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Artikel

Autor(en): Wolfgang Jirikowski
Redaktion: BFW, Österreich
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Briefmarke zu Ehren von Josef Ressel

Im Rahmen der Briefmarkenserie „Österreichische Erfindungen“ verausgabt die österreichische Post AG eine Sondermarke, die dem Forstmann und Erfinder der Schiffsschraube Josef Ressel (1793 – 1857) gewidmet ist.

Briefmarke Josef Ressel
Der Nennwert der Briefmarke beträgt € 0,80 und die Auflage 470.000 Stück. (Foto: Austria Forum-Briefmarken 2016)

Ressel, ein bedeutender österreichischer Forstmann, erhielt seine forstliche Ausbildung an der k.k. Forstlehranstalt in Mariabrunn im 14. Wiener Gemeindebezirk und war als Forstintendant in der k.k.Marine für die Sicherung der Holzversorgung und Wiederbewaldung der Karstlandschaft Istriens verantwortlich. Im Rahmen seiner beruflichen Tätigkeit machte Ressel einige Erfindungen, unter anderem die der Schiffschraube, welche erstmals beim Dampfer "Civetta" zum Einsatz kam.

Auf der Briefmarke, die als Kleinbogen ausgegeben wird,  ist Josef Ressel mit dem Modell der ersten Schiffschraube dargestellt. Die Zierfelder des schön gestalteten Markenblockes zeigen historische Abbildungen von Schiffen der k.k. Marine, sowie ein Autogrammfaksimile Ressels.

Das Leben des Josef Ressel

Josef Ressel (*1793), Sohn des deutschböhmischen k.k. Mauteinnehmers Anton Hermann Ressel und dessen Ehefrau Marie Anna Konvičková, besuchte ab 1806 das Gymnasium in Linz/Donau. Von 1812 bis 1814 studierte er an der Universität Wien unter anderem Mechanik, Hydraulik und Zivilarchitektur.

Bereits in seiner Wiener Zeit, 1812, entwarf er einen Propeller als Antriebsmöglichkeit für Schiffe. Da Ressels Eltern im Zuge der napoleonischen Kriegswirren verarmten, konnte er zur weiteren Vertiefung seiner Interessen das neue, im November 1815 eröffnete k.k. polytechnische Institut nicht mehr besuchen. Er bewarb sich um ein Stipendium an der Forstakademie Mariabrunn, wurde aber zunächst dort abgelehnt.

Ein aus Chrudim stammender Landsmann Ressels war Leibdiener bei Kaiser Franz I. und präsentierte diesem eine von Ressel gezeichnete lebensechte Skizze der Völkerschlacht von Leipzig. Der Kaiser war von der Arbeit so angetan, dass er dessen Urheber ein Stipendium aus seiner Privatschatulle bezahlte – und Ressel schloss das Studium 1817 mit Prädikat ab (mehr zum Leben auf wikipedia).

Ressel-Denkmal in Mariabrunn/Wien (Foto: Bundesforschungszentrum für Wald)
Ressel-Denkmal in Mariabrunn/Wien (Foto: Bundesforschungszentrum für Wald)

Nachhaltige Karstaufforstung

Ressel erhielt nach seiner Ausbildung einen Posten als Distriktförster in Pletriach (slowenisch Pleterje) in Unterkrain. Er war ein Verfechter des forstlichen Nachhaltigkeitsprinzips und gab Anregungen für die Karstaufforstung. Nach dem Wiener Kongress (1814/15), mit dem nach Triest auch Venedig unter österreichische Herrschaft gekommen war, wurde vom Kaisertum Österreich die k.k. Kriegsmarine im Mittelmeer aufgebaut. Es wurden als Holzlieferanten für die kaiserlichen Werften große Wälder angelegt. Die Aufgabe der Marineforste war es, Holz für den Schiffsbau der österreichischen Flotte in den Wäldern auszusuchen, die Vorräte zu berechnen und für die fristgerechte Lieferung der richtigen Hölzer zu sorgen.

Die Wälder beaufsichtigten und pflegten österreichische Forstbeamte, darunter befand sich auch Josef Ressel. Ressel fällt seinen Vorgesetzten auf durch Verbesserungsvorschläge zu den Messinstrumenten, den Berechnungs formeln und Vorschlägen bezüglich der Forstaufschließung. Einige seiner zahlreichen Erfindungen reicht er zur Patentierung ein. Es sind so unterschiedliche Themen wie eine Wein- und Ölpresse, ein Apparat zum Extrahieren vegetabiler Färbestoffe, ein Lager ohne Reibung und Schmiere (ein Kugellager-Vorläufer), ein Dampfwagen zur Beförderung von Personen und Gütern, ein stufenlos verstellbarer Pflug, eine pneumatische Briefrohrpost zwischen Wien und Triest und ein Vorläufer der heutigen Aufzüge in Bergwerken.

1821 wurde er zum kaiserlich königlichen Marineforstintendanten der küstenländischen Domäneninspektion in Triest ernannt. In seiner Freizeit arbeitete er weiter an seinem Schiffspropeller. Durch die Versetzung in die Hafenstadt Triest eröffnete sich für Ressel auch die Möglichkeit, seine Modellversuche in der Praxis fortzusetzen. Am 11. Februar 1827 wird Josef Ressel das Privileg Nr. 746 für eine "Schraube ohne Ende zur Fortbewegung der Schiffe" für die Dauer von zwei Jahren überlassen. Allerdings stieß er bei Schiffseignern und Reedern auf breite Ablehnung, die weiter auf Segel oder Schaufelrad als Antrieb setzen wollten. Enttäuscht zog sich Ressel in sein Forstamt zurück.

Parisaufenthalt

Im April 1829 unternahm er eine Reise nach Paris und ließ dort erneut eine Schiffsschraube bauen, die er einem begeisterten Publikum erfolgreich vorstellte. Da es Ressel aber versäumt hatte, mit der ausführenden französischen Firma einen Vertrag über die Nutzung der Schraube zu schließen, bemächtigten sich andere seiner Erfindung, ohne ihn am Erfolg mit profitieren zu lassen.

Schiffsschraube (Von Reinraum - Foto im Technischen Museum Wien selbst erstellt, CC BY-SA 3.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=27605643)
Erste funktionierende Schiffsschraube, Modell Technisches Museum Wien (Von Reinraum - Foto im Technischen Museum Wien selbst erstellt, CC BY-SA 3.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=27605643)

In Österreich wurde man auf Ressels Erfindung nach den Pariser Erfolgen erneut aufmerksam. In Triest wurde 1829 in der Werft von Odorico Panfilli das von einer sechs PS (4,4 kW) starken Dampfmaschine und von einer Resselschraube mit 1,58 m Durchmesser angetriebene Dampfschiff "Civetta" erbaut.

Die erste Versuchsfahrt am 1. Juli jenes Jahres verlief mit einer Geschwindigkeit von sechs Knoten (11 km/h) zunächst erfolgreich, musste dann allerdings nach dem Bruch eines weichgelöteten Dampfrohres abgebrochen werden. Nach diesem Fehlschlag erreichten die Kritiker Ressels beim Polizeichef von Triest ein Verbot der Reparatur der Maschine sowie die Untersagung der Fortsetzung der Versuche mit der Civetta.

Ressel prozessierte zwar sofort gegen das Verbot, der Prozess zog sich aber über Jahre hin, und die Gerichtskosten ruinierten ihn. Außerdem wurde er von Triest zu einer neuen Dienststelle im Landesinneren nach Montona/Motovun in Istrien versetzt.

Josef Ressel verstarb am 9. Oktober 1857 auf einer Dienstreise in Laibach.

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