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Eidg. Forschungsanstalt WSL
Störungsökologie
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Fax: +41 44 739 22 54

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Artikel

Autor(en): Jacques Burnand, Felix Keller, Richard Stocker, Thomas Wohlgemuth
Redaktion: WSL, Schweiz
Kommentare: Artikel hat 0 Kommentare
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Die ökologische Leistung von Wirtschaftswäldern erfassen

Wie lässt sich der ökologische Wert von Wäldern erfassen? Ein Team aus Praxis und Forschung entwickelte ein Instrument zur Messung der ökologischen Leistung von Wirtschaftswäldern. Die Idee war, jedem Bestand einen "Ökowert" zuzuordnen.

Wirtschaftswälder erbringen ökologische Leistungen
Abb. 1 - Wirtschaftswälder machen 80% der Wälder im Mittelland aus. Sie erbringen eine Reihe von ökologischen Leistungen. Eine davon ist der Substitutionswert des natürlichen Werkstoffes Holz.
Foto: Ueli Wasem (WSL)
 

Schon früh haben Forstleute im Rahmen der Forsteinrichtung Kontrollsysteme eingerichtet, mit denen sich die Leistungen des Waldes im Bereich Holzproduktion messen lassen. Den ökologischen Leistungen der wirtschaftlich interessanten Wälder wurde jedoch bis heute wenig Beachtung geschenkt - obschon es heute zunehmend wichtiger wird, nebst der Holzproduktion auch andere Waldleistungen auszuweisen und sie als "Produkte" zu betrachten.

Nach einer eingehenden Diskussion möglicher ökologischer Werte hat ein Team aus Praxis und Forschung im Rahmen des Forschungsprogramms "Walddynamik" der Eidgenössischen Forschungsanstalt WSL ein Instrument zur Messung der ökologischen Leistung von Wäldern entwickelt. Die Idee ist, jedem Bestand einen "Ökowert" zuzuordnen.

Welche ökologischen Werte?

Die Natur an sich ist frei von Werten. Am Anfang der Entwicklung eines Ökowerts steht somit eine Wertediskussion, in der es um Kriterien bzw. um die Gewichtung ihrer Werte geht.

  • Naturwerte würden sich naheliegenderweise aus seltenen Arten, Artenvielfalt und Art des Waldaufbaus, Grad der Vernetztheit mit anderen ähnlichen Waldökosystemen, oder die Art der forstlichen Behandlung zusammensetzen.
  • Abstrakter ist der ökologische Wert des Roh-, Werk- und Brennstoffes Holz, der im Wald steht und in vielen Fällen Stahl, Beton, Kunststoff oder Erdöl ersetzen kann: der Substitutionswert.
  • Nicht für alle Kriterien gibt es einfache Messgrössen, die sich z. B. auf Bestandesebene erheben lassen. Grundleistungen des Waldes wie die Regulierung des Wasserhaushaltes, die Schadstofffilterung der Luft und der Erholungswert werden deshalb einem Sockelwert zugeordnet, der für alle Wälder gleich hoch ist (dieser Sockelwert bringt zum Ausdruck, dass kein Wald den Ökowert Null hat).

Wie sieht der Ökowert aus?

Zum Zeitpunkt dieser Publikation (2004) war noch nicht entschieden, wie der Ökowert definitiv aussehen wird. Vorstellbar ist ein Zahlencode, ähnlich einem Bestandescode. Dieser setzt sich z. B. aus sechs Ziffern für folgende Indikatoren/ Kriterien zusammen:

  1. Sockelwert
  2. Naturwert
    (Forstliche Behandlung F, Naturnähe N, Vielfalt V, Seltenheit S, Vernetzung VN)
  3. Substitution SU ...
  • ... sowie deren "Mittelwert". Die Bewertung der einzelnen Kriterien/ Indikatoren und der Ökowert könnten zur besseren Lesbarkeit als grafische Profile visualisiert werden (siehe Grafik).
   
Beispiel eines Ökowerts mit sechs Kriterien und "Mittelwert".  
Abb. 2 - Beispiel eines Ökowerts mit sechs Kriterien und "Mittelwert"  
   

Wozu Wirtschaftswälder ökologisch bewerten?

Totholz als Indikator für die Artenvielfalt in Wirtschaftswäldern
Abb. 3 - Stehendes Totholz ist ein Indikator für Natür-
lichkeit und Artenvielfalt in Wirtschaftswäldern.
Foto: Ueli Wasem (WSL)
  • Mit dem Instrument "Ökowert" soll die Waldwirtschaft die ökologischen Leistungen von Wäldern objektiviert erfassen können.
  • Liegen alle Bestandes-Ökowerte in einem Revier oder Betrieb vor, sind Auswertungen nach verschiedenen Kriterien und Kombinationen möglich. Ein Forstbetriebsleiter könnte z.B. über ein GIS verschiedene Naturwerte seiner Bestände abfragen oder entsprechende Karten erstellen.
  • Die Kombination mehrerer Bestandes-Ökowerte könnte für Waldteile, Wälder oder ganze Forstbetriebe angewendet werden. Ein Betriebs- oder Revierleiter könnte den System-Ökowert in seine forstliche Planung einbeziehen. Denkbar wären Modellierungen zu den Szenarien "Femelschlag", "Dauerwald", "Kahlschlag" oder zu einem Szenario "Energieholzwald".

Es ist denkbar, dass der Ökowert auch als Entscheidungsgrundlage für Abgeltungen im Rahmen von Leistungsvereinbarungen im Bereich Waldökologie, d. h. Biotop- und Artenschutz, Verwendung finden wird. Es wäre vorstellbar, dass sich ein Wald- eigentümer dereinst in einer Leistungsvereinbarung verpflichtet, den Ökowert in seinem Betrieb innerhalb von zehn Jahren vom Niveau X auf Niveau Y anzuheben und dafür öffentliche Gelder erhält. Der Waldeigentümer geht solche Leistungsvereinbarungen freiwillig ein, hat dann aber die Leistung zu erbringen, deren Erreichung er in der Vereinbarung verspricht.

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