Suche

    
Suche nur in dieser Rubrik

Erweiterte Suche

Die waldwissen.net-App!

App Waldwissen

Waldwissen Newsletter

Unser Newsletter informiert Sie vier, fünf Mal jährlich per E-Mail über spezielle Beiträge und Waldwissen-Aktivitäten. Ihre E-Mail-Adresse wird lediglich zum Zweck der Zustellung des Newsletters verwendet und nicht an Dritte weitergegeben. Sie können sich jederzeit aus dem Newsletter heraus abmelden oder Ihre Einwilligung per E-Mail an uns widerrufen. Bitte beachten Sie unsere Datenschutzhinweise.

Ihr E-Mail*

Artikel

Autor(en): Helmut Volk
Redaktion: FVA, Deutschland
Kommentare: Artikel hat 0 Kommentare
Bewertung: Zu Favoriten Druckansicht 57.3357.3357.3357.3357.33 (177)

Landnutzungsänderungen als Folge der Rheinkorrektion

Rheinlaufverlegungen vor der Rheinkorrektion

Die Kulturlandschaftsentwicklung in der Rheinaue lässt sich seit etwa 300 Jahren genauer anhand von Karten und schriftlichen Dokumenten belegen. Wie stark die Rheinaue von einer unbeeinflussten Naturaue bereits um 1700 entfernt war, zeigen alte Karten mit topographischen Angaben zur Landnutzung.

Beispiele solcher Karten sind Militärkarten der Jahre 1693-1697, 1702-1713 und 1743. Danach ist die Rheinaue um 1700 eine intensiv genutzte, erschlossene, teilweise besiedelte, waldarme Landschaft (VOLK 2004). Das Verhältnis von überflutetem Bereich und nicht überflutetem Bereich wurde damals schon in der Rheinaue kräftig zugunsten des nicht überfluteten, acker- und wiesenfähigen Aueanteils verändert.

Landschaftsentwicklung nördlich von Straßburg
Abb. 1: Landschafts-, Standorts- und Auewaldveränderung nördlich von Straßburg in der deutsch-französischen Rheinaue. Die Landschaft Rheinaue hat 1790 keinen Auewald im heutigen Sinne, sondern Ackerfläche, Wiese, Flusssystem und Inseln im Fluss mit Gebüschvegetation. Die Landschaft Rheinaue hat heute (2005) hoch aufragende, als Naturschutzgebiet und Natura 2000-Fläche geschützte Auewälder, die in 150 Jahren neu aufgebaut wurden und anstelle der 1790 vorhandenen Wiesen, Äcker, Flussteile und Kiesinseln stehen (VOLK 2005).

Ausdruck dieser Bemühungen sind Rheinlaufverlegungen bereits 150 Jahre vor der Rheinkorrektion, die von Frankreich initiiert wurden. Sie verschoben das Flussbett des Rheins in der 4-6 Kilometer breiten Rheinaue zwischen Basel und Straßburg um bis zu 1,5 Kilometer nach Osten. Damit verbunden waren sehr großflächige Landnutzungsveränderungen. Sie brachten großen Landgewinn im Elsaß/Frankreich und Landabtrag auf der deutschen Seite des Rheins mit einschneidenden Verlusten für die Ernährung und Rohstoffversorgung der betroffenen Städte und Gemeinden am Oberrhein. Allein für Breisach wird das Ausmaß der Landnutzungsänderung in 150 Jahren bis zur Rheinkorrektion auf 4 Quadratkilometer geschätzt. Viele Städte und Gemeinden zwischen Basel und Rastatt waren betroffen, so Steinenstadt, Neuenburg, Hartheim, Bremgarten, Breisach, Burkheim, Jechtingen, Sasbach, Wyhl, Weisweil, Rheinhausen, der Taubergießen und die östlichen Teile der Rheinaue bei Straßburg (VOLK 2005).

Die Rheinlaufverlegungen zwischen 1700 und 1850, dem Beginn der Rheinkorrektion, zeigen die Fähigkeit der Menschen am Oberrhein, die Kulturlandschaft Rheinaue in großem Stile zu verändern. Einschätzungen der Aue-Naturschutz- Forschung, wonach die Rheinkorrektion in einer Naturlandschaft mit üppigen, alten Eichen- Ulmen Auewäldern vorgenommen worden wäre, treffen nicht zu. Die Rheinkorrektion griff die Kulturlandschaftsveränderungen seit 1700 auf und setzte sie fort.

Ein Beispiel großer Rheinlaufverlegungen zwischen 1700 und 1850 sei erwähnt: Die Verlegungen nördlich von Straßburg bei Offendorf/Frankreich und Grauelsbaum/Greffern/Deutschland (Abb. 1). Die frühen Eingriffe in das Flusssystem Rhein und die den Fluss begleitende Landnutzung sind neuerdings an vielen Rheinabschnitten zwischen Basel und Rastatt untersucht (VOLK 2005).

Rheinkorrektion und Landnutzungsveränderungen

Durch die Rheinkorrektion wurde das 1-2 Kilometer breite Flussbett zwischen Basel und Straßburg mit seinen Inseln auf 200-250 Meter verengt. Die Landnutzung in der Rheinaue wurde dabei grundlegend verändert. Hier werden nur die Auswirkungen auf die Auewälder gezeigt. Bis auf wenige Ausnahmen wirkte sich die Flusskorrektion gleichermaßen grundlegend für die Altaue und die überflutete Aue aus: Auewälder der Altaue wurden gerodet und der Nutzung als Äcker und Wiesen zugeführt. Die Hungersnöte des 19. Jahrhunderts waren die Triebkraft dieser Entwicklung.

Landschaftsveränderung bei Weisweil zwischen 1838 und 1872
Abb. 2: Landschafts- Standorts- und Auewaldveränderung nördlich von Breisach bei Weisweil in der deutsch-französischen Rheinaue zwischen 1838 und 1872. Der größte Teil des heutigen Auewaldareals wurde während der Rheinkorrektion vom Gewässerstandort (mit Inseln) durch künstliche Anlandung zum Auewaldstandort verändert (hellgrüne Fläche). Außerhalb der Anlandungsflächen liegende Vorwaldstandorte mit Inselgebüsch und Viehweide wurden gleichzeitig (1850-1880) durch Entwässerung und Grundwasserabsenkung standörtlich so verändert, dass Zug um Zug aus dem Weichholz-, Strauch-, Faschinen- Vorwald meist Hartholzstandorte entstanden (dunkelgrüne Fläche). Anlandungsflächen und Vorwaldstandorte wurden zwischen 1838 und 1880 als Faschinen-Niederwald und als Viehweide genutzt.

Im Bereich des alten, unkorrigierten, überschwemmten Flussbettes wurden, begleitend zur Rheinkorrektion, künstliche Standortsveränderungen durch Anlandungen vorgenommen. Große Teile des alten Flussbettes wurden dadurch auewaldfähig. Sie sollten hartholzfähig, d. h. für Eiche, Ulme, Esche, Ahorn etc. taugen. Grund für das Bestreben nach Wald mit Harthölzern war der sehr große Bedarf an Rohstoffsicherung für Bauholz. Es blieben immer noch große Teile des alten Flussbettes für die Weichhölzer wie Pappel und Weide, insbesondere, wenn man bedenkt, dass wesentliche Teile des heutigen Auewaldes vor und während der Rheinkorrektion Wasserfläche und Insel im Strom waren.

Die Entstehung der Auewälder am Rhein in Deutschland und Frankreich als Folge der Rheinkorrektion kann an mehreren Beispielen großräumig demonstriert werden. Bei Neuenburg decken sich Uferlinien der Flussbette vor der Korrektion fast nahtlos mit den Grenzen des heutigen Auewaldes im "Trockengebiet" des Oberrheins (VOLK 2003b). Auch im Naturschutzgebiet Sasbach/Wyhl/Weisweil ist dies weitgehend der Fall (Abb. 2). Komplizierter, aber nach den gleichen Prinzipien verlief die Auewald-Standortsbildung bei Karlsruhe (VOLK 2003a, 2004).

Aufbau der Auewälder

Wie sahen die Auewälder zum Zeitpunkt der Korrektion aus? Große Teile der heutigen Auewaldfläche waren damals (ca. 1850) Wasserfläche und fast vegetationslose Kiesbank. Die Teile, die mit Bäumen bewachsen waren, hatten keine Baumdominanz, sondern sehr hohen Strauchanteil. Eichen- Ulmenwälder gab es im Gelände der heutigen Auewälder zwischen Basel und Karlsruhe fast nicht.

Der Aufbau der Auewälder von heute begann mit der Rheinkorrektion. Zunächst bestand er großflächig in Anlandungs- und Bodenmeliorationsmaßnahmen und Pionierpflanzungen in veränderten, ehemaligen Wasserflächen, auf veränderten Kiesbänken und im Strauch-/ Weichholz-/ Niederwald des damals großflächigen Faschinenwaldes. In diesem dominierten Sträucher und Weichhölzer in Gebüschhöhe, die als Rohstoffreserve für die umfangreichen Damm- und Ufersicherungsbauten der Korrektion dienten.

Schema der Veränderung im Zeitraum von 215 Jahren
Abb. 3: Schema der künstlichen Veränderung der Strauch-Weichholz-Gebüsch- Ökosysteme (sog. Faschinenwald) in 215 Jahren (1790–2005) auf dem Gelände der heutigen Auewälder entlang des Rheins. Am Beginn der Rheinkorrektion prägen Inselgebüsche und lückige Weichholz-Niederwälder mit wenigen Baumarten die Landschaft des Auewaldes. Durch 150 Jahre Aufbauarbeit kamen die Harthölzer künstlich in die Gebüschvegetation. Die Auewälder sind heute (2005) wesentlich reichhaltiger hinsichtlich der Biodiversität als 1790. Sie erreichen einen deutlich höheren Altersdurchschnitt und wesentlich höhere Baumhöhen als in der Zeit zwischen 1700 und 1880.

Ausgedehnte baum- und holzfreie Teile gab es im Faschinenwald. Sie dienten der Viehweide. Zug um Zug wurde die frühere Flussbettlandschaft zwischen 1850 und 1890 an den Auewald heutiger Prägung herangeführt. Weichholzpflanzungen, und die Pflanzung bzw. die ersten Saaten von Eichen, Eschen und Ulmen begannen. Die Landschaft behielt bis 1900 den Gebüschcharakter; aus Gebüschen ragten nur schmale Pyramidenpappeln (sog. Napoleonpappeln) heraus.

Erst um 1900 machten sich die Anpflanzungen der Harthölzer Eiche, Esche, Ulme, Linde, Hainbuche, Ahorn etc. optisch in der Landschaft bemerkbar. Sie hatten Höhen über Gebüschhöhe erreicht. Damit war es möglich, die Wälder im Mittelwaldbetrieb zu bewirtschaften und den Niederwald abzulösen. Die Mittelwaldphase mit der künstlichen Betonung von Eiche, Esche und Ulme dauerten nur kurz. Ab 1924 setzte ein neues Konzept neue landschaftliche Akzente. Die Zeit des Hochwaldes dauert von 1924 bis heute. In dieser Zeit wuchsen die Auewälder kräftig in die Höhe von durchschnittlich 10 bis 12 Metern (Mittelwald) bis zu Höhen über 30 Meter, die unsere Auewälder heute erfreulicherweise erreichen (Abb. 3; VOLK 2000, 2003b, 2004).

Veränderung der Auestandorte nach 1870 bis 1930

Eine weitere wichtige landschaftsökologische Veränderung nach der Rheinkorrektion wird bisher in der Auediskussion zu wenig beachtet. Die großen Auewälder am Rhein sind zwischen 1870 bis 1930 extrem verlandet. Dadurch haben sich alle Auewälder zwischen Basel und Straßburg großflächig zur sehr wenig oder nicht überfluteten Altaue hin entwickelt. Die Überflutungsaue geriet also relativ früh ins Minimum.

Dieser 60-jährige Prozess der Landschaftsentwicklung zwischen 1870 und 1930 brachte neue, entscheidende Voraussetzungen für die nochmalige Erweiterung der Biodiversität an Baumarten in den rheinnahen Wäldern (Abb. 4). Die Standortsparameter haben sich nachhaltig und dauerhaft in gravierender Weise geändert. Ursache waren der Bau des Rheinseitenkanals und der Staustufen zwischen Breisach und Rastatt. Durch die Veränderungen zwischen 1870 und 1930 sowie durch den Staustufenbau gibt es in diesen Auewäldern im Grundsatz keine vollständige Renaturierungsmöglichkeit in Richtung natürlicher Überflutungsaue. Auch die Benutzung der sog. Auestufen als Höhenmodell für den künstlichen Anbau oder die bisherigen Vorstellungen über Sukzessionen von der Weichholz- zur Hartholzaue sind an die stark veränderten standörtlichen Rahmenbedingungen anzugleichen.

Standortsveränderungen bei Weisweil zwischen 1872 und 1930
Abb. 4: Die Standortsveränderungen in der Rheinaue nördlich von Breisach bei Weisweil waren auch zwischen 1872 (Höhepunkt der Rheinkorrektion) und 1930 (Zustand vor dem Oberrheinausbau) schwerwiegend. 1872 ist im Auewald-Naturschutzgebiet Wyhl-Weisweil ein vernetztes System von Altarmen vorhanden, das durch Lücken in den Rheindämmen mit dem neuen Rhein noch eng verbunden war. 1930 ist diese Verbindung fast vollständig unterbrochen. Durch Absenkung der Flussohle des Rheins in 60 Jahren und durch Kappung der Dammdurchlässe zum Rhein ist ein starker Verlandungsprozess im Auewald eingetreten, der die Biodiversität in den Auewäldern deutlich erhöht hat.

Die potentielle natürliche Vegetation in Staustufen- Auen ist neu zu überdenken und den deutlich eingeschränkten Überflutungs- bzw. Überstauverhältnissen der staugeregelten Rheinaue anzupassen. Ganz allgemein sind die bisherigen Vorstellungen zur potentiellen natürlichen Vegetation weitgehend als überholt zu betrachten (vgl. auch Boeuf et al. 2005). Der heutige aueökologische Zustand hinsichtlich Grundwasser und schwacher Überflutung unter den künstlichen Voraussetzungen des staugeregelten Rheins sollte mehr in die Überlegungen der Standortskartierung aufgenommen und bei der Revitalisierung der Rheinaue berücksichtigt werden.

Wie die heute wirksamen Standortsparameter für die rheinbegleitenden Auewälder zwischen Basel und Rastatt zu neuen Gruppierungen aueökologisch zusammengefügt werden können, soll am Beispiel des Auewaldes nördlich von Breisach zwischen Sasbach und Rheinhausen (Naturschutzgebiet Sasbach Wyhl / Weisweil) dargelegt werden. In der aueökologischen Gliederung wird die durch Staustufen und andere Flussausbaumaßnahmen bestimmte Kulturaue Rhein in zwei Gruppen eingeteilt. Die erste Gruppe standörtlicher, kulturlandschaftsbestimmter Einheiten bildet die Staustufen-Aue mit Weichhölzern. Naturnahe Baumarten sind Hybridpappeln mit hohen Anteilen an Schwarzpappel. Außerdem die Schwarzpappel- Restvorkommen, Silberpappel, diverse Weidenarten.

Die zweite Gruppe standörtlicher, kulturlandschaftsbestimmter Einheiten der Staustufen-Aue bildet die Altaue zwischen Rheindamm und landseitigem Damm. In der Altaue historischer und heutiger Prägung sind nachweislich mehr Baumarten als natürlich oder naturnah zu bezeichnen, als dies bisher üblich war. Zu diesen natürlichen oder naturnahen Auewaldbaumarten gehören beispielsweise alle Ahornarten, die Buche, die Birke, die Kiefer (VOLK 2002, 2003a) (Abb. 5). Zur Altaue gehört auch die Eiche, wobei noch geklärt werden müsste, ob nicht nur die Stieleiche, sondern auch die Traubeneiche in die Altaue neuer Prägung gehört. Aufgrund der langen Zeit der Einbürgerung der Robinie (seit über 150 Jahren) sollte auch dieser Baum den naturnahen Baumarten der Altaue heutiger Prägung zugerechnet werden.

Kulturaue im Jahr 2005
Abb. 5: Kulturaue 2005 mit ausgebautem Rhein und rheinbegleitendem Auewald im Naturschutzgebiet Wyhl-Weisweil. Der aueökologische Zustand der Kulturaue prägt die heute vorhandenen Wälder mit Weichhölzern und mit Harthölzern. Die Weichhölzer (Pappeln, Weiden etc.) sind standörtlich der Staustufen-Aue mit Weichhölzern zuzuordnen. Die große Mehrheit der heutigen Auewaldstandorte gehört zur Altaue ohne oder mit geringer Überflutung. Hier ist die Biodiversität der Baum- und Straucharten besonders hoch.

Potentielle natürliche Vegetation und Biodiversität

Aufgrund der Landschaftsgeschichte der Rheinaue seit der vorrömischen Zeit und der grundlegenden standörtlichen Veränderungen in der Rheinaue seit 300 Jahren ist es nicht mehr sinnvoll, die potentielle natürliche Vegetation in der bisherigen Definition nach DISTER (1980, 1991), ELLENBERG (1996), OBERDORFER (1992) zum großflächigen Maßstab für die Naturnähe und den Naturschutzwert der Auewälder heranzuziehen. In den genannten Untersuchungen zur potentiellen natürlichen Vegetation sind keine Überlegungen zur Entstehung der Auewaldstandorte sowie zur Begründung und zum Aufbau der Auewälder enthalten. Die Auewälder in der kulturbestimmten Altaue und in der von Staustufen geprägten überfluteten Aue verkörpern den Naturschutzwert des rheinbegleitenden Auewaldes viel stärker durch die Biodiversität an Baumarten in der Aue als durch vermutete Auewaldreste, die nur vermeintlich Anschluss an Vorstellungen von der potentiellen natürlichen Vegetation vermitteln. Bei der Ausweisung von Naturschutzgebieten und Natura 2000 Flächen sollte die Biodiversität der Hauptgesichtspunkt für die Naturschutzbewertung der Auewälder werden.

Leitbilder für Flussauen mit Staustufen und Industriebauten

Die in Abb. 5 vorgestellte aueökologische Gliederung der Rheinauewälder zwischen Basel und Rastatt und die Grundlagen zur Beurteilung der Natürlichkeit von Baumarten in der Rheinaue finden sich in fast keinem Renaturierungskonzept. Beispiele sind die Naturschutzprogramme der Naturschutzverwaltung für den Südlichen und Nördlichen Oberrhein (ILN 1995; LFU 1993, 1997, 2000). Die hier vorgestellten neuen Forschungsgrundlagen finden sich noch nicht ausreichend in deutsch-französischen Rheinaueprojekten und in den bisherigen Veröffentlichungen über den Standortswald für die Rheinaue (MICHIELS 2000; MICHIELS u. ALDINGER 2002).

Die neuen Forschungsgrundlagen für Aue-Standortsparameter, die an Kulturlandschaftseinheiten orientiert sind, sollten in Natura 2000 und in die Wasserrahmenrichtlinie der EU Eingang finden. Hierzu bedarf es Anstrengungen aller Disziplinen der Forstwirtschaft und des Naturschutzes, damit die Auen und ihre Wälder bei Renaturierungsmaßnahmen als empfindliche und hoch entwickelte Kulturlandschaften verstanden und bewertet werden. In den veränderten Kulturauen ist nur ein eng begrenztes Renaturierungspotenzial vorhanden. Dieses erschließt sich nicht aus den bisher gültigen Urwald- und Sukzessionsvorstellungen der Geobotanik und der forstlichen Vegetationskunde.

Aus der Landschaftsgeschichte der Rheinaue und anderer mitteleuropäischer Flussauen ergibt sich, dass in Kulturauen spätestens nach jeweils 50 Jahren die aueökologischen Grundlagen wiederum grundlegend verändert werden. In Kulturauen kann keine raumordnerische Kontinuität für lange Zeiträume gelten, wodurch Urwälder und Sukzessionen der Naturlandschaft großflächig keinen Platz finden können.

Die Ergebnisse zur Landschaftsgeschichte und zur Natürlichkeit der Baumarten in der Rheinaue können auch für die geplanten Hochwasserschutzmaßnahmen am Rhein zu neuen Impulsen bei der Umsetzung der Maßnahmen führen. Dies gilt für die Einschätzung über den Nutzen ökologischer Flutungen für den Naturschutz, für die Bildung naturverträglicher Maßstäbe der Hochwasserrückhaltung und für das Ziel des dauerhaften Erhaltes der verbliebenen Auewälder am Rhein. Ihre im europäischen Maßstab hochwertige Vielfalts-Struktur ist das Ergebnis einer 150jährigen Aufbauarbeit im Rheinauewald.

Download

  • Eine ausführliche Literaturliste kann als PDF-Datei (23 KB) heruntergeladen werden.