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Artikel

Autor(en): Doris Hölling (WSL)
Redaktion: WSL, Schweiz
Kommentare: Artikel hat 0 Kommentare
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Buchbesprechung: Die Birke

Das Buch liefert eine umfassende Darstellung der Baumart BIRKE. Es gelingt eine Vernetzung unterschiedlicher Disziplinen wie Botanik, Naturheilkunde bis hin zu Forstwissenschaft, Werkstofflehre, Alternativmedizin sowie Mythologie, Geschichte und Kultur. Der Autor greift dabei auf überliefertes Fachwissen, aktuelle wissenschaftliche Studien und eigene berufliche Erfahrungen zurück.

Birke im Sommer
Abb. 1 - Hängebirke im Frühsommer.

Foto: Doris Hölling (WSL)

 
Reifer Fruchtstand
Abb. 2 - Reifer Fruchtstand.

Foto: Doris Hölling (WSL)

 
Hängebirke
Abb. 3 - Rinde einer Hängebirke (Betula pendula).

Foto: Doris Hölling (WSL)

 
Moorbirke
Abb. 4 - Rinde einer Moorbirke (Betula pubescens).

Foto: Doris Hölling (WSL)

 
Birkenpilz
Abb. 5 - Der Gefleckter Rauhfuss (Leccinum variicolor) bevorzugt sumpfige, bodensaure Standorte und bildet ausschliesslich mit Birken Mykorrhiza aus. Er ist in Europa nur innerhalb des Birkenareals zu finden.

Foto: Tocekas

 
Birkenspannerraupe
Abb. 6 - Birkenspinnerraupe auf einem Ast. Sie ernährt sich von den Blättern.

Foto: Noor MAF, Parnell RS, Grant BS

Der Boden spannt sich von global verbreiteten Birkenarten samt ihren pflanzlichen beziehungsweise tierischen Schädlingen über den Einsatz in Pharmakologie, Homöopathie bis hin zur Wortherkunft, Symbolik und ritueller Verehrung der Birke. Neben der forstwissenschaftlichen Nutzung werden zudem spezielle Verarbeitungs- und Verwendungsmöglichkeiten beschrieben. Eindrucksvolle Bilder begleiten den Leser auf einem gleichermassen informativen wie unterhaltsamen Streifzug.

Das reich bebilderte Buch verschafft in sieben Kapiteln einen Überblick in welchem Zusammenhang die Birke früher als Nutz- und Heilpflanze eingesetzt wurde und wie sich ihre Verwendung bis heute verändert hat.

Pflanzenkunde

Nach einer kurzen Einleitung folgt ein Kapitel über die historische Entwicklung der Pflanzenkunde. Der Autor gibt eine kurze Übersicht zur allgemeinen Entwicklung der Pflanzenkunde im Laufe der Jahrhunderte. Die Ausführungen beginnen mit altägyptischen Überlieferungen etwa 1500 v. Chr., steifen das römische Reich, das Mittelalter und enden in der modernen Medizin.

Dank vieler historischer Persönlichkeiten wie Hippokrates von Kos, Hildegard von Bingen, Paracelsus oder Carl von Linné und Erkenntnissen aus der Pharmakologie sind bis heute neben der Birke über 3000 verschiedene Heilpflanzen und deren Inhaltsstoffe bekannt. Mehr als 500 davon werden allein zur Arzneiherstellung genutzt.

Botanische Bedeutung

Kapitel 3 weist auf die botanische Bedeutung Birke hin. Dabei werden auf über 90 Seiten die Birkenarten aus Europa und Amerika ebenso behandelt wie Arten aus Asien und Ozeanien. Ein Abschnitt widmet sich mehreren Symbiosepflanzen der Birke. Zudem werden speziell diese Baumart betreffende Holzschädlinge aufgeführt und näher beschrieben. Abschliessend befasst sich der Autor mit Kleintieren – meist ohne schädlichen Einfluss, die Birken als Lebensraum nutzen.

Auffallendstes Merkmal der Birke ist hierzulande ihre fast weisse Rindenfarbe. In einigen Gebieten Russlands, der USA und Asiens finden sich aber auch Birkenarten, deren Rinde dunkel gefärbt ist. Je nach Standort, Klimazone, Bodenbeschaffenheit oder anderen Einflüssen bilden sich bei der Birke neue Subspezies, andere Birkenarten sind dagegen vom Aussterben bedroht. Die anspruchslosen Birken werden bis zu 30 m hoch und ca. 80 Jahre alt und stehen mit ihrem flach verzweigten Wurzelnetz einzeln oder in Gruppen und gedeihen sogar auf nährstoffarmen Böden.

Die vier in Deutschland, Österreich und der Schweiz vorkommenden Arten sind: Hänge-, Moor-, Strauch- und Zwerg-Birke. Die häufigste davon ist sicherlich die Hänge-Birke; sie findet man auch in den USA, Kanada, Grönland, Island und Australien und Neuseeland. Weltweit gibt es 60 Arten, vorwiegend in den gemässigten Klimazonen Europas. In den südlichen Gebieten Europas trifft man diese Baumart nicht mehr an.

Birkenarten

Der Autor stellt einige Birkenarten kurz vor und geht neben ihrer Eignung als Rekultivierungspflanze auch auf die Verwendung als Wachstumsvorbereitung für andere Holzarten ein. Ausserdem erfährt der Leser Neues über die Produktion und Mobilität der Pollen. Die Grösse der Blüten sowie die Pollenmenge variieren von Jahr zu Jahr und üben dadurch erheblich Einfluss sowohl auf die Reproduktion der Pflanzen als auch auf die öffentliche Gesundheit – beispielsweise in Form von Allergien – aus. Eine 38 Jahre dauernde Studie aus Basel zeigt, dass infolge des globalen Temperaturanstiegs um etwa 0,6 °C auch die Blütezeit der Birken rund 15 Tage früher einsetzt als noch zu Beginn der Studie. Zudem war eine Steigerung der jährlichen Pollenmenge und eine Zunahme der Pollenkonzentration im Tagesmittelwert festzustellen. Diese Faktoren können bei Allergikern zu einer früher einsetzenden und verstärkten Symptomatik führen.

Symbiose mit anderen Arten

Bei den Symbiosepflanzen bespricht der Autor verschiedene Pilze wie Birkenreizker, Kahler Krempling oder Fliegenpilz, der nur in der Symbiose mit der Birke oder Kiefer gedeiht und in ihrer Nähe oft sog. Hexenringe bildet. Aber auch andere Pilze wie Blattpilze, Roter Pustelpilz oder Birkenporling finden im Buch Erwähnung.

Auch die Mistel, die ihre Verbreitung hauptsächlich durch zwei Vogelarten erfährt, ist oft in Birkenkronen zu erkennen. Bereits in der keltischen Symbolik finden sich Birke und Mistel als Ausdruck von Frucktbarkeit. In der Homöopathie, Anthroposophischen und Chinesischen Medizin spielt die Birkenmistel ebenfalls eine Rolle. In China wird sie dem Nieren- und Kreislaufmeridian zugeordnet. Aber auch andere Pilze wie Blattpilze, Roter Pustelpilz oder Birkenporling finden im Buch Erwähnung.

Leben in und an Birken

Bei den Forstschädlingen geht der Autor ausführlich auf die verschiedenen Käfer ein wie z.B. den Bronzefarbenen Birkenbohrer, den Schwarzen Birkenblattroller oder den Grossen Birkensplintkäfer ein. Diese Borkenkäferart ist ausschliesslich in Rinde von kränkelnden Hänge-Birken anzutreffen. Neuste Studien aus Skandinavien haben gezeigt, dass er auch als Überträger eines Schlauchpilzes fungiert, der grossflächige Schäden anrichten kann.

Bei den Schmetterlingen findet man u.a. Informationen zu Weidenbohrer, Birkenspanner und –spinner, Kleiner Frostspanner oder Birkenminiermotten, die ein auffallendes Frassbild an Blättern erzeugen. Auch einige Wanzenarten sowie die grosse Birkenblattwespe finden sich an Birken.

Vogelarten wie Birkhuhn, Birkenzeisig oder Spechtarten bespricht der Autor ebenso wie Mäuse und Wild. Auch die Wildschäden bleiben nicht unerwähnt. Zahlreiche gute Fotos zu den jeweiligen Organismen runden diesen Buchteil ab.

Heilkunde

Das vierte Kapitel beschäftigt sich ausführlich mit der Bike in der Heilkunde. Der Leser erfährt darin Interessantes über die verschiedenen Bestandteile und Inhaltsstoffe der Birke und ihre Möglichkeiten in der Pharmakologie, Aromatherapie, Immunologie (Allergien), Phytotherapie (u.a. Aufgüsse oder Arzneitees aus Birkenblättern), Homöopathie, Anthroposophische oder Chinesischen Medizin sowie einige Rezepte oder Anwendungsbeispiele. Der Autor streift dabei die historische Bedeutung der Baumart bei der Behandlung von Krankheiten ebenso wie die meisten pharmakologischen und immunbiologischen Forschungsergebnisse zur Heilwirkung ihrer Inhaltsstoffe bis hin zu Anwendungen in der Pflanzenheilkunde.

Betulin – der Birkenkampfer ein Wirkstoff aus der Rinde, wirkt antibakteriell, entzündungshemmend und wundheilungsfördernd. Birkensaft findet neben Blättern in der Naturheilkunde Verwendung. Dazu wird der Stamm aufgebohrt und in die Öffnung werden Röhrchen zum Ableiten des Saftes eingesetzt. Bis zu 5 Litern pro Tag und Baum sind dabei möglich. Dank seines Zuckeranteils hat dieser Saft einen süsslichen Geschmack und ist bis heute Grundlage für Birkenbier und Birkenwein. Aber auch die Kosmetikindustrie bedient sich seiner: Birkensaft findet sich in Mitteln gegen Schuppen oder bei Haarausfall.

Birkenholz

geschlagene Birkenstämme
Abb. 7 - Geschlagene Birkenstämme im Wald.

Foto: Ulrich Wasem (WSL)

 
Birkenholz
Abb. 8 - Birkenholzplatte - fertig zur Weiterverarbeitung.

Foto: Doris Hölling (WSL)

 
Buchcover
Abb. 9 - Buchcover

Kapitel 5 setzt sich auf 44 Seiten mit der Verwendung der Birke als Werkstoff auseinander. Man erfährt, dass Birkenteer wohl als erster Klebstoff der Menschheit gilt, wie das Holz aufgebaut ist, etwas über die Belastungseigenschaften der Birke und zum Quell- und Schwindverhalten des Holzes sowie über seine Brennwerte.

Wuchsauffälligkeiten wie die Chinesenbärte (Astnarben) oder Holzfehler wie Maserwuchs oder Maserknollen werden beschrieben und lassen sich auf den Fotos gut erkennen. Auch eine weitere Wachstumsanomalie, der Baumkrebs, findet Erwähnung. Er wird zumeist durch eine Infektion mit Schlauch- oder Rostpilzen hervorgerufen und zeigt sich im unkontrollierten Zellwachstum, das bis zur Zersetzung führen kann. 

Themen wie Güte- und Preisklassen werden ebenso behandelt wie Lagerung, Verarbeitung und Verwendung. Als Werkstoff wird Birkenholz aufgrund des geringen Gewichtes und der leichten mechanischen Bearbeitbarkeit vielfach bei Drechsel- und Schnitzarbeiten verwendet. Früher kam es bei Räderwerken in Mühlen, als Druckplatten oder für diverse Bottichteile bei Fassbindern zum Einsatz.

Der Werkstoff besitzt eine geringe natürliche Dauerhaftigkeit gegenüber holzzerstörenden Pilzen. Heute wird er daher oft als Ausstattungsholz im Innenbaubereich genutzt: hydrothermisch aufbereitete Hackschnitzel-Faserplatten für den Innenausbau, Birkenholzfuniere, Möbel oder Parkett. Da geöltes Holz wasserabweisend ist, wird es sogar bei der Badaustattung verwendet.

Auch die Papiergewinnung, Bekleidung sowie Schmuck oder andere Gegenstände wie Besen und Vogelhäuschen aus Birkenbestandteilen werden behandelt. Dazu nimmt der Autor den Leser immer wieder mit in die Vergangenheit.

Volkskultur und Mythologie

Danach folgt noch ein Kapitel über diese Baumart in der Volkskultur und Mythologie. Hier wir die kulturelle Vergangenheit der Birke beleuchtet. Dazu gehört u.a. die Wortherkunft, Riten, Bräuche, Erzählungen rund um die Baumart.
Von den Kelten geht es über die Germanen zu den Slawen. Man erfährt, dass der Maibaum als Zeichen des Geistes der Vegetation und des Frühlings aufgefasst wurde oder etwas zu den mittelalterlichen Vorstellungen von Hexen auf Besen aus Birkenreisig. Weshalb die Birke damals auch oft als Hexenbirke bezeichnet wurde. Der Autor kommt hier auch auf die Verwendung bei Shakespare oder in Goethes Faust zu sprechen.

Wie kam es zu diesem Buch?

In Kapitel 7 folgt ein kurzer Rückblick und es werden die Beweggründe des Autors aufgezeigt, das Buch in der vorliegenden Form zusammenszustellen: seine Faszination für diese Baumart, die bereits in der Kindheit begonnen hat und der Wunsch, alle Facetten der Birke in einem Buch zusammenzutragen.

Im Anhang findet sich demzufolge ein umfangreiches Literaturverzeichnis sowie ein alphabetisches Verzeichnis der verwendeten Abkürzungen, der Index und ein Bildnachweis.

Herbert Adrian Ortner: Die Birke - Ihre Bedeutung aus interdisziplinärer Sicht

1. Auflage 2015 | 288 Seiten | 17 x 24 cm, Hardcover
ISBN 978-3-7225-0147-5

CHF 42.00

Bezugsquelle: OTT-Verlag


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