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Artikel

Autor(en): Doris Hölling (WSL)
Redaktion: WSL, Schweiz
Kommentare: Artikel hat 0 Kommentare
Bewertung: Zu Favoriten Druckansicht 60.060.060.060.060.0 (41)

Buchbesprechung: Die Rüsselkäfer Baden-Württembergs

Das umfangreiche Werk gibt einen ausführlichen Überblick über die Familie der Rüsselkäfer. Der Text ermöglicht die Bestimmung der Arten und fasst die bisherigen Kenntnisse zu Lebensweise, Biotopen, Verbreitung und Gefährdung zusammen. Ergänzt werden die Angaben durch zahlreiche ausgezeichnete Fotos zu den Arten und ihren Lebensräumen.

Hylobius abietis
Abb. 1 - Der Grosse Braune Rüsselkäfer ist ein häufiger Forstschädling. Seine Larven leben in den Wurzeln oder im Stammfuss junger Kiefern.
Foto:Beat Wermelinger (WSL)
 
Ackerrandstreifen
Abb. 2 - Ein extensiver Getreideackersaum ist für viel Rüsselkäferarten – insbesondere seltene Arten – lebenswichtig. Sie werden innerhalb der intensiv genutzten Agrarlandschaft allerdings immer seltener.
Foto: Doris Hölling (WSL)
 
Kastanienrüssler
Abb. 3 - Der Esskastanienbohrer ist eine wärmeliebende Art.
Foto: Beat Wermelinger (WSL)
 
Dickmaulrüssler
Abb. 4 - Der montan verbreitete Grosse Schwarze Dickmaulrüssler lebt an Laub- und Nadelhölzern.
Foto: Beat Wermelinger (WSL)
 
roter Haselblattroller
Abb. 5 -Der Haselblattroller ist hierzulande der zweithäufigste Rüsselkäfer mit Warnfärbung.
Foto: Doris Hölling (WSL)
 
Buchenspringrüssler
Abb. 6 - In Buchen-Hallenwäldern Mitteleuropas leben zahlreiche winzige Rüsselkäferarten. Eine von ihnen ist der Buchen-Springrüssler. Typische Spuren des Buchen-Springrüsslers an Rotbuchenblättern.
Foto: Doris Hölling (WSL)

Rüsselkäfer sind durch ihren namensgebenden Rüssel leicht zu identifizieren, obwohl sie ansonsten eine grosse Formenvielfalt aufweisen. Sie haben mit vielfältigen Anpassungen fast alle Lebensräume erobert. Man findet sie im und am Boden, auf Pflanzen oder unter der Rinde. Aber auch auf Totholz oder unter Wasser sind sie anzutreffen. Sie spielen in den Nahrungsketten eine wichtige Rolle. Nur wenige Rüsselkäferarten können durch Massenvermehrung, Vorratsbefall oder Übertragung von Pflanzenkrankheiten schädlich werden, die meisten Arten sind unauffällig.

Ganz im Gegensatz zu ihren nahen Verwandten, den Borkenkäfern, die hier, obwohl sie nach neuester Systematik auch zu den Curculionidae gerechnet werden, nicht behandelt werden. Die Autoren verweisen zum einen auf die etwas schwierige und noch nicht endgültig geklärte systematische Zuordnung, zum anderen darauf, dass über die wirtschaftlich nicht unbedeutenden Borkenkäfer bereits zahlreiche Werke existieren.

Rüsselkäfer als "Zeigerarten"

Viele Rüsselkäferarten sind hochspezialisiert. Einige können nur einzelne Pflanzenarten nutzen, andere stellen ganz spezielle Biotopansprüche. Zudem sind sie oft nicht sehr ausbreitungsfreudig. Daher können viele Arten besonders gut als “Zeigerarten“ für die ökologische Bewertung von Biotopen herangezogen werden. Somit kann die Käferfamilie zukünftig noch an Bedeutung gewinnen. Das ist nur ein guter Grund, sich intensiver mit dieser Käferfamilie zu beschäftigen.

Der Leser kann sich aber auch einfach nur von der Neugier leiten lassen, einen faszinierenden Mikrokosmos mit vielen noch unbekannten Zusammenhängen zu ergründen. Dabei wird er mit überraschenden Beobachtungen, bizarren Formen, leuchtenden Farben oder Käfern im Tarnanzug, die sich auch tot stellen können, wenn’s ihnen zu brenzlig wird, belohnt.

Die beiden Autoren Joachim Rheinheimer und Michael Hassler stellen ich ihrem gewichitgen Werk (2,5 kg) auf 944 reich bebilderten Seiten das komplette Rüsselkäferartenspektrum Baden-Württembergs vor. Ausserdem informiert das Werk auf 156 Seiten ausführlich über den heutigen Stand der Biologie und Ökologie (Geschichte, Morphologie & Anatomie, Sytematik & Nomenklatur, Biodiversität, Verbreitung & Populationsdynamik, Entwicklung & Lebensweise, Wirtspflanzen, Lebensraum, Feinde, wirtschaftliche Bedeutung, Sammlung & Beobachtung sowie Gefährdung & Schutz, Datengrundlagen & Statistik).

Heutiger Kenntnisstand

Im systematischen Hauptteil werden neben kurzen Texten zur Gattung die rund 800 Rüsselkäferaten ausführlich einzeln mit Informationen zu Erkennungsmerkmalen, Lebensweise, wirtschaftlicher Bedeutung, Verbreitung (Europa und spezielle Baden-Württemberg) und Gefährdung behandelt. Jeweils ist noch ein aktueller Bestimmungsschlüssel der Gattungen und Arten hinzugefügt.

Ergänzt werden die Angaben zu den Arten und ihren Lebensräumen oder Futterpflanzen durch zahlreiche tolle Fotos und 82 Fototafeln mit scharfen Bildern jeder Käferart - wo hilfreich noch ergänzt durch Seitenansichten oder Details zur Geschlechtsmorphologie. Die Bilder sind deutlich vergrössert und gut erkennbar, ausserdem versehen mit der tatsächlichen Grössenangabe der Tiere. Für Laien stellen sie sicherlich auch ein hilfreiches Mittel zur Überprüfung ihrer Bestimmungen dar.

Ein umfangreiches Literaturverzeichnis rundet das Werk ab und unterstreicht seinen fachlichen Anspruch.

Das vorliegende Buch ist ein ausgezeichnetes Beispiel für Käfer-Bestimmungsbücher. Die Texte, neuste Bestimmungsschlüssel sind alle wissenschaftlich fundiert, aber dennoch auch für interessierte Laien gut lesbar und durch tolle und aussagekräftige Fotos und Bildtafeln ergänzt. Mit diesem Buch wird der Einstieg in diese doch sehr umfangreiche und schwierige Familie der Rüsselkäfer (ohne Borkenkäfer) Spass machen und bestimmt gelingen.

Für Käferkenner ist es ebenfalls eine grosse Hilfe, alle wichtigen Daten so komprimiert in einem Buch vorliegen zu haben.

Es wäre schön, wenn es derartige Werke zukünftig auch zu anderen Käferfamilien geben würde.

Rheinheimer, Joachim, Hassler, Michael  (2010)

Die Rüsselkäfer Baden-Württembergs

verlag regionalkultur

Preis: 49,80 EUR/61,65 Fr.
Umfang: 944 S.
ISBN:978-3-89735-608-5

Das Buch ist im Buchhandel erhältlich oder kann beim Verlag bestellt werden.

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