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Fritz Schweingruber

Forschungsanstalt WSL

Eidg. Forschungsanstalt WSL
Dendroökologie
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Artikel

Autor(en): F. H. Schweingruber, H. J. Dietz
Redaktion: WSL, Schweiz
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Bewertung: Zu Favoriten Druckansicht 62.062.062.062.062.0 (29)

Jahrringe in Krautpflanzen und Zwergsträuchern

Nur wenige Fachleute wissen, dass Zwergsträucher und mehrjährige Kräuter Jahrringe aufweisen. Auch über das Wachstumsverhalten dieser Pflanzen und die Anatomie des Holzkörpers ist noch nicht viel bekannt.

Heidelbeere (Vaccinium myrtillus)
Heidelbeere (Vaccinium myrtillus)
Foto: Botanische Bilddatenbank Uni Basel
 

Es gibt kaum ein forstliches Lehrbuch, in welchem keine Altersangaben über Bäume stehen. 1100-jährig sind – ein verbürgtes Alter – die ältesten Lärchen an der oberen Waldgrenze in den französischen Westalpen und 4900 Jahre alt wurde die älteste Borstenkiefer in Kalifornien an der oberen Wachstumsgrenze in Kalifornien. Die Frage ist naheliegend, wie alt denn Sträucher und Zwergsträucher werden.

Maximalalter von Zwergsträuchern und Kräutern

Im Vergleich zu den Bäumen erreichen die Zwergsträucher und Krautpflanzen geringe Alter. Folgende Maximalalter wurden an Zwergsträuchern im Bereich der oberen Waldgrenze in den Alpen jahrringanalytisch bestimmt:

  • Rostblättrige Alpenrose, Rhododendron ferrugineum: 202 Jahre
  • Alpenazalee, Loiseleuria procumbens: ca. 100 Jahre
  • Schneeheide, Erica carnea: 82 Jahre
  • Silberwurz, Dryas octopetala: 80 Jahre
  • Krautweide, Salix herbacea: ca. 70 Jahre

Über das Alter der Krautplanzen ist nahezu nichts bekannt. Selbst die grossen Florenwerke führen nur ein-, zwei- und mehrjährige Pflanzen auf. Erste Untersuchungen haben gezeigt, dass Kräuter, wie auch die Zwergsträucher, die Maximalalter in der subalpinen und alpinen Stufe erreichen:

  • Draba aizoides 43 Jahre
  • Helianthemum nummularium 35 Jahre
  • Alchemilla alpina 37 Jahre
  • Gypsophila repens 30 Jahre
  • Saxifraga aizoides 22 Jahre
  • Campanula cochelariifolia 19 Jahre

Die genetische Komponente

Alpenrose (Rhododendron hirsutum)
Alpenrose (Rhododendron hirsutum)
Foto: Botanische Bilddatenbank Uni Basel
 

Die Deutlichkeit der Jahrringe hat eine genetische Komponente. So weisen innerhalb der Familien der Nelken- und Rosengewächse mehr Arten deutliche Jahrringe auf als beispielsweise in der Familie der Korbblüter. Zudem zeichnet sich ab, dass einzelne Arten sehr sensibel auf kleinste saisonale Klimaschwankungen reagieren, andere jedoch selbst nach mehrmonatigen Trockenheiten kaum Wachstumszonen aufweisen.

Die standörtliche Komponente

Die durchschnittlichen Alter der Stauden und Zwergsträucher nehmen von der subtropischen zur alpinen Stufe zu. Auf den Kanaren sind die Kräuter durchschnittlich drei- bis vier-, im Alpenvorland fünf-, und in der subalpinen Stufe 13-jährig. Die Zwergsträucher werden älter. Sie erreichen auf den Kanaren, im Mittelmeergebiet und im Alpenvorland durchschnittlich acht und in der Waldgrenzzone 39 Jahre.

Wir nehmen an, dass die Ringe im Holzkörper von Pflanzen aus Gebieten mit deutlichen Sommer-Winter-Unterschieden echten Jahrringen entsprechen. Bei den Ringen in Pflanzen der Sahara und den Subtropen kann es sich jedoch auch um "Regenringe" handeln, denn nach jedem Niederschlag erfolgt ein Wachstumsschub, der von der folgeden Trockenheit wieder gestoppt wird. Das müssen wir jedoch erst noch prüfen. Bei etwa 80% aller Arten aus dem zentraleuropäischen Bereich sind wir fast sicher, dass mit den Zuwachszonen die Pflanzenalter jahrgenau bestimmbar sind.

Holzanatomische Besonderheiten

Ebenfalls in holzanatomischer Hinsicht ergaben sich Überraschungen. Obwohl die kleinen Pflanzen anderen mechanischen und ökologischen Einflüssen ausgesetzt sind, erfolgt das Stammwachstum gleich wie bei den Bäumen; ein Kambium bildet gegen innen Holz und gegen aussen Rinde (sekundäres Dikkenwachstum). Bei den mehrjährigen Kräutern zweikeimblättriger Pflanzen weichen nur wenige Arten von dieser Regel ab.

Alle Arten der Knöterichgewebe weisen mehrere hintereinander gestaffelte Kambien auf, und innerhalb der Familie der Primelgewächse sind die Primeln zu keinem sekundären Dikkenwachstum fähig. Sie wachsen ähnlich wie die einkeimblättrigen Pflanzen, z.B. die Palmen. Über alle pflanzensystematischen Einheiten hinweg haben sich nur zwei Merkmale durchgesetzt: die Anzahl der Poren (wasserleitende Zellen im Holz) ist sehr hoch, sie variiert zwischen 300 und 1000 pro Quadratmillimeter, und der Porendurchmesser ist mit 0,01 bis 0,02 mm im Vergleich zu denjenigen in Stämmen von Laubhölzern sehr klein.

Querschnitt durch Pinus cembra Querschnitt durch Oxalis stricta  
Querschnitt durch ein Stämmchen der Arve (Pinus cembra).


Querschnitt durch einen Stengel des Aufrechten Sauerklees (Oxalis stricta). Die Struktur unterscheidet sich nicht wesentlich von derjenigen der Arve.
 
Fotos: Fritz Schweingruber (WSL)    

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