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Dirk Schmechel

LWF

Bayerische Landesanstalt
für Wald und Forstwirtschaft

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Artikel

Autor(en): Redaktion LWF
Redaktion: LWF, Deutschland
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Der Wald als Kulturspeicher

Ohne es zu wissen sind viele Waldbesitzer oft Gelände- und Kulturarchivare. Im Wald bleibt der Boden häufig über Jahrhunderte unberührt, weshalb dort Dinge überdauern, die durch andere Landbewirtschaftungsformen und Bautätigkeit längst zerstört sind. Nun droht aber auch im Wald immer öfter Gefahr für unsere Bodendenkmäler.

Grabhügel
Abbildung 1: Grabhügel aus der Frühlatènezeit (5. Jh. v. Chr.)

Das Zentrum Wald-Forst-Holz Weihenstephan brachte in Zusammenarbeit mit dem Bayerischen Landesamt für Denkmalpflege eine Broschüre mit dem Titel "In Boden und Stein – Denkmäler im Wald" heraus. Darin werden historische Orte aus allen Jahrhunderten, von Grabhügeln aus der Frühgeschichte und Glashütten aus der Barockzeit bis zu ganz modernen Relikten wie Kampfspuren aus dem Zweiten Weltkrieg oder aufgelassene Eisenbahndämme, vorgestellt. Die Broschüre beschreibt aber auch die Störungen und Gefährdungen, denen unsere Bodendenkmäler ausgeliefert sind und gibt Hinweise zu ihrem wirkungsvollen Schutz und sensiblem Umgang.

LWF aktuell: Herr Dr. Hamberger, Sie sind nicht nur einer der drei Autoren dieser Broschüre, Sie hatten auch die Idee zu diesem Heft. Warum haben Sie diese Broschüre gemacht?

J. Hamberger: Ich bin seit meinem Forststudium fasziniert vom Wald und seiner kaum bekannten Funktion als Kulturspeicher. Der Wald ist mehr als nur Bäume. Alle Zeiten haben ihre Spuren darin hinterlassen. Darauf wollten wir aufmerksam machen.

LWF aktuell: Diese bunte Broschüre steht im Gegensatz zu den sonst eher fachlichen Publikationen.

J. Hamberger: Das Heft soll vor allem durch die Bilder ansprechen. Ich sammle seit vielen Jahren Fotos von historischen Orten im Wald, die ich den Studenten in der Vorlesung über Forstgeschichte zeige. Nach der ersten Konzeption zu dieser Broschüre habe ich zwei Archäologen aus dem Landesamt für Denkmalpflege angesprochen. Zu Dritt haben wir dann diese Broschüre verfasst. Viele Bilder stammen aus dem Archiv des Landesamtes, aber auch einige Förster haben mir Bilder geschickt, wofür ich sehr dankbar bin.

LWF aktuell: Warum gibt es solche Spuren vor allem noch im Wald?

J. Hamberger: In der freien Landschaft sind die alten Denkmale meist durch Überbauen, Pflügen usw. fast verschwunden. Aber im Wald haben sie sich in einmaliger Fülle erhalten. Dreitausend Jahre alte Grabhügel, der Limes aus der Römerzeit und Burgen des Mittelalters hat der Wald über viele Baumgenerationen hinweg gut und dauerhaft konserviert.

LWF aktuell: Dennoch schreiben Sie, dass vor allem Bodendenkmäler gefährdet sind. Warum? Und was sind das für Gefahren?

J. Hamberger: Ich habe als Forstmann im Nürnberger Reichswald, im Steigerwald und im Spessart gearbeitet. Da habe ich gesehen, welche Schäden unsachgemäße Holzernte mit großen Maschinen an Böden und den verbleibenden Bäumen verursachen kann. Wenn eine schwere Forstmaschine über einen Grabhügel fährt oder über den Wall einer Schanzanlage, dann können tiefe Spurrillen entstehen, vor allem wenn der Boden weich und feucht ist. Immer wieder werden auch Gräben von Befestigungsanlagen oder alte Hohlwege verfüllt. Da findet man Bauschutt, Gartenabfälle und manchmal auch Hausmüll. Dann gibt es noch Menschen, die trotz des Verbotes nach Bodendenkmälern und ihren archäologische Schätze suchen.

LWF aktuell: Sind solche Grabräuber im Wald ein besonderes Problem?

J. Hamberger: Ja! Und es werden leider immer mehr. Denn die Bäume schützen nicht nur die Denkmale durch ihren Bewuchs, sondern auch die Grabräuber vor den Blicken der Öffentlichkeit.

Titelbild Broschüre
LWF spezial: "In Boden und Stein"

Die Broschüre können Sie im Online-Bestellservice der Bayerischen Landesanstalt für Wald und Forstwirtschaft (LWF) kostenlos bestellen oder als PDF-Datei (3,6 MB) herunterladen.

LWF aktuell: Und welcher Schaden entsteht durch verbotene und unkontrollierte Grabungen?

J. Hamberger: Raubgräber suchen mit Metallsonden und Grabwerkzeugen. Sie entwenden nicht nur Gegenstände, sondern zerstören auch Spuren und Fundzusammenhänge, die zur historischen Einordnung unbedingt notwendig sind. Dadurch wird nicht nur der Grundeigentümer bestohlen, sondern auch die Allgemeinheit in der Region wird ihrer Geschichte beraubt. Gerade deshalb ist es wichtig, dass Jäger, Förster, Grundbesitzer und Spaziergänger die Schätze ihrer Heimat kennen sowie verdächtige Personen und Aktivitäten an diesen Orten bei der Polizei melden.

LWF aktuell: Was soll diese Broschüre vermitteln?

J. Hamberger: Sie soll den Lesern vor allem Lust auf den Wald machen, auf den Wald als Speicher von Kulturgut. Es kann sehr spannend sein, Keltenschanzen und alte Turmhügel zu besuchen und auf den Wällen entlang zu laufen. Gerade Kindern gefällt das besonders gut, weil es Geschichte anschaulich und erlebbar macht.

LWF aktuell: Der größte Teil der Wälder Bayerns ist in Privatbesitz. Wen soll die Botschaft erreichen?

J. Hamberger: Über die Hälfte des Waldes in Bayern gehört 700.000 Waldbesitzern. Die meisten wissen gar nicht, dass sich Kulturgüter auf ihren Waldflächen verbergen können. Das Heft soll diesen Waldbesitzern einen Aha-Effekt vermitteln. Sie sollen aufmerksam werden auf das, was sie im Wald haben. Das schützt die Denkmale am besten.

LWF aktuell: Wie stehen Waldbesitzer zu Denkmälern in ihrem Wald?

J. Hamberger: Diejenigen, die wissen, dass sie zum Beispiel eine Keltenschanze oder einen Grabhügel in ihrem Wald haben, sind mächtig stolz und achten darauf, sie zu erhalten und wirtschaften schonend in der Nähe dieser Denkmale. Leider wissen aber viele nicht, dass sich ein solches Denkmal in ihrem Besitz befindet, da kann es dann leicht zu Beschädigungen durch Befahrung kommen.

LWF aktuell: Sie bezeichnen Forstleute und Waldbesitzer als "Geländearchivare". Was meinen Sie damit?

J. Hamberger: Waldbesitzer und Forstleute ernten Holz und pflegen damit den Wald. An Stellen, an denen sich Bodendenkmale befinden, muss das aber besonders schonend geschehen. Waldbesitzer sind bodenständige Menschen, sie wollen erhalten. Keiner zerstört absichtlich Denkmäler. Wenn das Wissen um diese Orte da ist, dann schonen sie sie auch und sorgen so für den Erhalt dieser Denkmale. Das ist eine Art "kulturelle Nachhaltigkeit".

LWF aktuell: Wissen das die Forstleute nicht aus ihrer Ausbildung und ihrer Erfahrung?

J. Hamberger: Auch Forstleute müssen ein Bewusstsein für diese Schätze entwickeln. In ihrer Ausbildung lernen Förster viel über den Boden, aber noch wenig über Bodendenkmale. Interesse und Bewusstsein kann aber nur wachsen, wenn Grundkenntnisse vorhanden sind. Die will die Broschüre vermitteln.

LWF aktuell: Sie bieten zusammen mit den Denkmalpflegern einen Lehrgang für Forstleute an. Was wollen Sie dabei vermitteln?

J. Hamberger: Zum einen soll der Blick geschult werden, wie solche Denkmale aussehen, zum anderen wollen wir die Förster motivieren, Waldbesitzer auf ihre Schätze aufmerksam zu machen, und wir wollen ihnen zeigen, wie man an Bodendenkmälern schonend Holz ernten kann.

LWF aktuell: Wie finde ich Denkmale im Wald?

J. Hamberger: Auf praktisch jeder Wanderkarte können sie welche finden. In den Kartenlegenden sind die Symbole angegeben. Zudem gibt es im Internet den "BayernViewer-denkmal", in dem alle Denkmale verzeichnet und textlich erläutert sind. Da kann man sich dann selbst eine interessante Wanderroute zusammenstellen.

LWF aktuell: Herr Hamberger, vielen Dank für das Gespräch und viel Erfolg für Ihr Bemühen um den Schutz unserer Bodendenkmäler.

Dr. Joachim Hamberger war Geschäftsführer des Zentrums Wald-Forst-Holz Weihenstephan. Zusätzlich lehrte Dr. Hamberger Forstgeschichte an der TU München und der Fachhochschule Weihenstephan.

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