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Artikel

Autor(en): Niels Holthausen, Priska Baur
Redaktion: WSL, Schweiz
Kommentare: Artikel hat 0 Kommentare
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Versicherung von Sturmschäden im Schweizer Wald?

Schäden durch Naturgefahren (z.B. an Gebäuden) werden meistens durch eine entsprechende Versicherung abgedeckt. Im Wald gibt es solche Versicherungen bisher kaum. Wie steht es um das Interesse der Waldeigentümer an einer solchen Möglichkeit der Absicherung?

geknickte Fichten
Abb. 1 - Schäden in einem Mischwald nach heftigem Sommergewitter
Foto: Thomas Reich (WSL) 
 

Die Bewältigung des Sturmes Lothar (1999) erwies sich für Bund und Kantone mit schätzungsweise 670 Millionen Franken als sehr teuer. Die finanziellen Auswirkungen des Orkans belasteten die öffentlichen Haushalte auch im internationalen Vergleich stärker: In Deutschland und Frankreich unterstützte der Staat die Waldeigentümer deutlich weniger. Sie waren dort bei der Bewältigung der Sturmschäden größtenteils auf sich selbst gestellt.

Naturrisiken versichern

In anderen Branchen ist eine Risikoübernahme durch die öffentliche Hand in diesem Umfang unüblich. Risiken durch Naturgefahren werden stattdessen häufig an eine Versicherung übertragen. Auch in der Forstwirtschaft gibt es solche Versicherungslösungen, beispielsweise in Skandinavien (Sturm, Feuer, Schnee) und in Deutschland (Feuer).

In dieser Arbeit gingen Wissenschafter der Frage nach, ob sich Schäden durch Naturrisiken auch in der mitteleuropäischen Forstwirtschaft nicht vermehrt an Solidargemeinschaften übertragen lassen. Auf diese Weise könnten sich Waldeigentümer finanziell absichern und die öffentliche Hand würde entlastet. Dazu bietet sich einerseits eine klassische Versicherung oder auch ein von den Waldeigentümern selbst geschaffener Fonds an.

Die Forscher untersuchten zunächst, welche theoretischen Möglichkeiten zum Umgang mit Risiken in der Forstwirtschaft bestehen. Dazu griffen sie auf das betriebswirtschaftliche Konzept des Risikomanagements zurück. Als übliche Maßnahme im Umgang mit Risiken, die ein hohes Schadenpotential und eine geringe Eintrittswahrscheinlichkeit aufweisen, gilt die Risikoübertragung an Versicherungen. Aus der Sicht von Forstbetrieben gilt dies zum Beispiel für große Sturmschäden.

Geringes Interesse bei Waldeigentümern

zerfetzte Buche
Abb. 2 - Sturmbruch
Foto: Thomas Reich (WSL) 
 

In einem nächsten Schritt ermittelten die Wissenschafter durch eine schriftliche Befragung, wie gross das Interesse an einer Waldversicherung oder an einem Waldschaden-Fonds bei den Schweizer Waldeigentümern ist (Abb. 3). Dabei testeten sie auch noch nicht erhältliche Versicherungsprodukte, die sie in Zusammenarbeit mit einer Versicherung entwickelt hatten. Die Ergebnisse zeigen, dass 9% der bäuerlichen Waldeigentümer an einer Versicherung ihrer Wälder interessiert sind, 18% zeigten sich unentschlossen und 73% haben kein Interesse. Von den öffentlichen Waldeigentümern interessieren sich 15% für eine Versicherung, 21% sind unentschlossen und 64% wollen ihren Wald nicht versichern. Ein Viertel der bäuerlichen und 6% der öffentlichen Waldeigentümer wären bereit, jährlich mindestens 10 Franken pro Hektare zu bezahlen (Abb. 4). Ähnlich lag das Interesse an einem Waldschaden-Fonds.

Trotz Erfahrungen mit Sturmschäden im eigenen Wald, und obwohl neue Sturmschäden zu erwarten sind, ist die Nachfrage nach Versicherungsprodukten, die das Risiko einem Finanzdienstleister übertragen, gering. Dies erstaunt, zumal laut eigenen Angaben 80 Prozent der bäuerlichen und 90 Prozent der öffentlichen Waldeigentümer in den letzten 20 Jahren von Sturmschäden im eigenen Wald betroffen waren, über die Hälfte der Befragten in den nächsten zwei Jahrzehnten mit einem erneuten Sturm im Ausmaß von Lothar rechnet und ein Grossteil angibt, in diesem Fall auf finanzielle Unterstützung angewiesen zu sein.

Interesse an Versicherung
Abb.  3 - Sind die Waldeigentümer generell an einer Versicherung interessiert?
 
Zahlungsbereitschaft der Waldeigentümer
Abb. 4 - Maximale Zahlungsbereitschaft der an einem Waldschadenfonds interessierten oder unentschlossenen Waldeigentümer.
 

Subventionspraxis entscheidend

Parallel zur Umfrage bei den Waldeigentümern holten die Forscher die Einschätzungen von Vertretern der Wald- und Forstwirtschaft, von Forstbehörden und von der Versicherungswirtschaft ein. Aus Sicht dieser Experten verhindern wirtschaftliche und rechtliche Gründe eine Versicherungslösung: Dies liegt zum einen an der unrentablen Waldbewirtschaftung. Zum anderen können die Waldeigentümer aufgrund des Waldgesetzes darauf hoffen, auch bei einem zukünftigen Schadereignis wie bisher von der öffentlichen Hand unterstützt zu werden.

Diese Ergebnisse führen zum Schluss, dass die Einführung einer Versicherung unter den derzeitigen rechtlichen und wirtschaftlichen Bedingungen in der Schweiz nicht Erfolg versprechend ist. Bei einer veränderten Subventionspraxis des Bundes könnte eine Versicherung jedoch dazu beitragen, forstliche Schadereignisse besser zu bewältigen. Nach einer Änderung der Subventionspraxis müssen allerdings wahrscheinlich erst negative Erfahrungen mit einem neuen Sturm gemacht werden, damit die Waldeigentümer Interesse an einer Solidargemeinschaft für Sturmschäden im Wald zeigen.

Die Daten der Umfrage wurden mit den Ergebnissen einer vergleichbaren Befragung von Waldeigentümern in Baden-Württemberg verglichen. Dort waren die Waldeigentümer zum einen bei der finanziellen Bewältigung der Sturmschäden nach Lothar stärker auf sich selbst gestellt, und zum anderen ist die wirtschaftliche Lage etwas besser. Es sind also eher Mittel zur Finanzierung von Versicherungs- oder Fondsbeiträgen verfügbar. Der Vergleich hat interessante Resultate zu Tage gefördert.

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