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Artikel

Autor(en): Koni Häne (externer Autor)
Redaktion: WSL, Schweiz
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Efeu – der immergrüne Kletterer

Wer kennt ihn nicht, den emporrankenden Efeu. Er wächst an lebenden oder toten Bäumen, an Felsen, Mauern, Ruinen oder an Gebäudefassaden. Überall wo er gedeiht, bildet er einen wichtigen Lebensraum für Kleintiere. Speziell Vögeln bietet das immergrüne Blattwerk eine geschützte, vor Feinden sichere Brutstätte.

Steckbrief

Efeuranken
Abb. 1 - Efeuranken an Eschenstamm. Im Gegensatz zur Mistel dringen die Wurzeln nicht ins Holz ein, sondern haften oberflächlich.
Foto: Thomas Reich (WSL)

Bis 1901 wurde der Efeu (Hedera helix) mit "ph" geschrieben. So dürfte "Epheu" vom althochdeutschen "phihouwi" abgeleitet worden sein, was "ewiges heu" bedeutete. Weitere, im deutschsprachigen Raum gebräuchliche Namen sind: Wintergrün, Baumlaub, Baumwürger, Mauerwinde, Ewig, Eppich oder das im englischen Sprachraum bekannte Ivy. Das lateinische "Hedera" stammt vom griechischen "hédra" ab und nimmt Bezug auf "festsitzen, anhaften auf Unterlage"; "helix" wird übersetzt mit "windend".

Der zu den Araliengewächsen gehörende Efeu kommt, ausgenommen das nördliche Skandinavien, praktisch in ganz Europa vor (Abb. 2). In anderen Gebieten, beispielsweise in Nordamerika, Australien oder Neuseeland, wurde die Art eingeführt und gilt dort als invasiver Neophyt.

Der Efeu bevorzugt eher schattige Standorte mit lockeren, humusreichen Böden. Die mit Luft- oder Haftwurzeln versehene Kletterpflanze wächst an lebenden als auch an toten Bäumen 20 bis 25 m hoch. An Gebäuden und an Mauern bevorzugt der Efeu nördliche bis nordwestliche Wände, um fächerartig emporzuwachsen. Er wird 200 bis 500 Jahre alt, und der verholzte Stamm kann in Ausnahmefällen einen Durchmesser von bis zu einem Meter erreichen!

Der im Herbst blühende Efeu produziert seine faulig riechenden, grünlichen und halbkugeligen doldigen Blüten (Abb. 4) erstmals im Alter von 8–10 Jahren. Sie öffnen sich jeweils erst im September bis Oktober. Die in der Jugend dreizipfeligen, drei- bis fünflappigen, 5–10cm langen, lederigen Blätter sind glänzend dunkelgrün und weissgrünlich geadert. Im Verlaufe des Winters verfärben sie sich rötlichbraun bis rostrot. Mit zunehmendem Alter werden die Blätter eiförmig.

Zwischen Februar und April sind die 8–10 mm grossen Früchte in Form von schwarzblauen Beeren reif (Abb. 5). Diese beinhalten 3 bis 5 dreikantige, nierenförmige Samen.

   
Natürliche Verbreitung des Efeus  
Abb. 2 - Natürliche Verbreitung des Efeus.
Copyright: Wikimedia Creative Commons, verändert
 
   

Mythologie

Weihnachtskranz mit Efeublättern
Abb. 3 - Weihnachtskranz mit Efeublättern.
Foto: Koni Häne (WSL)

Bei den Ägyptern galt der Efeu wegen seinen immergrünen Blättern und seiner Langlebigkeit als Symbol für die Ewigkeit. Dies galt auch bei den frühen Christen, welche ihre Toten auf Efeu betteten, um das Himmelreich zu gewinnen. Bei den alten Griechen wurde mit einem Efeukranz bei Feldherren, Dichtern und Olympiasiegern höchste Wertschätzung ausgedrückt. Neben der Weinrebe war der Efeu Attribut der Weingötter Dionysos und Bacchus.

In jüngerer Vergangenheit galt der Efeu im deutschen Nachbarland als Hochzeitspflanze. In der Matthiasnacht (24. Februar) streuten Mädchen Efeublätter in verschiedene Brunnen. Schwammen die Blätter bis am Morgen zusammen, stand noch im selben Jahr eine Hochzeit an. Heute dienen die immergrünen Blätter zu Dekorationszwecken. Ein mit Efeu geschmückter Blumenstrauss bedeutet Verbundenheit und ist zugleich Sinnbild für Liebe und Treue.

Bischof Mant schrieb folgendes Gedicht über den Efeu:

 
 
 
  • Beständig kriecht es durch den Wald mit langen, grünen Trieben.
    An jedem Baume macht es halt, an manchem ist‘s geblieben.
  • Bis hochhinauf zum Wipfel fast mit ungezählten Sprossen,
    hat es den Stamm und jeden Ast ins grüne Netz geschlossen.
  • Der Efeu ist’s! Sein Laub so blank zeigt vielerlei Gestalten.
    Erst spät im Jahr wird sein Gerank den Blütenschmuck entfalten.
  • Die Blüten grün und unscheinbar und bläulich schwarz die Beeren -
    vor Hunger wird die Vogelschar im Winter sie begehren.
  • Im Winter, wenn gespenstisch kahl die Ulmen, Eichen, Linden,
    dann kann das Aug in Berg und Tal noch grünen Efeu finden.
     
     
Efeublüten, ein Paradies für Insekten Früchte des Efeus  
Abb. 4 - Diese Efeublüten lockten Ende Oktober unzählige Bienen, Wespen und andere Insekten an. Anklicken zum Vergrössern
Foto: Thomas Reich (WSL)
Abb. 5 - Die Früchte des Efeus reifen im Spätwinter.
Foto: Thomas Reich (WSL)
 
 
Drei Zauneidechsen nutzen das Blätterwerk des Efeus als Versteck
Abb. 6 - Drei Zauneidechsen nutzen das Blattwerk des Efeus zur Tarnung und als Versteck. Anklicken zum Vergrössern.
Foto: Thomas Reich (WSL)
 

Heilkunde

Üppig mit Efeu überwachsene Garageneinfahrt
Abb. 7 - Üppig mit Efeu überwachsene Garageneinfahrt – ein Paradies für Vögel und Insekten. Anklicken zum Vergrössern.
Foto: Koni Häne
 
Ein fast vollständig von Efeu überwucherter Baum
Abb. 8 - Extrembeispiel eines fast vollständig von Efeu überwucherten Baumes. In der Regel beeinträchtigt Hedera helix seinen "Gastbaum" allerdings nicht.
Foto: Thomas Reich (WSL)

Bei starker Dosierung ist Efeu für Menschen und manche Tiere (speziell für Pferde, Hunde und Katzen) giftig. In der Antike galt der Efeu als grüne Apotheke und half als Schmerzmittel und bei Verbrennungen sowie bei Sonnenbrand. Hildegard von Bingen (1098–1179) schrieb dem Efeu eine kühlende Wirkung zu.

Heute besorgt man sich Heilmittel auf Efeubasis am besten in Drogerien und Apotheken, weil nur bestimmte Inhaltsstoffe des Efeus mit andern Pflanzen gemischt werden können. Arzneien mit Efeu-Extraken helfen bei angeschlagenen Bronchien und Keuchhusten, da sie schleim- und krampflösend sein sollen.

Ökologische Bedeutung

Noch zu Beginn des vorherigen Jahrhunderts dienten bei langen, schneereichen Wintern die für Wiederkäuer wie Ziege und Schafe ungiftigen Efeublätter als Futterpflanze. Weil der Efeu spät blüht, bietet er vielen Insekten, speziell Bienen, die Chance, noch an sonnigen Spätherbsttagen Nektar aufzunehmen (Abb. 4). Zahlreiche Vögel, beispielsweise Zaunkönig, Sommergoldhähnchen oder Zilpzalp, finden im dichten Efeugeflecht geschützte Schlaf- und Nistplätze. Gegen Winterende sind die reifen Früchte auch für Amseln, Drosseln, Stare und Spechte eine wichtige Nahrungsquelle und helfen ihnen, die kalte Jahreszeit zu überstehen.

In jüngster Zeit wurde festgestellt, dass der an Hausfassaden hochgekletterte Efeu (Abb. 7) eine beachtliche Isolationswirkung hat und sich angeblich bis zu 30% der Heizkosten sparen lassen. Allerdings gilt es zu beachten, den Efeu nicht dort wachsen zu lassen wo sein Wuchs und besonders seine Haftwurzeln Schaden anrichten können, z. B. unter Schieferplatten, Schindeln oder Rollladenkästen.

Efeu sind keine Schmarotzer und schaden deshalb den Bäumen nicht, an denen sie hochklettern; im Gegenteil – die Stämme der "Gastbäume" werden durch die Kletterpflanze vor zu starker Sonneneinstrahlung geschützt. Deshalb sowie wegen seiner wertvollen, ökologischen Bedeutung sollte der Efeu weder abgeschnitten noch durchtrennt werden. Er verdient in vielerlei Hinsicht unseren Schutz.

Quellen
  • Bächli, E. (2015): Aussergewöhnlicher Kletterkünstler. Umwelt Aargau Nr. 68, Juni 2015. (PDF)
  • Laudert, D. (2009): Myhtos Baum. BLV Verlag. 256 S. ISBN: 978-3-8354-0557-8
  • Machatschek, M. (2003): Der Efeu als Laubheu genutzt. Österreichische Forstzeitung 114; 1, S. 4.

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