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Artikel

Autor(en): Stefanie Draeger, Steffen Haas
Redaktion: FVA, Deutschland
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Pflanzenbestimmung mit dem Smartphone: die App iFlora im Praxistest

Es stimmt: man muss für iFlora keine Botanik studiert haben! Ganz so einfach, wie es die Werbung behauptet, ist die Pflanzenbestimmung mit dieser App aber auch nicht. Eine Försterin hat die Smartphone-App iFlora auf Herz und Nieren getestet.

Inhalt

Infokasten: Pflanzenbestimmung mit iFlora

Laut Hersteller kann man mit der App die gesamten wild vorkommenden Pflanzen Deutschlands bestimmen. Dabei stehen für jede Art mehr als 200 Bestimmungsmerkmale zur Verfügung und werden als grafische Icons dargestellt (Abb. 1). Man wählt die Merkmale in beliebiger Reihenfolge aus und kommt so Schritt für Schritt der gesuchten Pflanze näher (Abb. 2). Hat man die Pflanze bestimmt, erhält man Steckbriefe mit Informationen, Fotos und Zeichnungen (Abb. 3). In einem umfangreichen Glossar werden außerdem die Fachbegriffe, die zur Bestimmung notwendig sind, erklärt.

Das Programm ist auch offline verfügbar, wenn man vorher die Abbildungen herunterlädt.

iFlora ist erhältlich für Android und iOS. Die App kann man kostenlos testen, wobei sie dann auf 100 Pflanzenarten beschränkt ist. Genauso kann die App für 30 Tage gemietet werden (kein Abo und keine automatische Verlängerung).

Die Miete kostet derzeit 5,99€/30 Tage, der Preis für iFlora beträgt 59,99€. Zusätzlich kann man die App mit kostenpflichtigen Modulen erweitern (z.B. mehr Abbildungen oder Bestimmungsmerkmale).

Auf der Homepage des Herstellers kann man sich ausführlich über die App informieren.

Der Werbe-Flyer verspricht eine genaue Artbestimmung in wenigen Schritten. Als Beispiele hierfür werden mit der Eibe und dem Klatsch-Mohn besonders leicht zu bestimmende Pflanzenarten ausgewählt: Die Eibe (Taxus baccata) ist der einzige in Deutschland vorkommende Nadelbaum mit roten, beerenartigen Früchten, sodass über die Angabe des Frucht-Typs andere Nadelbaumarten sehr schnell ausgeschlossen werden können. Im Falle des Klatschmohns (Papaver rhoeas) lässt sich aufgrund der relativ großen Blütenblätter und der charakteristischen Kapselfrucht auch hier die Ergebnisliste besonders effektiv eingrenzen.

Bestimmung - Blütenmerkmale Ergebnisliste Steckbrief - Bilder (Klatsch-Mohn)
Abb. 1: Die Pflanzenmerkmale werden als Icons dargestellt.
Abb. 2: Ergebnisliste.
Abb. 3: Steckbrief des Klatsch-Mohns.

In der Praxis müssen im Regelfall wesentlich mehr Pflanzeneigenschaften ausgewählt werden, um zu einem klaren Ergebnis zu kommen. Außerdem ist oft eine sehr genaue Merkmalsbetrachtung der Pflanze erforderlich (Einsatz der Lupe!). Darüber hinaus sind spätestens hier botanische Grundkenntnisse von Nöten. Fachbegriffe wie zum Beispiel Staubblatt, Fruchtblatt und Narbe sollten bekannt sein. Bestehende Wissenslücken können allerdings anhand der begleitenden Begriffserläuterungen, welche iFlora dem User bietet, schnell geschlossen werden.

Um herauszufinden, was die iFlora-App als Bestimmungshilfe für Pflanzen tatsächlich zu leisten vermag, hat die Forstwissenschaftlerin Stefanie Draeger die App im Feldversuch ausführlich unter die Lupe genommen. Zu diesem Zweck hat sie im Juli in der Umgebung von Freiburg im Breisgau mehrere Spaziergänge in Wald und Feld unternommen und versucht, verschiedene Pflanzenarten mit iFlora zu bestimmen. Im Folgenden der Praxisbericht von Stefanie Draeger:

Der Praxistest: Gesamteindruck

Das Bestimmungskonzept von iFlora ist praktisch und definitiv unkomplizierter als die Vorgehensweise konventioneller, botanischer Bestimmungsschlüssel und ist somit auch für nicht botanisch-bewanderte User geeignet. Als besonders hilfreich möchte ich hierbei die Möglichkeit bewerten, den Lebensraum der Pflanze sowie die Höhenlage des Fundortes in den ersten Bestimmungsschritten anzugeben. Auf diese Weise kann auch der Laie sehr einfach zahlreiche biotop-fremde Arten von Beginn an ausschließen. So fallen beispielsweise Wasserpflanzen aus der Ergebnisliste heraus, wenn man eine Wiesenblume bestimmen möchte, was die meisten ausschließlich merkmals-orientierten botanischen Schlüssel so nicht leisten können.

iFlora bietet eine Fülle gut sortierter Pflanzenmerkmale an, aus denen der User – unabhängig von der Reihenfolge – wählen kann, um die vorliegende Pflanze schrittweise möglichst genau zu beschreiben und im Idealfall mittels Ausschlussverfahrens am Ende zum entsprechenden Artsteckbrief zu gelangen (Abb. 1). Die Vielzahl an verfügbaren Merkmalen, welche die App bietet, lässt sich zunächst nicht auf einen Blick überschauen, weshalb gerade Laien eine gewisse Eingewöhnungszeit benötigen werden, um die genaue Bedeutung der jeweiligen Icons zu verstehen und die mitgelieferten Erklärungen der botanischen Fachbegriffe nachzulesen. Für den weitaus größten Teil der zu bestimmenden Pflanzen kommt man nicht ohne ein botanisches Grundverständnis aus. Allerdings können sich botanisch-unerfahrene User dieses notwendige Basiswissen zum Aufbau von Pflanzen relativ zügig durch Nutzung von iFlora selbst aneignen.

Im Umgang mit der App erschien mir persönlich eine Kombination aus dem interaktiven Bestimmungsmodus und den Icons am sinnvollsten. Icons für Pflanzenmerkmale, die aufgrund des bisherigen Bestimmungsweges auszuschließen sind, werden dabei automatisch deaktiviert, was die weitere Bestimmung häufig vereinfacht. Nützlich ist auch der Hinweis neben jedem Icon, wie gut das jeweilige Merkmal sich als Ausschlusskriterium eignet und somit die Bestimmung voranbringt.

Wichtig anzumerken ist noch folgendes: Eine Lupe sollte immer als zusätzliches Hilfsmittel bereitstehen, denn das Zählen von Blütenbestandteilen (z. B. Anzahl der Staubblätter) kann mit bloßem Auge äußerst schwierig werden.

Die von mir für die Artbestimmung benötigte Zeit lag im Schnitt bei ungefähr zehn Minuten pro Pflanze. Dabei musste ich durchschnittlich acht konkrete Pflanzenmerkmale (Icons) angeben, womit sich die Ergebnisliste im Regelfall auf unter 20 mögliche Arten eingrenzen ließ. Eine genauere Bestimmung war häufig nicht möglich, zum Beispiel, weil es sich um eine bestimmte Art aus einer formenreichen Gattung handelte, sodass die vorgeschlagenen Arten in der Ergebnisliste viele Merkmale miteinander teilten. Hier muss der User selbst aktiv werden und die einzelne Artsteckbriefe durchschauen und Vergleiche zu seinem Bestimmungsobjekt ziehen, was relativ zeitaufwendig sein kann. Auch wenn man nicht von einer direkten "Trefferquote" sprechen kann, bleibt festzuhalten, dass iFlora in der Regel die richtige Pflanzengattung trifft und dass die App innerhalb der Top 10 bis Top 20 ihrer Ergebnisse meist tatsächlich die gesuchte Art enthält (Abb. 2). Dem User wird somit selten die gesamte Bestimmungsarbeit abgenommen, aber sie wird ihm deutlich erleichtert.

Meine konkreten Anwendungserfahrungen

Eine Auflistung aller von mir mittels iFlora testweise bestimmten Pflanzenarten ist in einer Tabelle veranschaulicht, die Sie hier als PDF-Datei herunterladen können. Als zusätzliche Information ist dabei für jede Pflanzenbestimmung folgendes angegeben: die Anzahl auszuwählender Einzelmerkmale (Icons), die verbleibende Artenanzahl in der Ergebnisliste, die Platzierung der korrekten Art innerhalb der iFlora-Ergebnisliste, die zur Bestimmung verwendeten Pflanzenteile und meine Bewertung in Worten.

Bestimmung von Gehölzpflanzen

Bei den elf getesteten Gehölzpflanzen konnte der Bestimmungserfolg überwiegend als gut bewertet werden, wobei der Arbeitsaufwand mit durchschnittlich sechs auszuwählenden Icons ebenfalls recht gering war. Enttäuscht hat jedoch die Blattbestimmung der Rotbuche (Fagus sylvatica), weil hier eine Eingrenzung der Ergebnisse unter 40 Arten nicht möglich war. Generell war es schwierig, eine sichere Artbestimmung nur auf Grundlage von Blättern beziehungsweise Nadeln durchzuführen – wobei die Nadelgehölze schneller Ergebnisse hervorbringen. Die Bestimmung nach Früchten oder Blüten war für mich meist nicht hilfreich, da sich diese oftmals außerhalb meiner Reichweite befanden und somit nicht als Bestimmungsmerkmal herangezogen werden konnten. Stattdessen hätte ich mir als Bestimmungshilfe für die Laubgehölze vor allem eine breitere Auswahl an Blattmerkmalen, im Besonderen was die Beschaffenheit des Blattrandes betrifft, gewünscht. Anzuregen wären zum Beispiel Icons für ganzrandige, gezähnte oder gesägte Blätter. Äquivalent wären bei den Nadelgehölzen Icons für die Beschaffenheit der Nadelspitze (z. B. spitz oder rund) sinnvoll. Vermisst habe ich außerdem Bestimmungsmerkmale anhand der Knospenmorphologie und Möglichkeiten zur Bezeichnung der Rindenstruktur.

Bestimmung von Kräutern und Stauden

Berg-Weidenröschen (Epilobium montanum) Echtes Mädesüß (Filipendula ulmaria) Rote Lichtnelke (Silene dioica)
Abb. 4: Beim Praxistest bestimmte die Autorin mit iFlora u.a. das Berg-Weidenröschen (Epilobium montanum), Abb. 5: das Echte Mädesüß (Filipendula ulmaria) und
Abb. 6: die Rote Lichtnelke (Silene dioica). (Fotos: FVA/Weidner)

Die Bestimmungsergebnisse der 19 getesteten Kräuter und Stauden waren insgesamt durchwachsen. Der Bestimmungsweg war mit durchschnittlich neun auszuwählenden Eigenschaften (Icons) etwas länger als bei den Gehölzpflanzen. Allerdings konnten hierbei aufgrund der niedrigeren Wuchshöhen zusätzlich Blütenmerkmale mit einbezogen werden, was die Bestimmung im Wesentlichen vereinfachte. Dennoch konnten auch mittels dieser zusätzlichen Palette an Icons einige Pflanzenarten in meinem Versuch mit iFlora nicht erfolgreich bestimmt werden. Dazu gehörten zum Beispiel das Wald-Vergissmeinnicht (Myosotis sylvatica) und die Wiesen-Schafgarbe (Achillea millefolium). Positiv überrascht hat mich hingegen die relativ schnelle und zielgenaue Bestimmung beim Echten Mädesüß (Filipendula ulmaria, Abb. 5).

Bestimmung von Gräsern und Farnen

Bei der Bestimmung der sechs Gräser hatte ich große Schwierigkeiten bei höchstens mäßigem Erfolg. Man sollte aber an dieser Stelle hinzufügen, dass die Artbestimmung von Gräsern "eine Wissenschaft für sich" ist und selbst Botaniker bisweilen Probleme damit haben. Ein Grund hierfür sind die extrem kleinen Blütenmerkmale, die selbst mit der Lupe nicht einfach zu benennen sind. Daher kann von einer App diesbezüglich gar nicht so viel erwartet werden.

Wald-Frauenfarn (Athyrium filix-femina)
Abb. 7: Der Wald-Frauenfarn (Athyrium filix-femina) wurde mit iFlora sicher bestimmt. (Foto: FVA/Weidner)

Die beiden von mir testweise bestimmten Farnarten, Wald-Frauenfarn (Athyrium filix-femina, Abb. 7) und Karthäuserfarn (Dryopteris carthusiana), wurden von iFlora sicher erkannt. Die Möglichkeiten zur Bestimmung von Farnpflanzen (Sori- und Indusium-Icons) erwiesen sich als sehr hilfreich und gut konzipiert. Ein Laie wird hierbei jedoch zunächst stutzen und sich erst in den morphologischen Aufbau von Farnpflanzen und deren Vermehrung einlesen müssen.

Mein Fazit

Eingefleischte Botaniker oder Botanikerinnen werden sich von dieser App wahrscheinlich kaum beeindrucken lassen und sich zum Beispiel an einzelnen fehlerhaften Artsteckbriefen aufhängen. Für ambitionierte Laien hingegen ist iFlora sehr gut geeignet. Wer sich einmal die Zeit nimmt, den sinnvollen Umgang mit der App zu lernen, wird relativ schnell Bestimmungserfolge erzielen und seine Pflanzenkenntnisse deutlich erweitern können. Einen respektablen Wissenszuwachs im Bereich Pflanzenkunde liefert die App auf jeden Fall mit. Ein kleines Manko zeigt sich aber leider gerade beim Lerneffekt: Es fehlt die Möglichkeit falsch zugeordnete Merkmale (Icons) nachzuvollziehen und zu erfahren, welche Pflanzeneigenschaft stattdessen tatsächlich vorlag.

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