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Artikel

Autor(en): Redaktion waldwissen.net – LWF
Redaktion: LWF, Deutschland
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Urban Forestry – Chance für die Forstwirtschaft

Die Bevölkerung zieht es immer mehr in die Städte. Dort sorgt das städtische Grün für ein angenehmeres Stadtklima. Urban Forestry könnte eine Chance bieten, der breiten Öffentlichkeit die Bedeutung von Bäumen, Wald und Forstwirtschaft näher zu bringen.

Veranstaltungen in Deutschland

Urban Forestry oder Arboristik beschäftigt sich mit dem Schutz der nachhaltigen Entwicklung von Gehölzen und Grünräumen im Siedlungsbereich der Städte. In Nordamerika hat sie sich zu einem spezialisierten Bereich der Forstwirtschaft entwickelt, der sich mit innerstädtischen Gewässern, Biotop-Pflege, Erholungsanlagen, allgemeiner Baumpflege und der Produktion von Holz als Rohstoff befasst. Auch bei uns gewinnt das städtische Grün an Dynamik und Bedeutung. Die Wertschätzung steigt von Jahr zu Jahr, deutlich ersichtlich an den zunehmenden Veranstaltungen zum Thema Urban Forestry und Arboristik (vgl. Kasten).

Besonderheit Stadtklima

Schlosspark Nymphenburg
Abb. 1: Auf den 180 ha großen Schlosspark Nymphenburg in München entfallen 158 ha Gehölzbestände, ein wichtiges Feld für Urban Forestry und ein durchaus lohnendes Ziel für ausgebildete Forstleute (Foto: A. Gerngross, FOTAG.de).

Städte heizen sich stärker auf als das Umland. Grund dafür sind die dichtere Bebauung, die eingeschränkte Luftzirkulation und die überwiegend versiegelten Flächen. Neben diesem Hitzeeffekt müssen Stadtbäume – insbesondere Straßenbäume – weiteren zahlreichen Stressfaktoren standhalten: Emissionen, Streusalz, Bodenverdichtung, Gas, Trockenheit, Hundeurin und mechanische Beschädigungen.

Die städtischen Baumbestände sind im Wesentlichen durch einheimische Baumarten geprägt (Berg- und Spitzahorn, Winterlinde, Stieleiche, Sandbirke). Als fremdländische Baumarten sind insbesondere die Rosskastanie (Biergärten), die Robinie und der Silberahorn zu nennen. Eine Rolle spielen auch einige Nadelbäume (Serbische Fichte, Eibe, Schwarzkiefer).

Gerade in städtischen Parkanlagen wurden aber schon seit dem 18. Jahrhundert fremdländische Baumarten angepflanzt. Zu nennen sind hier z.B. Götterbaum, Gleditschie, Platane, Japanischer Schnurbaum, Silberlinde, Roteiche, Baumhasel und Mannaesche. Da das Stadtklima rund ein bis zwei Grad wärmer ist als das Klima des Umlandes, können wir hier vorsichtige Rückschlüsse für einen möglichen Anbau in Wäldern bei zunehmender Erwärmung schließen. In den Städten selbst ist durch den Klimawandel mit häufigeren Trockenperioden und Wasserstress für die Stadtbäume zu rechnen. Gleichzeitig wächst damit aber die Bedeutung von städtischem Grün als Oase im überwärmten Stadtklima.

Bedeutung von Bäumen in der Stadt

Urbane Wälder und Bäume erfüllen wichtige ökologische und soziale Funktionen. Neben ästhetischen Aspekten steht beim städtischen Grün im Vordergrund, die Lebensqualität in den Städten zu sichern. Bäume können Emissionen senken, Lärm mindern, Staub binden und an heißen Tagen Kühlung bieten. Es ist bekannt, dass Städte mit reichhaltigem Baumbestand attraktiver sind.

Bäume und Gehölze in der Stadt verbessern die Biodiversität, reduzieren die Luftverschmutzung und mildern den Hitzeeffekt. Schattenwurf und Verdunstung bringen an heißen Sommertagen Kühlung in die Städte, was von der Bevölkerung als angenehm empfunden wird. Neben Lärmschutz, Sichtschutz und Windschutz dienen Bäume in den Städten als Refugium für diverse Tier- und Pflanzenarten.

Für das Erleben der Menschen spielt das Erscheinungsbild der Baumarten eine große Rolle. Der ornamentale Blütenschmuck der Rosskastanien im Frühjahr, die gelb-grüne Blüte des Spitzahorns vor Laubaustrieb, die silbrigen Blattunterseiten der Silberlinde oder die spektakulären Herbstfarben verschiedener Ahorne sind aus den Grünanlagen der Städte nicht mehr wegzudenken.

Förster kennen Bäume und ihre Bedürfnisse

Kiefer im Schlosspark Nymphenburg
Abb. 2: 176-jährige Kiefer im Schlosspark Nymphenburg, die ihre Krone nach der Entnahme bedrängender Nachbarbäume im gesamten Kronenbereich erfolgreich ausbauen konnte (Foto: R. Mößmer).

Die Bäume in Städten und Grünanlagen können Chance und Herausforderung für die konventionelle Forstwirtschaft und -wissenschaft sein. Forstleute besitzen eine hohe Fachkompetenz, was die Standortsansprüche der Baumarten, ihre Eignung auch für Extremstandorte in Städten sowie ihre Gefährdungen und Schadorganismen betrifft. Grundsätzlich treten an Stadtbäumen dieselben schädlichen Arten auf wie in Wäldern, allerdings ist die Bewertung eine andere im Wald, z.B. wegen Belästigung und hygienischer Fragen. Gerade Wuchdynamik und Konkurrenzverhalten können Forstleute durch ihre Ausbildung und Kompetenz sehr gut beurteilen. Viele Universitäten und Fachhochschulen bieten mittlerweile neben dem forstlichen Studiengang Wahlpflichtmodule im Bereich Arboristik, ein Vertiefungsstudium der Arboristik oder gar einen Bachelorstudiengang Arboristik an.

Über Urban Forestry und Arboristik könnten breite Teile der Bevölkerung für die nachhaltige Nutzung von Bäumen und Wäldern sensibilisiert und gewonnen werden. Das Wissen der Forstleute um eine nachhaltige, planvolle Waldbewirtschaftung bietet eine hervorragende Basis auch für die Weiterentwicklung der urbanen Forstwirtschaft. Außerdem bietet die Arboristik ein hervorragendes Aufgabenfeld, um auch mit Fachleuten aus Gartenbau, Landschaftsarchitektur, Stadtplanung und Ökologie zusammenzuarbeiten.

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