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Artikel

Autor(en): Manfred Rösch, Helmut Volk, Günther Wieland
Redaktion: FVA, Deutschland
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Frühe Waldnutzung und das Alter des Naturwaldes im Schwarzwald

Die nacheiszeitliche Waldgeschichte des Schwarzwaldes kann durch neue Pollenanalysen und archäologische Befunde besser als bisher verstanden werden. Bislang wird das Ende des Naturwaldes im Schwarzwald auf die Zeit um 800 n. Chr. gelegt. Der Zeitpunkt des Endes des Naturwaldes und des Beginns einer ganz wesentlich vom Menschen geprägten Kulturlandschaft muss gegenüber der vorherrschenden Ansicht um mindestens 1500 Jahre zurück verlegt werden.

In der modernen Forstwirtschaft ist ein standortsgerechter und möglichst naturnaher Wald ein wichtiges Betriebsziel. Als Maßstab für Naturnähe gilt die so genannte potentielle natürliche Vegetation, die als theoretisches Konstrukt leider nur indirekt erschließbar ist. Ein wichtiger Weg zu ihr führt mit Hilfe der Pollenanalyse in die Vergangenheit, als die Wälder vom Menschen noch unbeeinflusst waren, aber sonst unter ähnlichen ökologischen Rahmenbedingungen wie heute standen.

Karte Untersuchungsgebiet
Abb. 1: Untersuchungsgebiet im Nordschwarzwald

Bisher ging man davon aus, dass die Bewaldung während der Zone IX nach Firbas, was der vorrömischen Eisenzeit, der Römerzeit und dem Frühmittelalter entspricht (800 v. Chr. bis 800 n. Chr.), einen Naturzustand wiedergebe. Dieser könne als Modell für eine moderne standortsgemäße Bestockung naturnahen Waldes dienen, weil der Einfluss des wirtschaftenden Menschen auf den Wald vor den großen mittelalterlichen Rodungen vernachlässigbar gewesen sei.

Diese Ansicht wurde zwar durch neue Untersuchungen in den Altsiedellandschaften eindeutig widerlegt, wird aber für den angeblich spät besiedelten Mittelgebirgsraum kaum hinterfragt.

Allerdings gibt es auch hier mittlerweile aus vegetationsgeschichtlichen Studien Hinweise auf prähistorische menschliche Eingriffe in den Wald der Mittelgebirge. Forstliche Forschung greift diese neuen Erkenntnisse auf.

Eisenzeitliche Waldwirtschaft

Die eisenzeitliche Waldwirtschaft war beispielsweise so effektiv, dass die "standortsgemäßen", "natürlichen" und bis dahin vorherrschenden Baumarten Rotbuche und Weißtanne weitgehend aus dem Pollenspektrum verschwinden.

Für die Weißtanne dürfte das ein Verschwinden auch im Waldbestand bedeutet haben, was nicht unbedingt für die Rotbuche gilt. Das in dieser Zeit von Hasel und Birke beherrschte Pollenspektrum und die niedrige Pollenkonzentration sind Hinweise auf eine Niederwaldwirtschaft, bei der die Rotbuche durchaus beteiligt gewesen sein kann, aber aufgrund kurzer Umtriebszeiten nicht mehr zur Blüte kam.

Eine solche Bewirtschaftung im Niederwald bietet sich an, wenn viel Holz als Energieträger produziert werden soll.

Ein Zusammenhang mit Köhlerei und Eisenverhüttung liegt auf der Hand.

Die Holzkohlekurve bleibt in dieser Phase dennoch unauffällig, was aber nicht verwundert, da ein abgedeckter und langsam vor sich hin glosender Meiler wenig Holzkohlestaub in die Atmosphäre freisetzt oder im nahen Moor ablädt, im Gegensatz zu offenen Bränden, zum Beispiel bei Wald-Feldbauverfahren.

Die Pollenkurven der Kulturzeiger belegen, dass die Betreiber von Waldwirtschaft und Meilern in der Nähe lebten und Land bewirtschafteten. Die Dimension der im Pollendiagramm (s. vollständigen Text) ablesbaren Eingriffe zeigt, dass in der näheren bis weiteren Umgebung kaum noch naturnahe Bergwälder, sondern ganz überwiegend als Nieder- oder Mittelwälder genutzte Wirtschaftswälder vorhanden gewesen sein dürften.

Schlägt man den Bogen zur den Erkenntnissen der Archäologie, so ergibt sich folgendes: Keltische Bergleute und Handwerker, die aus den bereits stark entwaldeten Lößgebieten in den Schwarzwald vordrangen, um Erze abzubauen und zu verhütten, beschafften die benötigte Holzkohle weiter im Gebirge. Dort stand Holz zunächst reichlich zur Verfügung.

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