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Artikel

Autor(en): Siegfried Sperrer, Herbert Spicar (beide BFW), Herbert Lampel (FJ-BLT Wieselburg), Johannes Paar (Bad Blumau)
Redaktion: BFW, Österreich
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Seilwinden im Härtetest: Was geprüft wurde

In Teil II des Seilwinden-Vergleichstests der 6 Tonnen-Klasse, den die forstliche Ausbildungsstätte Ort/Gmunden des BFW gemeinsam mit der Zeitschrift "Der forstschrittliche Landwirt", der FJ-BLT Wieselburg, der SVB und der AUVA durchgeführt haben, wird dargestellt, wie die Seilwinden geprüft wurden.

Die zehn Seilwinden und ihre Testergebnisse 
Farmi JL 55 ALP 1800
Testergebnisse, technische Details
Fransgard V-6000 GS
Testergebnisse, technische Details
Igland 65 H
Testergebnisse, technische Details
Interforst SW-E 6000
Testergebnisse, technische Details
Krasser K6EH
Testergebnisse, technische Details
Maxwald A 6000 Var. III
Testergebnisse, technische Details
Panter 6
Testergebnisse, technische Details
Holzknecht HS 206 BUE
Testergebnisse, technische Details
Tajfun EGV 60 AHK
Testergebnisse, technische Details
Tiger DSU/WH60E
Testergebnisse, technische Details

Die Praxistauglichkeit wurde im Lehrforst der FAST Ort/Gmunden beurteilt, dazu wurde ein Testparcours für Forstseilwinden mit allen bei der Holzrückung im Wald vorkommenden Arbeitsabläufen eingerichtet. An der FJ-BLT Wieselburg wurden der Dauerbelastungstest und ein Bremstest an den Winden durchgeführt. Zu guter Letzt erfolgte ein Sicherheitscheck durch die SVB und AUVA (siehe Kasten unten). Die Antworten auf 9 häufig gestellte Fragen bei der Anschaffung einer Seilwinde finden Sie hier.

Praktische Beurteilung

Um eine Vergleichbarkeit zu gewährleisten, waren die Aufgaben exakt definiert und mussten von jedem Testkandidaten in fünf Durchgängen absolviert werden. Als Trägerfahrzeug diente in allen Fällen ein Steyr 9100. Die Fuhre bestand aus drei starken Fichten-Blochen, die Winden bediente derselbe geübte Fahrer und die Jury bildeten Experten der Forstlichen Ausbildungsstätte Ort/Gmunden.

Lastbildung im Bestand

Die erste Aufgabenstellung war die Lastbildung im Bestand bei relativ leichten Geländeverhältnissen. Die Chokerlast wurde gerade und schräge sowie über die obere und untere Rolle etwa 60 m weit beigeseilt. Bewertet wurde die Funktionalität der Windensteuerung mit besonderem Augenmerk auf die exakte Abstimmung von Kupplung und Bremse beim Ziehen, Anhalten und Nachlassen. Beurteilt wurde außerdem der Kraftaufwand beim Ausziehen des Seils, die Funktion und Einstellbarkeit der Schleifbremse, die Standsicherheit der Winde bei geradem und schrägem Zuzug und natürlich die Seilwickelqualität.

Lastbildung in steilem Gelände
Lastfahrt in unwegsamen Gelände
Lastbildung im Bestand

Der Zuzug erfolgte über die obere und untere Rolle auf eine Rückedistanz von etwa 50 m. Die Winden Tiger und Igland waren mit einer hydraulisch höhenverstellbaren Einlaufrolle ausgestattet. Bei diesen Winden erfolgte der Zuzug an der höchsten und tiefsten Position der Einlaufrolle.

Bewertet wurde auch hier die Funktion der Windensteuerung, diesmal unter Höchstbelastung, sowie die Standsicherheit der Winde bei geradem Zuzug mit großer Last. Um das Verhalten der Winde bei Nässe – Rutschen von Kupplung und Bremse – zu testen, wurde die Winde mit einer Gießkanne "beregnet".

Lastfahrt in unwegsamem Gelände

Dabei mussten eine Steilfahrt bergauf, eine Steilfahrt bergab sowie zwei enge Kurven bewältigt werden. Bewertet wurden vor allem das Verhalten der Fuhre am Schild, wie zum Beispiel das Verklemmen der Last, die Aushubhöhe sowie das Haltevermögen der Seilbremse.

Poltern am Lagerplatz

Zudem wurde die Eignung des Rückeschilds zum Poltern sowie die Gefahr der Stammverletzungen beim Poltern analysiert.

An- und Abbau sowie Wartung

Neben dem An- und Abbau der Seilwinde an den Traktor wurde der Zeitaufwand bewertet. Wichtige Punkte sind auch die Beurteilung der Betriebsanleitung und der Ersatzteilliste sowie die Durchführbarkeit der vom Hersteller empfohlenen Wartungsarbeiten.

Sicherheitsmängel

Alle Seilwinden wurden nach der Önorm L 5276 "Rückewinden für die Land- und Forstwirtschaft" von der SVB und der AUVA besichtigt und bewertet.

Kennzeichnung und Hinweise
Die Typenschilder der Winden Farmi Forest, Igland, Mürztaler, Tajfun und Tiger sind weitgehend vollständig. Bei den anderen Maschinen fehlten beispielsweise Angaben zur Zugkraft, maximalen Seillänge oder Mindestbruchkraft. Die laut Önorm geforderten Warnhinweise waren bei den Winden Holzknecht, Maxwald und Mürztaler nur unvollständig angegeben.

Sicherheitstechnische Einrichtungen
Bei den Typen Fransgard, Holzknecht, Maxwald und Mürztaler entspricht der Zapfwellenschutztopf nicht den gesetzlichen Vorgaben. Eine geeignete Ablage für die abgekuppelte Gelenkwelle war nur bei den Fabrikaten Interforst und Tajfun vorhanden. Die Abdeckung der Umlenkrolle (Auflaufstelle des Seiles) ist bei allen Fabrikaten verbesserungswürdig.
Die Abmessungen der Schutzgitter entsprachen lediglich bei den Seilwinden Farmi, Interforst und Tajfun den normativen Anforderungen.

Bedienung
Die Kennzeichnung der Bedienungselemente auf den Schaltbirnen ist für den Anwender nicht ausreichend verständlich.

Dauerbelastungstest

An der FJ-BLT Wieselburg wurden bereits zahlreiche Untersuchungen an land- und forstwirtschaftlichen Rückewinden durchgeführt. Mit dem Ergebnis, dass die Winden häufig nicht das erfüllen, was man auf Grund der Prospektangaben erwartet. Deshalb beharrte das Prüfteam zusätzlich zum Praxistest auch auf einen fünfstündigen Dauerbelastungstest.

Anfangs stieß diese Vorgangsweise nicht bei allen Herstellern auf ein positives Echo. Die Messergebnisse bestätigten jedoch, dass diese Vorgangsweise richtig und notwendig war. Obwohl die Seilwinden mit nur 80 % der Zugkraft, die der Hersteller auf dem Typenschild angibt, belastet wurden, gab es viel Bruch an den Winden.

Nach erfolgter Reparatur und Verstärkung oder konstruktiver Änderung des gebrochenen Teils wurde die Prüfung wiederholt. Die Kupplungseinstellungen und die notwendigen Wartungsarbeiten an den Testwinden wurden vom jeweiligen Hersteller selbst vorgenommen, die auch ausnahmslos bei diesem Test dabei waren. Die Fabrikate Interforst, Tajfun und Tiger absolvierten diesen Teil der Prüfung makellos. Alle anderen mussten mehrmals – bis zu fünf Mal – an den Start gehen.

Die Argumentation mancher Hersteller, dass in der Praxis die Belastung nicht in dieser Höhe und schon gar nicht in dieser Dauer auftritt, mag teilweise stimmen. In der Tat treten beim Seilen kaum Kräfte in der Höhe der maximalen Zugkraft auf. Meist kann mit einer 40kN-Winde das Auslangen gefunden werden und daher wird das ganze Zugvermögen der Winden nicht ausgeschöpft. Trotzdem ist das Prüfteam der Meinung, dass das drinnen sein muss, was außen draufsteht. Sonst könnte man sich gleich für ein kostengünstigeres kleineres Modell entscheiden.

Fachbegriffe

kN – Kilonewton
10 kN (Kilonewton) entsprechen
etwa 1 Tonne (981 kg)

Verhältnis Seiltrommelbreite zu Abstand obere Umlenkrolle zur Seiltrommel
Es handelt sich hierbei um eine Verhältniszahl, welche die Breite der Seiltrommel (B) zum Abstand von der Achsenmitte der oberen Umlenkrolle zur Achsenmitte der Seiltrommel (A) angibt. Je größer das Verhältnis ist, desto besser ist die Wickelqualität. Bei stationären Seilwinden erreicht man eine optimale Wickelqualität bei einem Verhältnis von 1:20, was für Forstseilwinden nicht praktizierbar ist.

Trommelkerndurchmesser
In der ÖNORM ist der Mindestdurchmesser der Seiltrommel mit dem 14-fachen Seildurchmesser festgelegt. Winden mit geringem Trommeldurchmesser beschädigen das Seil durch Verformung nachhaltig und erreichen leichter eine hohe Zugkraft. Meist ist damit eine starke Reduktion der Windenzugkraft in den oberen Seillagen verbunden.

Die Mehrzahl der Windenhersteller, deren Geräte es auf Anhieb nicht geschafft haben, war für das Aufzeigen ihrer Schwachstellen dankbar und hat diese größtenteils auch ausgebessert. Ein einmaliger Seilwechsel und Kettenriss ist bei diesem Test als normal anzusehen.

Mit dem ebenfalls in Wieselburg durchgeführten Bremstest hatte nur die Krasser-Winde ein Problem. Bei diesem Test wird die Winde kurzzeitig mit dem 1,25fachen der Höchstlast belastet. Dieser Test dient dazu um festzustellen, ob die Bremse hält oder nicht. Bei der Krasser-Winde flog dem Testteam die untere Seilrolle buchstäblich um die Ohren.

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