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Autor(en): Werner Klöck
Redaktion: LWF, Deutschland
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Konrad Rubner – Bayerischer Waldbaureferent von 1948-1952

Heinrich Rubner um 1928
Abb.1: Heinrich Rubner um 1928 (Quelle: Familienarchiv)

Am 20.10.1974 verstarb Professor Konrad Rubner. Er wurde 88 Jahre alt.

Seit dem Jahr 1928 Inhaber des Lehrstuhlesfür Waldbau und Forstbenutzung an der Forstlichen Hochschule in Tharandt, kehrte er nach dem zweiten Weltkrieg im Jahr 1945 in seine bayerische Heimat zurück. Er übernahm zunächst das Forstamt Mindelheim, dann das Personalreferat am damaligen Regierungsforstamt Schwaben in Augsburg und ab 1947 die Leitung des Regierungsforstamtes Schwaben. Von 1948 bis 1952 war er Referent für Waldbau und Forsteinrichtung am Bayerischen Staatsministerium für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten in München.

1931 hatte er die Arbeitsgemeinschaft für forstliche Vegetationskunde gegründet. Rubner war der erste, der auf die große, praktische Bedeutung dieses Wissensgebietes für die richtige Baumartenwahl hingewiesen hat. Er war auch der erste, der die Erkundung und Kartierung der natürlichen Waldgesellschaften zur Schaffung eines naturnahen Wirtschaftswaldes in seiner Forsteinrichtungs-Anweisung vom Jahr 1949 (Zweitausgabe 1951) für eine große Staatsforstverwaltung verbindlich vorschrieb und in die Praxis umsetzte. "Hohes Niveau hatten die von ihm veranstalteten standortskundlichen Tagungen, z. B. 1950 in Unterfranken und 1951 in Mittelfranken. Alljährlich kamen die Waldbau- und Forsteinrichtungsreferenten der bayerischen Oberforstdirektionen zusammen und diskutierten mit Bodenkundlern und Pflanzensoziologen die waldbauliche Interpretation typischer Standorte". So würdigte ihn sein Mitarbeiter am Ministerium, Prof. Schmidt-Vogt, zum 100. Geburtstag in "Information der Bayerischen Staatsforstverwaltung 1/1986".

Als Folge seines Wirkens konnte man in Bayern in den 1950er Jahren noch unter seinem Nachfolger Elsner eine Phase naturnahen Waldbaues verzeichnen, die sich an hohen Laubholzanteilen in den Verjüngungszielen der Forsteinrichtung und an den Pflanzenzahlen der Neukulturen in der Bayerischen Staatsforstverwaltung ablesen lässt (Abb. 2).

Kulturtätigkeit im bayerischen Staatswald
Abb. 2: Kulturtätigkeit im bayerischen Staatswald nach Dr. G. Sperber.

In der seither als Ergänzung zur ForsteinrichtungsAnweisung im Jahr 1949 herausgegebenen Schrift "Die Waldgesellschaften in Bayern" hatte Rubner als Ziel die Vielfalt des naturnahen Wirtschaftswaldes vor Augen, den Kampf gegen die Vernadelung und die erhebliche Verminderung des Wildstandes. In dem, gemeinsam mit Reinhold im Jahr 1953 herausgegebenen Buch "Das natürliche Waldbild Europas" schreibt er in der Einleitung: "Die Entwicklung der letzten 200 Jahre hat uns gezeigt, dass wir auf der Grundlage der natürlichen Waldgesellschaft aufbauen müssen, wenn wir die schweren Erschütterungen, die die Waldwirtschaft mancher Länder in den letzten 100 Jahren erfahren hat, künftig von ihr fernhalten wollen".

Auf der Tagung 1950 in Unterfranken hat er an Karl Gayer und die schweizerische Waldbaulehre angeknüpft und hatte Unterfranken als Tagungsort ausgewählt, "weil sich dort zahlreiche Bestände erhalten haben, die den natürlichen Waldgesellschaften vergleichsweise nahe stehen" (AFZ 1950).

So kann man Rubner in eine Reihe mit Karl Gayer und Rebel stellen. Nach Köstler war "bei Karl Gayer ein Verstehen der Wälder als Lebensgemeinschaften nur unklar vorhanden und auch Rebel nahm gegenüber einer Waldtypenbildung eine ablehnende Haltung ein. Wälder als Lebensgemeinschaften wurden erst durch pflanzengeographische und pflanzensoziologische Forschungen verständlich gemacht" (AFZ 1950). Und hier hat Konrad Rubner einen entscheidenden Beitrag geleistet.

Literatur

In "Forst und Holz 1995" findet sich eine ausführliche Würdigung von Rubners Wirken, verfasst von seinem ehemaligen Mitarbeiter Prof. Schmidt-Vogt.