Chancen eines länderübergreifenden Austausches

1981 war Graubünden Wald eines der Gründungsmitglieder des Vereins ARGE Alpenländischer Forstvereine. Heute besteht er aus 8 Forstvereinen aus 5 Alpenländern. Die Aufgaben dieses internationalen Vereins beschränken sich dabei nicht auf die zu erwartende, reine Branchenarbeit oder Lobbyismus. Mit dem Lehrgang Bergwaldmanager/in besteht auch ein konkretes Angebot für jedes Einzelmitglied. Wie das genau aussieht und wie die Teilnehmenden davon profitieren, dazu gibt Magistra Monika Arzenberger (mehrfache Mitorganisatorin des Lehrgangs) Auskunft.

ARGE Alpenländische Forstvereine

Gründung:  1981, eingetragener Verein seit 2015
Mitglieder:  8 Forstvereine
Zweck:  Zwischenstaatlicher Gedankenaustausch, Problemen der Waldbewirtschaftung mit gemeinsamen Lösungsansätzen begegnen
Regelmässige Aktivitäten:  Fachtagung alle 3 Jahre,
jährlich Schutzwaldpreis

Infos:  www.arge.forstvereine.eu

Lehrgang Bergwaldmanager/in

In ihrer täglichen Arbeit erleben Waldfachleute, dass zum Erfolg nicht nur viel forstliches Know-how und Erfahrung gehören, sondern es ist ebenso wichtig, alle Interessensgruppen, die den Wald nutzen möchten, einzubinden. Wie für die Waldbewirtschaftung braucht es auch für die Kommunikation und die Beteiligung der verschiedenen Interessensgruppen das passende Handwerkszeug.

Im Rahmen des INTERREG-Projekts Schutzwaldplattformen/ -foren in Tirol und Bayern (2009-2012) wurde ein Weiterbildungskonzept entwickelt, in dem Forstfachleute nicht nur in der Theorieüber Moderation, Partizipation, Umgang mit Konflikten, Projektmanagement und Öffentlichkeitsarbeit reden, sondern das gemeinsam Gelernte in eigenen Praxisprojekten erproben können und dabei kollegiale Unterstützung erfahren.

2010 wurde der erste Lehrgang angeboten. An konkreten Beispielen aus dem Arbeitsalltag im Berg- und Schutzwaldmanagement lernen die Teilnehmenden kommunikative Strategien und der Einsatz vorn partizipativen Verfahren zum Interessensausgleich zwischen den verschiedenen Anspruchsgruppen (Forst, Gemeindeverwaltungen, Waldbesitzer, Tourismus, Wasserwirtschaft, Jagdvertreter, Naturschutz usw.) kennen. Ziel ist es, Wege aufzuzeigen, wie der Informations- und Wissensaustausch gelingen kann, um sich mit allen Beteiligten und Betroffenen über Planungen und Massnahmen in der Bergwaldregion abzustimmen.

Das Konzept des "voneinander, miteinander und übereinander Lernens" und die positiven Rückmeldungen aus den Forstverwaltungen hat auch die ARGE Alpenländische Forstvereine überzeugt und das Weiterbildungskonzept wurde 2011 mit dem Alpinen Schutzwaldpreis ausgezeichnet.

Nach dem Ende des INTEREG-Projekts wurde ein neuer Träger für den modular aufgebauten Lehrgang gesucht. Die ARGE Alpenländische Forstvereine e.V. hat ab 2013 diese Aufgabe übernommen. Im November 2016 haben die Teilnehmenden des sechste Weiterbildungsjahrgangs aus den deutschsprachigen Alpenregionenmit dem Zertifikat "Bergwaldmanager/in" abgeschlossen. Somit hat sich das Netzwerk der Absolventen auf 104 Personen erweitert.

Inhalte

In insgesamt 7 Lehrgangstagen, verteilt auf 3 Module, werden folgende Inhalte vermittelt:

  • Grundlagen der Beteiligung im ländlichen/öffentlichen Raum
  • Grundlagen der Prozessplanung (Projektmanagement)
  • Grundlagen der Kommunikation und Gruppendynamik
  • Beteiligungsmethoden und –verfahren; grosse Gruppen moderieren
  • Umgang mit Konflikten, Grundlagen der Konfliktmoderation
  • Presse- und Öffentlichkeitsarbeit

Zwischen den 3 Modulen erarbeiten die Teilnehmenden ein konkretes Praxisprojekt und tauschen sich in länderübergreifenden Lernpartnerschaften über den eigenen Arbeitsalltag aus.

Weiterentwicklung

Um das Netzwerk der Bergwaldmanager/innen langfristig zu stärken und den Lehrgang an die sich verändernden Anforderungen der Arbeitgeber anzupassen, wird das Weiterbildungskonzept aktuell weiterentwickelt. Geplant ist, die Fortbildung so zu gestalten, dass neben dem Zertifikat Bergwaldmanager/in auch das europäische CECRA-Zertifikat für Beratung im ländlichen Raum erworben werden kann. Das CECRA-Zertifikat ist ein anerkannter beruflicher Qualifikationsnachweis. 2018 soll das neue Angebot an den Start gehen.