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Dr. Herbert Borchert

LWF

Bayerische Landesanstalt
für Wald und Forstwirtschaft

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Artikel

Autor(en): Josef Bay
Redaktion: LWF, Deutschland
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Die Wegeinstandhaltung beginnt im Graben

Mit R2-Gerät und Grabenbagger ist kostengünstiger Unterhalt möglich

Zustandsveränderung Forsttraße ohne Pflege
Abb. 1: Die Entwicklung einer Forststraße bei Vernachlässigung der Pflege. In den Forststraßen ist ein erhebliches Betriebskapital gebunden, das durch mangelnde Pflege in vielen Forstbetrieben verzehrt wird. Regelmäßige Wegepflege erhält das Betriebsvermögen; sie muss nicht teuer sein.

Im Wegeunterhalt stecken gewaltige Einsparungs- und Rationalisierungspotenziale. Die Forstdirektion Niederbayern–Oberpfalz hat dazu ein Qualitätsprojekt bearbeitet. Untersucht wurden der Pflegezustand sowie die Möglichkeiten einer kosten- und qualitätsorientierten Forststraßenpflege.

Die Aufnahmekriterien und Qualitätsanforderungen orientierten sich an den Richtlinien für die Erschließung des Staatswaldes in Bayern (RES) sowie an den aktuellen technischen Möglichkeiten der Forststraßenpflege. Um die Praxisnähe der Erhebungen zu gewährleisten, wurden erfahrene Revierleiter in das Qualitätsprojekt eingebunden.

Grader oder R2-Gerät?

R2-Gerät im Einsatz beim Wegeunterhalt
Abb. 2: Das R2-Gerät im Einsatz beim Wegeunterhalt (Foto: U. Schmidt)

Die Verfahren der Wegeinstandhaltung sind sehr unterschiedlich, ebenso die Kosten. Im Extremfall verzichtet man auf den Unterhalt, bis der Weg nicht mehr befahrbar ist und setzt ihn dann mit dem Grader instand. Allerdings hat dies zur Folge, dass die Straße über Jahre hinweg kaum oder nicht belastbar ist.

Die Alternative ist die regelmäßige Pflege mit dem R2-Gerät. In diesem Fall belaufen sich die Kosten auf ca. ein Viertel der Kosten bei Verwendung des Graders. Im Gegenzug dazu stehen stets funktionsfähige Straßen für die Holzabfuhr zur Verfügung. Bei konsequenter Anwendung der seit Jahrzehnten erprobten Forststraßenpflege mit dem R2-Gerät können die Kosten für die Wegeinstandhaltung deutlich reduziert werden. Obwohl viele Forststraßen für die Pflege mit dem R2-Gerät geeignet sind, wird sie nicht auf allen Forststraßen regelmäßig praktiziert.

Unterhalt staatsforsteigener Wege:

Das Wegenetz der ehemaligen Bayerischen Staatsforstverwaltung (rund 18.000 km sandwasser-gebundene Forststraßen) bindet ein Betriebsvermögen von rund 0,5 Mrd. Euro.

Dieser Vermögenswert verpflichtet die Qualität der Forststraßen zu sichern und zu erhalten. Für den Unterhalt der sandwasser-gebundenen Schotterstraßen werden jährlich ca. 11 Mio. Euro aufgewendet. Das sind 5 % des Betriebsaufwandes bzw. 0,6 Euro/lfm.

Größer und teurer bedeutet nicht besser

Die Neuprofilierung als "periodischer Vollumbruch" mit dem Grader wird noch oft als probates Verfahren der sachgemäßen Wegeinstandhaltung betrachtet. Obwohl die Forststraßen überwiegend für die kostengünstige R2-Pflege geeignet sind, wird die bedeutend kostenintensivere, in vielen Fällen sogar völlig unnötige Instandsetzung mit dem Grader bevorzugt. Bei der Instandsetzung der Forststraßen können die Maschinen oft nicht groß genug sein, obwohl mit einer unscheinbaren Holz-Eisenschiene, angebaut an einen mittelstarken Schlepper, ein deutlich besseres Ergebnisse bei geringerem finanziellen und energetischen Aufwand erzielt werden kann.

Ziele der Forststraßenpflege:

* Die Holzabfuhr muss immer möglich sein; deshalb Maßnahmen gegen bodenbildende Prozesse

* Kostenminimierung durch regelmäßige Straßenpflege mit dem R2-Gerät

* Ein guter Straßenzustand trägt wesentlich zur Sicherung der Investition bei

* Ganzjährig LKW-befahrbare Straßen, keine vorrangigen Naturschutzobjekte

Ruiniert die Holzabfuhr die Forststraßen?

Die Höhe der Aufwendungen für die Wegeinstandhaltung wird oft mit der Beanspruchung der Forststraßen durch den Schwerlastverkehr der Holzabfuhr erklärt.

Die Menge des jährlichen Einschlags in Relation zum Forststraßennetz ergibt einen Belastungskoeffizienten in fm/lfm. Dieser Koeffizient schwankte im Bereich der ehemaligen Forstdirektion Niederbayern-Oberpfalz zwischen 0,1 und 0,3 fm/lfm. Die Höhe der Aufwendungen für die Wegeinstandhaltung differierte dazu um ein Vielfaches und stand in keiner Korrelation zu der tatsächlichen Belastung der Forststraßen durch die Holzabfuhr.

Pflegeintensität

Überwachsene und zu hohe Bankette verhindern den Abfluss des Oberflächenwassers von der Fahrbahn. Regelmäßige Überfahrten mit dem R2-Gerät verhindern, dass teures Material ungenutzt am Wegrand verkommt und in periodisch wiederkehrenden Abständen in den Graben "abgegradert" wird.

Auf regelmäßig gepflegten Straßen werden oft Mängel festgestellt, die auf eine falsche Einstellung der Winkel am Gerät schließen lassen. Der hohe Anteil von Strecken mit Vegetation und Anlagerungen von Wegebaumaterial auf den Banketten verdeutlicht, dass sich die Pflegedurchgänge oft allein auf den Fahrbahnbereich beschränken. Das durch den Betriebsverkehr nach außen verlagerte Wegebaumaterial kumuliert auf den Banketten und wächst im Lauf der Zeit ein.

Nur trockene Forststraßen sind dauerhaft stabil

Die Stabilität der sandwassergebundenen Forststraßen hängt wesentlich vom Austrocknungszustand bzw. von der Wassersättigung des Straßenkörpers ab. Auch die mit bestem Schotter gebaute Forststraße nimmt dauerhaften Schaden, wenn im Graben ganzjährig das Wasser steht. Je größer der Anteil nicht funktionsfähiger Gräben, umso höher sind insgesamt die Aufwendungen der Forstämter für die Wegeinstandhaltung. Voraussetzung für dauerhaft stabile Wege ist die rasche Wasserableitung vom Straßenkörper und aus dem Graben.

Die Neuheit: Der Grabenbagger

Überwachsene Bankette und verlandete Gräben konnten bisher nur mit dem Grader wiederhergestellt werden. Vom niederbayerischen Unternehmer Johann Schmailzl aus Kröning wurde ein kostengünstiges Verfahren zur maschinellen Grabenpflege entwickelt: Ein Radbagger schält mit einem speziell entwickelten Behälter die Anlagerungen auf den Banketten in einem Arbeitsgang ab. Dabei stellt er auch den Spitzgraben wieder her und verdichtet ihn. Das abgezogene Material wird seitlich in den Bestand abgelegt und kann nicht mehr in den Graben zurückrollen, um dort die Funktionsfähigkeit erneut zu beeinträchtigen.

Dies macht den Einsatz des Graders auch zur Wiederherstellung der Spitzgräben überflüssig. Der Grabenbagger stellt für den Praktiker eine technische Neuheit dar, die es ihm ermöglicht, in Verbindung mit dem R2-Gerät konkurrenzlos kostengünstig und effektiv sand- und wassergebundene Forststraßen zu pflegen.

Die Lösung: mehr R2 = weniger Kosten

Um das Forststraßennetz in einen akzeptablen Zustand zu bringen, sind zum Teil noch erhebliche Aufwendungen erforderlich. Langfristig überschreiten die Einsparungsmöglichkeiten die mittelfristig zusätzlich erforderlichen Aufwendungen z. B. für die Grabenpflege oder der Ergänzung der Durchlässe. Voraussetzung für die Aktivierung der Einsparungspotenziale ist die konsequente Intensivierung der regelmäßigen Forststraßenpflege mit dem R2-Gerät.

Grabenbagger im Einsatz
Abb. 3: Der Grabenbagger im Einsatz (Foto: J. Schmailzl)
Ergebnis der Arbeit mit dem Grabenbagger
Abb. 4: Ergebnis der Instandsetzungsmaßnahme eines Grabens mit dem Grabenbagger (Foto: J. Schmailzl)

Fazit

1. Der aktuelle Zustand der Forststraßen resultiert weniger aus der Beanspruchung durch die Holzabfuhr, sondern er ist vielmehr ein Ergebnis der Pflegeintensität.

2. Für die Stabilität des Straßenkörpers ist eine funktionierende Entwässerung ausschlaggebend.

3. Regelmäßige Pflege mit dem R2–Gerät ersetzt den Grader.