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Artikel

Autor(en): Franziska Krainer
Redaktion: BFW, Österreich
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Laubbäume im Winter erkennen

Franz Starlinger, Vegetationsexperte am Bundesforschungszentrum für Wald, zeigt wie man Laubbäume im Winter anhand ihrer Knospen und Borken erkennen kann.

Mit Illustrationen von Johanna Kohl / BFW.

Bergulme
Bergulme.

Der Winter ist da. Die Sonne scheint, der Schnee knirscht unter den Schuhen und wir stapfen mit großen Schritten, roten Backen und kalter Nase durch den verschneiten Wald. Wenn wir durch einen Nadelwald spazieren, dann erkennen wir gut, welche Bäume unseren Weg in der frischen Winterluft säumen. 

Die immergrünen Nadelbäume verändern das ganze Jahr über ihr Aussehen kaum. Deswegen kann man Tanne, Fichte und Kiefer zu jeder Jahreszeit leicht als solche erkennen. Was wäre die Welt aber ohne jene, die aus der Reihe tanzen: Die Lärche ist der einzige in Europa heimische Nadelbaum, der so wie unsere Laubbäume im Winter seine Nadeln verliert. 

Buchen, Eschen oder Eichen?

Spazieren wir ein Stück weiter. Das Aussehen des Waldes hat sich verändert, hier wachsen Laubbäume. 

Zerreiche
Zerreiche. 

Sie haben im Herbst ihre Blätter verloren und präsentieren sich uns in der kalten Jahreszeit nun in blattloser Gestalt. Sie sind "winterkahl", so der Fachbegriff. Sie lassen sich im Winter nicht mehr so einfach in die Karten schauen.

Stehen wir nun unter Buchen, Eschen oder Eichen? Das bleibt den botanisch ungeübten Laien im Winter oftmals verborgen. Aber es gibt mehrere Möglichkeiten, Laubbäume auch im Winter zu erkennen. Dazu muss man nur aufmerksam hinschauen und den Blick auf ein paar entscheidende Erkennungsmerkmale richten. 

"Augen offen halten"

Das Aushängeschild eines Laubbaumes im Winter sind seine Knospen und seine Borke. Diese Merkmale geben mit ein wenig Vorwissen den wahren Charakter des winterkahlen Laubbaumes preis. 

Esche
Esche. 

Franz Starlinger erkennt sofort, um welche Bäume und Sträucher es sich handelt, auch wenn diese sich ohne ihr charakteristisches Blättergewand zeigen. 

Im spätherbstlichen Wald erklärt er uns, wie man ein paar typische Laubbäume im Winter anhand ihrer Knospen und Borke voneinander unterscheiden kann. Sein Geheimrezept: "Man muss die Augen offen halten und sich ein paar grundlegende Unterschiede einfach merken. Dann geht das schon". Nun gut, dann probieren wir das einmal aus. 

Bergulme (Ulmus glabra)

rötliche Wimpern

Die Blätter von Ulmen wachsen zweizeilig. Die Knospen sitzen seitlich der Blattnarbe, sind dick, eiförmig und violettbraun. Der Rand der Knospenschuppe hat rostfarbene Wimpern (Tipp: Lupe mitnehmen!).

Spitzahorn
Spitzahorn. 
Zerreiche (Quercus cerris)

gesellige Knospen mit langen Nebenblättern

Am Zweig, der in diesem Jahr gewachsen ist, kann man "schraubig" angeordnete Knospen im Abstand von ein bis zwei Zentimeter sehen. Am Zweigende sitzen mehrere Knospen gedrängt beieinander. Besonders auffällig sind die verbliebenen dünnen Nebenblätter der abgefallenen alten Blätter. Charakteristisch ist bei der Zerreiche auch die rissige Borke mit orangerot durchscheinenden Furchen.

Esche (Fraxinus excelsior), Spitzahorn (Acer platanoides) und Bergahorn (A. pseudoplatanus)

Auf die Knospenfarbe kommt es an! Die Borken von Esche und Spitzahorn schauen einander im Winter sehr ähnlich. 

Bergahorn
Bergahorn.

Junge Bäume haben eine glatte Borke, die mit fortschreitendem Alter immer rissiger wird. Die Blätter und Knospen beider Arten sind gegenständig angeordnet. Beim Spitzahorn sind sie rötlich, die Endknospen sind von kleineren Seitenknospen flankiert. Die Endknospen der Esche sind im Vergleich dazu schwarz, daneben sitzen kleinere, ebenfalls schwarze halbkugelige Seitenknospen. Beim Bergahorn wiederum ist die Borke nicht längsrissig, sondern blättert in Schuppen ab und die Knospen sind gelb.

Hainbuche (Carpinus betulus) und Rotbuche (Fagus sylvatica

glatt oder gestreift?

Die deutschen Trivialnamen täuschen, denn diese beiden Bäume gehören weder zur gleichen Pflanzengattung, noch zur gleichen Familie. Ihre Knospenmerkmale sind aber sehr ähnlich. Die zweizeilig gestellten Knospen sind rötlich-braun, aber bei der Hainbuche kürzer als bei der Rotbuche.

Hainbuche
Hainbuche. 

Während die Rinde der Rotbuche einprägsam gleichmäßig glatt und grau ist, sieht die Rinde der Hainbuche so aus, als hätte sie Dehnungsstreifen. Durch das sekundäre Dicken­wachstum dehnt sich die Rinde mit, wodurch sie eine unruhige Struktur bekommt. Das zeigt sich auch am Stammquerschnitt, der bei der Hainbuche nicht kreisrund, sondern sternförmig ("spannrückig") ist.

Kornelkirsche, Dirndl (Cornus mas

zweierlei Knospen auf einmal

Die Blattknospen sitzen paarweise an der Spitze der Zweige, sie sind spitz und eiförmig. Man kann im Herbst auch die Blütenstandsknospen sehen, die ein wenig weiter unten an kurzen Seitenzweigen sitzen und kugelig sind. Die Kornelkirsche wird in Deutschland auch Herlitze, Dürlitze, Hirlnuss; in Österreich auch Dirndl, Dirndling, Dirndlstrauch oder Gelber Hartriegel und in der Deutschschweiz Tierlibaum genannt.

Rotbuche
Rotbuche. 

Mit diesen  botanischen Werkzeugen im Gepäck ist man für den nächsten winterlichen Spaziergang gewappnet. Und zur Not hilft immer noch der Blick unter unsere Füße, sofern noch kein Schnee liegt. Wenn dort verwelkte Blätter einer Buche liegen, dann kann diese auch nicht allzu weit weg sein.

Kleine Knospenkunde

Aus den Winterknospen entwickeln sich beblätterte Triebe (Blattknospen) oder Blütenstände (Blütenstandsknospen). Die meisten Knospen treiben im nächsten Frühjahr aus. Manche aber warten als „schlafende Knospen“ viele Jahre, bis sie als "Wasserreiser" aus dem Stamm austreiben. Knospen unter­scheiden sich in ihrer Anordnung an den Zweigen, Größe, Form, Farbe und manchmal Behaarung. 

Wechselständig oder gegenständig?

Kornelkirsche
Kornelkirsche. 

So wird die Stellung der Blätter und somit auch der Knospen am Spross beschrieben. Wechselständige Blätter stehen einzeln, gegenander versetzt an den Zweigen. Bei zweizeiliger Blattstellung bilden die Blätter genau zwei Reihen (Winkel von 180°). 

So nutzen sie an waagrecht abstehenden Zweigen das Licht optimal aus. Gegenständige Blätter sitzen paarweise auf der gegenüberliegenden Seite des Sprosses. Bei schraubiger Stellung sind die Winkel unterschiedlich und deutlich kleiner als 180°.

Borke

Sie ist die äußerste Schicht älterer Baumstämme und entsteht aus dem Kork und abgestorbenen Teilen des Bastes. Junge Zweige und dünne Stämme haben eine glatte Rinde. Im Zuge des Dickenwachstums bildet sich bei den meisten Baumarten eine rissige oder schuppige Borke, nur bei wenigen Arten bleibt eine glatte Rinde bis ins hohe Alter erhalten. Die Borke schützt den Baum vor äußeren Ein­flüssen, wie Hitze, Frost, Regen, Feuer sowie vor Schädlingen und Infektionen. 

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