüngung in den nördlicheren Verbreitungsarealen oft sehr schnell und erfolgreich etabliert. Dies war zum Teil dadurch bedingt, dass auf solchen Kahlschlägen nur das wertvollste Holz geerntet wurde und die verbleibenden Bäume als Samenbäume wirkten. Die Naturverjüngung hat oft zu gleichaltrigen und monospezifischen, dichten Beständen geführt, die heute als "second-growth" im erntereifen Alter sind (Abb. 1).

Die großflächigen Feuer bei Tillamok, Oregon, bei denen in den 1930er und 1940er Jahren über 100.000 ha bis zu vier Mal hintereinander brannten, haben die Forstwirtschaft wesentlich verändert. Da nach den Feuern praktisch keine Samenbäume zurückgeblieben waren, wurde die erste großflächige Aufforstungsaktion in Oregon gestartet. Der damit verbundene Fortschritt in der Baumschul- und Pflanztechnik wurde auch auf Aufforstungen nach Kahlschlägen angewandt. Seit den 1960er Jahren wurde die Pflanzung auf praktisch allen Verjüngungsflächen verwendet.

Kleinflächige Mischung von Baumarten in den Siskiyou Mountains, Oregon
Abb. 2: Kleinflächige Mischung von Baumarten in den Siskiyou Mountains, Oregon.
(Foto: T. Sensenig)
 
Typischer Kahlschlag im Großprivatwald in Oregon. Stellen, die beim Herbizideinsatz nicht behandelt wurden, sind an der grünen Vegetation zu erkennen
Abb. 3: Typischer Kahlschlag im Großprivatwald in Oregon. Stellen, die beim Herbizideinsatz nicht behandelt wurden, sind an der grünen Vegetation zu
erkennen. (Foto: K. Püttmann)

Am anderen Ende des Klimaextrems, in den südlicheren Bereichen des Verbreitungsgebietes, kann die Küsten-Douglasie durchaus längere und wärmere Sommertrockenzeiten ertragen. So sind z. B. die Regenfälle in Medford in der Siskiyou Region in Oregon auf 540 mm/Jahr beschränkt, von denen typischerweise nur 30 bis 40 mm im Sommer fallen. Auch sind längere Trockenperioden im Sommer keine Seltenheit. Ein Extrem war die Trockenperiode im Sommer 1998, die 98 Tage dauerte. Feuer sind wesentlich häufiger und machen sich auch in der typischen Bestandstruktur bemerkbar. Aufgrund der größeren Häufigkeit von Waldbränden und hoher Variabilität in den Bodeneigenschaften ist in diesen Gebieten die Bestandesstruktur eher gemischt, kleinflächig und ungleichaltrig. Dabei kommt die Douglasie in Mischung mit Ponderosa-Kiefer, Jeffreys Kiefer, Lawsons Scheinzypresse und weiteren Baumarten vor (Abb. 2). An der Trockengrenze war die Verbreitung der Douglasie historisch von Trockenheiten und den damit verbundenen häufigen Feuern limitiert. Hier hat die Waldbrandbekämpfung dazu geführt, dass sich die Douglasie häufig in weitständige Kiefernbestände ausbreitet.

Bewirtschaftung

Die Plastizität der Küsten-Douglasie zeigt sich auch in der Spreite der Bewirtschaftung, die von extrem intensiver Plantagenwirtschaft im Großprivatwald bis hin zu geschützten Gebieten in Bundeswäldern reicht. In allen Fällen muss dabei berücksichtigt werden, dass aufgrund der Flächengröße und der Kostenstrukturen die Beförsterung im Vergleich zu deutschen Verhältnissen äußerst gering ist. Arbeitsintensive Maßnahmen wie kleinflächige Verjüngungen und Astung sind deshalb nicht praktikabel.

Im Großprivatwald werden heute ausschließlich Plantagen nach Kahlschlägen etabliert. Die durchschnittliche Kahlschlagsgröße beträgt 21 ha, aber es sind auch Kahlschläge von bis zu 50 ha (der gesetzlich erlaubten Obergrenze in Oregon) zu finden. Die Anpflanzungen werden typischerweise in einem relativ weiten Verband (um 1.100 Bäume je ha) angelegt. Die Unkrautbekämpfung ist sehr intensiv und kann mehrere Herbizidanwendungen beinhalten (Abb. 3). Bei relativ kurzen Umtriebszeiten sind teilweise Läuterungen, aber meistens keine Durchforstungen eingeplant (nur 4 % der Holzernte kommt aus Durchforstungen). Verschiedene Unternehmen düngen die Bestände mit 200 kg/ha Stickstoff im Alter 20 und 30 Jahren, um den Zuwachs zu steigern. Die typischen Umtriebszeiten im Großprivatwald betragen weniger als 50 Jahre. Dies ist unter anderem durch die relativ hohen erwarteten Zinssätze bedingt. Durch das junge Alter der Erntebäume hat die Sägewerksindustrie in den letzten 20 Jahren fast ganz auf schwächere Sortimente umgestellt.

Im Gegensatz zum Privatwald werden momentan aufgrund politischer Bedingungen in den Bundeswäldern praktisch keine Verjüngungshiebe getätigt. Die Holzernte ist seit Anfang der 1990er Jahre stark zurückgegangen (in manchen Bezirken auf 1 bis 2 % der Holzernte von 1980). Dementsprechend hat in den Bundesforsten der Naturschutz an Gewicht gewonnen. Größere Flächen sind von der Bewirtschaftung ausgenommen und der Einsatz von Herbiziden ist schon seit Mitte der 1980er Jahre in den Bundeswäldern verboten. Die Bewirtschaftung beschränkt sich auf Durchforstungen von Wäldern, die vor 30 bis 60 Jahren nach Kahlschlag verjüngt wurden. Mit diesen Durchforstungen werden drei Ziele verfolgt: Einkommen für den Bund zu erzielen, lokale Sägewerke zu unterstützen und stärkere Heterogenität in den Beständen zu schaffen. Deshalb wird mehr und mehr die Förderung heterogener Strukturen bei Durchforstungen berücksichtigt. So werden Lücken bis zu 0,1 ha geschlagen, in denen sich die Douglasie ansamen und verjüngen kann, wenn der Unterwuchs nicht zuviel Konkurrenz bietet. Allerdings gibt es momentan Bestrebungen, über eine neue Gesetzgebung wieder Verjüngungshiebe in den Bundeswäldern zu etablieren.

Bundeswald und Großprivatwald sind extreme Beispiele für die Bewirtschaftung der Douglasie. Staatswald und Kleinprivatwald liegen in Bezug auf Intensität, Umtriebszeit und Größe der Bestände zwischen diesen Extremen. Aber auch hier ist die Naturverjüngung sehr selten, was zum Teil durch die gesetzliche Aufforstungspflicht bedingt ist. Die Naturverjüngung kann nur auf kleinsten Flächen verwendet werden, die nicht der gesetzlichen Aufforstungspflicht unterliegen (typischerweise kleiner als 1 ha). In diesen Besitzarten sind die Umtriebszeiten zum Teil länger und liegen oft zwischen 60 und 80 Jahren, in Einzelfällen sogar bei 120 Jahren. Allerdings bereitet die Vermarktung von Starkholz große Probleme.

Bedrohungen durch Schädlinge und Klimawandel

Die Douglasie hat in ihrer Heimat eine Reihe von Schädlingen. Allerdings haben die Schädlinge in den meisten Fällen zu keinen großflächigen Ausfällen geführt. Ausnahmen sind die Rußige Douglasienschütte, die in Oregon in einem Streifen direkt an der Küste momentan ungefähr 400.000 ha befallen und zu Zuwachsverlusten von bis zu 50 % geführt hat. Die Ringfäule ist relativ weit verbreitet (geschätzte 5 % der Fläche). In Beständen mit erkannten Problemen werden Thujen oder Erlen eingemischt, die gegen die Fäule resistenter sind. Wildverbiss führt nur selten zu Problemen. Der Großprivatwald hat das Problem dadurch gelöst, dass er die Douglasien mit möglichst geringer Konkurrenz aufwachsen ließ. Durch die optimalen Wachstumsbedingungen sind die Pflanzen mit genug Reserven ausgestattet, um die Verluste durch Verbiss zu kompensieren. Im Kleinprivatwald ist allerdings zum Teil Einzelschutz nötig, um erfolgreiche Aufforstungen zu garantieren. In einzelnen Gebieten haben sich Schwarzbären darauf spezialisiert, in Beständen, die um die 20 Jahre alt sind, Douglasien zu schälen. Dies kann lokal zu Verlusten führen. Allerdings kann das Problem auch durch spezialisierte Bärenfänger relativ einfach behoben werden.

Sorgen bezüglich des Klimawandels haben Genetiker veranlasst, das Thema der Samenherkunft neu zu untersuchen. Dabei ist eine >>Webseite entwickelt worden, mit der Herkünfte gesucht werden können, die zu dem vorhergesagten zukünftigen Klima passen. Es ist allerdings zu berücksichtigen, dass den Folgen des Klimawandels nicht einfach mit einer anderen Samenherkunft begegnet werden kann. Vielmehr sind ökosystembezogene Ansätze gefragt.

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