Der Buchdrucker (Ips typographus) ist die wirtschaftlich bedeutendste Borkenkäferart der Schweiz. Nachdem als Folge der Orkans Lothar 1999 die Populationen des Buchdruckers in noch nie dagewesenem Masse zugenommen hatten, beruhigte sich die Situation ab 2007 weitgehend (Abb. 2). Seit 2018 steigen die Zwangsnutzungen aufgrund von Käferbefall jedoch wieder stark an.

Alle Kantone der Alpennordseite, mit der Ausnahme des Kantons Zug, meldeten 2019 eine weitere Zunahme der Käferholzmengen. Dabei variierte der Anstieg vom 1.3-fachen bis hin zum 18-fachen Wert der Vorjahreszwangsnutzungen. Ein Grund hierfür war sicherlich die dritte Käfergeneration, welche sich 2018 in den Tieflagen entwickeln konnte und so dem Borkenkäfer einen guten Start in die neue Saison ermöglichte.

Weil durch die Trockenheit 2018 zudem bereits viele Fichten geschwächt waren, fanden die ausfliegeden Käfer ausreichend Brutmaterial vor. Auf einen durchschnittlichen Frühling folgte 2019 der drittheisseste Sommer seit Messbeginn und verhalf so den Käfern zu guten Entwicklungsverhältnissen. Regionale Zunahmen wurde auch aus den Alpen gemeldet. Auf der Alpensüdseite nahm die Käferholzmenge jedoch weiter ab.

Im Vergleich zum Vorjahr hat sich 2019 die Anzahl neuer Befallsherde um den Faktor 1.6 von 9’200 auf 15’000 erhöht – dem zweithöchsten Wert seit dem Hitzesommer 2003. Mit insgesamt 1615 Lockstofffallen (ca. 300 mehr als noch 2018) in 22 Kantonen wurden durchschnittlich 23’000 Käfer pro Falle gefangen. Auch hier handelt es sich um eine Zunahme um einen Faktor 1.6 und den höchsten Wert in der unten abgebildeten Zeitreihe.

Ausblick

Sollte sich die Witterung im Jahr 2020 wieder einigermassen normalisieren, dürfte der Höhepunkt der Massenvermehrung erreicht sein. Für 2020 muss aber nochmals mit sehr viel Käferholz gerechnet werden, dies vor allem in den Regionen mit bis anhin schon hohen Borkenkäfer-Befällen, insbesondere in den Tieflagen des nördlichen Mittellandes.

Die Buchdruckerpopulation bleibt in diesen Gebieten auf hohem Niveau, einerseits wegen weiterhin gestresster Fichten, aber auch wegen den beträchtlichen Anteilen an nicht genutztem oder nicht abgeführtem Käferholz. Die Entwicklung des Holzmarktes wird auch eine entscheidende Rolle spielen. Ebenso könnten erneute Sturmschäden oder Hitze- und Trockenperioden eine Beruhigung der Käfersituation hinauszögern. In Regionen mit derzeit vielen Sturmschäden wird 2020 zuerst das liegende Sturmholz besiedelt werden. Räumt man dieses nicht rechtzeitig, so wird der nachfolgende Befallsdruck auf stehende Fichten erneut gross sein.

(TR)