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Artikel

Autor(en): Koni Häne (externer Autor)
Redaktion: WSL, Schweiz
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Die Schwarzpappel (Populus nigra)

Obwohl sie fast in ganz Europa verbreitet ist, zählt die Schwarzpappel zu den seltenen und gefährdeten Baumarten. Der Hauptgrund dafür ist die Zerstörung von Auengebieten, der natürlichen Lebensräume dieses schnell wachsenden Riesen. Aber auch der Anbau von Hybridpappeln trägt zum Rückgang der vom Aussterben bedrohten Baumart bei.

Blätter der Schwarzpappel
Abb. 1 - Schwarzpappeln sind nicht nur wegen ihren abnehmenden Lebensräume bedroht, sondern auch wegen möglicher Einkreuzungen von angepflanzten Hybridpappeln.
Foto: Daniela Csencsics (WSL)
 

Weltweit gibt es rund 60 Pappelarten. Sie gehören zur Familie der Weidengewächse.
Die sehr raschwüchsige Schwarzpappel benötigt lediglich 30 bis 50 Jahre um zu einem stattlichen Baum von gut 30 m Höhe und bis gegen 2 m Stammdurchmesser heranzuwachsen. Zwei verschiedene Formen prägen diese Baumart:

  • die ursprüngliche Schwarzpappel
    mit einer breitausladenden Krone
  • die säulenförmige Pyramidenpappel
    (Populus nigra "Italica")

Erstere ist nur noch selten entlang von Flüssen und in Auengebieten anzutreffen, letztere an Strassen. Trotz ihrer Schnellwüchsigkeit können Schwarzpappeln ein Alter von 100 bis 150 Jahren erreichen.

Erkennungsmerkmale und Verwendung

Die dunkelgraue, fast schwarze Rinde gab dieser Pappelart den Namen und weist eine x-rissige Struktur auf. Die Krone ist breit, aber unregelmässig aufgebaut und der Stamm oft mit Maserknollen und Wasserreisern versehen. Die für einen Stammfuss ungewöhnliche Form ist geprägt durch brettartige Wurzelanläufe.

Stamm
Abb. 2 - Eine Schwarzpappel (Populus nigra) mit typischen Maserknollen, die jedoch nicht bei jedem Baum vorhanden sind.
Foto: Daniela Csencsics (WSL)

Die Knospen sind eng anliegend, klebrig und von bräunlicher Farbe. Die schraubig an Ästchen stehenden 8 bis 12 cm langen Blätter sind rautenförmig, fast dreieckig und mit lang ausgezogener Spitze. Die Blüten der Schwarzpappel sind etwa 10 cm lang und erscheinen im April nach Geschlechtern getrennt auf verschiedenen Bäumen (zweihäusig). Pappeln vermehren sich aber nicht nur durch die aus den geplatzten Früchtekapseln schwebenden, flaumigen Samen (sogenannter "Pappelschnee"), sondern auch vegetativ über Stockausschläge und Wurzelbrut. Zur Erhaltung dieser Baumart ziehen Baumschulen Schwarzpappeln mittels Stecklingen und Pfropfungen nach.

Nicht nur weil die Stämme der Schwarzpappel oft krumm, wulstig und astig sind, sondern vor allem wegen des wenig dauerhaften Holzes ist die Nutzholztauglichkeit beschränkt. Am ehesten wird das helle, mit einem dunklen Kern versehene, weiche und deswegen leicht zu bearbeitende Holz für die Herstellung von Paletten, Kisten, Streichhölzer und Blindholz gebraucht und Schnitzer stellen daraus vor allem Holzschuhe her. Interessant ist auch die Verwendung der flaumigen Samen, welche als Füllung von Kissen und Decken sowie als Isoliermaterial dienen. Deshalb heissen in Nordamerika vorkommende Pappelarten auch "Cottonwood" (Baumwollbaum).

Ökologische Bedeutung

Ebenso wie verschiedene Weidenarten ist die Schwarzpappel eine Charakterbaumart in Auenwäldern. Sie bietet einer grossen Anzahl von Insekten Lebensraum. Speziell bevorzugen Pappelbock, -blattkäfer und -blattroller sowie Pappelschwärmer, -spinner und –wickler die Schwarzpappel. Viele Vogelarten nutzen die Krone als Nistplatz. Von ökologischer Bedeutung ist auch, dass die Schwarzpappel kontaminierten Böden Schwermetalle zu entziehen vermag.

Geschichtliches und Medizinisches

Koehler's Medicinal Plants (1887)
Abb. 3 - Koehler's Medicinal Plants (1887)

Gemäss griechischer Mythologie entstanden die Pappeln aus den Heliaden, den Schwestern des Phaeton, Sohn des Sonnengottes Helios. Als dieser den väterlichen Sonnenwagen nicht mehr zügeln konnte, weil die Pferde durchbrannten, traf ihn der strafende Blitzschlag von Zeus. Aus Trauer um ihren getöteten Bruder erstarrten die Heliaden zu Schwarzpappeln. Deshalb wurde in der Antike diese Baumart mit der Unterwelt und dem Tod in Verbindung gebracht.

Bereits vor 4000 Jahren empfahl der griechische Arzt Galen eine Salbe aus Knospen der Schwarzpappel gegen Entzündungen. Noch heute wird die Pappelsalbe bei Hautentzündungen und Hämorrhoiden angewendet. Aus den Knospen werden Gerbstoffe gewonnen sowie ätherische Öle hergestellt, deren Substanzen fiebersenkend und desinfizierend wirken. Für eine rasante Verbreitung der Pyramidenpappel im 19. Jahrhundert war Napoleon verantwortlich. Zur besseren Orientierung im Winter sowie als Schattenspender im Sommer liess Napoleon seine Heerstrassen mit dieser ursprünglich aus Italien stammenden, raschwüchsigen Baumart bepflanzen.

Die Schwarzpappel im Labor

Einheimische Schwarzpappeln sind nicht nur wegen ihren rückläufigen Lebensräume - den Auenwäldern - bedroht, sondern auch wegen möglicher Einkreuzungen von angepflanzten Hybridpappeln. Deshalb sollen möglichst viele und artreine Schwarzpappeln nachgezogen werden. Es ist aber alles andere als einfach, aufgrund ihres Aussehens die Artreinheit dieser Baumart festzustellen.

In Zusammenarbeit mit dem Projekt "Förderung seltener Baumarten (SEBA)" der ETH Zürich untersuchten Forschende der WSL mit genetischen Methoden (DNS-Analyse) über 1000 Pappelproben. Mit wenigen Milligramm Holz konnte so innert weniger Wochen festgestellt werden, ob es sich bei den in verschiedenen Kantonen gesammelten Proben tatsächlich um Schwarzpappeln handelt oder um Hybriden. Erfreulich dabei ist, dass bei uns diese Charakterbäume der Auen häufiger vertreten sind als bisher angenommen. Eine vorsichtige Schätzung beziffert den Bestand auf ungefähr 65'000 Schwarzpappeln.

Die Pyramidenpappel

Da stehen sie am Wege nun,
die langen Müssiggänger,
und haben weiter nichts zu tun
und werden immer länger.

Da steh’n sie mit dem steifen Hals,
die ungeschlachten Pappeln,
und wissen nichts zu machen,
als mit ihren Blättern zu zappeln.

Sie tragen nicht, sie schatten nicht
und rauben, wo sie wallen,
uns nur der Landschaft Angesicht;
wem könnten sie gefallen?


Friedrich Rückert (1788 – 1866)

Quellen
  • Kuratorium Baum des Jahres
  • Österreichische Apothekerkammer
  • Doris Laudert: Mythos Baum

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