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Artikel

Autor(en): Markus Blaschke, Franz-Josef Mayer, Holger Holland-Moritz
Redaktion: LWF, Deutschland
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Waldschädlicher Schmarotzer mit Ertragsmöglichkeit

Mistelzweig
Abb. 1: Die gemeine Mistel (Viscum album) (Quelle: Koehler's Medicinal-Plants 1887)

Die Gemeine Mistel (Viscum album L.) zählt zu den wenigen parasitischen Pflanzen in unseren Breiten. Doch wenn man ihre Biologie einmal genauer betrachtet, ist sie gar kein Parasit im engeren Sinne. Einen erheblichen Beitrag ihrer Nährstoffversorgung leistet sie selbst mit Hilfe der Photosynthese. In Bayern ist die Mistel nach den Ergebnissen der jährlichen Waldzustandserhebung vor allem in den Kiefernwäldern verbreitet.

Die grünen Blätter der Gemeinen Mistel deuten es an. Die Mistel deckt, wie jede andere Pflanze auch, selbst den Großteil ihres Nährstoffbedarfs aus der Photosynthese. Wasser und Bodennährstoffe lässt sie sich allerdings von dem Wirt, auf dem sie wächst, bis in die Höhe transportieren. Durchmesser von bis zu einem Meter können die "grünen Büsche" in der Krone der Bäume erreichen. In Mitteleuropa unterschiedet man drei Unterarten. Die Lauholzmistel besiedelt zahlreiche Baumgattungen. Neben Waldbäumen wie Linde und Pappel sind häufig auch Obstbäume wie Apfel betroffen. Bei der Tannenmistel und der Kiefernmistel verraten die Namen bereits die entsprechenden Wirte. Bemerkenswert ist, dass auf der Buche keine Misteln wachsen.

Senkerwurzeln

Die "Senkerwurzeln" der Mistel dringen keineswegs aktiv in das Holz des Wirtes ein, sondern lassen sich über die Jahre vom Gewebe des Wirtes umwachsen. Allerdings sind sie in der Lage, sich aktiv zu strecken, um mit dem Wachstum der Bäume mitzuhalten. Dabei können die Senker einen Zeitraum von bis zu 60 Jahren im Wirtsgewebe überleben.

Der Verlust der Nährstoffe und des Wassers schwächen den Wirt. Dies wirkt sich insbesondere dann verstärkt aus, wenn weitere Faktoren, z. B. Trockenheit, den Baum belasten. Nach den Beobachtungen scheinen Tannen empfindlicher auf Mistelbefall zu reagieren als Kiefern. Der wirtschaftlich bedeutendste Schaden dürfte allerdings in der von den Wurzelgängen der Mistel verursachten Holzentwertung liegen.

Auch die Verbreitungsbiologie der Mistel ist interessant. Während einige Vogelarten wie z.B. Mistel- und Wachholderdrossel sowie die Mönchsgrasmücke durch ihren Beerenfraß die Samen weiterverbreiten, wirken v. a. Kohl- und Blaumeise und auch der Kleiber durch Fressen der Mistelsamen der Verbreitung entgegen.

Interessant ist, dass der Befall mit Misteln auch Ertrag abwerfen kann. Beispielsweise können im Weihnachtsgeschäft Mistelzweige die Erträge aus dem Christbaumverkauf aufbessern. Allerdings müssen, um verkaufsfähige Mistelzweige zu ernten, die Bäume stehend beerntet werden, da die Misteln beim Fällvorgang meist zerbrechen.

Literatur

Butin, H. (1996): Krankheiten der Wald- und Parkbäume. 3. Auflage, Georg Thieme Verlag, Stuttgart - New York

Schütt, P.; Schuck, H.J.; Stimm, B. (1992): Lexikon der Forstbotanik. ecomed-Verlag, Landsberg/Lech

Nierhaus-Wunderwald, D.; Lawrenz, P. (1997): Zur Biologie der Mistel. Merkblatt für die Praxis 28, WSL Birmensdorf, 8 S.

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