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Prof. Dr. Ulrich Kohnle

PD Dr. Ulrich Kohnle

Forstliche Versuchs- und Forschungsanstalt Baden-Württemberg (FVA)
Abteilungsleiter Waldwachstum

Wonnhalde 4
D-79100 Freiburg i. Breisgau

Tel. +49 761 4018 251
Fax +49 761 4018 333

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Artikel

Autor(en): Ulrich Kohnle
Redaktion: FVA, Deutschland
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Wald und Forstwirtschaft in den USA

Inhaltsverzeichnis

Der Donner Lake in der Sierra Nevada (Kalifornien)
Der Donner Summit Lake am Donner Pass in der Sierra Nevada (Kalifornien).
(Alle Fotos: U. Kohnle)

Entwicklung der Waldfläche in geschichtlicher Zeit

Waldfläche in den USA einst und heute
Abb. 1: Waldfläche in den USA einst und heute [3].
 
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Waldanteile in den Staaten im Bereich Ost-USA
Abb. 2: Waldanteile in den Staaten im Bereich Ost-USA [3].
Waldflächenzu- und –abgänge im Wirtschaftswald 1987-1992 (MACCLEERY 1993).
Abb. 3: Waldflächenzu- und -abgänge im Wirtschaftswald 1987-1992 [3].
 
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Abb. 4: Regionale Einheiten der Waldinventur in den USA [4].

Vor der Besiedlung durch die Europäer umfasste die Waldfläche in den USA (einschließlich Alaska) geschätzte 400 Mio. ha. Das entsprach einem Waldanteil von etwa der Hälfte der Landfläche. Etwa Dreiviertel dieses Waldes entfielen auf das östliche Drittel des Landes. Heute umfasst die Waldfläche noch etwa 300 Mio. ha (ca. 70 % des Ausgangswertes); sie verteilt sich in sehr heterogener Zusammensetzung über das Land.

Prinzipiell trifft die Annahme nicht zu, Nordamerika sei vor dem ersten Kontakt mit Europäern von undurchdringlichem, einheitlichem Urwald bedeckt gewesen, der sich in einem langfristigen und stabilen Gleichgewicht mit der Umwelt befand. Vielmehr waren die Wälder einer Vielzahl dynamischer natürlicher und humaner Einwirkungen, Störungen oder katastrophaler Ereignisse ausgesetzt, die einen erheblichen Einfluss auf Alter und Zusammensetzung ihrer Flora und Fauna hatten. So kann beispielsweise davon ausgegangen werden, dass bereits die Siedlungseinflüsse der indianischen Urbevölkerung die Walddynamik regional zum Teil erheblichen beeinflussten. Eine wesentliche Rolle spielten dabei beispielsweise Rodungen für landwirtschaftliche Kulturen und die Einführung anthropogener Feuerregimes. Nicht immer erfolgte dabei eine nachhaltige Nutzung der Naturressourcen: so erklärt sich beispielsweise der Niedergang der Anasazi-Kultur im 13. Jahrhundert vermutlich zu einem wesentlichen Teil als eine Folge von Waldrodung und nachfolgender Übernutzung und Erosion der landwirtschaftliche genutzten Rodungsflächen.

Im Zuge der Besiedlung der USA durch die Europäer wurden vor allem im Osten und Süden der USA erhebliche Waldflächen in Agrarland umgewandelt. Trotzdem blieben auch noch nahezu zwei Jahrhunderte nach der ersten Besiedlung durch die Europäer Wälder der dominierende Landschaftsfaktor im östlichen Nordamerika. Im Jahr 1796 beschrieb beispielsweise ein französischer Naturforscher das Land der neuen amerikanischen Nation folgendermaßen "Das auffälligste Merkmal des Landes ist sein nahezu allgegenwärtiger Wald, der am Atlantik beginnt und sich bis ins Herz des Landes verdichtet und erweitert." Er schrieb, dass er bei seinen Reisen ins Binnenland Amerikas "selten durch Ländereien kam, bei denen mehr als drei Meilen am Stück unbewaldet oder gerodet waren" (übersetzt aus [3]).

Der Waldanteil betrug zu Beginn des 17. Jahrhunderts noch knapp 50 %. Er sank auf etwa ein Drittel der gesamten Landfläche (Abb. 1) und umfasst heute mit knapp 300 Mio. ha noch etwa 70 % der ursprünglichen Fläche. Mit Abschluss der Rodungen für landwirtschaftliche Nutzflächen ist seit etwa 1920 die Waldfläche in den USA im Wesentlichen konstant geblieben. Allerdings bestehen regional deutlich unterschiedliche Entwicklungen. Dies zeigt sich vor allem anhand der Wälder in den Ost-USA.

Ein erheblicher Teil der in der frühen Besiedlungsphase der Europäer gerodeten Flächen befindet sich hier auf landwirtschaftlichen Grenzertragsstandorten. Mit fortschreitender Westexpansion und damit zunehmender Konkurrenz der landwirtschaftlich bevorteilten Regionen des Mittleren Westens und Westens wurden im Osten auf immer mehr Flächen die landwirtschaftliche Nutzung aufgegeben und die Flächen fielen der Wiederbewaldung anheim. Dieser Prozess der Wiederbewaldung von Farmland verstärkte sich vor allem in der Zeit der Rezession. In der Folge nahm im Prinzip in allen Staaten östlich des Mississippi die Waldfläche seit Beginn des 20. Jahrhunderts wieder deutlich zu (Abb. 2). Daher besteht ein nennenswerter Anteil der Waldflächen in den Nationalparks der Ost-USA (z. B. im Acadia NP, Shenandoah NP oder Great Smoky Mountains NP) nicht aus Urwäldern sondern aus Sekundärwäldern – ganz anders als in den Nationalparks im Westen der USA. Ebenfalls im Gegensatz zum Osten der USA nimmt im Westen die Waldfläche derzeit ab (Abb. 3).

Heutige Struktur der Wälder

Die Waldinventur gliedert die USA in folgende Regionen und Unterregionen (vgl. Abb. 4): 

Tab. 1: Waldgliederung der USA.
Region Unterregionen
Norden (North) Northeast, North Central
Süden (South) Southeast, South Central
Rocky Mountains Great Plains, Intermountain
Pazifische Küste (Pacific Coast) Alaska, Pacific Northwest, Pacific Southwest

Waldfläche/regionale Verteilung

Insgesamt werden in den USA heute knapp 300 Mio. ha der Vegetationsform "Wald" zugeordnet. Die größten Waldflächen entfallen auf den Norden und den Süden (Abb. 5). Die höchsten Bewaldungsprozente weisen die Unterregionen Northeast und Southeast auf. Die geringsten Bewaldungsprozente finden sich in den beiden Unterregionen der Rocky Mountains.

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Abb. 5: Verteilung der Flächen und der Anteile des Waldes sowie des Wirtschaftswaldes in den regionalen Einheiten der USA [4]. Wirtschaftswald: jährlicher Zuwachs >0,75 fm/ha und Lage außerhalb von Totalreservaten.

Nur ein Teil der Waldfläche wird als produktiver Wirtschaftswald ("timberland") eingestuft. Definitionsgemäß zählen Waldflächen, die sich in Totalreservaten befinden (6 % des Waldes), ebenso wenig zum Wirtschaftswald wie sehr wuchsschwache Wälder und waldartige Halboffenlandschaften mit jährlichen Holzzuwächsen unter 0,75 fm/ha.

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Abb. 6a+b: Oben: Waldbesitzer Wirtschaftswald. Unten: Waldbesitzer-Anteile nach Zonen [3].
 
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Abb. 7a+b: Oben: Waldtypen in den östlichen USA. Unten: Waldtypen in den westlichen USA [3].

Insbesondere der Norden und Süden zeichnen sich durch hohe Anteile an Wirtschaftswald aus. Auffällig geringe Anteile an Wirtschaftswald finden sich dagegen in den Unterregionen Intermountain, Pacific Southwest und Alaska.

Waldbesitzer

Der größte Waldbesitzer in den USA ist der Bund ("federal") auf den 17 % der Fläche des Wirtschaftswaldes entfallen (Abb. 6). Die im Bundesbesitz befindlichen National Forests umfassen gut 34 Mio. ha Wirtschaftswald. Die meisten der National Forest wurden etwa um die Jahrhundertwende dadurch geschaffen, dass bis dahin noch nicht durch Privatpersonen in Besitz genommene Ländereien zu öffentlichen Eigentum erklärt wurden. Aufgrund der westwärts schreitenden Besiedelung durch die Europäer lagen zu diesem Zeitpunkt die meisten der besitzfreien Wälder im Westen. Daher befindet sich der überwiegende Teil (etwa Dreiviertel) der National Forests auch im Westen (Abb. 5).

Als die National Forests von der Inbesitznahme durch Privatpersonen ausgeschlossen wurden, befand sich allerdings auch dort bereits ein großer Teil der leicht zugänglichen und hochproduktiven Wälder schon nicht mehr im öffentlichen Besitz. Folglich befindet sich der Wirtschaftswald der National Forests im Durchschnitt auf weniger produktivem, steilerem bzw. höher gelegenem Terrain als die Wirtschaftswälder im Privatbesitz. Trotz dieser im Mittel eher ungünstigen Standortsverhältnisse in den National Forests, beinhalten sie jedoch vor allem im Pazifischen Nordwesten in Einzelfällen auch außerordentlich zuwachsstarke Wälder. Übrigens überwiegen auch im Osten in den National Forests die Gebirgslagen.

Der sonstige öffentliche Waldbesitz tritt gegenüber den bundeseigenen National Forests mit nur 10 % des Wirtschaftswaldes zurück; etwa die Hälfte davon befindet sich im Besitz der einzelnen Bundesstaaten.

Mit nahezu Dreiviertel der Fläche des Wirtschaftswaldes befindet sich der größte Anteil in Privatbesitz. Bemerkenswert ist vor allem der mit 14 % des Wirtschaftswaldes hohe Anteil von Großprivatbetrieben der Forstindustrie (gut 28 Mio. ha), zumal diese Flächen vor allem hochproduktive Wälder umfassen. Die Lage des im Besitz der Forstindustrie befindlichen Waldes hängt von der Lokalisierung und Verfügbarkeit hochproduktiver Waldlagen ab; ein deutlicher Schwerpunkt des Waldes der Forstindustrie befindet sich daher im Süden. Den Wäldern der Holzindustrie kommt bei der Holzversorgung eine deutlich über ihren Flächenanteil hinausgehende Bedeutung zu: bei nur 14 % Anteil an der Fläche des Wirtschaftswaldes wurden hier in den 1990er Jahren etwa ein Drittel des gesamten Holzeinschlages der USA getätigt.

Waldtypen

Die Vielzahl der in den USA vorkommenden Laub- und Nadelbaumarten bedingen unter den vielfältigen klimatischen und geologischen Verhältnissen des weiten Landes eine solch atemberaubende Vielfalt unterschiedlicher Waldformationen, dass eine auch nur annähernd vollständige Darstellung hier unmöglich ist. Eine Grobgruppierung in Laub- bzw. Nadeltypen zeigt markante regionale Unterschiede zwischen den westlichen und den östlichen Bereichen der USA: in den östlichen Bereichen (Regionen Norden und Süden sowie Unterregion Great Plains) überwiegend Laubwaldtypen (Abb. 7). In den westlichen Bereichen (Region Pazifische Küste und Unterregion Rocky Mountains) dominieren dagegen eindeutig Nadelwaldtypen. Außerdem kommen hier in größerem Umfang buschartige Waldungen und Halboffenlandschaften (Pinyon-Juniper und Chaparral) hinzu.

Für eine weitere Untergliederung sind in der folgenden Tabelle für die Unterregionen die drei Waldtypen mit der jeweils größten Flächenausstattung aufgeführt:

Tab. 2: Waldtypen der Unterregionen mit der jeweils größten Flächenausstattung.
Unterregion Laubwaldtypen Nadelwaldtypen
Norden
Northeast Acer-Fagus-Betula, Quercus-Carya Picea-Abies
North Central Quercus-Carya, Acer-Fagus-Betula, Populus-Betula
Süden
Southeast Quercus-Carya Pin.taeda-Pin.echinata, Quercus-Nyssa-Taxodium
South Central Quercus-Carya, Quercus-Pinus Pinus taeda-Pinus echinata
Rocky Mountains
Great Plains Ulmus-Fraxinus-Populus deltoides Pinus strobus-Pinus resinosa-Pinus banksiana
Intermountain Pinyon-juniper, Pseudotsuga, Pinus ponderosa
Pazifische Küste
Alaska westliche Laubbaumwaldtypen Abies-Picea, sonst. Westl. Nadelbaumtypen
Pacific Northwest Pseudotsuga, Pinus ponderosa, Abies-Picea
Pacific Southwest westliche Laubbaumwaldtypen Abies-Picea, chaparral, Pinus ponderosa

Zuwachs und Einschlag

Abb. 8 zeigt die Entwicklung von Holzzuwachs und Holzernte im Lauf des 20. Jahrhunderts. Einen guten Eindruck über die regionalen Verhältnisse liefern die in den 1990er Jahren ermittelten Quotienten von Zuwachs/Ernte, die sich etwa auf dem Niveau der Werte der 1980er Jahre bewegen. 

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Abb. 8: Entwicklung von Holzzuwachs und Holzernte [3].
 
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Abb. 9: Regionale Entwicklung der Starkholzvorräte [3].
Tab. 3: In den 1990er Jahren ermittelte Quotienten von Zuwachs/Ernte.
Region Quotient
Zuwachs:Ernte
USA (alle Holzarten) 1,3
Nadelholz 1,1
Laubholz 1,8
Norden 1,9
Süden 0,9
Rocky Mountains 2,6
Pazifische Küste 1,1

In den Regionen Norden und Rocky Mountains übertraf in den 1990er Jahren der Zuwachs deutlich die Nutzung und führte zu starken Vorratserhöhungen. Insbesondere in der Region Rocky Mountains beruhte dies sowohl auf einem verstärkten Zuwachs als auch auf einer deutlich verringerten Nutzung. Auch in der Region Pazifische Küste stieg der Quotient gegenüber den 1980er Jahren durch die reduzierten Nutzungen in den National Forests wieder an: über alle Holzarten hinweg gesehen übertrifft in dieser Region der Zuwachs wieder etwas die Nutzungen; bei den wirtschaftlich hoch eingeschätzten Nadelhölzern beträgt der Quotient allerdings nur 1,0. Auffällig sind die hohen Nutzungen in der Region Süden. Insbesondere durch die intensiven Nutzungen in den Privatwäldern erfolgte dort ein Vorratsabbau, da der Zuwachs die Nutzungen nicht kompensieren konnte.

Interessant erscheint auch die regional unterschiedliche Entwicklung der Starkholzanteile in den Wäldern. Während in den laubwaldbetonten östlichen Regionen die (insgesamt geringen) Starkholzvorräte langsam zunehmen, gehen sie in den klassischen Starkholzgebieten der nadelwaldbetonten westlichen Regionen weiter deutlich zurück (Abb. 9).

Entwicklung der Holznutzung in den National Forests

Ein nennenswerter Teil des Holzaufkommens stammt aus dem Einschlag in den bundeseigenen National Forests. Insbesondere nach dem zweiten Weltkrieg führte die Verbindung einer starken Nachfrage nach Holzprodukten und gleichzeitigem Einschlagsrückgang in den Privatwäldern zu einer starken Ausweitung des Marktes für Holz aus den National Forests. Die Bewirtschaftungspolitik der Bundesforstverwaltung (USDA Forest Sevice) wechselte damals markant vom früheren Schwerpunkt der Waldbewahrung hin zu einer Politik hoch aktiver Einschlagsvermarktung. Rasch erreichte so bereits gegen Ende der 1960er Jahre der Einschlag in einigen Regionen des Westens die Nachhaltigkeitsgrenze.

In dieser Zeit kam es auch zu deutlichen Veränderungen in den rechtlichen Bewirtschaftungsgrundlagen. Die in den 1920er Jahren eingeführten Planungsmethoden auf Basis reiner Massennachhaltigkeit wurden 1976 durch das Gesetz zur Bewirtschaftung der National Forests ersetzt (NFMA: Nation Forest Management Act). Seither sind nach diesem Gesetz für jede Bewirtschaftungseinheit zehnjährige interdisziplinäre Waldpläne zu entwickeln. Außerdem wurden nennenswerte Waldflächen in Wildnisgebiete (wilderness areas) bzw. nicht erschlossene Reservatsgebiete (undevelopped reserves) überführt und so der Holznutzung entzogen. In den weiter der Holznutzung gewidmeten Flächen des National Forests wurden die Holzeinschlagsplanungen und -praktiken so angepasst, dass negative Auswirkungen auf die anderen Funktionen der Wälder im Zuge der Holznutzung nach Möglichkeit minimiert wurden.

Für den Nadelholzeinschlag in den National Forests ergab sich mit der Umsetzung der Politik der Clinton-Regierung in den 1990er Jahren eine weitere deutliche Reduktion des Einschlags in den National Forests. Starke Auswirkungen hierauf hatte insbesondere der vom seinerzeitigen Vize-Präsidenten Gore maßgeblich verantwortete "Northwest Forest Plan" für die National Forests im Westen, der 1994 in Kraft trat und auch unter der Kurzbezeichnung "President’s Plan" bekannt ist. Wesentliche Elemente dieses Plans waren ein großflächiger Holzeinschlagsschutz auf den noch existenten Altwälder (old-growth) des National Forest Land, die flächenintensive Ausweisung von Habitatschutzgebieten (u. a. für die Spechtart Red Cockaded Woodpecker oder die Eulenart Northern Spotted Owl), der Verzicht auf Holznutzung in nicht mit Waldstraßen erschlossenen Gebieten sowie der Verzicht auf Verkäufe von Einschlagskonzessionen für Gebiete, in denen eine defizitäre Bilanz prognostiziert wurde.

Unter Einbeziehung diesen Rahmenbedingungen ging in den National Forests der Jahreseinschlag in der Größenordnung von etwa 30 Mio. fm Nadelholz zurück auf einen Wert in Höhe von knapp 50 % des vor der Änderung der politischen Rahmenbedingungen Mitte der 1980er Jahre prognostizierten Niveaus. Im Wesentlichen betrifft dieser Rückgang fünf westliche Bundesstaaten: Montana, Idaho, Washington, Oregon und Kalifornien [2].

Insgesamt fiel der Einschlagsrückgang in Folge der Änderung der Rahmenvorgaben für die Bewirtschaftung der National Forests sogar noch stärker aus, als von der Politik ursprünglich geplant. Eine Revision des "President’s Plan" nach zehn Jahren zeigte, dass zwar wesentliche Teile der Habitatschutzziele erreicht werden konnten. Die im Plan vorgesehen Holzeinschläge wurden jedoch nur zur Hälfte umgesetzt [5]. Wesentlich Ursache hierfür waren unklare und nicht selten widersprüchliche Vorgaben für das örtliche Forstpersonal, wie und wo die pauschal geplanten Einschlagsvorgaben realisiert werden sollten.

Wald und Bevölkerung

Aufgrund der unterschiedlichen Bevölkerungsdichten findet sich in den USA trotz vergleichbarer Bewaldungsanteile ein deutlich anderes Verhältnis von Bevölkerung und Waldfläche als in Deutschland: die Pro-Kopf-Waldfläche umfasst in den USA etwa das Zehnfache. Aufgrund dieser umfangreichen Landressourcen ergeben sich markante Unterschiede für die Waldinanspruchnahme und das Management.

Der Bewirtschaftung der National Forests liegt zwar die Politik der sog. "multiple use forestry" (Mehrzweck-Forstwirtschaft) zugrunde. In der Praxis findet sich jedoch ein sehr starker Trend zur Verfolgung segregativer Nutzungs- und/oder Schutzkonzepte, die darauf abzielen, unterschiedliche Flächeninanspruchnahmen ("Funktionen") räumlich zu trennen (z. B. Trennung in holznutzungsfreie Waldreservate, Intensiverholungswälder oder ausschließlich der Holznutzung dienende Wälder).

Tab. 4: Waldstruktur/-besitz im Vergleich U.S.A - Deutschland.
  U.S.A. Deutschland
Bevölkerung: 308 Mio Einwohner 82 Mio Einwohner
[Einwohner/km2] [32 Einw./km2] [229 Einw./km2]
[Waldfläche/Einwohner] [1,0 ha/Einw.] [0,1 ha/Einw.]
Gesamtfläche 962,9 Mio ha 35,7 Mio ha
Waldfläche 300,8 Mio ha 10,8 Mio ha
(Bewaldungs-Prozent) (33 %) (30 %)

Zuständigkeit von Verwaltungen im Bereich des Waldes

Wald im Bundesbesitz

Der im Bereich des Landwirtschaftsministeriums (United States Department of Agriculture) ressortierte Forest Service bildet in den USA die wichtigste Behörde mit Zuständigkeiten im Bereich des Waldes. Zentrale Aufgabe ist die Betreuung der im National Forest System organisierten Bundeswälder. Das National Forest System umfasst mit 56 % über die Hälfte des gesamten im Bundesbesitz befindlichen Wälder. Insbesondere bei Betrachtung der Wirtschaftswaldflächen wird die herausgehobene Stellung des Forest Service deutlich. In seine Zuständigkeit fallen 74 % der Wirtschaftswälder im Bundesbesitz.

Allerdings untersteht ein nicht unerheblicher Teil des Bundeswaldes Behörden aus dem Ressort des Inneren (Department of the Interior: National Park Service 29 % bzw. Bureau of Land Management 15 % des Bundeswaldes). Umgekehrt betreut der Forest Service mit ca. 1,6 Mio. ha Grasländereien (rangelands) einen Bereich, der eigentlich vornehmlich in die Zuständigkeit des Bureau of Land Management fällt. Außerdem befasst sich der Forest Service bei der Betreuung von National Monuments (z. B. Mt. St. Helens National Monument) und Wildnisgebieten mit einem Bereich, den schwerpunktmäßig der National Park Service wahrnimmt.

Um übermäßige Kompetenzkonflikte zwischen den für Landnutzungsmanagement zuständigen Behörden zu vermeiden, sind institutionelle Doppelzuständigkeiten für dieselben Flächen de jure ausgeschlossen. Trotzdem machen die de facto bestehenden Überschneidungen in den betreuten Flächenkategorien Abstimmungen und gegenseitige Information zwischen den genannten Bundesbehörden erforderlich. Dies scheint jedoch in der Praxis häufig nur mit Einschränkungen gegeben. Tatsächlich erscheinen die Abstimmungen zwischen den beteiligten Ressorts und Verwaltungen recht umständlich und es kommt zu Reibungsverlusten bzw. zu uneinheitlichem Handeln verschiedener Behörden in vergleichbaren Sachfragen.

Andere Waldbesitzarten

Entsprechend der traditionell hohen Bewertung des Eigentumsrechtes in den USA beschränken sich die Zuständigkeiten waldverwaltender Behörden im Wesentlichen auf das Management von Wald im Bundesbesitz. Über das Bundeseigentum hinausgehende hoheitliche Befugnisse bestehen im Forest Service nur marginal. Grundsätzlich wird der Forest Servive nur im Rahmen der Waldinventur (FIA: forest inventory and analysis) bzw. des Monitoring der Waldgesundheit (FHM: forest health monitoring) auf gesetzlicher Grundlage über alle Eigentumsarten hinweg aktiv. Daneben gibt es auch freiwillige Kooperationen im Bereich "State und Private Forestry", die vom Arbeitsvolumen her jedoch keine große Rolle spielen.

Der USDA Forest Service

Gegründet wurde der Forest Service 1905 unter seinem ersten "Chief" Gifford Pinchot. Sein Gesamtbudget umfasst aktuell (2010) 5,2 Mrd. US$. Der Forest Service bildet mit ca. 33.000 dauerhaft Bediensteten und einer verwalteten Landfläche von 77,3 Mio. ha weltweit die größte Landressourcen-verwaltende Behörde. Außerdem unterhält der Forest Service mit den Research Stations die größte forstliche Forschungseinrichtung der Welt.

Organisation

Oberste Behördeneinheit ist das Washington Office (Ministerialforstabteilung) im US Department of Agriculture. Den Chef der Forstverwaltung (Chief) unterstützt ein in sechs Bereiche gegliederter Stab, dessen Bereiche Deputy Chiefs vorstehen (Abb. 10), die keine direkten Weisungsbefugnisse gegenüber nachgeordneten Linienstellen haben.

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Abb. 10: Organigramm der USDA Forest Service.

Großen Wert legt der Forest Service auf die Trennung zwischen eigentlicher Verwaltung (Management) und Forschung (Research). Die Eigenständigkeit beider Bereiche dokumentiert sich auch organisatorisch: die Regional Offices des National Forest Systems (Verwaltung) und die Research Stations (Forschung) sind organisationshierarchisch gleichgestellt und unterstehen direkt dem Chief.

National Forest System

Im Bereich des National Forest System besitzt der Forest Service vier Hierarchiestufen mit klarer Linienstruktur. Das National Forest System gliedert sich in neun Regionen. Die Regionen bestehen aus 155 National Forests, die sich in insgesamt über 600 Ranger Districts untergliedern. Im National Forest System ist die Organisation primär nach territorialen Kriterien gegliedert und damit klar ressourcenorientiert. Beratung und Kooperationen mit staatlichen oder privaten Waldbesitzern (Funktionsbereich State & Private Forestry) werden im nachgeordeneten Bereich ebenfalls vom Personal des National Forest System wahrgenommen.

Research

Der Forschungsbereich umfasst sechs territorial organisierte Forschungsanstalten (Research Stations) sowie zwei nach Themen orientierte Forschungseinrichtungen (Forest Products Laboratory bzw. International Institute of Tropical Forestry). Die acht Forschungsanstalten unterhalten Niederlassungen an über 60 Lokalitäten (Research Laboratory Locations), an denen über 160 Forschungsgruppen (Research Work Units) tätig sind. Research Laboratories und Research Work Units arbeiten themenorientiert und sind damit weitestgehend funktional gegliedert.

Bilder

Unterregion "Pacifik Northwest"
   
Wapiti-Bulle im Olympic-Nationalpark, Washington   Der Vulkan Mount Hood im Mount Hood National Forest, Oregon
Wapiti-Bulle im Olympic-Nationalpark, Washington.
  Der Vulkan Mount Hood im Mt. Hood National Forest, Oregon.
   
Westküste, Oregon   Douglasien in den im Osten des Kaskadengebirges, Oregon
Westküste, Oregon.   Douglasien im Osten des Kaskadengebirges, Oregon.
     
Unterregion "Great Plains"    
Prärien der Great Plains im Glacier-Nationalpark, Montana   Prärien der Great Plains im Glacier-Nationalpark, Montana
Where the plains meet the mountains - Prärie und Felsengebirge engverzahnt im Glacier-Nationalpark, Montana.   Die Great Plains wurden oft in landwirtschaftliche Nutzflächen umgewandelt.
Unterregion "Intermountain"    
Gelb-Kieferen (Pinus ponderosa) im Bryce-Canyon-Nationalpark, Utah   Versteinerter Stamm im Petrified-Forest-Nationalpark, Arizona
Gelb-Kiefern (Pinus ponderosa) im Bryce-Canyon-Nationalpark, Utah.
  Versteinerter Stamm im Petrified-Forest-Nationalpark, Arizona.
   
Douglasie im Rocky-Mountain-Nationalpark, Colorado   Küsten-Kiefern (Pinus contorta) im Yellowstone-Nationalpark, Wyoming
Douglasie im Rocky-Mountain-Nationalpark, Colorado.
  Drehkiefern (Pinus contorta) nach Brand im Yellowstone-Nationalpark, Wyoming. Die Drehkiefer ist eine Pionierart nach Waldbränden.
     
Unterregion "Pacifik Southwest"    
Riesenmammutbäume (Sequoiadendron giganteum) im Sequoia-Nationalpark, Kalifornien   Jeffreys Kiefer (Pinus jeffreyi) in der Sierra Nevada, Kalifornien
Bergmammutbäume (Sequoiadendron giganteum) im Sequoia-Nationalpark, Kalifornien.   Jeffreys Kiefer (Pinus jeffreyi) in der Sierra Nevada, Kalifornien.
     
Unterregion "Northeast"
   
Acadia-Nationalpark   Küstenstreifen des Acadia-Nationalpark, Maine
Der Acadia-Nationalpark, Maine. Der Park befindet sich zum Großteil auf der Mount Desert Insel. Der Rest verteilt sich auf viele kleine Inseln.
  Küstenstreifen des Acadia-Nationalpark, Maine.
     
Der Lake Placid in den Adirondack Mountains, New York.   Der Whiteface Mountain, ein Berg des Adirondack Gebirges
Der Lake Placid in den Adirondack Mountains, New York. Aufgenommen vom Whiteface Mountain aus.   Das Whiteface Ski Resort im Adirondack Gebirge, New York. Die Gegend war bereits zwei Mal Austragungsort der Olympischen Winterspiele (1932 und 1980).
     
Unterregion "Southeast"    
Die Great Falls of the Potomac River, Virginia.   Die Blue Rich Mountains im Shenandoah-Nationalpark, Virginia
Die Great Falls of the Potomac River, Virginia.   Die Blue Ridge Mountains (Appalachen) im Shenandoah-Nationalpark, Virginia.
     
Vom Schwammspinner befallener Bestand im Shenandoah-Nationalpark, Virginia   Shenandoah-Nationalpark, Virginia
Vom Schwammspinner befallener Laubwald im Shenandoah-Nationalpark, Virginia.   Shenandoah-Nationalpark, Virginia.
     
Der Appalachian Trail   Sumpfzypressen (Taxodium) im Corkscrew swamp, Florida
Der Appalachian Trail ist einer der längsten Wanderwege der Welt (3440 km) und durchquert 14 Staaten. Das Foto stammt aus dem Shenandoah-Nationalpark, Virginia.   Sumpfzypresse (Taxodium) im Corkscrew Swamp Sanctuary, Florida.
     
Sumpfzypresse (Taxodium) im Everglades-Nationalpark, Florida.   Mahagonibaum im Everglades-Nationalpark, Florida
Sumpfzypresse (Taxodium) im Everglades-Nationalpark, Florida.   Mahagonibaum im Everglades-Nationalpark, Florida.
     
Sumpfzypressen (Taxodium) im Corkscrew swamp, Florida   Wurzeln der Sumpfzypresse im Corkscrew swamp, Florida
Sumpfzypressen (Taxodium) im Corkscrew Swamp Sanctuary, Florida.   Wurzeln der Sumpfzypresse im Corkscrew Swamp Sanctuary, Florida.
     
Mangrovenwurzeln im Everglades-Nationalpark, Florida.   Bahia Honda Key, Florida.
Mangrovenwurzeln im Everglades-Nationalpark, Florida.   Bahia Honda Key, Florida.
     
Unterregion "South Central"    
Southern Pine (Sumpf-Kiefer, Pinus palustris) in Texas   Der Great-Smoky-Mountains-Nationalpark in den Appalachen
Southern Pines (Sumpf-Kiefer, Pinus palustris) im Sonnenuntergang, Texas.
  Der Great-Smoky-Mountains-Nationalpark in den Appalachen. Das Foto wurde in Tennessee geschossen.
     
Fraser-Tannen (Abies fraseri) nach Lausbefall im Great-Smoky-Mountains-Nationalpark, Tennesee   Laubwald nach Schwammspinnerbefall im Great-Smoky-Mountains-Nationalpark, Tennesee
Fraser-Tannen (Abies fraseri) nach Lausbefall im Great-Smoky-Mountains-Nationalpark, Tennesee. Eine aus Europa eingewanderte Pflanzenlausart hat seit den 1950er Jahren einen Großteil der natürlichen Fraser-Tannen-Bestände vernichtet.
  Laubwald nach Schwammspinnerbefall im Great-Smoky-Mountains-Nationalpark, Tennesee.

Quellen

  • [1] Bailey, R.G., 1995: Description of the ecoregions of the United States. USDA Forest Service; Miscellaneous Publications 1391; 108pp. [2] Haynes, R.W., Adams, D.M., Mills, J.R., 1995: The 1993 RPA Timber Assessment Update. USDA Forest Service; General Technical Report RM-GTR-259; 66pp. [3] MacCleery, D.W., 1993: American Forests - a history of resiliency and recovery. USDA Forest Service; FS-540; 58pp. [4] Powell, D.S., Faulkner, J.L., Darr, D.R., Zhu, Z., MacCleery, D.W., 1993: Forest resources of the United States, 1992. USDA Forest Service; General Technical Report RM-234; 133pp. [5] Rapp, V., 2008: Northwest Forest Plan – the first 10 years (1994-2003): First-decade results of the Northwest Forest Plan. USDA Forest Service, General Technical Report PNW-GTR-720; 42pp.

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