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Prof. Dr. Ulrich Kohnle

PD Dr. Ulrich Kohnle

Forstliche Versuchs- und Forschungsanstalt Baden-Württemberg (FVA)
Abteilungsleiter Waldwachstum

Wonnhalde 4
D-79100 Freiburg i. Breisgau

Tel. +49 761 4018 251
Fax +49 761 4018 333

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Artikel

Autor(en): Ulrich Kohnle
Redaktion: FVA, Deutschland
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Der Wald in Kanada und seine Nutzung

Als zweitgrößter Flächenstaat der Welt verfügt Kanada über umfangreiche und vielfältige Waldressourcen. Die gesamte baumbestandene Fläche mit gut 400 Mio. ha entspricht einem mittleren Waldanteil von gut 40 % und verteilt sich auf vielfältige Waldregionen, deren Bandbreite von den arktischen Randzonen im Norden des Landes über die Laubwaldgebiete im Osten bis zu den Küstenregenwäldern des pazifischen Westens reicht.

Mischwald am Lake Superiour in Ontario
Abb. 1: Mischwald am Lake Superiour in Ontario. (Foto: U. Kohnle)
Amtsprachen Englisch, Französisch
Hauptstadt Ottawa
Staatsform Parlamentarische Monarchie
Staatsoberhaupt Britische Königin (vertreten durch ihre Generalgouverneurin)
Regierungschef Premierminister
Gliederung

Bund,
10 Provinzen (entsprechen in etwa den deutschen Bundesländern),
3 Territorien (stehen weitgehend unter Bundesverwaltung)

Politische Karte auf Wikipedia

Fläche 9,889 Mio. km² (D: 0,357 Mio. km², USA: 9,827 Mio. km²)
Einwohner 32,9 Mio. (D: 82,2 Mio., USA: 304,5 Mio.)
Bevölkerungsdichte 3,3 Einw./km² (D: 82,2 Mio., USA: 31,0 Einw./km²)

Waldfläche und Baumarten

Ausweislich der aktuell verfügbaren Auswertung der kanadischen Forstinventur [2] entsprechen rd. 310 Mio. ha Fläche der Walddefinition im engeren Sinn. Hinzu kommen Flächen von rd. 92 Mio. ha mit schütterem Baumbewuchs, die der Walddefinition im engeren Sinn nicht voll entsprechen (z. B. baumbestandene Moore und Sümpfe oder felsige Flächen mit vereinzelten Bäumen). Im Durchschnitt ergibt sich daraus ein Waldanteil von gut 40 %.

Zum Vergrößern bitte die Tabellen anklicken.

Tab. 1: Übersicht über Fläche, Bevölkerung und Waldfläche.

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Tab. 2: Übersicht über die Waldverteilung und die Hauptbaumarten.
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Die größten absoluten Waldflächen liegen in den Provinzen Québec, Ontario und British Columbia, die geringsten auf Prince Edward Island, im Nunavut Territorium und in Nova Scotia (Tab. 1). Dem entspricht eine heterogene regionale Verteilung der Bewaldungsdichte (Abb. 2). Während die am dichtesten bewaldeten Provinzen Waldanteile zwischen etwa 70 und 90 % aufweisen (New Brunswick 88 %, Nova Scotia 78 %, British Columbia 68 %) fällt die Bewaldung in den drei Territorien nur spärlich aus (2-17 %). Der weitaus überwiegende Teil des Waldes ist als der Krone gehörig ("crown land") im Besitz der öffentlichen Hand. Dabei werden 76 % des Kronlands von den Provinzen verwaltet und 16 % vom Bund (v. a. in den Territorien). Privater Waldbesitz spielt in Kanada mit knapp 7 % nur eine sehr untergeordnete Rolle ganz im Gegensatz zu den USA [3].

Die kanadische Waldinventur ordnet die Wälder 15 terrestrischen Ökozonen zu bzw. gliedert sie in 12 Waldregionen (Abb. 3, Tab. 2). Da die terrestrischen Ökozonen immer Anteile verschiedener Waldregionen aufweisen bezieht sich die folgende Darstellung der Klarheit halber ausschließlich auf die forstlich konsistente Gliederung nach den Waldregionen.

Die mit Abstand größte Waldfläche repräsentieren die Waldgesellschaften der borealen Waldregionen. Sie umfassen mit gut 305 Mio. ha (davon 222,7 Mio. ha Wald i. e. S.) insgesamt 76 % der baumbestandenen Fläche Kanadas. Charakteristische Hauptbaumarten der borealen Waldgesellschaften sind verschiedene Nadelbaumarten und Aspen (Tab. 2, Abb. 4). Des Weiteren befinden sich große Waldflächen von über 10 Mio. ha im Osten in der Laubwaldregion Große Seen - St. Lorenz (25,6 Mio. ha), sowie im Westen in den Nadelwaldgesellschaften der subalpinen Waldregion (15,5 Mio. ha) und der Bergwaldregion (12,2 Mio. ha).

Die Karte in Abb. 4 zeigt eine Übersicht über die Verbreitung der in den jeweiligen Waldgesellschaften dominierenden Gattungen der Hauptbaumarten. Aus der Flächendominanz der borealen Waldgesellschaften ergibt sich die mit Abstand weiteste Verbreitung als Hauptbaumart für die Gattung Fichte gefolgt von Aspe/ Pappel.

Im weltweiten Vergleich verfügt Kanada über einen einmaligen Fundus an großräumigen (über 50.000 ha), intakten Waldlandschaften, die kaum menschlicher Beeinflussung ausgesetzt waren ("large intact forest landscapes" [4]). Von der Gesamtfläche (über 340 Mio. ha) liegt allerdings der weitaus überwiegende Teil zu über 90 % in den borealen Regionen (v. a. in Québec, den Nordwest Territorien, Ontario und British Columbia). Im Bereich der gemäßigten Klimazonen existieren solche Waldlandschaften nur noch in British Columbia und Alberta. In den gemäßigten Klimabereichen der fünf östlichen Provinzen sind sie dagegen als Folge der Siedlungs- und Nutzungsgeschichte völlig verschwunden.

Zum Vergrößern bitte die Abbildungen anklicken. Alle Grafiken [2]
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Abb. 2: Karte der regionalen Verteilung von Wald und anderen baumbestandenen Flächen. Abb. 3: Übersicht über die in der kanadischen Waldinventur ausgeschiedenen Waldregionen. Abb. 4: Karte der in den Waldgesellschaften dominierenden Hauptbaumarten.

Vorräte und Zuwächse

Von der Waldfläche i. e. S. tragen derzeit lediglich 89 % Bestockung mit Holzzuwachs ("stocked forest land", bestockte Holzbodenfläche). Entsprechend den Vorgaben der kanadischen Waldinventur zur Vorratsermittlung liegen hiervon für 98 % der Fläche Vorratsmessungen vor (Tab. 2). Der auf den knapp 250 Mio. ha bestockter Holzbodenfläche ermittelte Holzvorrat beläuft sich bei sehr uneinheitlicher Verteilung auf gut 29 Mrd. m³. Das entspricht einem Durchschnittsvorrat von knapp 110 m³/ha.

Die Vorräte der Wälder außerhalb von Schutzgebieten belaufen sich auf 27,5 Mrd. m³ und verteilen sich zu etwa drei Viertel auf Nadel- und ein Viertel auf Laubholz. Entsprechend der Flächendominanz der borealen Wälder entfallen vom gesamten Nadelholzvorrat (21,5 Mrd. m³) knapp die Hälfte (45 %) auf Fichten und ein Fünftel (22 %) auf Kiefern. Eine größere Rolle spielen noch Tannen (14 %), Hemlock (8 %) und Douglasie (4 %); alle anderen Nadelholzarten erreichen nur Anteile von unter einem Prozent.

Der Laubholzvorrat (6,4 Mrd. m³) besteht überwiegend aus den Holzartengruppen Aspe/ Pappel (59 %) und Birke (20 %). Erstaunlicherweise stellt der begrifflich mit Kanada stark assoziierte Ahorn nur einen vergleichsweise kleinen Teil des Holzvorrates (11 % des Laubholzvorrates; 3 % des Gesamtvorrates). Allerdings spielt beim Ahorn neben der Holznutzung auch die zwischenzeitlich großindustriell organisierte Gewinnung von Ahornsirup eine große wirtschaftliche Rolle [5].

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Abb. 5: Verteilung regionaler Durchschnittszuwächse (Berechnungsstichjahr 1986 [7]). Zum Vergrößern bitte anklicken.
 
Küstenregenwald am Cultus Lake, British Columbia
Abb. 6: Küstenregenwald am Cultus Lake, British Columbia - die mit Abstand vorratsreichsten Wälder Kanadas. (Foto: U. Kohnle)

Die Vorratshöhen der Wälder variieren regional stark. Die geringsten Durchschnittsvorräte von zum Teil deutlich unter 100 m³/ha finden sich in den borealen Waldregionen und in den akadischen Wäldern im Osten (Tab. 2). Vorratsreiche Waldregionen mit Durchschnittsvorräten von deutlich über 200 m³/ha finden sich dagegen im Westen in den subalpine Wäldern, den Wäldern im Einzugsbereich des Columbia Flusses sowie den Küstenwälder. Die letzteren repräsentieren mit im Mittel 450 m³/ha die mit Abstand vorratsreichsten Wälder Kanadas. Zur Küstenwaldregion zählt auch der schmaler Streifen der temperierten Regenwäldern im unmittelbaren Küstenbereich, dessen Urwaldbestände die biomassereichsten terrestrischen Ökosystemen der Welt stellen.

Da die aktuellen Auswertung zum Stichjahr 2001 [2] aufgrund geänderter Inventurmethodik keine Angaben zum Zuwachs enthält, muss hierfür auf frühere Auswertungen zurückgegriffen werden: für das Stichjahr 1986 [6] wies die Inventur für die bestockte Holzbodenfläche einen durchschnittlichen Zuwachs 1,6 m³ je Jahr und Hektar aus (Tab. 2). Das entspricht kanadaweit insgesamt ca. 364 Mio. m³. Die Spanne reicht dabei in den Waldregionen von 0,8 (Tundra) bis 2,31 (Küste) m³ je Jahr und Hektar. Abb. 5 zeigt eine Karte mit regionalspezifischen Hektarzuwächsen für das Stichjahr 1991 [7].

Holznutzung

Holznutzung findet aufgrund der Dominanz des Kronlandes weitaus überwiegend im öffentlichen Wald statt. Der Einschlag erfolgt nicht durch die Forstverwaltung, sondern wird von der Holzindustrie organisiert. Je nach Zuständigkeit verkaufen hierzu die Forstverwaltungen der Provinzen bzw. des Bundes (v. a. in den Territorien) das Recht zur Nutzung des stehenden Holzes in Form von Einschlagsberechtigungen ("timber sale") an die Holzindustrie. Diese Berechtigung ist kostenpflichtig ("stumpage"). Einschlag und Wiederbewaldung können mit umfangreichen und detaillierten Auflagen verbunden sein.

Eine besondere Form des Nutzungsrechts bilden die in British Columbia häufigen sogenannten "tree farm licences". Dabei handelt es sich im Prinzip um Pachtverträge, die privaten Forstindustrien auf Kronland alleinige Nutzungsrechte einräumen. Diese Lizenzen werden langfristig vergeben. Die Laufzeit beträgt in der Regel 25 Jahre. Ziel der Vergabepraxis zu in der Regel recht geringen Pachtsätzen ist zwar die Sicherung der Rohstoffversorgung der einheimischen Holzindustrie, führt jedoch in der Öffentlichkeit zunehmend zu Kritik. Auch der geringe Informationsfluß bei der Verhandlung dieser Lizenzen zwischen Forstverwaltung und Holzindustrie ließen die Vergabepraxis in der jüngsten Vergangenheit im öffentlichen Meinungsbild teilweise in einem recht zwiespältigen Licht erscheinen. Befürchtet wird häufig der Ausverkauf des öffentlichen Waldes zugunsten der Interessen einseitig profitorientierter Unternehmen.

Die Forstverwaltungen überwachen die Einhaltung der einschlagsvertraglichen Bedingungen und Auflagen im Rahmen ihrer Möglichkeiten. Aufgrund der Größe des Landes und des Umfangs der Einschlagsberechtigungen sind jedoch stringente Kontrollen nicht einfach zu organisieren. Zudem verfügt die Holzindustrie über nennenswerten politischen Einfluss. Nach persönlicher Einschätzung des Autors kommt es dadurch nicht selten zu augenfälligen Divergenzen zwischen Nutzungsrealität und den von offizieller Seite vertretenen und als erwünscht dargestellten Nutzungsformen. Andererseits bieten Organisation von Holzeinschlag und Logistik in professioneller Hand beste Möglichkeiten zur ökonomischen Rationalisierung und Optimierung.

Literatur

  • [1] Dale, R.J. (2004): The fall of New France - how the French lost a North American empire 1754-1763. James Lorimer & Company Ltd., Toronto, 96 S. [2] Power, K., Gillis, M. (2006): Canada's Forest Inventory 2001. Information Report BC-X-408. Natural Resources Canada Canadian Forest Service Pacific Forestry Centre, Victoria, B.C., 140 S. [3] Kohnle, U. (2001): USA: Wald und Forstverwaltung. AFZ-Der Wald 56, S. 884-889 [4] Lee, P., Aksenov, D., Laestadius, L., Nogueron, R., Smith, W. (2003): Canada's large intact forest landscapes. Global Forest Watch Canada, Edmonton, 84 S. [5] Staas, C. (2008): Gold in Flaschen. Die Geschichte des nationalen Safts: Ahornsirup. GEO-Special S. 74-76 [6] Lowe, J.J., Power, K., Gray, S.L. (1994): Canada's Forest Inventory 1991. Information Report PI-X-115. Petawawa National Forestry Institute Canadian Forest Service, Chalk River, Ontario, 76 S. [7] Gray, S.L. (1995): A descriptive forest inventory of Canada's forest regions. Information Report PI-X-122. Petawawa National Forestry Institute Canadian Forest Service, 192 S.

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