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Originalartikel: Burri, M., Schniepper, M. (2006): Schmetterlingsraupen mit Brennhaaren. Merkblatt zu Arbeitssicherheit und Gesundheitsschutz in den Strassenunterhaltsdiensten. Herausgegeben von der Koordinationsgruppe Arbeitssicherheit im Strassenunterhalt (KGr AS SUD). www.nationalstrassen.ch
Autor(en): Monika Burri, Maja Schniepper (Gruner AG)
Online-Version: Stand: 07.06.2006
Redaktion: WSL, CH

Vorsicht vor Schmetterlingsraupen mit Brennhaaren

Die Raupen einiger Schmetterlingsarten besitzen Brennhaare, die starken Juckreiz, Hautreizungen aber auch Schädigungen an Atemwegen und Augen hervorrufen können. Bei der Baum-, Waldrand- oder Böschungspflege ist also Vorsicht geboten.

Raupen des Eichenprozessionsspinners
Abb. 1 - Raupen des Eichenprozessionsspinners
Foto: Entomologie (WSL)
 
Raupen des Pinienprozessionsspinners
Abb. 2 - Raupen des Pinienprozessionsspinners
Foto: Entomologie (WSL)
 

Bei der Pflege von Waldrändern oder Strassenböschungen verursachen drei Schmetterlingsarten gelegentlich Gesundheitsschäden, indem der Kontakt mit den Brennhaaren ihrer Raupen zu Reizungen und allergischen Reaktionen von Haut, Schleimhäuten und Atemwegen führt. Es handelt sich um folgende Arten:

Wieso können Raupen gefährlich sein?

Die meisten von uns kennen Schmetterlinge als farbenfrohe, fliegende Boten des Sommers. Einigen ist bewusst, dass ihre Raupen ganz schön gefrässig sein können. So verpflegt sich zum Beispiel der Kohlweissling im Gemüsegarten. Der Frostspanner kann Obstanlagen schädigen, indem er Knospen, Blätter und Blüten frisst. Die Gespinstmotte packt die von ihr kahl gefressenen Gehölze und deren Umgebung in ihre weissen Gespinste ein. Die Raupen des Schwammspinners vermögen bei den seltenen Massenvermehrungen ganze Wälder zu entlauben und die Anwohner zu beunruhigen, wenn sie zu Hunderten oder Tausenden in Gärten und Häuser eindringen.

All diese Arten mit auffälligen Gespinsten, Nestern und starkem Blattfrass erregen zwar unsere Aufmerksamkeit und sind für Kulturpflanzen mehr oder weniger schädlich. Aus gesundheitlicher Sicht sind sie jedoch harmlos.

Auch die drei oben erwähnten Arten fallen auf - mit Nestern, Gespinsten, Blattfrass und Raupenprozessionen. Darüber hinaus können sie sich aber auch auf die Gesundheit des Menschen auswirken. Ihre Raupen besitzen Brennhaare, die starken Juckreiz und Hautreizungen aber auch Schädigungen an Atemwegen und Augen hervorrufen können.

Was sind Brennhaare und welche Funktion haben sie?

Gespinste des Pinienprozessionsspinners
Abb. 3 - Befall durch den Pinienprozessionsspinner
 
Raupe des Dunklen Goldafters
Abb. 4 - Raupe des Dunklen Goldafters
Foto: Beat Fecker (WSL)

Brennhaare schützen die Raupen und spätere Entwicklungsstadien (Puppen, Schmetterling, Ei) vor Fressfeinden.

Wie kommen Sie mit den Haaren in Kontakt?

Die Brennhaare des Goldafters sind weniger wirksam, werden jedoch zum Schutz aller Entwicklungsstadien eingesetzt: die ebenfalls nur von den Raupen gebildeten Haare werden in den Puppenkokon eingewoben und das weibliche Tier streicht sie sich an den Hinterleib, von wo sie bei der Eiablage auf das Eigelege gelangen.

Symptome und Massnahmen bei Betroffenen

Hautreizungen (Raupenhaar-Dermatitis)

Bei Kontakt mit Goldafter-Brennhaaren kann der Körper mit starkem Juckreiz reagieren; allenfalls erst Stunden nach dem Kontakt, dann aber eventuell mehrere Tage lang. Hautrötungen treten im Falle des Goldafter-Kontaktes nur dezent auf. Der starke Juckreiz kann hingegen zu Schlaflosigkeit führen. Bei Kontakten mit den Brennhaaren des Eichen- oder Pinienprozessionsspinners können weitere Auswirkungen hinzukommen:

Erschwerend kommt bei den Prozessionsspinnern hinzu, dass die Empfindlichkeit und Reaktionsintensität der Betroffenen bei wiederholten Raupenkontakten zunimmt.

Symptome von Prozessionsspinnerhaaren
Abb. 5 - Mögliche Folgen des Kontaktes mit Brennhaaren von Prozessionsspinnern
 
Sofortmassnahmen bei betroffenen Mitarbeitern

Die Raupenproblematik wird versicherungstechnisch als Unfall behandelt (analog Zeckenbiss).

Massnahmen am befallenen Standort

a) Lagebeurteilung

Wenn bei der Lagebeurteilung festgestellt wird, dass ein Befall mit einer Brennhaar tragenden Art vorliegt, erfolgt die Massnahmenauswahl aus folgender Palette:

b) Vorbeugende Massnahmen

In Befallsgebieten von Goldafter und Pinienprozessionsspinner kann mit der vollständigen Entfernung der auffälligen Winternester Befallsfreiheit erreicht werden, die zumindest bis zum kommenden Herbst anhält.

Ungefährliche Arten ohne Brennhaare

gewöhnlicher Wollafter
Abb. 6 - Gewöhnlicher Wollafter
Foto: Beat Wermelinger (WSL)
 
Gespinstmotte
Abb. 7 - Gespinstmotte
Foto: Beat Wermelinger (WSL)

Harmlose Arten mit ähnlicher Biologie, deren Bestände unter Umständen bedroht sein können, dürfen nicht bekämpft werden:

a) Gewöhnlicher Wollafter

Im Wallis verbreitet, sonst vereinzelt: Tessin, Bündner Rheintal, Region Zürich, Walenseegebiet. Wegen seiner Seltenheit schützenswert, Nester keinesfalls abräumen!

b) Gespinstmotten

Neun sehr ähnliche Arten, generell häufig und weit verbreitet.

Verbreitung und Häufigkeit

Die drei Arten mit Brennhaaren waren in der Schweiz früher weiter verbreitet und häufiger anzutreffen. Sie wurden jedoch in der Zeit des bedenkenlosen Insektizid-Einsatzes in der Landwirtschaft stark zurückgedrängt. Jetzt sind sie, auch im angrenzenden Ausland, wieder im Zunehmen begriffen. Diese Ausbreitung wird durch die Klimaerwärmung begünstigt. Verbreitungskarten finden Sie in den Merkblättern, die Sie unten herunterladen können.

Der Pinienprozessionsspinner ist in einigen Gebieten der Südschweiz seit längerer Zeit gut bekannt. Das verstärkte Auftreten von Eichenprozessionsspinner und Dunklem Goldafter wird seit Beginn der 90er Jahre beobachtet: bei ersterem selten, bei letzterem gehäuft. Bei allen drei Arten sind Massenvermehrungen möglich.

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