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Dr. Herbert Borchert

LWF

Bayerische Landesanstalt
für Wald und Forstwirtschaft

Abt. Forsttechnik, Betriebswirtschaft, Holz
Hans-Carl-von-Carlowitz-Pl. 1
D-85354 Freising

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Artikel

Autor(en): Redaktion waldwissen.net – LWF
Redaktion: LWF, Deutschland
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Sanierung beschädigter Rückegassen

Beschädigte Rückegassen schränken die technische Befahrbarkeit ein und fördern in der Öffentlichkeit eine oftmals ablehnende Haltung gegenüber der modernen Holzernte. Aber welche Möglichkeiten gibt es, diese wiederherzustellen?

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Abb. 1: Beschädigte Rückegasse mit ganzjährigen Nassstellen (Foto: S. Waas).

Die negativen Folgen zu hoher Radlasten auf die komplexe und fragile Struktur der Waldböden sind bereits seit mehreren Jahrzehnten bekannt. In der Praxis werden stark beschädigte Rückegassen (Abb. 1) zum Teil auf langer Strecke mit mineralischem Wegebaumaterial ausgebaut oder im schlimmsten Fall sogar durch neue Rückegassen ersetzt. Im häufigsten Fall führen tiefe und durchnässte Fahrspuren jedoch dazu, dass Holzerntemaschinen seitlich versetzt fahren und beschädigte Rückegassen folglich immer breiter werden. Bevor es zu solch drastischen Bodenveränderungen kommt, sollten definitiv schonendere Lösungsansätze in Betracht gezogen werden, um das bestehende Feinerschließungsnetz langfristig zu erhalten. Im Jahr 2018 wurde der »Aufbruchlockerer« OWR MM 100 erneut in einem Projekt der Bayerischen Landesanstalt für Wald und Forstwirtschaft (LWF) und der Professur für Forstliche Verfahrenstechnik der TU München im Wald getestet. Ziel der Maßnahme war, durch das Schaffen von Grobporen die Infiltration von Wasser im verdichteten Bodengefüge zu erhöhen, um die technische Befahrbarkeit der Rückegasse zu verbessern.

Inhalt:

o Versuchsfläche und methodisches Vorgehen

o Entwässern und Planieren von Fahrspuren

o Mechanische Bodenlockerung

o Weitere Möglichkeiten: Die punktuelle Befestigung von Schadabschnitten

o Fazit und Ausblick

Versuchsfläche und methodisches Vorgehen

Im Gesamten wurden drei ähnlich stark beschädigte Rückegassen auf einer Länge von je 60 m in einem laubholzdominierten Jungbestand auf lehmig tonigem Substrat saniert. Im ersten Schritt wurden tiefe Fahrspuren und Schadstellen mithilfe eines Kettenbaggers eingeebnet und stehendes Wasser seitlich abgeleitet. Nachfolgend wurden die wiederhergestellten Gassen mit dem »Aufbruchlockerer« OWR MM 100 (Abb. 2) mechanisch bis in eine Tiefe von 50 cm gelockert. Sowohl vor als auch fünf Monate nach der Sanierungsmaßnahme wurden verschiedene bodenphysikalische Eigenschaften wie Lagerungsdichte, Eindringwiderstand, Porenraumverteilung und Wasserdurchlässigkeit gemessen, um den kurzfristigen Effekt im Bodengefüge zu quantifizieren.

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Abb. 2: Aufbruchlockerer OWR MM 100 bei der Lockerung einer verdichteten  Rückegasse (Foto: S. Waas).

Entwässern und Planieren von Fahrspuren

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Abb. 3: Tiefe Fahrspuren mit fehlender Entwässerungsmöglichkeit (Foto: Archiv LWF).
 
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Abb. 4: Planieren und Einebnen von Fahrspuren mit Kurzheck-Kettenbagger (Foto: S. Waas).

Zu Beginn der Sanierungsmaßnahme wurden tiefe Fahrspuren (Abb. 3) mit dem vorhandenen Mineralboden der Gasse verfüllt und stehendes Wasser seitlich abgeleitet. Die Fahrbahn der Rückegasse muss dabei dem umliegenden Gelände so angepasst werden, dass Niederschlags- und Schmelzwasser auf direktem Wege abfließen kann. Der Kurzheckbagger mit einem Gesamtgewicht von 15 t bewegte sich bei dem Einebnen des Mittelstegs und der seitlichen Aufwölbungen rückwärts (Abb. 4). Der mit der Schaufel locker verteilte Mineralboden wurde daher mit dem Kettenfahrwerk nicht erneut verdichtet. Die Untersuchung der bodenphysikalischen Parameter haben eine signifikanten Abnahme der Lagerungsdichte und eine starke Erhöhung des Porenraums in den obersten 20 cm gezeigt. Wasser kann in diesen Bereich schneller versickern und die Durchlüftung des Mineralbodens wurde deutlich erhöht. Messungen in tieferen Bereichen haben jedoch auch gezeigt, dass sich dort nach wie vor eine dichte »Barriere« für Wurzelwachstum und Infiltration befindet. Das Planieren mit dem Kettenbagger kann daher lediglich als Maßnahme zum Verbessern der technischen Befahrbarkeit und als Vorbereitung zur mechanischen Bodenlockerung gesehen werden. Von einem verbesserten Bodengefüge kann bei dem oberflächlichen Verteilen des Mineralbodens nicht die Rede sein. Das Sanieren von Rückegassen mit einem Kettenbagger sollte bei möglichst trockenen Bodenverhältnissen erfolgen. Die Gefahr der plastischen Verdichtung ist dann geringer und das Verschmieren des Mineralbodens mit der Baggerschaufel wird verhindert. Eine Zeitstudie hat eine durchschnittliche Produktivität von 110 m/MAS und Kosten in Höhe von 0,72 € pro Laufmeter Gasse ergeben. Die Rückegassen der LWF-Versuchsfläche wiesen tiefe Spuren und starke Schäden auf. Das Einebnen und Ausgleichen der Fahrbahn im Vorfeld der mechanischen Bodenlockerung war daher zwingend notwendig. Als Alternative zum Kettenbagger kann dieser Schritt auch mit einer leichten Planierraupe durchgeführt werden.

Mechanische Bodenlockerung

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Abb. 5: Die Spaten brechen den Boden bis zu einem halben Meter auf (Foto: S. Waas).
 
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Abb. 6: Gelockerte Rückegasse mit grob aufgebrochenen Bodenklumpen im  Durchmesser von 10 bis 20 cm (Foto: S. Waas).

Der »Aufbruchlockerer« des Herstellers OWR (Abb. 2) verfügt über vier Spaten, die bei einer Fahrgeschwindigkeit von ca. 0,8 km/h in den verdichteten Boden einstechen und diesen lediglich leicht anheben. Das Bodengefüge wird dabei nicht durchwühlt und die Bodenschichten bleiben weitgehend erhalten (Abb. 6). Die Spaten haben eine Breite von 20 cm und eine Länge von bis zu 90 cm (Abb. 5). Entscheidend für eine erfolgreiche Lockerung ist eine niedrige Bodenfeuchte, die nach Möglichkeit maximal im Bereich der Feldkapazität (pF > 2,5) liegen sollte. Die einstechenden Spaten brechen den verdichteten Boden in einem Abstand von 10 bis 20 cm auf und schaffen tiefe Grobporen zur Förderung von Wurzelwachstum, Infiltration und Durchlüftung. Das Anbaugerät hat eine Breite von 2 m. Bei einer Rückegassenbreite von 4 m sind also zwei Durchgänge zur Bearbeitung notwendig. Die Zeitstudie hat eine Produktivität von 383 m/MAS und Kosten in Höhe von 0,74 € pro Laufmeter Gasse ergeben. Frische Stöcke und starke Wurzelanläufe können das Anbaugerät allerdings an seine Leistungsgrenze bringen und den automatischen Abschaltmechanismus der Maschine überfordern.

In Kombination mit der zuvor durchgeführten Planierung würden somit Gesamtkosten von 1,46 € pro Laufmeter Rückgasse entstehen.

Weitere Möglichkeiten: Die punktuelle Befestigung von Schadabschnitten

Die Tragfähigkeit einer Rückegasse ist in ihrem Verlauf durch Gelände- und Substratveränderungen selten ganz konstant. Einzelne Bereiche wie kleinere Senken oder Anschlüsse an Forststraßen sind zum Teil feuchter und damit anfälliger für Bodenschäden bei der Holzrückung. In diesen Bereichen und Abschnitten empfiehlt es sich, Stammabschnitte, Äste oder Reisig auszubringen, um die Befahrbarkeit der Rückegasse zu erhalten und das Vergrößern der Schadfläche zu verhindern. In wasserführenden Gräben muss das Material nach Abschluss der Holzrückung zwingend wieder entfernt werden.

Eine weitere Möglichkeit ist die Befestigung mit wasserdurchlässigem Grobschotter (= Schroppen). Der Ausbau sollte jedoch auf das unbedingt notwendige Maß begrenzt werden und lediglich mit geeignetem Gesteinsmaterial erfolgen. Die sogenannte »Salami-Taktik« mit dem wiederholten stückweisen Ausbau von unbefestigten Rückegassen zu ausgebauten Rückewegen kann im Widerspruch zu verschiedenen Gesetzgebungen (z.B. Waldgesetz, Bodenschutzgesetz, Wasserrecht, Naturschutzrecht) stehen und sollte daher unbedingt verhindert werden.

Fazit und Ausblick

Mit technischen Sanierungsmaßnahmen kann die forsttechnische Befahrbarkeit beschädigter Rückegassen wiederhergestellt werden. Das Planieren tiefer Fahrspuren mit einem Kettenbagger wird in der Praxis häufig angewendet und zielt auf das Entwässern von Nassstellen und einer schnellen weiteren Nutzung der Rückegasse ab.

Die mechanische Bodenlockerung verdichteter Rückegassen steckt noch in den »Kinderschuhen« und wird in der forstlichen Praxis derzeit noch nicht praktiziert. Um eine allgemeine Empfehlung auszusprechen, müsste das Verfahren zunächst auf seinen Effekt bei verschiedenen Bodenarten und unterschiedlichen Bodenwassergehalten getestet werden. Darüber hinaus kann die Bodenlockerung in Hanglagen Erosion und Auswaschungen verursachen. Eine Kombination mit der Aussaat oder Pflanzung von krautigen Pflanzen und Gehölzen könnte das Bodengefüge stabilisieren und Regenerationsprozesse in tieferen Bodenschichten beschleunigen. Ausreichende Ergebnisse zu diesen Punkten liegen zum jetzigen Zeitpunkt noch nicht vor und müssten daher in umfangreicheren Studien ermittelt werden. Die sanierten Rückegassen der LWF-Versuchsfläche werden in den kommenden Jahren weiter untersucht. Der Vergleich mit unbehandelten Referenzabschnitten ermöglicht dann Aussagen zur Geschwindigkeit biotischer und abiotischer Regenerationsprozesse über die Grobporen des aufgebrochenen Bodengefüges. Die vorgestellten Möglichkeiten zum Sanieren von Schadabschnitten dürfen vorsorgende Maßnahmen zum Schutz der Bodenstruktur auf keinen Fall ersetzen. Trockene Bodenverhältnisse, tragende Reisigmatten und möglichst geringe statische und dynamische Bodenbelastungen müssen daher auch zukünftig im Vorfeld jeder Holzerntemaßnahme im Fokus stehen, um die Rückegassen dauerhaft und kostengünstig zu erhalten.

Orginalartikel

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