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Prof. Dr. Dirk Wolff

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Artikel

Autor(en): Dirk Wolff (Hochschule für Forstwirtschaft Rottenburg)
Redaktion: FVA, Deutschland
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Sicherheitsfortbildungen effektiv gestalten

Fortbildungen zur Sicherheit bei der motormanuellen Holzernte gehören mittlerweile zum betrieblichen Standard und sollten regelmäßig durchgeführt werden.
Abb. 1: Fortbildungen zur Sicherheit bei der motormanuellen Holzernte gehören mittlerweile zum betrieblichen Standard und sollten regelmäßig durchgeführt werden. (Foto: FVA)
 
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Abb. 2: Proz. Veränderung des Sicherheitsstatus bei Fortbildungen mit und ohne handwerklichen Inhalt.
 
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Abb. 3: Proz. Veränderung des Sicherheitsstatus getrennt nach Fortbildungskonzeptionen und Messzeitpunkten.

Fortbildungen zur Erhöhung der Arbeitsicherheit gehören wahrscheinlich in allen größeren Betrieben zum Standard eines modernen Arbeitsschutzmanagements. Es stellt sich jedoch die Frage, wie derartige Fortbildungen konzipiert sein müssen, damit sie den größtmöglichen Erfolg erwarten lassen. Der folgende Beitrag soll bei der Klärung dieser Frage helfen und die Bedeutung von soft-skill-orientierten Fortbildungselementen aufzeigen.

In den Jahren 2000 bis 2004 wurde im Rahmen eines Forschungsprojektes der Albert-Ludwigs-Universität, Freiburg und der Landesforstverwaltung Baden-Württemberg die Effektivität von Arbeitssicherheitsfortbildungen überprüft. Hierzu wurde am Forstlichen Bildungszentrum Königsbronn zunächst eine innovative Fortbildungskonzeption entwickelt, welche die Verbesserung der gruppendynamischen Interaktionen der Fortbildungsteilnehmer zum Ziel hatte. Hieran sollten möglichst vollständige Arbeitsgruppen mit ihren zuständigen Revierleitern teilnehmen. Zur späteren Bewertung des Erfolges dieser neuen Fortbildungskonzeption wurden zwei Vergleichskonzeptionen in die Untersuchung einbezogen. Es handelte sich in beiden Fällen um konventionelle, handwerklich-technische Sicherheitsfortbildungen. In einem Fall mit, im anderen Fall ohne die Vorgesetzten der teilnehmenden Arbeitsgruppen.

Alle Untersuchungsteilnehmer wurden 1 Woche vor sowie 2 Wochen und 6 Monate nach ihrer Teilnahme an einer Sicherheitsfortbildung bei der motormanuellen Holzernte beobachtet und ihr sicherheitsrelevantes Verhalten standardisiert bewertet. Ergebnis der Bewertung des sicherheitsrelevanten Verhaltens der Probanden war ein Sicherheitsstatus, der für jeden Probanden für jeden der drei Aufnahmezeitpunkte ermittelt wurde. Dieser Sicherheitsstatus repräsentiert die Häufigkeit sicherheitswidriger Verhaltensweisen bei der motormanuellen Holzernte. Die Bewertung der Effektivität der Fortbildungskonzeptionen erfolgte anschließend auf der Grundlage der Veränderungen des Sicherheitsstatus der Probanden.

Zwei wesentliche Erkenntnisse der Arbeit waren:

  • Fortbildungen mit Vorgesetzten (z.B. Revierleiter) sind effektiver: Beteiligen sich Vorgesetzte an der Fortbildung hat dies nachhaltige und langfristige Effekte bei den Teilnehmern zur Folge.
  • Gruppendynamische Interaktionstrainings sind effektiver als rein handwerklich-technische Fortbildungen (s. Abb. 2 und 3). Abb. 3 verdeutlicht, dass Verhaltensänderungen durch die gruppendynamischen Interaktionstrainings nach 6 Monaten eine noch deutlichere Ausprägung zeigen als nach 2 Wochen, während die beiden handwerklich-technischen Trainings – bezogen auf den Sicherheitsstatus vor der Fortbildung – bereits wieder abnehmende Wirkung zeigen.

Schlussfolgerung

Der Vorgesetzte von (Wald-)Arbeitsgruppen spielt eine erhebliche Rolle für die Verbesserung des sicherheitsrelevanten Verhaltens seiner Mitarbeiter. Nachdem der Vorgesetzte häufig die einzige Kontaktperson zwischen der Betriebsleitung (die über die Qualität der Arbeitsausführung häufig nicht ausreichend informiert sein kann) und den (Wald-)Arbeitsgruppen ist, kommt ihm bei der Erreichung aller betrieblicher Zielsetzungen eine erhebliche Bedeutung zu. Diese Bedeutung, die durch die durchgeführte Untersuchung eindeutig nachgewiesen werden konnte, stellt, insbesondere vor dem Hintergrund ausgereizter technischer Schutzmaßnahmen (RITTER, 1992) bei gleichzeitig hohen Unfallzahlen, eine Chance zur Verbesserung der Arbeitssicherheit bei der Waldarbeit dar.

Ein weiteres wesentliches Ergebnis der Untersuchung legt nahe, dass eine Beschäftigung mit den internen Beziehungen in den Arbeitsgruppen von großer Bedeutung ist. Dies ist, wie am Beispiel Arbeitssicherheit gezeigt wurde, mit hoher Wahrscheinlichkeit für andere betriebliche Bereiche ebenso bedeutsam. Die Erreichung aller betrieblichen Ziele ist davon abhängig, mit welcher Motivation und welchem Engagement die Betriebsarbeiten ausgeführt werden. Zusätzlich gehört zur Ausführung der von der Betriebsleitung angewiesenen Aufgaben ein Grundvertrauen in die Richtigkeit der von der Betriebsleitung getroffenen Entscheidungen. Dieses Grundvertrauen ist umso größer, je mehr Verständnis für die Bedürfnisse und Argumente von beiden Seiten dem jeweils anderen entgegengebracht wird. Eine intensive und offene Kommunikation stellt hierfür die Grundlage dar und bleibt nicht auf dem Stand eines Lippenbekenntnisses nach einem kooperativen Führungsstil mit einem gegenseitig wirksamen kontinuierlichen Verbesserungsprozess (KVP) stehen.

Ausblick

Die Beschäftigung mit den gruppendynamischen Prozessen in (Wald-) Arbeitsgruppen erscheint nicht nur aus Gründen der Arbeitssicherheit zukünftig unerlässlich. Die Leistungsanforderungen an die Mitarbeiter der Forstbetriebe und die Anforderungen an eine Selbstorganisation der Arbeitsgruppen (teilautonome Arbeitsgruppen) steigen mit dem Produktivitätszwang der Forstbetriebe. Hierfür ist ein Miteinander, ein "ziehen an einem Strang", eine unerlässliche Voraussetzung. Jede Form von Innergruppenkonflikten führen hier unweigerlich zu Reibungsverlusten und Motivationsreduktion. Bezogen auf die Arbeitssicherheit kann gesagt werden, dass eine erhöhte Leistungsorientierung insbesondere in Zeiten drohender Arbeitsplatzverluste zu erhöhter Risikobereitschaft verführt. Diese kann aus den Erfahrungen der vorgestellten Untersuchung insbesondere durch Reflexionsprozesse mit den Vorgesetzten und verbesserte Kommunikationsstrukturen relativiert werden. Hier ist neben der Bereitschaft der Vorgesetzten und der Betriebsleitung ein klares Bekenntnis zum Arbeitsschutz zwingend notwendig. Dieses Bekenntnis muss dabei durchgängig sein. Wer sich bei Versammlungen oder theoretischen Ansprachen zum Arbeitsschutz bekennt und im betrieblichen Alltag die Betriebswirtschaft über alle anderen Betriebsziele stellt, der macht sich auf eine Art unglaubwürdig, die der Akzeptanz in der (Wald-) Arbeitsgruppe erheblichen Schaden zufügen.

Mit der Berücksichtigung dieser Aspekte wäre ein wesentlicher Schritt getan, durch den der Mensch in seinem Arbeitsumfeld nicht nur als ein technisch funktionierender Produktionsfaktor, sondern als ein soziales, emotionsorientiertes Wesen – ein Sozialfaktor gesehen wird.

Literatur

  • Ritter, A. (1992): Gruppenorientierte Ansätze zur Förderung der Arbeitssicherheit: Konzepte und erste praktische Erfahrungen mit Sicherheitszirkeln und anderen Kleingruppenformen. Berlin: Verlag Erich Schmidt.

Downloads

  • Der ausführliche Artikel kann hier heruntergeladen werden: Sicherheitsfortbildungen effektiv gestalten (PDF, 53KB)
  • Der vollständige Untersuchungsbericht kann als PDF-Datei auf den Seiten der Uni Freiburg hier herunter geladen werden.

Autor: Prof. Dr. Dirk Wolff, Professur für Waldarbeit und Forsttechnik an der Hochschule für Forstwirtschaft Rottenburg. Die vorgestellte Untersuchung wurde im Rahmen der Promotion erstellt.

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