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Artikel

Autor(en): Koni Häne (externer Autor)
Redaktion: WSL, Schweiz
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Die Vogelbeere (Sorbus aucuparia)

Eberesche, Schwiiesche, Stinköschä, Nielesche, Gürmsch, Gärgetsch, Mooseisch, Wiismehlbomm, Drosselbeere oder Quitsche: Das sind Volksnamen für die Vogelbeere. Auch optisch hat der  oft strauchförmige Baum einiges zu bieten.

Viele Namen – der gleiche Baum

Vogelbeerbaum
Abb. 1 - Vogelbeeren wachsen im Gebirge bis über 2000 Meter Höhe.
Foto: Ulrich Wasem (WSL)

Aus verschiedenen Quellen kennen wir viele Namensgebungen für die Vogelbeere. Das Lateinische "aucuparia" lässt sich aus "Vogelfang" ableiten ('avis' = au = Vogel; 'capere' = fangen). Tatsächlich wurden früher Millionen von Vögeln, speziell Drosseln, bei ihren jährlichen Durchzügen mit den roten Früchten des Vogelbeerbaumes in tödliche Schlingen gelockt. Ob ihr Name davon abgeleitet wurde oder von der Tatsache, dass Dutzende von Vogelarten von den Früchten dieses Baumes angelockt werden, bleibe dahingestellt.

Eberesche lässt sich ableiten von "eber = aber = falsch"; dies deutet auf "Falsche Esche" hin. Die wechselständigen, unpaarigen Blätter dieser beiden Baumarten sind sich sehr ähnlich. Zahlreich sind die Volksnamen im deutschsprachigen Raum, so beispielsweise: "Schiiesche, Stinköschä, Nielesche, Gürmsch, Gärgetsch, Mooseisch, Wiismehlbomm, Quitsche, Drosselbeere" usw. Im deutschen Volkslied "Kann scheeneren Baam gibt's wie den Vugelbeerbamm", wird diese Baumart sogar musikalisch verewigt.

Verbreitung und Standort

Die Vogelbeere - eine typische Pionierbaumart - ist praktisch in ganz Europa sowie in Westasien heimisch. In ihren Standortsansprüchen ist sie aussergewöhnlich tolerant und anspruchslos. Sie gedeiht ebenso auf nassen wie auf trockenen, auf armen wie auf nährstoffreichen Böden. Sie fehlt lediglich in Sümpfen und an Schwarzerlenstandorten; auf Kalkböden ist sie selten. Vom Tiefland bis ins Hochgebirge, in Ausnahmefällen bis 2300 m.ü.M., ist sie anzutreffen.

Waldbauliche Bedeutung vor allem im Gebirge

Die frostharte Vogelbeere ist speziell im Gebirge ein beliebter Pionier, sei dies als Schutzwaldbaumart bei biologischen Wildbach- und Lawinenverbauungen oder als Erstbesiedler auf Windwurf- oder auf durch Borkenkäfer entstandenen Kahlflächen. Das weitreichende, tiefgreifende Wurzelwerk des Vogelbeerbaums vermag den Boden so gut festzuhalten wie kaum eine andere Baumart. Diese Eigenschaft ist speziell in erosionsgefährdeten Gebieten von grosser Bedeutung.

Speziell zeichnet sich die Vogelbeere durch ihre enorme Verjüngungsfreudigkeit aus. Sie vermehrt sich nicht nur durch Samen, sondern auch durch Wurzelbrut, durch Ableger sowie durch Stockausschläge. Ausser durch häufigen und intensiven Wildverbiss ist die aufrecht wachsende Vogelbeere wenig anderen Gefahren ausgesetzt. Gesamtschweizerisch sind allerdings etwa 30% der Vogelbeeren durch das Wild beschädigt.

Ökologische Bedeutung

Früchte der Vogelbeere
Abb. 2 - Nicht nur bei Vögeln beliebt: Vogelbeeren.
Foto: Thomas Reich (WSL)

Durch das Laub, das rasch zersetzt wird, werden die zumeist kargen und nährstoffarmen Gebirgswaldböden auf natürliche Art angereichert. Eine wichtige ökologische Bedeutung liegt darin, dass der Vogelbeerbaum vielen Tieren - von Käfern, Schmetterlingen, Nagern, Füchsen bis zum Reh- und Rotwild - als Futterpflanze und als Wohnraum dient. Über die Bedeutung dieser Baumart wurde in der Mitte des letzten Jahrhunderts vermerkt: "Für Zuziehung Erhaltung der Singvögel, insbesondere der Amsel und Drossel, ist die Pflanzung der Vogelbeerbäume sehr wichtig." Mit Recht trägt sie ihren Namen; denn über 60 Vogelarten wurden beim Frass auf dem Vogelbeerbaum beobachtet.

Verwendung des Holzes

Bei uns hat die Verwendung des Holzes des Vogelbeerbaums an Bedeutung verloren. Aussterbende Handwerksberufe wie Wagner, Drechsler und Schnitzer schätzten die Härte und die Schwere, aber auch die Elastizität und die Zähigkeit dieser mit einem hellbraunen Kern versehenen Holzart. Die schöne Holzstruktur, gekennzeichnet durch scharf ausgeprägte Spätholzlinien, welche die Jahrringe abschliessen, kommt bei kleineren Möbelstücken wie auch bei Spazierstöcken zur Geltung.

Heilkunde

Seit langem ist der Vogelbeerbaum in der Heilkunde ein Begriff, so beispielsweise bei Nierenleiden, bei Husten und Heiserkeit, sowie als Blutreinigungsmittel. Aus den gerbstoffreichen Blättern lässt sich ein eher bitter schmeckender Tee brauen, welcher gegen Magen- und Darmbeschwerden helfen soll. Aus den Früchten lassen sich, je nach Zutaten und Herstellungsart, Essig, Branntwein und Likör herstellen. Die Früchte wirken in getrockneter Form gegen Verstopfung. Zudem steigert die hohe Vitamin C-Gehalt dieser Baumart die körpereigenen Abwehrkräfte.

Mythologie

Gemäss Überlieferungen war der Vogelbeerbaum dem germanischen Gewittergott Donar geweiht. Die Ziege, das Lieblingstier von Donar, soll schon damals die Blätter dieses Baumes bevorzugt haben. Als Schutz vor bösem Zauber und als Fruchtbarkeitssymbol hatte der Vogelbeerbaum bereits bei den Kelten grosse Bedeutung. Zudem ist in vielen Sagen die Rede vom Vogelbeerbaum, etwa in Island wegen der herbstlichen Verfärbung als "Blutbaum", oder in Schweden und Norddeutschland, wo während den ersten Maitagen das Vieh, mit den vielblütigen Trugdolden und Zweigen geschmückt, Gesundheit und Kraft erhalten sowie vor bösen Geistern geschützt werden soll.

Vogelbeere auf Schweizer Briefmarke
Abb. 3 - Vogelbeere auf Schweizer Briefmarke.
Foto: Koni Häne

Auch für spöttische Handlungen muss diese Baumart herhalten. So wurden in Westfalen und in Tübingen (D) vor die Häuser, in denen in der Liebe wankelmütige oder "leichte" Mädchen wohnten, als Zeichen des Spottes und des Missmutes Vogelbeerbäume gepflanzt.

  • Der Vogelbeerbaum
    Das Leben hat ihm wenig zugemessen.
    Was andere an Grund und Raum bemessen,
    das mangelt ihm fast ganz und gar.
    Doch unbeirrt in abgeschiedener Stille
    Macht er in froher Armut Gottes Wille
    Mit schlichter Schönheit offenbar.
  • In scharlachtrunknem, jubelndem Vergessen
    Von Sturm und Nebelgrau und alles dessen,
    was eines Jahres hartes Schicksal war
    steht er im Morgenlicht. In farb'ger Hülle
    bringt er ihm lachend und in reicher Fülle
    als Dank die herben Farben dar.
  • Dichter W.K.
Quellen
  • Schutzgemeinschaft Deutscher Wald
  • Jean-Denis Godet: "Bäume und Sträucher"
  • Urs-Beat Brändli: "Die häufigsten Waldbäume der Schweiz"

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