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Artikel

Autor(en): Joachim Hamberger
Redaktion: LWF, Deutschland
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Schwarzwild in Kunst, Kultur und Geschichte

Herkules und der erymanthische Eber
Abb. 1: Herkules und der erymanthische Eber (Quelle:www.latigrec.ch).

Schwarzwild ist die urigste unter den einheimischen jagdbaren Wildarten und spielt auch in der Jagd- und Kulturgeschichte Europas eine besondere Rolle. Die Griechen und Römer haben die gefährliche Jagd auf das wilde Schwein in ihren Mythen verarbeitet. Im Mittelalter übte der Adel Kampfkraft und Geschicklichkeit auf der Saujagd. Im Barock wurden die antiken Sagen auf riesigen Gemälden eingefangen und zu Prinzregents Zeiten wurde die Saujagd im Spessart zu einer der liebsten Beschäftigungen des bayerischen Staatslenkers.

Mythen der Griechen und Römer

Schon bei Homer wird von einem Schwein berichtet, das Artemis, die Jagdgöttin, aus Rache den Menschen gesandt hat und das die Felder und die Weingärten der Stadt Kalydon verwüstete. Deshalb macht sich eine Jagdgesellschaft von 40 Helden auf den Weg, um den Keiler aufzuspüren. Sogar eine Frau befindet sich darunter. Später wird Ovid in seinen Metamorphosen die Namen der berühmten Helden alle einzeln aufzählen, die an dieser Jagd teilgenommen haben.

Die Helden spüren das Borstenvieh, das die Größe eines Ochsen hat, in einem Wald auf und hetzen ihm die Hunde auf den Leib. Sie werden aber abgeschüttelt, worauf die Jäger mit ihren Waffen eingreifen. Aber sie können das Schwein nicht treffen und so geht der Keiler nun seinerseits die Helden an. Einige wirft er zu Boden und verletzt sie, andere scheucht er auf Bäume, und einem schlitzt er sogar den Bauch mit seinen Hauern auf. In diesem wirren Chaos tötet ein Held auch noch versehentlich einen anderen, bis schließlich Atalante, die einzige Frau in dieser Jagdgesellschaft, einen Pfeil auf den Keiler setzen kann, so dass der Held Meleager die weidwunde Sau mit einem Spieß abstechen kann.

Natürlich gönnen die Männer der Frau nicht den Jagderfolg, woraus weitere Verwicklungen entstehen. Die Schwarte und die Waffen des Keilers werden als Trophäe genommen und in einem Tempel ausgestellt. Jahrhunderte später wird Augustus diese Zeichen nach Rom mitnehmen.

Noch viel bekannter ist die Jagd auf den erymanthischen Eber. Eber leitet sich übrigens von lateinisch "aper" ab und ist älter als die Bezeichnung Keiler, die erst seit etwa 300 Jahren verwendet wird. Es ist eine der zwölf unlösbaren Aufgaben, die Herakles gestellt bekommt und die er dennoch zu lösen versteht. Wieder geht es um ein wildes Schwein, das die Landschaft Arkadiens verwüstet. Herakles soll es fangen und lebendig nach Mykene bringen. Mit Geschrei treibt er das wilde Tier aus dem Dickicht des Waldes heraus und hetzt es, bis es im tiefen Schnee ermüdet. Er bindet das Wild mit Fesseln und trägt seine lebende Beute auf den Schultern zu König Eurystheus, der sich beim Anblick von Jäger und Beute erschreckt und sich sicherheitshalber in ein eisernes Fass zurückzieht.

Mit diesen beiden antiken Jagdschilderungen sind schon die wesentlichen Elemente und Techniken genannt, die die Wildschweinjagd ausmachen und die man auch in der mittelalterlichen und barocken Jagdliteratur finden kann: das Wild wird vorzugsweise mit Hunden gehetzt, bis es ermüdet; dann stellen die Hunde das Wild und der Jäger muss es aus gefährlicher Nähe töten. Die Jagd auf das Schwein, zumal das weidwunde, war zu allen Zeiten gefährlich und ist es noch heute.

Saujagd im Mittelalter

Wildschweinjagd nach Rubens
Abb. 2: Rubens, Wildschwein-Jagd der Atalante und des Meleager (Quelle: Sammlungen des Fürsten von Liechtenstein, Schloss Vaduz).

Die karolingischen Könige haben sich in ihren Wildbann-Urkunden die Jagd auf Bär, Hirsch, Reh und Wildschwein vorbehalten und damit definiert, was zum Hochwild gehört (heute wird das Reh zum Niederwild gerechnet). Jagd im allgemeinen und speziell die gefährliche Saujagd war eine beliebte Beschäftigung des Adels im Mittelalter. Sie war eine ausgezeichnete Übung für den Krieg. Denn der Jäger trat dem gefährlichen und unberechenbaren Feind persönlich gegenüber und musste versuchen, mit dem Spieß (der Saufeder) ins Leben des wilden Tieres zu treffen. Auf der Jagd wurden die adeligen Söhne zu Rittern herangebildet, hier konnten sie Kraft, Ausdauer und Geschicklichkeit erproben und ihren Mut vor einer edlen Jagdgesellschaft zeigen.

Im berühmten Stundenbuch des Herzogs von Berry ist eine solche Jagdszene mit Hunden, die ein Schwein hetzen und stellen, abgebildet (Abb. 3). Früh wurden die Adelssprösslinge in die Jagd eingeführt. Der dreizehnjährige Herzog Ulrich von Württemberg erlegte 1507 seine erste Wildsau, was Auftakt zu einer lebenslangen Jagdleidenschaft war. Diese erste herzogliche Sau wurde in Holz nachgebildet, mit dem Fell der Beute überzogen und mit einem Bewegungsmechanismus versehen. Sie kann noch heute im Schloss Urach besichtigt werden.

Jagdszenen in der barocken Kunst

Die Abbildungen und Darstellungen von Jagdszenen kamen in der Renaissance und im Barock an den Höfen mehr und mehr in Mode. Vor allem im Barock wurden zahlreiche großformatige Jagdgemälde angefertigt, die sich mit antiken Jagdszenen beschäftigen. Peter Paul Rubens beispielsweise malte die eingangs beschriebene Wildschwein-Jagd der Atalante und des Meleager in verschiedenen Versionen. Herkulesdarstellungen waren ebenfalls gern verwendete Motive, weshalb sich auch im Herkulessaal der Münchener Residenz unter den zwölf Aufgaben des Giganten ein Bild mit der Jagd auf den erymanthischen Eber befindet.

Auch in Stein wurden die Arbeiten des Herkules dargestellt und in fürstlichen Gärten aufgestellt.

Im Tiergarten in Berlin findet sich eine Bronzeplastik, die Herkules mit dem Eber zeigt und die der Künstler Louis Tuaillon 1904 geschaffen hat.

Das Bronze-Wildschwein, das vor dem deutschen Jagdmuseum in der Münchener Innenstadt steht, hat ebenfalls historische Vorbilder. Es ist die Nachbildung einer Bronze-Plastik, die in der Renaissance vom florentinischen Meister Pietro Tacca (1577 - 1640) geschaffen wurde und die dem antiken Marmorbild eines weidwunden Keilers nachempfunden ist.

Darstellungen in der Literatur

Saujagd um 1415
Abb. 3: Saujagd um 1415, Ausschnitt aus Darstellung im "Stundenbuch des Duc de Berry", aufbewahrt in der Nationalbibliothek, Paris.

Auch in der Literatur finden sich Belege zur Wildschweinjagd. Im Gedicht "Harzreise im Winter" beschreibt Goethe auf treffende Art eine noble Jagdgesellschaft, die sich aufmacht um Sauen zu jagen, die Felder der Bauern verwüstet hatten. Die Bauern durften selbst nicht jagen, ihnen war nur erlaubt, das Wild mit Knütteln von ihren Feldern fern zu halten. Der Adel hatte das alleinige Recht dem Wild nachzustellen und es zu töten.

Wildschweinjagden im Spessart

Im 19. und zu Beginn des 20. Jahrhunderts führte der Prinzregent seine legendären Wildschwein-Jagden im Spessart durch, die von den umliegenden Forstämtern mit großem Aufwand organisiert wurden. Dabei nahm er seinen Wohnsitz im Jagdschloss in Rohrbrunn, das später lange Zeit Forstamt war.

Eroberung der Kinderzimmer

Nicht nur in der Jagdliteratur, auch in der Kinderliteratur kommen Wildschweine als borstige Sympathieträger gehäuft vor. "Felix das Wildschwein", "Wildschwein Veronika" oder auch "Hilfe ein Wildschwein" sind Titel, die Kinder ansprechen und ihnen die Themen Wald und Natur über das Medium Wildschwein nahe bringen sollen. Die bekanntesten und sympathischsten Wildschweine der Literatur aber dürften wohl die sein, die Asterix und Obelix jagen und anschließend bei den Festbanketten der Gallier verschmausen.