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Autor(en): Koni Häne (externer Autor)
Redaktion: WSL, Schweiz
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Traubeneiche und Stieleiche im Portrait

Eichen sind keine gewöhnlichen Bäume. Sowohl wirtschaftlich als auch ökologisch haben sie eine grosse Bedeutung. Auch im Brauchtum haben sie Spuren hinterlassen. Das alles ist Grund genug, die beiden wichtigsten einheimischen Eichen vorzustellen.

Vorkommen

alleinstehende Eiche
Abb. 1 - Alleinstehende Eichen prägen häufig das Landschaftsbild. Anklicken zum Vergrössern.
Foto: Thomas Reich (WSL)
 
Eichenstamm
Abb. 2 - Eichenstamm mit typischer Borke.
Foto: Ueli Wasem (WSL)
 
Stieleiche auf Briefmarke
Abb. 3 - Die Briefmarke der deutschen Bundespost zeigt die stehenden weiblichen Blüten und die hängenden männlichen Blütenkätzchen der Stieleiche. Namensgebend für die Stieleiche waren die langgestielten Eicheln. Anklicken zum Vergrössern.
Foto: Koni Häne

Eichen gehören zur Familie der Buchengewächse. Weltweit sind gegen 600 Eichenarten bekannt, in Europa deren 27. In der Schweiz kommen folgende vier Arten natürlich vor:

  • Stieleiche (Quercus robur)
  • Traubeneiche (Quercus petraea)
  • Flaumeiche (Quercus pubescens)
  • Zerreiche (Quercus cerris), nur im Tessin

Die Roteiche (Quercus rubra) wurde aus Amerika eingeführt und mancherorts als Waldbaum gepflanzt. Die aus dem Mittelmeerraum stammende Steineiche (Quercus ilex) findet Verwendung als Gartenbaum und ist gelegentlich verwildert. Waldbaulich von Bedeutung sind hauptsächlich Stiel- und Traubeneiche. Die Stieleiche macht gemäss dem Schweizerischen Landesforstinventar LFI3 0.9% des Holzvorrats in der Schweiz aus; die Traubeneiche hat einen Vorratsanteil von 1.2%

Sowohl die Trauben- als auch die Stieleiche kommen mit Ausnahme des nördlichen Skandinavien und des südlichen Mittelmeerraums im Grossteil von Europa vor. Im Gegensatz zur Traubeneiche stösst die Stieleiche im Osten bis weit nach Russland vor.

In wärmeren Lagen auf trockenen bis frischen, tiefgründigen Standorten bis etwa 1500 m ü. M. fühlt sich die Traubeneiche wohl. Die Stieleiche bevorzugt wechselfeuchte, staunasse Standorte wie beispielsweise Auen.

Aussehen

Die Wuchsform der Eichen ist je nach Standort sehr unterschiedlich. In geschlossenen Beständen von Wirtschaftswäldern wölbt sich nach einem langen, meist geraden und oft astfreien, mit einer graubraun und gleichmässig tief längsrissigen Rinde versehenen Stamm (Abb. 2) eine hohe, gewölbte Krone. Solche Eichen können bis 40 m hoch werden, wobei die Traubeneiche in Sachen Höhe meist die Nase vorn hat. In Parkanlagen werden Eichen nicht ganz so hoch und haben eine breitere Krone.

Eindrücklich präsentieren sich Eichenbäume in Waldlichtungen oder freistehend im Gelände (Abb. 1). Mit einer Höhe von 20 bis 30 m und einem bis 3 m dicken Stamm und mit einer breiten, mit weit ausladenden, knorrigen Ästen versehenen Krone, prägen sie das Landschaftsbild.

Eichen können ein Alter von 600 bis 1000 Jahren erreichen, wobei die Stieleiche etwas älter werden kann als die Traubeneiche. Mit geschätzten 1500 Jahren halten die "Femeiche" in Erle bei Raesfeld (D) sowie eine Stieleiche im schwedischen Norra Kwill den Altersrekord. Letztere hat einen Stammumfang von 14,80 Metern. Die schweizweit Älteste ist mit über 600 Jahren eine Traubeneiche. Sie steht in Felsberg GR und hat einen Stammumfang von 7,20 Metern.

Blüten, Blätter, Früchte

Eichen sind einhäusig, das heisst, die männlichen und die weiblichen Blüten sind zwar getrennt voneinander, aber auf dem gleichen Baum (Abb. 3). Sie blühen jeweils ab Mitte April, wobei die Traubeneiche rund zwei Wochen später blüht; deshalb ist sie weniger durch Spätfrost gefährdet als die Stieleiche. Beide Eichenarten blühen allerdings erst ab einem Alter von 50 bis 60 Jahren.

Als sicherstes Merkmal lassen sich die beiden Eichenarten anhand ihrer Früchte, der im September bis Oktober reifenden Eicheln, unterscheiden. Die nur kurze Zeit keimfähigen Eicheln wiegen etwa drei Gramm. Bei der Stieleiche sind ein bis drei walzenförmige Eicheln an einem langen Stiel, die Blätter sind jedoch kurzgestielt mit dem Zweig verbunden.

Bei der Traubeneiche ist es gerade umgekehrt: Die zwei bis sechs etwas kleineren Eicheln sind traubenartig angeordnet und stiellos mit dem Zweig verbunden. Die 8 bis 12 cm langen und 5 bis 7 cm breiten Blätter der Traubeneiche sind wechselständig angeordnet und haben einen 1 bis 3 cm langen Blattstiel (Abb. 4). Oft verbleiben die Blätter über den Winter an den Ästen und werden erst gegen den Frühling abgeworfen; deshalb auch der Name "Wintereiche" (Abb 1).

     
Blätter der Traubeneiche Eichenholz  
Abb. 4 - Im Gegensatz zur Stieleiche, deren Blätter kurzgestielt mit dem Zweig verbunden sind, haben die Blätter der Traubeneiche einen deutlich erkennbaren Stiel.
Foto: Thomas Reich (WSL)
Abb. 5 - Eichenholz ist hart, zäh und dauerhaft.
Foto: Thomas Reich (WSL)
 
     

Nutzung

Das ringporige, hell- bis dunkelbraune Kernholz der Traubeneiche ist zur Furnierholzherstellung sehr begehrt und wird bis zu CHF 10 000.–/m³ gehandelt (Abb. 5). Eichenholz ist hart, zäh und äusserst dauerhaft. Deshalb findet es Verwendung als Bauholz innen sowie auch im Freien und im Wasserbau, als Schwellen oder als Pfähle. Für den Schiffsbau war die Eiche, "The father of ships", so begehrt, dass sie gebietsweise fast ausgerottet wurde. Nicht verwunderlich, wurden doch für eine Fregatte (dreimastiges Kriegsschiff) etwa 2000 Eichenstämme benötigt! Zur Lagerung und Geschmacksverbesserung von Wein, Cognac, Sherry und Whisky ist das gut zu bearbeitende Holz seit etwa 1000 v. Chr. beliebt (Abb. 6).

Weinfässer
Abb. 6 - Zur Lagerung und Geschmacksverbesserung von Wein, Cognac, Sherry und Whisky ist das gut zu bearbeitende Holz seit etwa 1000 v. Chr. beliebt.
Foto: Koni Häne

Während Jahrhunderten war der Nutzen der Eichenwälder wegen der Früchte und der Rinde wichtiger als die Holznutzung. Mittels Lohhecken wurde die Traubeneiche als Niederwald bewirtschaftet, wobei im 20-Jahre-Rhythmus die Stämme geringelt, die Rinde abgeschält und getrocknet wurde. Die daraus gewonnenen Gerbstoffe, mit einem Anteil von 8 bis 20% Gerbsäure dienten zum Gerben und Färben von Tierfellen. Waldbaumfrüchte, speziell Eicheln, waren als wichtigstes Schweinefutter sehr geschätzt, denn sie erzeugten kerniges Fleisch und Speck mit gutem Geschmack. "Auf den Eichen wachsen die besten Schinken", hiess es in einem Roman aus dem 17. Jahrhundert. Orte, wo Schweine auf Weiden und Wäldern gemästet wurden, dem Acherum, unterlagen strengen Gesetzen und der Wert der Eichenwälder wurde nach der Anzahl der dort zu weidenden Schweine berechnet.

Forschungsergebnisse zeigen, dass bereits Steinzeitmenschen, um über den Winter versorgt zu sein, im grossen Stil Eicheln gesammelt und gelagert haben. Trotz erschwerter Verdauung wegen der Gerbstoffe und des Tannins dienten in Hungersnöten und während Kriegsjahren die 38% Stärke sowie Öl, Zucker und Eiweiss beinhaltenden Eicheln den Menschen als Nahrungsmittel, indem Getreidemehl mit Eichelmehl "gestreckt" wurde. Noch im letzten Jahrhundert dienten Eicheln als Kaffee-Ersatz. Mit den um ca. 1740 durch die Spanier von Südamerika nach Europa gebrachten Kartoffeln verlor die Eichelmast an Bedeutung. Die Schweine wurden vermehrt mit Kartoffelabfällen gefüttert.

Name

zahlreiche Ortsnamen gehen auf Eichen zurück
Abb. 7 - Viele Orts- und Flurnamen gehen auf die Eiche zurück. Hier ein Brief aus dem Jahr 1870 von Eich bei Sempach nach Buttwil. Anklicken zum Vergrössern.
Foto: Koni Häne
 

Im deutschsprachigen/germanischen Raum ist die Herkunft zur Namensgebung der Eiche ähnlich: "eih", "eik" (althochdeutsch), "ac" (angelsächsisch), "ek" (altfriesisch), "Eke" und "Eike" (Niederdeutsch) sowie "Ache", "Aich" und "Oache" (Schweiz und Bayern). Viele Orts- und Flurnamen erinnern an die Existenz dieser eindrücklichen Baumart: Eich (Abb. 7), Eichwald, Eichtal, Eichberg, Eichholz, Eichenmühle, Eichenlohe, Eien, Eybach, Schöneich, Chêne, Chêney; aber auch "Hard ", was "offener Eichenwald " bedeutet.

Zudem leiten sich verschiedene Familiennamen von der Eiche ab: Eicher, Eichler, Eichinger, Eichenberger, Eichenroth, Eichmann und natürlich der allseits bekannte Lyriker und Schriftsteller Freiherr von Eichendorff. Auch Tiere profitieren von der Eiche, wie ihre Namen zeigen: Eichhörnchen (Eicker), Eichenbock, Eichenwickler, Eichenprachtkäfer, Eichengallwespe, Eichenprozessspinner, Eichelwurm sowie der jeden Herbst für seinen Wintervorrat bis zu 11 Kilo Eicheln sammelnde Eichelhäher. Eichen-Rotkappe und Eichhase sind Pilze.

Waldbauliche und ökologische Bedeutung

Eichenhain
Abb. 8 - Eichenwälder und Eichenhaine erfreuen nicht nur Forstleute. Alte Eichen beherbergen auch besonders viele Insektenarten.
Foto: Ueli Wasem (WSL)
 
Knoppern-Gallwespe (Andricus quercuscalicis)
Abb. 9 - Die Knoppern-Gallwespe (Andricus quercuscalicis) ist ein wenig bekanntes Insekt auf Eiche. Die Gallen erinnern an eine geschälte Baumnuss.
Foto: Doris Hölling (WSL)

Aus waldbaulicher Sicht zählen die lichtbedürftigen Eichen, mit einer (heutigen) Umtriebszeit von 160 bis 200 Jahren, bezüglich Bewirtschaftung zu den schwierigeren Baumarten. Da sie frostempfindlich und in der Jugend durch Schneedruck und Wildverbiss gefährdet sind, benötigen sie eine sehr intensive Pflege. Zudem bilden sie schnell Wasserreiser und Klebäste. Die Redeweise "Es braucht Glück, dass eine kleine Eiche gross wird", sagt alles! Stattliche Eichenwälder sind eine Augenweide, nicht nur für Forstleute. Im Spessart, wo angeblich bereits Karl der Grosse gejagt haben soll, gedeiht wohl einer der prächtigsten Traubeneichen-Wälder Europas.

Ein weiterer, geschichtsträchtiger Eichenwald ist der Colbert-Eichenwald bei Tronçais. Zur Sicherung der Marine soll Jean-Babtiste Colbert auf Geheiss von Ludwig XIV. diesen Wald gepflanzt haben. Weil später aber die Schiffe aus Stahl gebaut wurden, erübrigte sich das dafür vorgesehene Eichenholz.

Bei uns sind die auf dem Seerücken des Bodensees wachsenden Güttinger-Eichen wegen ihrer hervorragenden Holzqualität bekannt. Kurios mutet die Geschichte des bei Murten gelegenen Galmwald-Eichenwaldes an. Dieser ursprünglich im Besitz von Bern und Freiburg bestehende Wald fiel 1811 an den Kanton Freiburg. Die damals an diese Waldungen anstossenden fünf Gemeinden verzichteten auf die Beanspruchung ihrer Waldteile. In der Folge wurde dieser rund 255 ha umfassende Forst zum Staatswald und bildet deshalb heute eine eigene Gemeinde – die einzige der Schweiz, die nur aus Wald besteht und keine Einwohner hat! Vertreter dieser geographischen, nicht politischen Gemeinde ist der Forstkreisingenieur. Um das wertvolle Erbgut des vor allem mit Traubeneichen bestockten Galmwaldes zu erhalten, wurde 1993 ein 26,3 ha umfassendes Gen-Reservat eingerichtet.

Die ökologische Bedeutung der Eiche, ob lebend oder als Totholz, ist beeindruckend; denn auf keiner andern einheimischen Baumart leben mehr Insektenarten (Abb. 9). Gemäss wissenschaftlichen Untersuchungen profitieren etwa 400 Schmetterlingsarten, Dutzende Zweiflügler und Hautflügler, über 100 Bock-, Borken- sowie Prachtkäferarten, viele weitere Insekten, Vogelarten und Säugetiere von dieser Baumart. Zudem bieten alte Eichen verschiedenen Flechtenarten ideale Lebensbedingungen, speziell der vom Aussterben bedrohten Eichen-Stabflechte.

Mythologie, Symbolik und Heilkunde

Seit jeher gilt die Eiche als Sinnbild für Kraft und Stärke, als Baum des Orakels und der Gerechtigkeit und sie wurde von vielen Völkern verehrt. Der in dieser Beziehung wohl bekannteste Baum war die Donar-Eiche der Germanen bei Geisslar (D). Laut Überlieferung soll der christliche Missionar Bonifatius im Jahr 723 diese Eiche gefällt und somit dem heidnischen Eichkult ein Ende gesetzt haben. Eine ähnliche Überlieferung gibt es auch aus der Schweiz. Eine den heidnischen Göttern geweihte Eiche wuchs einst in Disentis. Im 8. Jahrhundert wurde sie durch den Mönch Sigisbert gefällt. An dieser Stelle steht heute das berühmte Benediktinerkloster.

Eichenlaub auf Euromünze
Abb. 10 - Stieleichenlaub auf deutscher Euromünze.
Foto: Lupo  / pixelio.de

Als Symbol und Zeichen des Sieges und Heldentums tauchte Eichenlaub erstmals im deutschen Nachbarland auf dem Eisernen Kreuz 1813 auf. Später fand es Verwendung als Verzierung der Siegermedaillen bei der Turnerbewegung, im Emblem der Nationalsozialistischen Arbeiterpartei sowie als Eichenkranz während der unrühmlichen Zeit des Dritten Reiches.

Noch heute schmücken Eichenlaub und Eicheln in Deutschland die Rangabzeichen höherer Offiziere und von Forstpersonal. Auch deutsche Münzen, vom Kaiserreich ab 1871 über die gute alte Deutsche Mark bis zum heutigen Euro sind mit Eicheln oder Eichenlaub verziert (Abb. 9).

Für die Heilkunde ist speziell die (junge) Eichenrinde von Bedeutung. Die bis zu 20% Gerbstoff enthaltende Rinde hilft bei der Heilung verschiedener Krankheiten. Absude helfen in Sitzbädern gegen Hämorrhoiden, Mastdarmfisteln und Gebärmutterentzündungen oder wirken als Gurgelwasser gegen geschwollene Mandeln, entzündetes Zahnfleisch, Angina und Mundgeruch. Tee aus Eichenrinde wirkt heilend bei Erkrankungen der Magen- und Darmschleimhaut sowie bei Durchfall.

Einige Redewendungen

"Ein Kerl wie eine Eiche"

"Stark wie eine deutsche Eiche."

"Wer grüne Eichenblätter trägt, der liebt mit fester, steter Treue."

"Treibt die Eiche vor der Esche, hält der Sommer grosse Wäsche, treibt die Esche vor der Eiche, hält der Sommer grosse Bleiche."

"Fallen die Eicheln vor Michaeli (29. September) ab, so steigt der Sommer früh ins Grab."

"Eiche, die weiche, Fichte, die flüchte, Buche, die suche."*


*Diesem Rat sollte bei Gewittern nicht Folge geleistet werden, denn grundsätzlich ist man unter keinem Baum vor Blitzschlag sicher!

Quellen

  • Kuratorium Baum des Jahres
  • Erni, Franz Xaver: Eichen: eine Spurensuche: zur Geschichte der Eichen in der Schweiz. In: Gartenbau, Jg. 118, 1997, Nr. 34, S. 16-17.
  • Haerkötter, M.; Haerkötter G. (2011): Das Geheimnis der Bäume. Sagen, Geschichte, Beschreibungen. Anaconda Verlag. 320 S. ISBN : 978-3-86647-575-5
  • Brunner, M. ( 2012): Baumriesen der Schweiz. Werd Verlag. 239 S. ISBN: 978-3-85932-629-3
  • Laudert, D. (2009): Myhtos Baum. BLV Verlag. 256 S. ISBN: 978-3-8354-0557-8

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