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Artikel

Autor(en): Arnold, Christian, Weiser, Clemens, Bertsch, Annalena (SBS)
Redaktion: SBS, Deutschland
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Holzernte am Steilhang – temporäre Fangnetze machen es möglich!

Wenn sich an Waldgebieten in Steilhanglage am Unterhang eine Bebauung oder eine Straße befindet wird die Holzernte schnell zu einem risikoreichen Unterfangen. Um eine sichere Holzernte zu gewährleisten ist der Einsatz von aufwändiger Technik notwendig und muss durch weitere Sicherungsmaßnahmen ergänzt werden. Eine solch anspruchsvolle Situation wurde im Wald der Stadt Schwarzenberg im Erzgebirge mit Hilfe von mobilen Fangnetzen unkonventionell gelöst.

Der Stadtwald Schwarzenberg befindet sich in mehreren Waldteilen um Schwarzenberg verstreut. Mäßig bis stark geneigte Hänge nehmen im 359 Hektar umfassenden Stadtwald fast 50 % der Betriebsfläche ein. Durch die Zergliederung und die Nähe zur Stadt befinden sich am Unterhang häufig Bebauungen oder Straßen. Der von der Fichte geprägte Holzvorrat beträgt im Mittel 374 Vorratsfestmetern pro Hektar und die Gesamtnutzung 8,6 Erntefestmeter pro Hektar (Stichtag Forsteinrichtung 01.01.2015).

Schwarzenberg Häuser im Hang sind akut gefährdet!
Abb. 1 - Karte des Stadtwaldes um Schwarzenberg und Übersichtskarte Sachsen.  Abb. 2 - Häuser, Menschen und Straßen sind durch einen ungesicherten Eingriff im Steilhang akut gefährdet.

Holzernte am Steilhang

... wird in der Regel sehr selten, aber dafür mit hoher Intensität eingegriffen. Häufig werden die Flächen komplett kahl geschlagen. Starke Eingriffe führen zwangsläufig zu einer temporär höheren Instabilität des Bestandes und / oder des Hanges. Bei südlicher Exposition steigt neben dem Sturmrisiko auch das Risiko eines Borkenkäferbefalls an. Stärkere Auflichtungen haben zudem häufig eine undifferenzierte Fichtennaturverjüngung auf der gesamten Fläche zur Folge.

Eine moderate Eingriffsstärke hingegen bringt vielseitige Vorteile: Sie schützt den Altbestand, erhält die Hangstabilität und kommt in Schwarzenberg durch den Erhalt eines angemessenen Kronenschlussgrades auch der Buchennaturverjüngung als wichtige stabilisierende Mischbaumart zu gute. 

Der bearbeitete Altholzkomplex bestand zu 85 Prozent aus 100-jähriger Fichte und zu 15 Prozent aus 100-jähriger Buche und Birke. Auf etwa 5,5 Hektar wurden 400 Erntefestmeter Holz geerntet. Die mittlere Eingriffsstärke betrug demnach 70 Erntefestmeter pro Hektar. Mit 17 Prozent des Bestandesvorrates (vor der Nutzung 540 Vfm/ha) war die Intensität der Maßnahme eher gering. Im Gebiet Schwarzenberg kam technologisch ein Seilkranprozessor zum Einsatz, wobei auf einer Hanglänge von 220 Meter und einer Hangbreite von 190 Meter mit sieben Seiltrassen gearbeitet wurde.

zu durchforstender Bestand am Hang Fangnetz
Abb. 3 - Zu durchforstender Bestand am Hang, oberhalb einer Siedlung (blau umrandet).
Abb. 4 - Fangnetze verhindern, dass Holzstücke oder Gestein zur Gefahr werden.

Sicherung durch mobile Fangnetze

Die Häuser und Straßen unterhalb einer Hangfläche wurden mittels Fangnetzen geschützt. Dadurch war gewährleistet, dass sich weder Geröll noch Holzstücke zu einer Gefährdung entwickeln und die Maßnahme sicher durchgeführt werden konnte. Eine Firma aus Chemnitz bietet hierfür mobile Fangnetze aus Kunststoff an.

Diese Netze wurden durch zwei Mitarbeiter des Unternehmens aufgebaut, umgehängt und wieder abgenommen, was jeweils etwa zwei bis drei Stunden in Anspruch nahm. Zum Tragen des Materials in den Hang wurden seitens der Stadt zusätzlich zwei Hilfskräfte bereitgestellt. Die etwa 1,5 Meter hohen Netze wurden einreihig mit geringer Überlappung zwischen den Bäumen der letzten Baumreihe am Unterhang verspannt und zusätzlich mit Heringen gesichert, damit kein Material unter dem Netz hindurchrutschen konnte.

Eine konkrete Ausgestaltung des Netzaufbaus wird im Voraus, je nach zu erwartendem Material und Hangneigung, durch die ausführende Firma individuell geplant.

Fichtenwald am Steilhang
Abb. 5 - Fichtenwald am Steilhang.

Fotos. SBS

Deckungsbeitrag

Sortimentsbezogen beliefen sich die Kosten für die Aufarbeitung bei Sägeholz (Fixlängen, LAS) auf etwa 40 Euro pro Erntefestmeter und auf etwa 27 Euro pro Raummeter bei Industrieholz/Brennholz (IS/BR). Der Anteil der geringwertigen Sortimente war mit knapp 40 Prozent höher als in vergleichbar alten Beständen außerhalb von derartigen Extremstandorten. Generell sind Holzentwertungen an Hängen durch Stammfäule oder Wurzelabrisse durch Bodenbewegung sehr wahrscheinlich. Eine geringe Einzelbaumdimension durch fehlende Durchforstungen in der Jugend verstärkt dies noch.

Finanziell ist da die Sicherung mittels entsprechender Fangnetze eine vergleichsweise günstige Variante. Die Gesamtkosten für Auf-, Um- und Abbau der Sicherungsnetze lagen in Schwarzenberg bei etwa 1.600 Euro, ohne eigene Hilfskräfte für das Tragen der Netze in den Hang. Dies entspricht etwa 4 Euro pro Erntefestmeter.

Insgesamt verbleibt nach Abzug der Holzerntekosten ein durchschnittlicher Deckungsbeitrag von etwa 26 Euro pro Erntefestmeter. Ein Ergebnis, dass sich durchaus sehen lassen kann. Ohne die Fangnetze wäre die Holzernte nur mit umfangreicheren Investitionen in die Sicherungstechnik und einem entsprechenden zeitlichen Vorlauf möglich gewesen. Die Fangnetze lassen sich dagegen unkompliziert in den regulären Betriebsablauf integrieren und erweisen sich als rentable Lösung.

Weiterführende Informationen zu diesem Holzeinschlag am Steilhang können bei Christian Arnold erfragt werden.

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