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Artikel

Autor(en): Redaktion waldwissen.net - WSL
Redaktion: WSL, Schweiz
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Buchbesprechung: Das Kosmos Wald- und Forstlexikon

Hägewisch, Lattknüppel, Schafeuter, Kleesalz, Brastelfelber, Spranz oder Pipenholz: Wer bei diesen Begriffen nur Bahnhof versteht, dem hilft das Kosmos Wald- und Forstlexikon mit über 16'000 Stichwörtern.

Das Kosmos Wald- und Forstlexikon
 

Braucht es überhaupt noch ein Forstlexikon in Buchform? Heute ist doch das gesammelte Wissen per Computer oder Smartphone auf dem Internet verfügbar – und falls im Wald einmal kein Empfang besteht, helfen zuvor heruntergeladene Offline-Datenbanken. Zudem ist das Lexikon mit mehr als drei Kilogramm eindeutig zu schwer und zu unhandlich, um es täglich bei der Waldarbeit oder auf Naturspaziergängen dabei zu haben.

Dennoch ist das Kosmos Wald- und Forstlexikon auch im digitalen Zeitalter ein unersetzliches Nachschlagewerk. Obwohl die meisten Begriffe irgendwo im Internet zu finden sind, leistet es im Büro oder zu Hause nützliche Dienste. Während Internetquellen mehr oder weniger vertrauenswürdig sind und nicht selten Falschinformationen verbreiten, wird das über 1000-seitige Lexikon vom renommierten Kosmos-Verlag herausgegeben und regelmässig aktualisiert. Einen Teil seiner über 16'000 Stichwörter sucht man darüber hinaus im weltweiten Netz vergeblich. Und wenn man online auf einen speziellen Begriff stösst, so ist dieser meist weniger ausführlich und weniger professionell beschrieben als im vorliegenden Buch.

Historische Begriffe, lokale Tier- und Pflanzennamen

Neben dem heute gebräuchlichen forstlichen Wortschatz enthält das Wald- und Forstlexikon zahlreiche historische Fachbegriffe. Der Einbezug alter und veralteter Wörter, die online kaum zu finden sind, ist sicherlich eine seiner Stärken. Zum Beispiel bezeichnet Lohe die zum Gerben verwendete Baumrinde. Bei der Lohrinde wurden drei Güteklassen unterschieden: Glanz- oder Spiegelrinde war die Bezeichnung für Rinde von Stangen bis 8 cm Durchmesser, Raitelrinde für Stangen mit 8 bis 12 cm Durchmesser und Grob- oder Raihrinde für die ältere, borkige Rinde. In Württemberg galten wiederum andere Definitionen. Am häufigsten wurde Eichenlohe verwendet, gefolgt von Fichtenlohe.

Auch lokale Ausdrücke sind im Lexikon zu finden: klüben ist beispielsweise eine in Süddeutschland weit verbreitete Bezeichnung für das Holzspalten. Braschln sind in Österreich kleine Holzkohlestücke, die bei der Köhlerei anfielen. Kris oder Chries ist die gebräuchliche Schweizer Bezeichnung für dürre Tannenäste. Lattstarren waren in Unterfranken und Bayern angeplätzte (mit der Axt markierte) Stämme von Unterholz (niedrig wachsende Bäume), um die Eckpunkte von Lauben (Brennholzschläge im Mittelwald) zu markieren.

Interessant und wohl für die meisten von uns kaum bekannt sind umgangssprachliche, veraltete oder lokale Tier- und Pflanzennamen: Haben Sie gewusst, dass Waldheinze ein Ausdruck für Wildbiene ist, dass Kundlkraut Thymian bedeutet oder dass die Hainbuche auch als Buschesche, Holster, Jochbaum oder Steinriegelholz bezeichnet wird?

Schöne Fotos, mühsames Blättern

Im ansonsten gleichmässigen Layout stechen grün hinterlegte Spezialartikel hervor. Diese sind hauptsächlich den verschiedenen Baumarten sowie kulturgeschichtlichen Aspekten gewidmet. Dank 1400 Farbfotos und Abbildungen wird das starre Schriftbild eines Lexikons wohltuend aufgelockert; es gibt kaum eine Doppelseite ohne grafisches Element. Am Ende findet der Leser verschiedene Tabellen, unter anderem zu den physikalischen Eigenschaften der Holzarten oder zur Waldfläche in allen Ländern der Erde.

Der grösste Nachteil eines Lexikons in Buchform ist zweifellos das ungeduldige Vor- und Zurückblättern aufgrund der vielen Querverweise – eine im Zeitalter von Google und Wikipedia fast vergessen geglaubte, mühsame Notwendigkeit.

Mehrwert gegenüber Onlinequellen

Das Schmökern im Kosmos Wald- und Forstlexikon, das eine beeindruckende Fülle von Informationen bietet, ist lehrreich und fördert manch überraschende Entdeckung zutage. Fast alle Begriffserklärungen werden auch in einigen Jahren noch aktuell und richtig sein. Das Wald- und Forstlexikon empfielt sich besonders für diejenigen, die Interesse an Forstgeschichte und kulturhistorischen Themen haben. Auch alle übrigen an Wald und Forst Interessierten dürften aus diesem Standardwerk einen Mehrwert im Vergleich zu den verschiedenen Onlinequellen schöpfen.

Stinglwagner, Gerhard; Haseder, Ilse; Erlbeck, Reinhold (2009)

Das Kosmos Wald- und Forstlexikon.

Franckh-Kosmos Verlag, Stuttgart. 4. Auflage.
Umfang: 1022 S.
ISBN: 978-3-440-12160-3

Das Buch ist im Buchhandel erhältlich oder kann beim Verlag bestellt werden.