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Artikel

Autor(en): Jörg Hartfiel (KWF)
Redaktion: WSL, Schweiz
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Arbeitsschutzausrüstung gestern und heute

Persönliche Schutzausrüstung wurde schon seit 1960 in Form von einfachen Industrieschutzhelmen in der Waldarbeit eingesetzt. Die Überprüfung der Qualität und der forstlichen Brauchbarkeit ist jedoch – in forstlichen Zeiträumen gemessen – ein noch relativ junges Unterfangen. Ein Blick zurück.

Waldarbeiter
Abb. 1 - Die Persönliche Schutzausrüstung hat sich in den letzten Jahrzehnten dank Brauchbarkeits- und Qualitätsprüfungen stark verbessert.
 
Alle Fotos: KWF

Erste sporadische Tests von Arbeitsschutzausrüstungen für die Waldarbeit gab es etwa Ende der 70er-, Anfang der 80er-Jahre. Seit etwa 1982 testet das Kuratorium für Waldarbeit und Forsttechnik (KWF) Arbeitskleidung und Persönliche Schutzausrüstungen (PSA) in einem regulären Testbetrieb.

Die anfänglich durchgeführte Brauchbarkeitsprüfung betraf im wesentlichen marktverfügbare Schutzhelme, erste Arbeitsanzüge und Sicherheitsschuhe. Mitte der 80er-Jahre wurden solche Ausrüstungen mit dem Prädikat des Gebrauchswert-Zeichens versehen (siehe ganz unten rechts). Alle Gebrauchswert-anerkannten Produkte sind heute an diesem Prüfzeichen zu erkennen. Im Verlaufe der Zeit wurde das Prüfgebiet neben den Arbeitsschutzanzügen, Helmen und Sicherheitsschuhen auch auf die Gebiete Nässeschutzbekleidung, Waldarbeiter- Personalwagen und Funktionsbekleidung für die Forstarbeit erweitert.

Mit Einbeziehung der Suva in der Schweiz als Teststelle konnte der Prüfbetrieb weiter ausgebaut werden. Damit verfügt das KWF mit seinem Arbeitsausschuss "Arbeitsschutzausrüstung" heute über 11 Testaussenstellen. Der Wandel der PSA soll im Folgenden an einigen wenigen Beispielen demonstriert und der heutige Stand der Technik erläutert werden.

Die Kopfschutzkombination

Eine Kopfschutzkombination bestand Ende der 70er-Jahre im Wesentlichen aus einem Industrieschutzhelm. Es gab erste Versuche, das Gesicht mittels eines Visieres zu schützen, das durch Anbohren angebracht war. Die Helmschale selbst wurde seinerzeit nach DIN 4840 geprüft. Nach der Harmonisierung der Normen in Europa zeichnen sich heute verwendete Kopfschutzkombinationen durch eine nach EN 397 geprüfte Helmschale aus, die zusätzlich mit einem nach EN 352 Teil 3 geprüften Gehörschutz und einem nach EN 1731 geprüften Visier versehen ist.

   
Kopfschutzkombination früher und heute  
Abb. 2 - Kopfschutzkombination aus den 70er-Jahren (links) und moderne Kopfschutzkombination (rechts)
 
   

Das Sicherheitsschuhwerk

Der Sicherheitsschuh Ende der 70er-Jahre war im Wesentlichen ein Schuh, der sich durch eine "Stahlkappe" auszeichnete. Er war damals nach DIN 4843 geprüft und manche Modelle hatten, wie man dem Foto entnehmen kann, bereits den Ansatz eines Schnittschutzes gegen Kettensägenschnitte.

Neuere Modelle von Gebrauchswert-anerkannten Sicherheitsschuhen für die Waldarbeit sind nach EN 345, Grundtyp S 2 sowie EN 345 Teil 2 (Schnittschutz) geprüft. Sie weisen neben dem geprüften Schnittschutz vielfach eine Nässeschutzmembran zum Beispiel GoreTex, Sympatex und ähnliche) und die bequeme Trekkingform auf. Diese Art der Schuhe ersetzt in der Praxis aufgrund des Nässeschutzes häufig den Gummistiefel.

   
Sicherheitsschuhe früher und heute  
Abb. 3 - Sicherheitsschuh aus den 70er-Jahren (links). Moderne Sicherheitsschuhe (rechts) haben einen Nässeschutz und ersetzen so teilweise die Gummistiefel.  
   

Die Arbeitskleidung

Betrachtet man die Arbeitskleidung der 70er-Jahre, so fällt auf, dass der so genannte "Blaumann" das äussere Erscheinungsbild des Waldarbeiters prägte. Wenngleich eine Pellerine aus Leder doch sehr fortschrittlich anmutet, lässt die gesamte restliche Ausrüstung vom Helmzubehör bis zu den Stiefeln doch sehr viel zu wünschen übrig. Notwendige Signalfarbflächen, mit Ausnahme der gelben Helmschale, fehlten komplett. Einen Schnittschutz, der vor allem Beine und Unterbauch vor Schnitten und anderen Verletzungen schützt, gab es zu dieser Zeit noch nicht.

Gerade die zunehmende Holzerntearbeit in hoher Naturverjüngung macht in der modernen Forstwirtschaft eine extrem gute Sichtbarkeit der Beschäftigten erforderlich. Deshalb sind moderne Jacken an grossen und überaus auffälligen Signalfarbflächen sehr gut zu erkennen. Sie besitzen weiter eine ausreichende Anzahl gut platzierter, funktioneller Taschen (zum Beispiel eine Tasche für das Erste-Hilfe- Material). Bei einem Gewicht von 400 bis 600 g sind sie wesentlich leichter als die Jacken von früher.

 
Arbeitsbekleidung früher und heute

Abb. 4 - Arbeitskleidungen des Waldarbeiters um 1950 (links, mitte) und moderne Schutzausrüstung (rechts)
 

Schnittschutzhosen

Erste Schnittschutzeinlagen werden in Europa seit zirka 1983 bis 1986 offiziell geprüft, und heute muss eine Schnittschutzhose den Anforderungen der DIN EN 381 Teil 2 entsprechen. Diese gibt die Anforderungen an die Hosentypen A, B und C vor.

  1. Hosentyp A: Die Abbildung zeigt den Hosentyp A einer Schnittschutzhose. Dieser Typ mit der üblichen Schutzabdeckung ist für den Profi in den mitteleuropäischen und vor allem deutschsprachigen Ländern gebräuchlich.
  2. Hosentyp B ist ein mehr speziell für Finnland und England gefertigter Typ, der gegenüber dem Typ A am linken Bein innen eine um 5 cm verbreiterte Schutzfläche besitzt.
  3. Der Hosentyp C ist nur für Personen gedacht, die wenig Erfahrung mit dem Umgang mit der Motorsäge besitzen (zum Beispiel Auszubildende, Feuerwehren, Technische Hilfswerke, Bundeswehr). Es ist ein Schutztyp mit einem "Rundumschutz", also auch mit Schnittschutz im hinteren Beinbereich.
Schnittschutzhosen
Abb. 5 - Schnittschutzhosentyp A


Beinlinge können bei der Waldarbeit ebenfalls, zum Beispiel besonders im Sommer, verwendet werden. Sie müssen in der Schutzabdeckung gemäss der Norm den oben beschriebenen Hosentypen entsprechen. Beinlinge mit Rundumschutz sind anderen Typen vorzuziehen.

Schnittschutzhosen werden zurzeit nach 3 Schutzklassen geprüft:

  • Klasse 1 entspricht einer Kettengeschwindigkeit von 20 m/s.
  • Klasse 2 entspricht einer Kettengeschwindigkeit von 24 m/s.
  • Klasse 3 entspricht einer Kettengeschwindigkeit von 28 m/s.

Aufgrund der Dicke der Materialien und der Nachteile im Tragekomfort und Ergonomie bei Schutzklasse 2 und 3 wird von den Versicherungsträgern derzeit die Klasse 1 als Sicherheitsstandard anerkannt. Schnittschutzhosen bieten keinen 100-prozentigen Schutz. Reparaturen dürfen nur am Oberstoff ausgeführt werden. Bei Verletzung von mehr als der oberen Stoffschicht muss die Hose ausgesondert werden. Schnittschutzlagen dürfen nie an- oder durchgenäht werden.

Weitere Anforderungen an eine Waldarbeiterschutzhose, basierend auf den Erfahrungen des zentralen Gebrauchstestes, sind:

  • Ein relativ geringes Gewicht der Hose, das heisst nicht mehr als 1500 g insgesamt.
  • Ein Zwickel aus dehnbarem Material im Schrittbereich.
  • Die Zugänglichkeit für die Reparatur des Oberstoffes (zum Beispiel am Saum mit Klettverschluss zugänglich).
  • Die Hosenträger in Signalfarbe.
  • Die ausreichende und gut platzierte
    Anzahl an Taschen, inklusive Meterstabtasche oder Erste-Hilfe-Tasche.
  • Die möglichst dreifachen und verriegelten Nähte.

Die Personalwagen

moderner Personalwagen
Abb. 6 - Moderner Personalwagen
 
Alle Fotos: KWF

Seit etwa 1995 werden auch Personalwagen einer Gebrauchswertprüfung unterzogen. Damit wurde eine Entwicklung angestossen, die vom reinen Wetterschutzwagen, wie er in der Praxis noch wohl bekannt ist, zum modernen Personalwagen verlaufen ist. Hintergrund und Ziel ist vor allem der Gesundheitsschutz und die Durchbeschäftigung der Mitarbeiter bis zum Rentenalter.

Moderne Personalwagen zeichnen sich unter anderem durch Gasheizung, Kraftstoffbetankungsanlage, Trockenschrank, Kocher und Solaranlage für den Strom von Lampen und Geräten sowie entsprechende Isolierung der Wände und des Bodens aus. Nur Wagen, die diesen besonders hohen Ansprüchen genügen, werden mit dem Prädikat des "Gebrauchswert-Zeichens" versehen.

Fazit

Es zeigt sich deutlich, dass die Prüfung der forstlichen Brauchbarkeit zu einer beachtlichen Weiterentwicklung der Schutzausrüstung geführt hat. Diese positive Weiterentwicklung dient nicht nur dem Hersteller, sondern in besonderem Masse auch der Zielgruppe der Verwender, in der Regel Vollprofis, die unter Einsatz geprüfter Ausrüstungen im harten Betrieb ihr Geld verdienen. Alles was bei den Prüfungen den hohen Anforderungen des Praxisbetriebes nicht genügt, wird zwangsläufig ausgesondert.

EG Baumusterprüfungen, die letztlich die Grundvoraussetzung des Handels mit der PSA im europäischen Raum darstellen, sind in der Regel reine Sicherheitsprüfungen und stellen keine Überprüfung der Gebrauchstauglichkeit von Produkten dar. Vor allem Aussagen zur Haltbarkeit, zur Strapazierfähigkeit und zu den Trageeigenschaften wären letztendlich ohne Feldversuche nicht möglich. Brauchbarkeits- und Qualitätsprüfungen haben somit heute mehr denn je ihre Berechtigung.

Dieser Beitrag entstand in Zusammenarbeit mit der Zeitschrift Wald und Holz. Wald und Holz

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Kontakt

  • Jörg Hartfiel
    Leiter des Fachbereichs "Mensch und Arbeit"
    Kuratorium für Waldarbeit und Forsttechnik (KWF)
    Spremberger Straße 1
    D-64823 Groß-Umstadt
    Tel. +49 (0)6078 785 41

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