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Artikel

Autor(en): Werner Ruhm
Redaktion: BFW, Österreich
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Die Robinie, schnell wachsend bei geringen Ansprüchen, aber nicht unumstritten

Weltweit betrachtet hat die Robinie einen hohen Stellenwert: Sie ist neben den Eukalyptus- und Pappelarten die am häufigsten in Plantagen kultivierte Laubbaumart. Sehr geringe Ansprüche an die Bodenverhältnisse, ein schneller Wachstumsverlauf und ein vielseitig einsetzbares Holz kennzeichnen diese Baumart. Trotz dieser zweifellos positiven Eigenschaften steht die Robinie häufig im Mittelpunkt der Kritik von Seiten des Naturschutzes, aber auch Teilen der Forstwirtschaft.

Die Robinie kommt ursprünglich aus dem östlichen Nordamerika und wurde zu Beginn des 17. Jahrhunderts nach Europa eingeführt, wobei sie anfänglich wegen ihrer Schönheit als Zier- und Alleebaum eingesetzt wurde. Erst später entdeckte man ihre speziellen Holzeigenschaften und nutzte sie auch für andere Zwecke (energetisch, stofflich).

die falsche Akazie
Aufgrund der Ähnlichkeit ihrer Blätter mit jenen der Akazie wird die Robinie allgemein als "falsche Akazie" bezeichnet.

Nennenswerte Robinienflächen in Europa gibt es in Ungarn, wo die Robinie einen Anteil von ca. 20% der Waldfläche ausmacht; hier gibt es auch gezielte Züchtung, Sortenforschung und Saatgutanerkennung. In Österreich beschränken sich Robinienvorkommen auf die östlichen Bundesländer, wobei sie vor allem trocken-warme Waldgesellschaften und Waldränder bevorzugt besiedelt.

Laut der letzten österreichischen Waldinventur macht der Anteil der Robinie am Gesamtholzvorrat (Nadel- und Laubholz) lediglich 0,2% aus. Im deutschsprachigen Raum wird sie aufgrund der Ähnlichkeit ihrer Blätter mit jenen der Akazie allgemein als "falsche Akazie" bezeichnet.

Allgemeine Merkmale

Die Robinie ist ein 20 – 30m hoher sommergrüner Baum mit wechselständig angeordneten, unpaarig gefiederten Blättern und tief gefurchter graubrauner Rinde. Die Nebenblätter sind zu Dornen umgewandelt. Die weißen, angenehm duftenden Blüten sind in 10 – 20 cm langen Trauben zusammengefasst. Daraus entwickeln sich 5 – 10 cm lange rötlich-braune Hülsen mit 4 – 10 dunklen nierenförmigen Samen.

Die Robinie bevorzugt leicht durchdringbare Böden ohne Staunässe (lockere, gut durchlüftete eher trockene Böden). Sie ist sehr anspruchslos bezüglich Nährstoffausstattung und Bodenfeuchte, auch hoher Kalkgehalt stellt kein Problem dar. Weiters besitzt sie die Fähigkeit mit ihren Wurzelknöllchenbakterien Luftstickstoff zu binden und ist daher besonders zur Erstbesiedelung von Problemstandorten geeignet (Sandböden, Ödlandflächen, Bergbaufolgelandschaften). Gegen Hitze und Dürre ist die Robinie weitgehend unempfindlich. Die Robinie ist eine sehr schnell wachsende Lichtbaumart, die in kurzer Zeit erstaunliche Höhen erreicht.

schlechte Wuchsform
Aufgrund der Stammkrümmungen ist hier kein Wertholz zu erwarten

Auf einer Versuchsfläche im Weinviertel konnte das Institut für Waldwachstum und Waldbau des Bundesforschungszentrums für Wald die Entwicklung unterschiedlicher Robinienherkünfte beobachten. Eine mittlere Höhe von ca. 10m nach nur fünf  Vegetationsperioden unterstreicht die Raschwüchsigkeit in der Jugend  mit einer frühen Kulmination des Höhenwachstums. Nach zehn Vegetationsperioden wurde eine mittlere Höhe von 14 m erreicht. Die mittleren Brusthöhendurchmesser entwickeln sich nicht ganz so "rasant" wie die Höhen, sind aber mit 9,5 cm nach fünf Jahren und 14 cm nach zehn Jahren immer noch beachtlich.

Während sich die Höhen- und Durchmesserentwicklung zwischen den fünf verwendeten Herkünften eher geringfügig unterschied, waren die Unterschiede bezüglich Stammform und Zwieselbildung beträchtlich (siehe Abbildung).

Probleme

Obwohl die Robinie für die Forstwirtschaft eine attraktive Baumart darstellt und bei einer zukünftigen Klimaerwärmung zusätzlich an Bedeutung gewinnen könnte, kann sie aus Naturschutzaspekten als problematisch betrachtet werden. Gründe dafür liegen einerseits in ihrer Fähigkeit zur Stickstoffbindung, wobei der daraus resultierende Düngeeffekt wiederum zu einer Veränderung der Artenzusammensetzung führen kann.

Andererseits unterwandert sie Waldbestände,  hier vor allem lichte Eichenmischwaldgesellschaften, begünstigt durch ihre außerordentliche vegetative Vermehrungskraft (Stockausschläge und Wurzelbrut). Hat sie einmal "Fuß gefasst", kommt es häufig zur nachhaltigen Verdrängung der heimischen Baumarten. Die ganze Pflanze gilt als giftig, besonders aber die Rinde und die Früchte.

Waldbau

gerade Stämme
Gerade Schäfte bilden die Voraussetzung zur Wertholzproduktion.

Die Robinie wird als sehr anspruchslose Baumart gesehen, die kaum Pflege benötigt. Diese Ansicht und eine komplette Vernachlässigung der Herkunftsfrage (Genetik) sind die Ursachen für das überwiegend geringe Qualitätsniveau in heimischen Robinienbeständen. Hingegen versprechen Kulturen mit geradschaftigen Herkünften und einem zielgerichteten Pflegekonzept eine überraschend hohe Wertschöpfung, wenn man die kurze Produktionszeit berücksichtigt und als Ziel Wertholzproduktion anstrebt. Reihenabstände von 2,5 – 3,0 m  und Abstände in den Reihen von 2,0 – 1,5 m (ca. 2000 – 2200 Pflanzen pro ha) haben sich bewährt. Bei einer Höhe von etwa 8 – 10 m werden 120 – 150 Z-Bäume im durchschnittlichen Abstand von ca. 8 m ausgewählt und von ihren Bedrängern im Kronenraum freigestellt.

Astungsmaßnahmen und Formschnitte können entscheidend zur Wertsteigerung beitragen. Zieldurchmesser von 35 – 40 cm sind mit einer Umtriebszeit von 40 – 50 Jahren zu erreichen. Vitalität und Zuwachs lassen nach etwa 50 - 60 Jahren stark nach. 

Extensive Bewirtschaftung im Niederwaldbetrieb (ausschließlich vegetative Vermehrung), überwiegend zur Energieholzgewinnung, erfordert kaum Pflege und ermöglicht Umtriebszeiten von ca. zehn Jahren. Aufgrund hervorragender Wuchs- und Holzeigenschaften scheint die Robinie auch zur Energieholzproduktion in Kurzumtriebsplantagen geeignet zu sein. Hierbei wird auf landwirtschaftlichen Flächen in zwei- bis vierjährigem Umtrieb gearbeitet und mit hochmechanisierten Verfahren geerntet.

Holzeigenschaften und Verwendung

Die Robinie bildet einen ausgeprägten Farbkern (in frischem Zustand gelblich-grün bis hellbraun) und einen schmalen gelblich-weißen Splint. Das Holz dunkelt unter Sonnenlicht schnell nach und wird  hell- bis mittelbraun; es lässt sich gut dämpfen und räuchern. Robinienholz  ist zäh, biegsam, elastisch, sehr hart und in vielen technischen Eigenschaften selbst dem Eichenholz überlegen, lässt sich aber bei Geradfaserigkeit trotzdem sehr gut bearbeiten. 

Als eine der witterungsbeständigsten Holzarten Europas eignet es sich natürlich besonders im Außenbereich mit Erdkontakt (Weingartensteher, Zaunpfähle, Rundholzbauten, Spielplatzbauten, Gartenmöbel, Grubenholz,…). Diese Eigenschaften prädestinieren die Robinie als Ersatz für tropische Harthölzer. Die Robinie ist die einzige Holzart Europas, deren Holz in die Dauerhaftigkeitsklasse 1-2 (sehr resistent bis resistent) nach EN 350-2 (fünf Dauerhaftigkeitsklassen) eingeordnet werden kann. Vergleichsweise ist die Eiche in die Klasse 2 (resistent), die Lärche in die Klasse 3 (mäßig resistent) und die Buche sowie die Esche in die Klasse 5 (nicht resistent) einzuordnen.

Als schnell nachwachsender Rohstoff dient sie auch zur Energiegewinnung. Das Holz ist einerseits durch seinen guten Heizwert, andererseits durch seine kurze natürliche Trockenzeit zur energetischen Nutzung besonders gut geeignet.
Die Robinie liefert weiters reichhaltig Nektar mit hohem Zuckergehalt und ist daher für die Imkerei von Bedeutung (Akazienhonig).

In verschiedenen Gebieten Mitteleuropas ist die Robinie schon seit langer Zeit ein prägendes Element der Kulturlandschaft geworden. In jüngster Vergangenheit wurde diese Baumart allerdings zum Exoten mit invasivem Charakter "neu bewertet". Der forstliche Umgang mit der Robinie sollte daher sorgfältig durchdacht und räumlich klar begrenzt sein. Ein Plantagenwaldbau auf Grenzertragsböden oder stillgelegten landwirtschaftlichen Flächen würde sich anbieten. Auf Robinienanpflanzungen im Bereich gefährdeter Biotoptypen, wie zum Beispiel Magerrasen-Standorte, oder im Grenzbereich zu Naturschutzgebieten sollte jedenfalls verzichtet werden.

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