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Artikel

Autor(en): Roland Luzian
Redaktion: BFW, Österreich
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"Stumme Zeugen" reden über Lawinen

Moderne Lawinenforschungsmethoden gemeinsam mit Methoden der klimageschichtlichen Forschung (Jahrringanalyse, Pollen­analyse, C-14 Datierung) ermöglichen eine verbesserte Analyse und Bewertung "stummer Zeugen" und damit der Bestimmung des Lawinengeschehens unter verschiedenen Klimaszenarien. Wichtige Hinweise auf die Häufigkeit extremer Situationen, auf das Bemessungsereignis, dessen Wirkungsbereich und Periodizität können erwartet werden.

  • Kennt man das vorgeschichtliche Lawinen­geschehen, kann dies nutzbringend in der Raum- und Gefahrenzonenplanung sowie im Risiko- und Krisenmanagement eingesetzt werden.
  • Für die Einschätzung der Eintrittswahrscheinlichkeit und des Gefahrenpotenzials liefert die Betrachtung bereits stattgefundener Schadereignisse die wichtigs­ten Grundlagen.

Am Institut für Naturgefahren des Bundesforschungszentrums für Wald (BFW) lief in Zusammenarbeit mit der Universität Innsbruck das Forschungsprojekt "HOLA – Nachweis und Analyse von holozänen Lawinenereignissen". Ziel war die Rekonstruktion prähistorischer Lawinenereignisse über den Zeitraum der letzten Jahrtausende, um die Auswirkung wichtiger Eingangsgrößen für die Gefahrenzonenplanung unter dem Einfluss im Holozän (die letzten 11.000 Jahre) bereits stattgefundener und möglicher weiterer Klima­schwankungen abschätzen zu können.

Erstellung von Jahrringchronologien

Funde im Zillertal
Im Zillertal wurden Spuren von prähistorischen Lawinenereignissen gefunden wie etwa Baumstämme im Moor (Fotos: Nicolussi)

In einem Moor oberhalb der Berliner Hütte in den Zillertaler Alpen entdeckten Forscher Spuren extremer Lawinen­ereignisse (Pindur et. al., 2001). Diese führen bis in die Steinzeit zurück. Vor 9000 Jahren begann nach dem Rückzug der Eiszeitgletscher das Moor zu wachsen und nach und nach gelangten Baumstämme sowie Blütenstaub und andere Teilchen in das Moor und somit unter Luftabschluss. Dadurch wurden sie konserviert und blieben als so genannte "stumme Zeugen" zur Erstellung von Jahr­ringchronologien erhalten.

Wie geht man dabei vor? Beginnend mit lebenden Bäumen werden durch Überlappung unbekannte Jahr­ringserien (aus historischen Bauhölzern, Gletscher­moränen, Mooren) mit den bekannten, absolut Datierten in Synchronlage gebracht (Abbildung 1). Dadurch können die absolut datierten Jahrringserien in die Vergangenheit verlängert werden.

Das auf diese Weise jahresscharf ermittelte Absterbedatum eines Baumes kann noch durch die Analyse der Frühholz- und Spätholzzellen unterschieden werden. In den Jahr­ringen sind Wachstumsbedingungen (Klima, Beschädigungen, Absterbeursachen) gespeichert. Besonders viele und genaue Informationen enthalten die Bäume aus der alpinen Waldgrenzregion.

Erstellung einer Jahrringchronologie
Abbildung 1: Jahrringchronologien werden durch Überlappung von unbekannten Jahrringserien erstellt (Schweingruber, 1983, verändert)

Was sagen uns diese stummen Zeugen? Sie geben Auskunft über:

  • die stark schwankenden klimatischen Verhältnisse,
  • die dadurch erfolgten Änderungen im Pflanzen­wachs­tum,
  • das Auftreten und Wirken der Menschen in diesem Raum
  • und, in diesem ganz speziellen Fall, das Lawinen­geschehen

Obwohl sich der Wald am Hang der Schwarzensteinalm bis in das Mittelalter hinauf immer wieder entwickeln konnte, wurde er doch häufig durch Lawinen geschädigt, in Extremfällen sogar ganz zerstört. Diese Ereignisse können mit Hilfe der Jahrringanalyse nachgewiesen und an Hand der Ostalpen-Zir­ben­­chronologie von Prof. Nicolussi (Nicolussi und Schießling, 2002) auf das Jahr genau datiert werden.

Literatur

Nicolussi, K.; Schießling, P. (2002): A 7000-year-long continuous tree-ring chronology from high-elevation sites in the central eastern Alps. In: Dendrochronology, Environmental Change and Human History, Abstracts: 251-252. 6th International, Conference on Dendrochronology, Quebec City, Canada, August 22nd-27th 2002.

Patzelt, G. (1999): Werden und Vergehen der Gletscher und die nacheiszeitliche Klimaentwicklung in den Alpen. In: Nova Acta Leopoldina, N.F. 81, 314: 231-246. Leipzig.

Pindur, P.; Schiessling, P.; Nicolussi, K. (2001): Mid- and Late-Holocene avalanche events indicated by subfossil logs. In: EURODENDRO 2001 - Book of Abstracts: 37. Gozd Martuljek, Slovenia.

Sailer, R.; Schaffhauser, H.; Rammer, L. (2001): Recalcula­tion of two Catastrophic Avalanches by the SAMOS avalanche Model. In: Proceedings of the II International Conference on Avalanches and Related Subjects „The contribution of theory and practice to avalanche safety“, 3.-7. September 2001. Kirovsk, Russia.

Schweingruber, F. H. (1983): Der Jahrring. Standort, Methodik, Zeit und Klima in der Dendrochronologie. 234 S., Bern/Stuttgart

Walde, C.; Haas, J.-N. (2004): Pollenanalytische Untersuchungen im Schwarzensteinmoor, Zillertal, Tirol, Österreich. Bericht zum Teilprojekt Palynologie. HOLA – Nachweis und Analyse von holozänen Lawinenereignissen. Neue Untersuchungsmöglichkeiten zur Bestimmung des Lawinengeschehens. Universität Innsbruck, Institut für Botanik. Unveröffentlicht

Wild, V. (2005): Anthropogener Einfluss auf das spätholozäne Waldgrenzökoton im Oberen Zemmgrund (Zillertaler Alpen, Österreich), Diplomarbeit, Universität Innsbruck, Institut für Botanik. Unveröffentlicht