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Urs-Beat Brändli

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Artikel

Autor(en): Philippe Duc, Urs-Beat Brändli
Redaktion: WSL, Schweiz
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Wirkung und Stabilität des Schweizer Schutzwaldes besser geworden

Rund 43% des Schweizer Waldes schützen Siedlungen und Verkehrswege direkt oder indirekt. Auswertungen des dritten Landesforstinventars LFI3 zeigen, dass der Schutzwald im letzten Jahrzehnt dichter und schutzwirksamer geworden ist. Auch die Bestandesstabilität und die Verjüngung haben sich seit dem LFI2 verbessert. Neben dem Schutz vor Naturgefahren spielt der Wald auch eine wichtige Rolle für den Schutz des Trinkwassers.

Schutzwald oberhalb von Davos
Abb. 1 - Schutzwald oberhalb von Davos.
Foto: Ueli Wasem (WSL)

Im Alpenraum schützt der Wald Siedlungen und Verkehrswege grossflächig gegen Lawinen, Steinschlag, Erdrutsche und Murgänge und sichert so den Lebensraum von rund einem Viertel der Schweizer Bevölkerung. Daneben spielt der Wald eine wichtige Rolle als natürlicher Filter in Einzugsgebieten von Trinkwasserquellen. Gestützt auf vorhandene Planungsgrundlagen oder Gutachten der Revierförster weisen derzeit 43% der Schweizer Waldfläche eine Schutzfunktion gegenüber Naturgefahren auf, und auf 36% der Waldflächen hat die Schutzfunktion Vorrang vor allen anderen Funktionen. 16% der Waldflächen liegen im Einzugsgebiet einer Quellfassung und 8% innerhalb der Grundwasser-Schutzzonen der Kantone.

Die Harmonisierung der kantonalen Schutzwald-Ausscheidung im Rahmen des Projekts "SilvaProtect" war zum Zeitpunkt der LFI-Datenanalyse noch im Gange. Der bereinigte "Schutzwald gemäss Bundeskriterien" konnte deshalb im LFI3 noch nicht als Grundlage für die Auswertungen zum Schutzwald verwendet werden. Dagegen wurden die Stabilitätsanforderungen aus der Wegleitung "Nachhaltigkeit und Erfolgskontrolle im Schutzwald" (Frehner et al. 2005) als Massstab für die Bewertung der Schutzwirkung und der langfristigen Stabilität der Schutzwälder verwendet.

Mehr als ein Drittel Schutzwald

Schutzwald bedeutet Lawinenschutz
Abb. 2 - Nur ausreichend geschlossene Wälder bieten Schutz vor Lawinen (Lucksalp bei Davos).
Foto: Walter Schönenberger

Wälder mit Vorrangfunktion "Schutz vor Naturgefahren" werden als Schutz­wald LFI3 bezeichnet. Dieser umfasst, mit 461 000 ha Waldfläche, 36% der gesamten Waldfläche der Schweiz. Davon liegen gut zwei Drittel in den grossen Gebirgskantonen Bern (67 000 ha), Graubünden (111 000 ha), Tessin (69 000 ha) und Wallis (78 000 ha). Der Anteil der Schutzwälder am Gesamtwald liegt im Jura und Mitteland unter 10%, in den Voralpen bei rund 40% und in den Alpenregionen (inkl. Südseite) bei mehr als 50% (Abb. 3). Der Schutzwald befindet sich zu 57% auf Hängen mit mehr als 60% Neigung, an denen Lawinen und Steinschlag zu erwarten sind. Im weniger geneigten Gebiet wirkt der Wald gegen Erosion und Hochwasser. Fast drei Viertel der Schutzwälder liegen oberhalb von 1000 m ü. M. und gehören somit überwiegend zur oberen montanen und subalpinen Stufe.

Die folgenden Angaben zu Bestandesaufbau, Schutzwirkung, Stabilität und Verjüngung des Schutzwaldes LFI3 beziehen sich auf den zugänglichen Schutzwald ohne Gebüschwald, welcher rund 91% des Schutzwaldes LFI3 abdeckt. 5% des Schutzwaldes sind unzugänglich und 4% Gebüschwald.

Schutzwirkung verbessert

Der Deckungsgrad der Baumkronen und das Vorkommen von kritischen Bestandeslücken sind die zwei wichtigsten Indikatoren zur Schutzwirkung, zumindest im Lawinen- und Erosionsschutzwald. In 9% der Schutzwälder ist der Deckungsgrad kleiner als 40% und damit in jedem Fall zu klein im Vergleich mit den Sollwerten gemäss der Wegleitung "Nachhaltigkeit und Erfolgskontrolle im Schutzwald" (Frehner et al. 2005). Weitere 13% der Flächen sind mit 41 bis 60% Deckungsgrad für einen guten Schutz vor Naturgefahren zu schwach überschirmt. Umgekehrt weisen 55% der Bestände im Schutzwald einen Deckungsgrad von mehr als 80% und damit ein mehr oder weniger geschlossenes Kronendach mit einer sehr guten Schutzwirkung auf. Der Anteil der Bestandeslücken beträgt 39% und hat sich zwischen LFI2 und LFI3 im landesweiten Durchschnitt nicht verändert. Eine deutliche Zunahme der Lücken kann aber in den vom Sturm "Lothar" besonders betroffenen Regionen Jura, Mittelland und in den westlichen Nordalpen festgestellt werden. Umgekehrt sind in den östlichen Zentralalpen (Graubünden) viele Lücken eingewachsen.

Schutzwaldanteil nach Wirtschaftsregion  
Abb. 3 - Anteil Schutzwald LFI3 nach Wirtschaftsregion in Prozenten des Gesamtwaldes.  
   
Schutzwaldfläche LFI3 in Prozent  
Abb. 4 - Schutzwaldlfäche LFI3 nach Basalflächenklasse und Inventur in Prozenten, mit Angabe des einfachen Standardfehlers.  
   
Borkenkäfernest im Schutzwald
Abb. 5 - Selbst tote Bäume können wirksam gegen Steinschlag schützen (Leuk/VS).
Foto: Ueli Wasem (WSL)

Die Basalfläche ist ein robuster Indikator für die Bestandesdichte. Basalflächen bis 20 m2/ha treten einerseits in Jungbeständen, andererseits in Baumhölzern mit relativ lockerem bis aufgelöstem Kronenschluss auf. Basalflächen über 40 m2 charakterisieren dichte Bestände mit aktuell guter Schutzwirkung. Auf den gemeinsamen Waldprobeflächen der drei bisherigen Inventuren nahm der Anteil der Schutzwälder mit einer Basalfläche der stehend lebenden Bäume von weniger als 20 m2 innerhalb der letzten 20 Jahre deutlich ab, jener der dichten Schutzwälder hingegen deutlich zu (Abb. 4). Insbesondere in den Zentralalpen (Wallis und Graubünden) und auf der Alpensüdseite (Tessin) sind die Bestände dichter und somit schutzwirksamer geworden.

Schutzwald ist stabiler

Im Schutzwald LFI3 gibt es 51% reine Nadelwälder (Nadelholzanteil >90%), 26% gemischte Wälder und 23% reine Laubwälder (Tabelle 1). Normal dichte und gedrängte Bestände weisen jeweils einen Anteil von gut 20% auf. Gedrängte Nadelholz-Reinbestände finden sich nur auf rund 6% der Schutzwaldfläche. Gegenüber dem LFI2 nahm der Anteil dieser gedrängten Bestände in den Nadelholz-Reinbeständen von 7% auf 6% leicht ab.

Insgesamt weisen nur rund 6% der Schutzwälder eine kritische Stabilität auf; 38% wurden von den Aufnahmegruppen als vermindert stabil und 56% als stabil beurteilt (Tabelle 2). Gegenüber dem LFI2 sind die Bestände deutlich stabiler geworden. Wurden damals nur 38% der Bestände als stabil eingeschätzt, so sind es im LFI3 rund 56%.

4% der Schutzwälder LFI3 weisen praktisch keine Verjüngung auf, 32% einen Verjüngungsdeckungsgrad zwischen 1 und 10%. Gemessen am Sollwert von 5% haben sie eine kritische bis ungenügende Verjüngung. Die regionalen Unterschiede sind im LFI3 deutlich kleiner als im LFI2. Der Anteil der Flächen mit einem Verjüngungsdeckungsgrad unter 10% hat in rund 20 Jahren von 41% im LFI1 auf 36% im LFI3 abgenommen.

Als problematisch gelten Schutzwälder mit kritischer oder verminderter Stabilität und kritischer Verjüngung mit einem Deckungsgrad unter 10%. Dies trifft für 16% des zugänglichen Schutzwaldes LFI3 zu (Tabelle 2). Im gemeinsam zugänglichen Wald ohne Gebüschwald LFI2/LFI3 nahmen die problematischen Waldflächen innerhalb der letzten zehn Jahre von 96 000 ha auf 66 000 ha ab. Sehr problematisch sind instabile (kritische) Bestände ohne jegliche Verjüngung. Sie machen aber nur 0,1% der Schutzwaldfläche aus.

Pflegebedarf noch immer gross

Schutzwald nach Sturmwurf oberhalb Curaglia (Graubünden)
Abb. 6 - Nach Windwürfen muss der Schutzwald aufwändig wieder hergestellt werden.
Foto: Ueli Wasem (WSL)

In den letzten zehn Jahren fand auf 126 000 ha oder 30% der Schutzwaldfläche mindestens ein Eingriff statt. Auf diesen Flächen war der Anteil der Sanitärhiebe (45%), bedingt durch den Sturm "Lothar" und die nachfolgenden Borkenkäferschäden, gross. Weitere wichtige Eingriffsarten im Schutzwald waren Durchforstungen (15%), Jungwaldpflege (10%), Lichtungen (9%), Räumungen (6%) und Gebirgswald-Durchforstungen (5%). Auf 36% der Schutzwaldflächen mit einem Eingriff innerhalb der letzten zehn Jahre betrug der Zwangsnutzungsanteil mehr als 50%. Der Anteil der Waldflächen mit geplanten Eingriffen in den nächsten zehn Jahren ist mit 31% annähernd gleich gross wie der Anteil der in den letzten zehn Jahren behandelten Waldflächen.

Waldbauliche Massnahmen im Schutzwald sind nur möglich, wenn die Wälder erschlossen sind. Auf rund 14% der Fläche weist der Schutzwald LFI3 Hangneigungen unter 40% auf und ist dort in der Regel mit Holzerntefahrzeugen befahrbar. Steilere Waldflächen müssen mittels Strasse und Seilkran oder Helikopter erschlossen werden. Als Erschliessungskonzept sind auf 25% der Schutzwaldflächen Strassen in Kombination mit Rückegassen oder Maschinenwegen vorgesehen oder eingerichtet. Auf 42% der Flächen sollten Seilkräne zum Einsatz kommen und auf 13% Helikopter. Auf 21% ist momentan keine Erschliessung vorgesehen. Auf diesen Flächen würde das Holz im Falle eines Eingriffs liegen gelassen oder ebenfalls per Helikopter genutzt. 14% der Schutzwälder sind mehr als 1000 m von der nächsten Strasse entfernt und gelten damit als schlecht erschlossen.

Trinkwasserschutz wichtig

Schutzwald schützt vor Steinschlag
Abb. 7 - Fast die Hälfte aller Eingriffe im Schutz­wald waren Sanitär­hiebe (Niderental, Schwanden/GL).
Foto Ueli Wasem (WSL)

Gemäss der Umfrage LFI3 weisen rund 52 000 ha Wald beziehungsweise 4% der gesamten Waldfläche eine Schutzfunktion für das Trinkwasser auf. Allerdings basiert die Zuordnung der Probeflächen zur Trinkwasser-Schutzfunktion nur zu 44% auf Karten und Plänen. Darum be­ziehen sich die nachfolgenden Aussagen auf die Grundwasser-Schutzzonen der Kantone. Diese müssen um alle Grundwasserfassungen von öffentlichem Interesse ausgeschieden werden. 107 000 ha oder 47% der Grundwasser-Schutzzonen liegen im Wald. Dies entspricht 8% der Gesamtwaldfläche von 1,3 Mio. ha. Der Vergleich der Umfrageergebnisse mit den kantonalen Angaben zeigt, dass die Trinkwasser-Schutzfunktion in der forstlichen Praxis noch nicht überall wahrgenommen wurde oder noch keinen Eingang in die regionale Waldplanung gefunden hat.

Massstab zur Beurteilung der forstlichen Bewirtschaftungsmassnahmen ist die Qualität des Sickerwassers. Diese hängt auch vom Waldaufbau ab und kann durch forstliche Bewirtschaftungsmassnahmen verbessert werden. Bestände mit einem hohen Anteil an Laubbäumen haben einen positiven Einfluss auf die Sickerwasserqualität. In Nadelwäldern ist die Nitratkonzentration im Sickerwasser umso höher, je älter der Bestand ist. Eine Verjüngung von fichtenreichen Altbeständen wirkt sich deshalb langfristig positiv auf die Qualität des Sickerwassers aus. Laubholzreiche Bestände haben seit dem LFI2 kaum zugenommen. Der Anteil nahezu reiner Nadelholzbestände ist aber im Trinkwasser-Schutzwald von 39% auf 36% zurückgegangen.

Dieser Beitrag ist Teil einer Serie über die Ergebnisse des dritten Landesforstinventars LFI3.
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Wenn Sie sich näher für das Schweizerische  Landesforstinventar interessieren, finden Sie auf der folgenden Website zusätzliche Informationen: www.lfi.ch

Literatur

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