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Dr. Herbert Borchert

LWF

Bayerische Landesanstalt
für Wald und Forstwirtschaft

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Autor(en): Redaktion waldwissen.net – LWF
Redaktion: LWF, Deutschland
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Über Hänge und Nassstellen hinweg: Holzbringung mit der Kleinseilbahn

Das Holz muss aus dem Wald! Aber was tun, wo das Gelände zu steil oder der Untergrund zu nass ist? Die Bringungstechnik soll ja auch noch Standort und Bestand schonen. Kann die Kleinseilbahn eine Lösung sein? Wir haben das in einer Arbeitsstudie getestet und einige Stärken und Schwächen aufgedeckt.

überfahrbare Stütze
Abb. 1: Eine überfahrbare Stütze sichert bei langen Seiltrassen oder Geländekanten eine ausreichende Tragseilhöhe (Foto: M. Wolf).

Nadelholzreiche Jungbestände sollte man durchforsten; das verbessert die zukünftige Bestandsstabilität unserer Wälder. In Steilhängen, auf stark vernässten Standorten oder anderen schwierigen Lagen, führen Waldbewirtschafter diese wichtige Maßnahme allerdings häufig nicht oder sehr spät durch. Der Grund: Konventionell ist solches Gelände kaum befahrbar, Spezialtechnik ist nicht verfügbar oder zu teuer. Kann eine Durchforstungsseilbahn die Lösung sein? Eine Arbeitsstudie mit einer solchen Kleinseilbahn soll es zeigen.

Inhalt:

Anbringung einer Stütze
Abb. 2: Anbringen einer überfahrbaren Stütze

Eine Kleinseilbahn für kurze Distanzen

Seilbahn bei der Studie
Seilbahn: Kleinseilbahn Firma Maxwald
Trassenlänge: bis etwa 250 m
Gewicht Laufwagen: 40 kg
Anhängelast: bis 1.000 kg (je nach Tragseil)

Umfeld der Studie
Bestand: Mischbestand, 60-80 Jahre
Lage: Altmühltalhänge bei Kelheim
Hangneigung: im Mittel 25 Grad

Leistung und Holzmenge
Abb. 3: Leistung in Fm/h in Abhängigkeit der angehängten Holzmenge. Je größer die angehängte Holzmenge je Fuhre, desto höher die Leistung.
 
Laufwagen
Abb. 4: Der leichte Laufwagen ist technisch sehr einfach gehalten. Durch das Hubrollensystem verdoppelt sich die Kraft beim Anheben der Last (Foto: K. Benker).

Bei der Seilkranbringung spannt man in einer zuvor angelegten Trasse ein Tragseil. Hat die verwendete Seilbahn keinen eigenen Mast, ist jeweils am Beginn und am Ende der Trasse ein Baum erforderlich, um das Tragseil zu fixieren. Diese sogenannten Endastbäume müssen zum sicheren betrieb noch an anderen Ankerbäumen abgespannt werden. Die Tragseilhöhe richtet sich nach den Geländegegebenheiten. Bei langen Trassen oder Geländekanten kann eine überfahrbare Tragseilstütze (Abb. 1, Abb. 2) erforderlich sein.

Der Laufwagen (Abb. 4) fährt auf dem Tragseil durch die Schwerkraft angetrieben bergab bis zum liegenden Holz. Die Winde am Schlepper bremst das Zugseil ab, so dass der Laufwagen nicht ungebremst an einen Laufwagenstopper fährt. Am Laufwagen befindet sich eine Hubrolle mit der Last, die vom Zugseil gehoben und gesenkt wird. Eine mechanisch gesteuerte Anbauseilwinde bewegt das Zugseil und den Laufwagen. Für den Windenantrieb reicht hier ein kleiner Standardschlepper aus. Die getestete Kleinseilbahn ist für schwache bis mittelstarke Durchforstungen ausreichend.

Zwei Personen bedienen die Kleinseilbahn. Der "Maschinist" bedient die Seilwinde am Schlepper, hängt das Holz ab und versucht dabei, die Sortimente am Lagerort zu trennen. Der "Anhänger" in der Seiltrasse bündelt das Holz mit einem Sappie vor und hängt es an der Hubrolle des Zugseils an. Für einen sicheren und rationellen Betrieb sind eine Funkverbindung und vereinbarte Kommandos wichtig.

Optimale Lastbildung für hohe Leistung

Die Holzmenge je Fuhre beeinflusst die Leistung stark. Hier ein Beispiel:

Lastgröße je Fuhre Mittlere Leistung
0,3 Festmeter [Fm] 2,5 Festmeter je Stunde [Fm/h]
0,8 Fm knapp 6 Fm/h
Anhängen der Stämme
Abb. 5: Sobald ein Stamm angehängt ist, kann nur noch in begrenzter Entfernung zugehängt werden. Hier liegen die Stämme nah genug (Foto: M. Wolf).
 
Leistung und Rückedistanz
Abb. 6: Leistung in Fm/h in Abhängigkeit der Rückedistanz. Deutlich erkennbar: Je größer die Rückedistanz, desto geringer die Leistung.
 
Matrix
Tab. 1: Kurze Rückedistanz und hohe Holzmenge je Fuhre für höchste Leistung.

Die Leistung der Seilbahn ist also umso höher, je mehr Holz eine Fuhre enthält (Abb. 3). Dabei darf man natürlich die maximale Anhängelast nicht überschreiten.

Die Seilbahn möglichst "voll" zu beladen, gelang in der Studie nicht immer. Ein Grund war das Hubrollensystem der verwendeten Seilbahn: Sobald der erste Stamm hängt, kann konstruktionsbedingt nur in einem kleinen Umkreis zugehängt werden. Die maximale Anhängelast kann man somit nicht ausnutzen, wenn das Holz sehr verstreut liegt, die Fällrichtung nicht stimmt oder die Stämme zuvor nicht zu ausreichenden Lastgrößen gebündelt wurden. Die Folge ist eine geringere Leistung. Dieses Problem verstärkt sich, wenn man sortimentsweise rückt. Daher sollte das Holz erst am Abladeplatz sortiert werden.

In der Kürze liegt die Würze!

Die Länge des Hanges bestimmt die Rückedistanz; diese kann man nicht beeinflussen. Wichtig ist es aber bei der Hiebsplanung, Zeitbedarf und Kosten der Seilbringung einzuschätzen. Dafür hier ein paar Rahmenwerte aus der Arbeitsstudie.

Trassenlänge und Rückedistanz wirken sich unmittelbar auf die Leistung der Seilbahn aus (Abb. 6). Je länger die Rückedistanz, desto geringer ist die Leistung. Der Einfluss ist aber weniger stark als bei der Lastgröße. Hier ein Beispiel bei gleicher Holzmenge je Fuhre:

Rückedistanz Leistung
50 m 4 Fm/h
200 m 3 Fm/h

Der Zeitaufwand für Auf- und Abbau der Seilbahn mit zwei Personen beträgt etwa 4-5 Stunden und verlängert sich nur geringfügig mit zunehmender Trassenlänge. Berücksichtigt man dies bei den Kosten je Festmeter, wird er Nachteil langer Trassen weiter relativiert.

Auch der Beizug, also das Zuziehen der Last aus dem Bestand zur Trasse, beeinflusst die Leistung. Allerdings ist die Zeit für den Beizug gemessen an der Gesamtzeit einer Fuhre eher gering und wird von anderen Einflussgrößen überlagert. In der Studie (Trassenabstand 20-25 m) hat sich die Beizugentfernung nicht messbar auf die Leistung ausgewirkt.

Ausschlaggebend für die Leistung sind also Holzmenge je Fuhre und Rückedistanz. Verschneidet man diese Faktoren, ergibt sich eine Matrix (Tab. 1). Fällen und Aufbarbeiten sowie Poltern des gerückten Holzes sind dabei nicht berücksichtigt.

Was kostet das Ganze?

Die Leistung – und damit die Kosten – hängen von zahlreichen Einflussgrößen ab und können von Einsatz zu Einsatz stark schwanken. Eine Beispielrechnung für den kompletten Prozess vom Fällen bis zum gepolterten Holz frei Waldstraße zeigt Tabelle 2. Dabei wurde ein Stundenlohn von 20 €/h angenommen und die staatliche Förderung für "Bodenschonende Bringung" in Bayern berücksichtigt.

Vergleich verschiedener Varianten
Tab. 2: Kosten und Erlöse bei drei verschiedenen Varianten mit unterschiedlicher Rückeleistung

Fazit

Fuhre
Abb. 7: Mit etwa 500 kg wurde hier die maximale Anhängelast nicht ausgereizt (Foto: K. Benker).
 
Holzabladeplatz
Abb. 8: Am Abladeplatz zu sortieren ist nur begrenzt möglich, wenige Sortimente auszuhalten ist daher vorteilhaft (Foto: K. Benker).

Wesentliches Ergebnis der Studie ist, dass die Leistung der verwendeten Seilbahn deutlich beeinflusst wird von

  • Auslastung der maximalen Anhängelast und
  • Rückedistanz.

Das ist wohl allgemeingültig. Die exakten Leistungszahlen einer Studie sind aber nicht beliebig auf andere Hiebssituationen übertragbar.

In der Studie minderten zwei Punkte die Leistung der verwendeten Seilbahn: Zum einen war der Hang im oberen Bereich zu flach. Dadurch konnte der gravitationsgetriebene Laufwagen oft nicht zügig vom Abladeplatz oben wegfahren. Das verlängerte die Leerfahrten wesentlich. Zum anderen waren die gerückten Stämme mit einem durchschnittlichen Mittendurchmesser von 17,2 cm so stark, dass man sie mit dem Sappie nur begrenzt an der Seiltrasse zu einzelnen Fuhren bündeln konnte. Auch das führte zu kleinen Lastgrößen.

Bei günstigeren Einsatzbedingungen kann die Leistung daher vermutlich auch höher sein – was durch vergleichbare Arbeitsstudien zu beweisen wäre.

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