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Artikel

Autor(en): Peter Andrecs, Stefan Oberndorfer
Redaktion: BFW, Österreich
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Beurteilung von Naturgefahren – Gefahr, Risiko und Vulnerabilität

Wellen
Unterschiedliche Risiken durch unterschiedliche Ausgangssituationen.
www.athene-tour.com/images/Marktel/10Welle.jpg

Im Zusammenhang mit einem möglichen Klimawandel wird von der Zunahme von Naturkatastrophen gesprochen. Soll man Naturgefahren wie Hochwasser oder Lawinen beurteilen, kommt man ohne die Begriffe "Gefahr", "Risiko" und "Vulnerabilität" nicht aus, die aber immer wieder falsch verwendet werden.   

Die Einschätzung von Naturgefahren und die daraus resultierenden Risiken sind im Rahmen der Beurteilung von geeigneten Schutzmaßnahmen wichtig. Deshalb ist es notwendig, die beiden unterschiedlichen Begriffe Gefahr und Risiko zu erklären.

Trennung der Begriffe Gefahr und Risiko

Ein Beispiel, das den Unterschied veranschaulicht: Während zehn Personen den Atlantik in einem Ruderboot überqueren, sind 300 Personen in einem großen Kreuzfahrtschiff auf der gleichen Strecke unterwegs. Plötzlich kommt ein gewaltiger Sturm auf. Die Gefahr, die für alle gleichermaßen besteht, ist die Gefahr des Ertrinkens. Das maximale Schadensausmaß sind in einem Fall zehn, im anderen Fall 300 tote Personen. Das Risiko definiert sich nun aus der Wahrscheinlichkeit des Eintritts eines Schadensereignisses und dem Schadensausmaß.  Obwohl die Gefahr des Ertrinkens für alle Personen die gleiche ist und das Schadensausmaß im Falle des Untergehens des Kreuzschiffes wesentlich höher ist, ist trotzdem das Risiko für diejenigen, die mit dem Ruderboot unterwegs sind, viel größer. Grund dafür ist die sehr viel höhere Wahrscheinlichkeit für das Eintreten des Schadensfalles.

Naturgefahr und Risiko

In Österreich stehen Lawinen, Hochwasser, Felsstürze, Steinschlag, Muren und Rutschungen als Naturgefahren im Vordergrund. Diese Gefahren können aber nicht per se als Risiko bezeichnet werden, sondern sie werden dies erst durch die von Menschen getroffenen Entscheidungen. Erst wenn zum Beispiel durch Besiedelung, die Errichtung von Infrastruktureinrichtungen (beispielsweise Straßen, Wasserleitungen) oder touristische Entscheidungen (wie Schifahren, Bergsteigen) menschliches Leben oder Hab und Gut von Einwirkungen betroffen werden, vollzieht sich der Wandel von der Naturgefahr zum Risiko. Ansonsten bleibt eine Naturgefahr eine latente Bedrohung und somit ein externer Faktor, während das Risiko auch einen potenziellen Schaden benötigt.

Schitourengeher
Die Gefahr wird erst durch menschliche Entscheidungen zum Risiko.
http://bergrettung.scheffau.net/fotogalerie/04_galerie_winter/Schitour%20Gr-Huette%20Aufstieg.jpg

Das Risiko ist also die Konkretisierung einer Gefahr in Abhängigkeit von ihrer Eintrittswahrscheinlichkeit und den potenziellen Auswirkungen. Risiko kann beschrieben werden durch die genaue, quantitative Messung der Realisation der Gefahr und deren negativen Auswirkungen. Der Grad der negativen Auswirkung ist von der Empfindlichkeit des geschädigten Objektes gegenüber dieser Gefahr und von der Intensität des schadensverursachenden Prozesses abhängig. Alle Faktoren dieser Schadensempfindlichkeit werden unter dem Begriff Vulnerabilität zusammengefasst.

Vulnerabilität

Vulnerabilität beschreibt den potenziellen Schaden aufgrund eines möglichen Schadensereignisses innerhalb eines bestimmten Gebietes und Zeitraumes. Mit Hilfe der Vulnerabilität lässt sich das Risiko somit quantifizieren. Üblicherweise werden dafür objekt- und prozessspezifische Vulnerabilitätsfaktoren herangezogen. Diese drücken den funktionellen Zusammenhang zwischen einwirkenden Kräften eines bestimmten Naturprozesses und resultierenden Auswirkungen an betroffenen Objekten aus. Sie sind abhängig von der Art des Objektes (Einbezug verschiedener Parameter wie zum Beispiel Baumaterialien und -techniken, Erhaltungszustand, Vorhandensein von Schutzmaßnahmen) und Faktoren, welche die Intensität des Ereignisses (etwa Geschwindigkeit, Druck, Überflutungshöhen) sowie die entstandenen Auswirkungen am Objekt (Grad der Schädigung oder Zerstörung, monetäre Bewertung) beschreiben.

Haus durch Hangmure zerstört
Wohngebäude durch eine Hangmure zerstört (Steiermark, 2005)

Schadensbewertung – ein sehr subjektiver Vorgang

Bei der Bewertung von Schäden müssen neben den direkten Schäden auch die indirekten (Folge-)Schäden berücksichtigt werden. Diese können häufig sehr viel schwer wiegender als die direkten Schäden sein, da sie oft zeitverzögert über einen längeren Zeitraum eintreten.

Wenn es um Schäden und deren negativen Auswirkungen geht, sind diese von einer ganzen Reihe von Einflüssen abhängig, die jedoch stets subjektiv verschieden empfunden werden. Die Bewertung negativer Auswirkungen ist dabei immer vom menschlichen Wertesystem abhängig und deshalb sehr komplex. Es gibt daher keine objektive, quantifizierbare Festlegung des Risikos. Durch die Einbeziehung von Vulnerabilitätsfaktoren lässt sich das Risiko formelmäßig korrekt beschreiben:

Ri,j = f(pSi, AOj, poj,si, vOj,Si)

Mit dieser sehr gebräuchlichen Formel wird das Risiko (Rij) in Abhängigkeit vom Schadensereignis i und Objekt j beschrieben durch:
psi =     Eintretenswahrscheinlichkeit von Schadensereignis i
Aoj =     Wert des Objektes j
Poj,Si = Präsenzwahrscheinlichkeit von Objekt j gegenüber Schadensereignis i
Voj,Si = Vulnerabilität von Objekt j in Abhängigkeit von Schadensereignis i

Diese Formel des Risikos zeigt, dass eine mögliche Reduzierung des Risikos sowohl von der einwirkenden Seite der Naturgefahren als auch von Seiten der potenziell betroffenen und schadensempfindlichen Objekte vorgenommen werden kann.

Autoren

Peter Andrecs, Institut für Naturgefahren, Bundesforschungszentrum für Wald, Seckendorff-Gudent-Weg 8, 1131 Wien, Österreich
Stefan Oberndorfer, Forsttechnischer Dienst für Wildbach und Lawinenverbauung, Gebietsbauleitung Pongau, Bergheimerstraße 57, 5021 Salzburg, Österreich

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