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Artikel

Autor(en): Uwe Starfinger, Stefanie Hahn
Redaktion: LWF, Deutschland
Kommentare: Artikel hat 0 Kommentare
Bewertung: Zu Favoriten Druckansicht 47.6747.6747.6747.6747.67 (159)

Allergiesaison geht in die Verlängerung

Im August beginnt die Blüte der allergenen Beifußambrosie, auch Traubenkraut genannt. Das Vorrücken dieses Neophyten nach Mitteleuropa bedeutet dort eine massive Verlängerung der Pollensaison bis in den Spätherbst hinein. Die Bevölkerung ist aufgerufen, bei der Bekämpfung mithelfen.

Ambrosia-Jungpflanze im Acker
Abb. 1: Ambrosia-Jungpflanze (Foto: A. Littmann)

Im August beginnt die Blütezeit der unscheinbaren Beifußambrosie (Ambrosia artemisiifolia), auch Traubenkraut oder "ragweed" genannt. Allergiker fürchten die Blüte, denn schon geringe Pollenkonzentrationen (5-10 Pollen pro Kubikmeter Luft) können einen allergischen Anfall auslösen: brennende Augen, gereizte Schleimhäute sowie Niesanfälle sind die Folge. Ursprünglich aus Nordamerika eingeschleppt, hat sich das Traubenkraut vor allem in Südosteuropa fest etabliert und breitet sich derzeit nach Nordwesten in Richtung Mitteleuropa aus. Verunreinigtes Vogelfutter aus Südosteuropa sorgt für einen ständigen Nachschub an Samen in Privatgärten. Von dort ist der Sprung in die freie Landschaft nicht mehr weit. Um der weiteren Ausbreitung der Allergiepflanze entgegenzutreten, unternehmen Bund und Länder vereinte Anstrengungen. Das Julius Kühn-Institut (JKI) – Bundesforschungsinstitut für Kulturpflanzen (ehemals BBA) koordiniert das nationale "Aktionsprogramm Ambrosia" seit 2006. Nach ersten bundesweiten Erfassungsaktionen im Jahr 2007 liegt nun eine Übersichtskarte über Vorkommen und Verbreitung der Beifußambrosie in Deutschland vor.

Erfolgreiche Zusammenarbeit

Übersichtskarte Ambrosiavorkommen
Abb. 2: Übersichtskarte über Vorkommen der Beifußambrosie in Deutschland.

Für eine vergrößerte Ansicht bitte auf die Grafik klicken.

"Dafür wurden die von verschiedenen Organisationen gesammelten Fundortdaten an das JKI gemeldet oder in Form von Tabellen oder Erfassungsbögen übergeben", berichtet Koordinator Dr. Uwe Starfinger. Ein Teil der Fundmeldungen ging direkt bei dem Wissenschaftler vom Julius Kühn-Institut ein oder wurde über das Formularsystem der Internetseite eingegeben. "Ohne die Mithilfe der Pflanzenschutzdienste und Umweltbehörden in den Bundesländern sowie die agrarmeteorologischen Beobachter des Deutschen Wetterdienstes wäre diese Karte nicht zustande gekommen", betont Starfinger. Doch auch den Medien und nicht zuletzt den aufgeklärten Bürgern kommt eine wichtige Rolle im Kampf gegen die unliebsame Pflanze zu.

"Bis auf einige Autobahnrandstreifen handelt es sich bei den Ambrosiafunden um begrenzte Einzelbestände, die oft von wachsamen Spaziergängern oder Gartenbesitzern entdeckt wurden", sagt Starfinger. Große Bestände mit über 100 Pflanzen gibt es vor allem im Süden und in Städten. Eine Ausnahme bildet die südwestliche Niederlausitz in Brandenburg (Gebiet um Calau und Drebkau). Hier kommt Ambrosia großflächig vor und tritt auch in landwirtschaftlichen Kulturen auf.

Die Gefahr wird immer besser bekannt

"Durch Presse- und Öffentlichkeitsarbeit ist die Gefahr durch die Ausbreitung der Pflanze vielen Menschen bekannt geworden", zieht Starfinger Bilanz. So wurden viele Pflanzen ausgerissen oder anders vernichtet. In gut der Hälfte (52 %) der Fälle in der JKI-Datenbank hatten die Meldenden selbst die Pflanzen beseitigt. Die erfassten Bestände wurden zu 64 % in Gärten oder Parks gefunden. In 14 % der Fälle handelte es sich um so genannte Ruderalflächen, z.B. nicht bewirtschaftete Wegränder. 55 % der Meldenden gaben an, die Pflanze sei höchstwahrscheinlich durch verunreinigtes Vogelfutter eingeschleppt worden. "Diese Zahlen zeigen, wie wichtig es ist, die Bevölkerung über den Einschleppungsweg und über die Pflanze selbst aufzuklären", so Starfinger.

Das JKI empfiehlt, Ambrosia vor der Blüte auszureißen und über den Hausmüll zu entsorgen. Vögel sollten möglichst mit garantiert Ambrosia-freiem Futter gefüttert und die Futterstellen sollten kontrolliert werden. Während der Blüte, die bis in den Oktober andauert, sollten Allergiker die Arbeiten nicht selbst durchführen. Handschuhe und Staubmaske sind angemessene Schutzmaßnahmen.

Doch nicht nur zahlreiche Einzelpflanzen sind im letzten Jahr bekämpft worden. Die Projektgruppe Biodiversität hatte im Auftrag des JKI Daten zur Bekämpfung von im Jahr 2006 gemeldeten großen Beständen erhoben. Dabei zeigte sich, dass sich die Ambrosie grundsätzlich zurückdrängen lässt. Da jedoch bei länger bestehenden großen Vorkommen immer auch Samen im Boden verbleiben, müssen solche Flächen auch in den Folgejahren immer wieder kontrolliert und Bekämpfungsmaßnahmen ggf. wiederholt werden.

Aktionsprogramme des Bundes und der Länder

Blütenstand bei beginnender Blüte
Abb. 3: Blütenstand bei beginnender Blüte (Foto: U. Starfinger)
 
Vitaler Bestand des Traubenkrauts
Abb. 4: Vitaler Bestand des Traubenkrauts (Foto: U. Starfinger)

Eine vom Julius Kühn-Institut begründete interdisziplinäre Arbeitsgruppe hatte Ende 2006 ein Aktionsprogramm beschlossen, mit dem die weitere Ausbreitung der Ambrosia artemisiifolia in Deutschland gestoppt werden sollte. Das Aktionsprogramm ist seit 2007 ein zentraler Handlungsschwerpunkt im "Aktionsplan gegen Allergien" des Bundesministeriums für Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz (BMELV). Ziel ist es Allergien zurückzudrängen und den Alltag von Allergikern zu erleichtern.

Das Aktionsprogramm hat drei Säulen:

  • deutschlandweites Monitoring zur besseren Kenntnis der tatsächlichen Verbreitung
  • Maßnahmen, um weitere Ein- und Verschleppung von Ambrosiasamen zu verhindern und existierende Pflanzenbestände zu bekämpfen
  • die Information von Verwaltung, Politik und Öffentlichkeit.

Das JKI ist Ansprechpartner für die Beratungsstellen der Länder.

In Bayern wird seit 2007 ein umfangreiches Aktionsprogramm Ambrosiabekämpfung vom Ministerium für Umwelt, Gesundheit und Verbraucherschutz koordiniert, dabei wurden 69 große Bestände erfasst. Der überwiegende Teil dieser Bestände wurde 2007 durch Eigentümer oder zuständige Behörden bekämpft.

In Baden Württemberg wird ein Aktionsprogramm von der Landesanstalt für Umwelt, Messungen und Naturschutz koordiniert.

In Nordrhein-Westfalen wird das Programm von der Landwirtschaftskammer Niedersachsen (LWK) und dem Landesamt für Natur, Umwelt und Verbraucherschutz NRW (LANUV) koordiniert.

Alle genannten Länder haben Meldestellen für Ambrosia-Funde eingerichtet und betreiben Öffentlichkeitsarbeit als Teil ihrer Programme. Mehrere haben dazu ein eigenes Faltblatt hergestellt.

Wissenschaftlicher Ansprechpartner:

Dr. Uwe Starfinger
Institut für nationale und internationale Angelegenheiten der Pflanzengesundheit
am Julius Kühn-Institut (JKI) -Bundesforschungsinstitut für Kulturpflanzen

Tel: 0531 / 299 3380

E-Mail:    uwe.starfinger@jki.bund.de
Internet: www.jki.bund.de

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